Das Gefecht von Piva Forks, auch Gefecht am Numa-Numa-Trail genannt, fand auf der Insel Bougainville im Südpazifik während der Bougainville-Kampagne im Pazifikkrieg zwischen den USA und dem Japanischen Kaiserreichstatt. Zwischen dem 18. und dem 25. November 1943 erweiterten die US-Streitkräfte ihren Brückenkopf, den sie nach der Landung am Kap Torokina auf der Westseite der Insel errichtet hatten.
Als Antwort auf den amerikanischen Vormarsch hatten die japanischen Streitkräfte Straßensperren an den Vormarschachsen errichtet. Die US-Streitkräfte rückten am Piva-Fluss, der sich kurz davor in einen Ost- und einen Westlauf geteilt hatte, bis in die Nähe des Numa-Numa-Trails und des East-West-Trails vor und fanden die Wege gesperrt. Sie versuchten, die Hindernisse mit Gewalt zu beseitigen und griffen an. Nachdem der erste US-Angriff von den japanischen Streitkräften abgewehrt worden war, griffen jetzt die Japaner an, wurden aber ebenfalls abgewehrt und die US-Marines konnten ihren Vormarsch sowohl am Westarm als auch am Ostarm des Piva-Flusses fortsetzen. Bis zum 26. November waren nach der Eroberung eines Hügels mit Blick auf den East-West-Trail durch US-Streitkräfte die Kämpfe eingeschlafen und war damit auch ein vorübergehendes Ende der japanischen Versuche, den US-Brückenkopf um Torokina zu eliminieren.
Hintergrund links|mini|hochkant|Bougainville 1943
Am 1. November 1943 landete die 3. Marinedivision unter Generalmajor Allen H. Turnage am Kap Torokina in der Nähe der Kaiserin-Augusta-Bucht an der Westküste von Bougainville.Tanaka, 1980 S=72 Die Landungen wurden als Teil der Bemühungen der Alliierten unternommen, die japanische Hauptbasis um Rabaul durch die Operation Cartwheel zu isolieren.Miller, 1959 S. 222–225 Auf Bougainville war die 17. japanische Armee unter Generalleutnant Hyakutake Seikichi, die zu General Imamura Hitoshi's 8. Regionalarmee, die in Rabaul stationiert war, gehörte. Die 6. japanische Division unter Generalleutnant Kanda Masatane war die Einheit, gegen die die US Marines hauptsächlich kämpften.Miller 1959 S. 328
Nach der US-Landung wurde eine Gegenlandung von japanischen Truppen mit dem Gefecht an der Koromokina-Lagune abgewehrt und auch ein Angriff über Land wurde am Piva Trail zurückgeschlagen. Danach wurde der Brückenkopf von den Marines langsam vergrößert und die Arbeit an mehreren Flugfeldern begann. Von dort aus sollten Luftschläge gegen Rabaul gestartet werden.Morison 1975 S=347–348 & 362 Nach dem Gefecht am Coconut Grove am 13. und 14. November 1943 hatten amerikanische Patrouillen sporadisch Kontakt mit japanischen Streitkräften. Dokumente, die bei einem japanischen Offizier gefunden wurden, der in einem Hinterhalt getötet wurde, lieferten den US-Streitkräften Einzelheiten die Dispositionen der japanischen Streitkräfte in der Region und zeigten, dass Straßensperren von Soldaten des japanischen 23. InfanterieregimentesRentz 1946 S. 61 sowohl den Numa-Numa-Trail als auch den East-West-Trail blockierten. General Roy Geiger, Kommandant des I. Marine Amphibious CorpsMorison 1975 S=348 plante eine Erweiterung des Brückenkopfes um Torokina bis zu einer neuen Verteidigungslinie mit der Bezeichnung 'Easy' weiter landeinwärts. Geiger plante, die Linie bis zum 20. November 1943 zu erreichen. Am 18. November entdeckten US-Patrouillen eine japanische Straßensperre auf dem Numa-Numa-Trail etwa 900 m vor dem Brückenkopf, während eine andere Patrouille eine Straßensperre auf halbem Weg zwischen den beiden Armen des Piva-Flusses am East-West-Trail vorfand.Shaw&Kane 1963 S=256
Die US-amerikanischen Truppen bereiteten sich darauf vor, diese Straßensperren zu beseitigen, da sie ihnen bei der Erreichung der Verteidigungsstellung 'Easy' im Weg waren. Das 3. Marine Raider Bataillon wurde dem 3. Marine Regiment zugeordnet um die Straßensperre am East-West-Trail anzugreifen, während das 3. Bataillon des 3. Marine-Regiments die Sperre am Numa-Numa-Trail beseitigen sollte.Chapin 1997 S=22
Das Gefecht Am 19. November ging das 3. Bataillon des 3. Marineregiments – begleitet von leichten Panzern – vor dem 129. Infanterieregiment in Stellung. Dem Angriff ging eine Artillerievorbereitung des 12. Marineregiments voraus und die japanischen Verteidiger wurden zurückgedrängt. Sechzehn tote Japaner wurden gefunden und etwa 100 Schützenlöcher gezählt. Daraus schlossen die Amerikaner, dass mindestens eine Kompanie dort in Stellung gewesen war. Danach errichteten die Amerikaner eine Verteidigungsstellung an der Kreuzung vom Numa-Numa-Trail und dem Fluss Piva um sich gegen einen möglichen japanischen Gegenangriff zu verteidigen. Zwei Marine Bataillone verstärkten die Stellungen am Numa-Numa-Trail und ein weiteres Bataillon ging hinter der Verteidigungslinie in Stellung und geriet unter sporadisches Feuer von 90-mm-Mörsern.
rechts|mini|300px|Das Gefecht von Piva Forks, 19. November 1943
links|mini|hochkant|Japanische Soldaten mit einem 90-mm-Mörser
Am Morgen des 20. November griffen die japanische Truppen an und versuchten, die Positionen der Marines entlang des Numa-Numa-Trails zu an den Flügeln zu umgehen. Der Angriff wurde abgewehrt aber die Angreifer blieben in der Nähe und Scharfschützen und Mörser nahmen die Marines unter Feuer. Die Marines rückten mit Unterstützung von leichten Panzern auf die beiden Gabelungen des Flusses Piva vor, um diese Bedrohung zu beseitigen. Bei dem Nahkampf auf dem Pfad wurden zwei der Panzer außer Gefecht gesetzt.Shaw & Kane 1963 S=257 Als die Front sich ausdehnte, wurde das 3. Marine Raider Bataillon in die Lücke zwischen dem 129. Infanterieregiment und dem 3. Marine Regiment geschoben.
Das 2. Marine Raider Bataillon rückte über die westliche Gabelung des Piva Flusses vor, um die japanischen Stellungen zwischen den Gabelungen des Flusses einzunehmen. Sie rückten mit Hilfe einer schnell errichteten hölzernen Brücke über den Fluss vor. Auf dem Vormarsch wurden sie von Scharfschützen und von einigen MG Nestern beschossen, fanden aber die japanischen Stellungen verlassen und mit Sprengfallen versehen vor. Das Bataillon ging zu beiden des East-West-Trails und zwischen den beiden Flussgabeln in Stellung. Das 21. Marineregiment nahm dann eine Sperrposition hinter dem 3. Marineregiment ein.
Am späten Nachmittag des 20. November 1943 besetzte ein Platoon (ca. 40 Mann + 1 Offizier) nach einem steilen Aufstieg einen etwa 120 m hohen Hügelrücken, von dem aus man die gesamte Umgebung der Kaiserin-Augusta-Bucht überblicken konnte und der den East-West-Trail und den Bereich der Flussgabelung beherrschte. Als sie kurz vor Sonnenuntergang den Gipfel erreichten, machten sie sich daran, Verteidigungspositionen zu errichten, wobei Maschinengewehre entlang wahrscheinlicher Angriffsrouten aufgestellt wurden.
Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass der Hügel auch von den japanischen Truppen als Beobachtungspunkt genutzt wurde, nachts allerdings geräumt wurde. Die Amerikaner schossen auf die sich nähernden japanischen Soldaten, die sich daraufhin zurückzogen. Im Laufe des Tages griffen japanische Truppen wiederholt den Hügel an, um ihn zurückzuerobern. Die inzwischen durch weitere Maschinengewehre und Mörser verstärkten Marines konnten die Angriffe abwehren und die Stellung halten.Shaw&Kane 1963 S=257–258. Der Hügelrücken bekam daraufhin den Namen 'Cibik Ridge' nach dem Kommandeur des Platoons, Lieutenant Steve J. Cibik.Rentz 1946 S. 65
Die von General Geiger geplante Expansion des Brückenkopfes bis zur inländischen Verteidigungslinie 'Easy' begann am 21. November um 7:30 früh. Das 21. Marine Regiment rückte langsam vor, überquerte den Piva Fluss ohne Probleme und am frühen Nachmittag hatten die Marines die geplanten Positionen erreicht.Shaw&Kane 1963 S=258 An der linken Flanke wurde ein Platoon von einer starken japanischen Patrouille angegriffen, konnte sich aber verteidigen und die Angreifer zurückschlagen.
Die japanischen Kräfte verteidigten sich verbissen gegen die angreifenden Marines des 3. Regiments,Shaw&Kane 1963 S=259 aber trotzdem gelang es den Amerikanern den Piva Fluss überqueren und auf eine kleine Anhöhe vorzurücken, wo sie dann unter starkes japanisches Feuer gerieten und die japanischen Truppen ihre Stellungen halten konnten, bis ein starker Angriff sie zurückwarf. Allerdings nahmen sie die Amerikaner unter heftiges Mörserfeuer, so dass die US-Truppen in den alten japanischen Schützenlöchern Deckung suchen mussten. Trotz ihrer Verluste konnten sich die Marines jedoch halten.
Die starke japanische Stellung bestand aus etwa 20 Pillboxen zu beiden Seiten des East-West-Trails nahe der östlichen Gabelung des Piva Flusses. Die Marines griffen die Straßensperre an, konnten nach heftigen Nahkämpfen die erste Reihe von Bunkern durchbrechen, kamen aber dann nicht weiter voran. Japanische Kräfte konnten Flankenangriffe, die zur Entlastung gestartet worden waren, erfolgreich abwehren. Die Marines zogen sich zurück, als die japanischen Stellungen genauer erkannt worden waren und mit Hilfe von Artillerie konnten die japanischen Befestigungen zerstört werden. Obwohl die japanischen Truppen versuchten, in Kontakt zu bleiben, gelang der Rückzug der Marines. Sie konnten auch einen japanischen Zangenangriff am East-West-Trail in Nahkämpfen mit Maschinengewehren abwehren.
rechts|mini|300px|Das Gefecht von Piva Forks, 20. November 1943
Die Truppen des 23. japanischen Regiments waren tief in ihren Stellungen eingegraben und deshalb stoppten die US Marines auch ihren Vormarsch, als sie etwa 1 km weit östlich des Piva Flusses vorgedrungen waren. Auch die US-Infanterie vom 129. Regiment rückte ca. 1.000 m ungehindert vor, bis sie vor den japanischen Stellungen war.Shaw&Kane 1963 S=259–260 Die Amerikaner machten Pläne für den Angriff auf die Stellungen, über die sie durch die gefundenen Dokumente gut informiert waren. Die japanischen Stellungen waren nach Süden ausgerichtet und die Amerikaner planten einen Angriff von West nach Ost und trafen Vorbereitungen für die Durchführung am 24. November.Shaw&Kane 1963 S=260 Als Bewaffnung und Ausrüstung in Positionen hinter das 3. Marine Regiment in Frontnähe gebracht werden sollten, wurden die Straßen von Seabees verlängert, die sie so nah wie möglich an die Gabelungen des Piva-Flusses heranführten. Obwohl Scharfschützen und Mörser sie unter Feuer nahmen, errichteten sie Brücken über den Piva-Fluss. Große Mengen an Munition, Rationen und medizinischen Hilfsgütern wurden an die Front geschickt und Verwundete zur Erstversorgung zu einem Feldlazarett am Anfang der Straße gebracht.
Am 22. November gruppierten sich die US-Truppen wegen des bevorstehenden Angriffs um Shaw&Kane 1963 S=260-261 und am folgenden Tag rückten Artilleriebeobachter des 12. Marine-Regiments wegen der guten Beobachtungsmöglichkeiten auf den 'Cibik Ridge'.Rentz 1946 S=69. Da die US-Artillerie und die Mörser im Bereich vor ihren Stellungen positioniert waren, verwendeten die Marines in den Frontlinien farbige Rauchgranaten, um ihre Positionen zu markieren. Die Japaner verwendeten dieselben Farben, um US-Stellungen zu markieren, und die japanische Artillerie konnte mit mehreren Salven die vorderen Stellungen der Amerikaner beschießen. Japanische Geschütze mit großer Reichweite beschossen auch den Flugplatz Torokina und eine Reihe von LSTs, die in der Nähe von Kap Torokina entladen wurden. Als Reaktion darauf koordinierten die vorgeschobenen Artilleriebeobachter der Marines Feuerschläge gegen mehrere Stellungen, von denen sie glaubten, dass sich die japanischen Kanonen dort befinden könnten. Immerhin endete kurz darauf das Feuer. Trotzdem beunruhigte das japanische Artilleriefeuer die US-Kommandanten, die bereits besorgt waren über Berichte, dass die Stärke der japanischen Streitkräfte, die das Gebiet um das Dorf Kogubikopai-ai verteidigten, zwischen 1.200 und 1.500 Mann lag.