mini|300px|Simon de Monfort nach einer Illustration aus einem Glasfenster der Kathedrale von Chartres.
Simon V. von Montfort (* um 1208; † 4. August 1265 in Evesham, Worcestershire), 6. Earl of Leicester, war ein englischer Magnat französischer Abstammung aus dem Adelsgeschlecht Montfort-l’Amaury und Schwager des Königs Heinrich III. von England. Montfort war der Anführer der ersten Revolution auf englischem Boden, de facto Regent Englands und mit Ausruf des nach ihm benannten De Montfort’s Parliaments Begründer des House of Commons. Er starb im Kampf gegen die Truppen seines Schwagers.
Jugend Montfort war der jüngste Sohn von Simon IV. von Montfort und der Alix de Montmorency. Er wurde wohl kurz vor Beginn des Albigenserkreuzzugs geboren, den sein Vater bis zu dessen Tod 1218 angeführt hatte. Als jüngerer Sohn wuchs Montfort fast mittellos in Frankreich auf, beteiligte sich aber ab 1226 an der Revolte gegen die Regentin Blanka von Kastilien, worauf er das Land verlassen musste. Im April 1230 wird er erstmals am Hof König Heinrichs III. in England genannt.
Montfort war über seine Großmutter väterlicherseits selbst von anglo-normannischer Abkunft und verfügte somit über Erbrechte in England. Dieses Erbe bestand hauptsächlich aus dem Earldom Leicester, da sich aber sein Vater einst als Angehöriger der französischen Nobilität loyal zum französischen König erklärt hatte, wurden die englischen Montfort-Ländereien von König Heinrich III. eingezogen und später anderweitig vergeben. Simon de Montfort wie auch sein älterer Bruder, Amalrich, setzten sich nun für eine Restitution des umstrittenen Besitzes ein. Die Brüder vereinbarten dazu im Winter 1230 einen gegenseitigen und von den Monarchen Englands und Frankreichs geforderten Erbverzicht, womit eine Überschneidung von Familieninteressen in beiden Königreichen unterbunden werden sollte. Während der ältere Bruder, Amalrich, die Stammbesitzungen in Frankreich behielt, sollte Simon das englische Erbe übernehmen. Dazu leistete er am 13. August 1231 gegenüber König Heinrich III. den Lehnseid für sein großmütterliches Erbe und als im Oktober des Jahres Ranulph de Blondeville, 4. Earl of Chester, erbenlos gestorben war, konnte er davon auch den größten Teil tatsächlich in Besitz nehmen, denn dem Earl of Chester war in den vorangegangenen Jahren das Montfort-Erbe übertragen worden.
Damit war Simon de Montfort in die englische Nobilität naturalisiert und zu einem engen Vertrauensmann König Heinrichs III. aufgestiegen. Doch trotz seiner familiären Abstammung wurde er von der etablierten anglo-normannischen Feudalgesellschaft mit Misstrauen betrachtet. Von den englischen Baronen wurde er dem Kreis jener vom Festland stammenden Adligen (Poitevins genannt) zugerechnet, welche am Hof über eine starke Position und über einen großen Vertrauenseinfluss auf den König verfügten.
Heirat und Aufstieg mini|250px|Das Wappen Simons de Montfort, 6. Earl of Leicester Am 7. Januar 1238 heiratete Montfort mit der Zustimmung des Königs in der königlichen Kapelle von Westminster (St. Stephen) die Schwester des Königs, Eleanor. Als die Ehe publik wurde, rief sie umgehend den Protest der führenden Adelsvertreter hervor, an deren Spitze der Königsbruder Richard of Cornwall stand, die sich in dieser Frage übergangen fühlten. Um den Baronen entgegenzukommen, wurde Montfort aus dem königlichen Rat ausgeschlossen. Die Ehe stieß aber auch im englischen Klerus auf Kritik, da sich Eleanor nach dem Tod ihres ersten Mannes, William Marshal, 1231 bereit erklärt hatte, den Schleier zu nehmen. Obwohl sie dies nicht unter Eid geschworen hatte, wurde Montfort aufgetragen, persönlich nach Rom zu reisen, um sich dort die Ehe vom Papst genehmigen zu lassen. Auf seiner Reise machte er unter anderem die Bekanntschaft mit Kaiser Friedrich II., den er nach dessen Sieg bei Cortenuova traf und von dem er eine persönliche Empfehlung für den Papst erhielt. Am 10. Mai 1238 erhielt Montfort von Papst Gregor IX. schließlich die legitimierende Dispens für seine Ehe. Am 14. Oktober 1238 war Montfort wieder in England, wo kurz darauf seine Frau in Kenilworth den Sohn Henry, benannt nach dem König, gebar. Am 2. Februar 1239 wurde er endlich in aller Form zum Earl of Leicester ernannt und im Juni 1239 wurde er der Taufpate seines Neffen und späteren Königs Eduard.
Am 9. August 1239 kam es aber bei einem gemeinsamen Kirchgang überraschend zu einem persönlichen Bruch zwischen Montfort und dem König. Der Chronist Matthäus Paris berichtete, dass der König seinem Schwager unvermittelt schwere Vorhaltungen ob der Ehe mit seiner Schwester machte, die kirchenrechtlich unrechtmäßig sei. Die vorangegangene päpstliche Dispens, durch welche die Ehe letztlich legitimiert wurde, schien der König dabei zu ignorieren. Mitsamt seiner Familie verließ Montfort noch am selben Tag London und begab sich anschließend nach Frankreich ins Exil.
Hinter der Kritik des Königs an der Ehe Montforts wird in der jüngeren Geschichtsforschung vor allem ein politisches Motiv vermutet. Denn nur wenige Monate zuvor wurde Kaiser Friedrich II. von Papst Gregor IX. gebannt, womit ein großer Konflikt zwischen den beiden höchsten weltlichen Gewalten der christlichen Welt seinen Anfang nahm. Offenbar beabsichtigte König Heinrich III. von England, sich von seinem kaiserlichen Schwager zu distanzieren, um die päpstliche Gunst nicht zu verlieren, zumal er sein eigenes Königtum einst gegen die Bedrohung Frankreichs unter päpstlichen Schutz gestellt hatte. Die Entfernung Montforts vom königlichen Hof, der sich bei seiner Romreise mit dem Kaiser angefreundet hatte, dürfte damit ein weiteres Bekenntnis des Königs zur päpstlichen Sache dargestellt haben.
In königlichen Diensten In der Zeit seines Exils korrespondierte Montfort mit einigen einflussreichen englischen Klerikern seiner Zeit: Robert Grosseteste, Bischof von Lincoln, Walter de Cantilupe, Bischof von Worcester, und dem Franziskaner Adam Marsh. Besonders der Fürsprache des ersteren verdankte er im April 1240 seine Wiederaufnahme in der königlichen Gunst, verbunden mit der Rückkehr an den englischen Königshof. Zusammen mit seinem Schwager, Richard of Cornwall, nahm er das Kreuz und beteiligte sich am englischen Zug des Kreuzzuges französischer Barone (Kreuzzug der Barone), der von König Theobald I. von Navarra bereits 1239 initiiert wurde. Während sein Schwager direkt von Marseille nach Akkon segelte, machte Simon in Begleitung seiner Frau einen Zwischenhalt im italienischen Brindisi, um sich erneut mit Kaiser Friedrich II. zu treffen. Während seine Frau danach allein nach England zurückreiste, zog er dem Kreuzzug nach Palästina hinterher. Im heiligen Land genoss Montfort bei den einheimischen Baronen einen so herausragenden Ruf, dass sie beim Kaiser darum baten, ihn zu ihrem Regenten zu ernennen.Reinhold Röhricht, Regesta, S. 286 – der Brief der Barone an den Kaiser datiert auf den 7. Mai 1241. Nachdem der Kaiser diese Bitte zurückgewiesen hatte, reiste Montfort im Sommer 1241 nach Europa zurück.
Möglicherweise traf er auf der Reise in Apulien erneut den Kaiser, jedenfalls aber starb dort sein Bruder Amalrich, der ebenfalls am Kreuzzug teilgenommen hatte.
In Frankreich angekommen, schloss sich Montfort sofort dem Heer König Heinrichs III. an, der gerade einen Feldzug gegen König Ludwig IX. von Frankreich führte. In der Schlacht bei Taillebourg (Juli 1242) mussten die englischen Truppen allerdings eine Niederlage gegen die Franzosen hinnehmen. Zurück in England stand Montfort nun wieder voll in der Gunst Heinrichs III., von dem er nun die Burg Kenilworth geschenkt bekam. Im Oktober 1247 handelte er in Paris als englischer Bevollmächtigter eine Verlängerung des Waffenstillstandes mit Frankreich von 1242 auf weitere fünf Jahre aus. Im Folgejahr nahm er erneut das Kreuz, um sich dem Kreuzzug Ludwigs IX. nach Ägypten (Sechster Kreuzzug) anzuschließen, verzichtete dann aber doch auf eine Teilnahme, nachdem er von Heinrich III. zum Lieutenant der Gascogne, dem letzten französischen Besitz der Plantagenets, ernannt worden war. In der Gascogne hatte Montfort gegen die Bedrohung seitens Kastiliens und eines anhaltenden Widerstands lokaler Vasallen, besonders des Vizegrafen Gaston VII. von Béarn, anzukämpfen, was ihm durch mangelnde finanzielle und materielle Unterstützung aus England zusätzlich erschwert wurde. Letztlich musste er private Mittel verwenden, um die englische Herrschaft in der Gascogne zu wahren. Trotz dieses Einsatzes geriet er durch die Beschwerden der gascognischen Adligen bei Heinrich III. erneut in Ungnade, weshalb er sich 1251 in einem regelrechten Gerichtsverfahren der Anklage wegen Hochverrats durch Überschreiten seiner Kompetenzen stellen musste. In der Verhandlung trat Montfort auf, als sei er dem König ebenbürtig, nicht untertan, und äußerte über den Vorwurf des Verrats: Simon Schama: A History Of Britain 3000BC–AD1603. BBC Worldwide, London 2000, ISBN 0-563-38497-2, S. 175. ()
Indem er dem König die Stirn geboten hatte, konnte Montfort die Sympathien seiner englischen Standesgenossen für sich gewinnen, denen er letztlich den Freispruch von allen Anklagen verdankte. Dennoch kehrte er 1252 noch einmal in die Gascogne zurück und zog es anschließend vor, sich in Frankreich niederzulassen. Vor allem finanzielle Fragen belasteten weiter sein Verhältnis zu seinem Schwager. So zögerte Heinrich III. die Auszahlung des Wittums aus Eleonores erster Ehe hinaus und verweigerte weiterhin eine Entschädigung für Montforts privates Engagement in der Gascogne. Als in Frankreich 1252 die regierende Königin Blanka von Kastilien gestorben war, wurde Montfort vonseiten des französischen Hofs die Regentschaft über das Land für die Zeit der Abwesenheit Ludwigs IX. angeboten, die er aber ablehnte. Unter Vermittlung des im September 1254 heimgekehrten Ludwig IX. wurde ihm zumindest ein kleiner Teil seines Kredits vom englischen König zurückerstattet.
Gegner des Königs – die Provisions of Oxford mini|300px|Auf dem am 18. Juli 1965 vom Erzbischof von Canterbury im Namen des Speakers des House of Commons geweihten Gedenkstein vor der ehemaligen Abtei von Evesham wird Simon de Montfort als „Pionier eines repräsentativen Regierungssystems“ gewürdigt.
Während Montfort seine Jahre zurückgezogen in Frankreich verbrachte, manövrierte sich König Heinrich III. zunehmend in einen tiefen Konflikt mit den englischen Baronen. Ausschlaggebend war dabei Heinrichs starkes Engagement zur Gewinnung des Königreichs Sizilien für seinen jüngeren Sohn, Edmund Crouchback. Papst Alexanders IV. hatte Edmund den Thron Siziliens angeboten, weil er sich dadurch die Vernichtung der Staufer unter König Manfred erhoffte. König Heinrich III. hatte dieses Angebot ohne vorherige Konsultation der Barone angenommen und eine Kreuzzugsteuer zur Finanzierung des Unternehmens erhoben. Gerade dies aber führte zu einer tiefgreifenden Verbitterung unter den Baronen, auf deren Schultern in erster Linie die finanzielle und militärische Last gelegt werden sollte. Damit überspannte der König aber seinen Stand unter den Baronen, bei denen er aufgrund eines leeren Kronschatzes überhaupt schon hoch verschuldet war. Auch gegenüber Montfort war Heinrich III. aufgrund des Ankaufs der Grafschaft Bigorre zum Schuldner geworden, indem Montfort für den Großteil der Kaufsumme aufgekommen war. Zum Ausgleich wurden ihm allerdings Nutzungsrechte im Bigorre eingeräumt.