Hugo Westberg (geb. am 29. Dezember 1873 in Jönköping, Schweden; gest. am 3. November 1940 ebenda) als Sohn von Per Johan Westberg Svensson (1832–1910) und Lovisa Westberg Svensson, geb. Hallgren (1833–1888) war ein schwedischer Kunstschreiner und Möbeldesigner. Er war u. a. in Berlin und Weimar im Umfeld von Henry van de Velde als dessen Mitarbeiter tätig, wie zeitweise auch Erica von Scheel, Thilo Schoder und Sigurd Frosterus. Im Unterschied zu diesen war er von 1901 bis 1926 dauerhaft für van de Velde tätig.

Leben Westberg ging nach Berlin, um sich als Schreiner fortzubilden. Van de Velde suchte per Anzeige einen Zeichner und Westberg bewarb sich. Er war bei van de Velde ab 1901 angestellt und fast wie ein Familienmitglied aufgenommen worden.Elie George Haddad: Henry Van De Velde on Rational Beauty, Empathy and Ornament, Cambridge 2022, S. 115. Henry van de Velde überzeugte Westberg, den Wohnortwechsel nach Weimar mitzumachen.Henry van de Velde: Geschichte meines Lebens, Neuntes Kapitel: Weimar I – Auf der Höhe des Schaffens Van de Velde und Westberg wohnten in der Cranachstraße, unweit der Villa Silberblick, also der Villa, in der das Nietzsche-Archiv untergebracht war. Obwohl Henry van de Velde keinen Wert darauf legte, den Anteil seiner Assistenten an seinem Werk zu dokumentieren, sind ihm für die Weimarer Zeit die detailliertesten Angaben über Westberg zu verdanken. Westberg hatte einen bedeutenden Anteil an Entwurf und Realisierung der Villa Esche.

Westberg agierte in Weimar für van de Velde als Ansprechpartner zur Möbelfabrik Hermann Scheidemantel. Diese Firma setzte alle Möbelentwürfe Henry van de Veldes in der Weimarer Zeit um,Henry van de Velde: Geschichte meines Lebens, S. 206, Bron 2008. so auch den Innenausbau des Nietzsche-Archivs.Volker Wahl: „Das neue Weimar“ – zwei Texte von Hans Rosenhagen und Max von Münchhausen 1903/04, in: Weimar – Jena: Die große Stadt 6/1 (2013) S. 60–80. Hier S. 79 Anm. 46. Die Firma von Hermann Scheidemantel wurde von van de Velde sehr geschätzt und in seinen Erinnerungen mehrfach erwähnt.Henry van de Velde: Geschichte meines Lebens, Bron 2008.

Westberg schuf fast alle Ausführungszeichnungen für die Fabrikation und die Entwurfsvorlagen für die Kunden.Ute Ackermann, Ulrike Baestgen: Das Bauhaus kommt aus Weimar, Deutscher Kunstverlag, München 2009, S. 47. Das heißt: Die Entwürfe van de Veldes überarbeitete Westberg dergestalt, dass die entworfenen Möbel produziert werden konnten.

Westberg war selbst auch im Lehrkörper für ein Beratungsseminar für Möbeltischlerei unter dem Bereich Henry van de Veldes. Van de Velde hielt das Kunstgewerbliche Seminar.Thomas Föhl, Michael Siebenbrodt: Bauhaus-Museum (Kunstsammlungen zu Weimar), Weimar 1995, S. 122. Westberg war nicht nur Mitarbeiter van de Veldes, sondern auch dessen Vertrauter.Heidemarie Schirmer, David Mannstein: Die Belebung des Stoffes durch die Form: Van de Veldes Kunstschulaufbau in Weimar, 2002, S. 70.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Henry van de Velde als feindlicher Ausländer diffamiert und verließ Weimar 1915. Westberg war noch bis 1917 für ihn tätig. Nach Aufenthalten in Oberbayern, Königstein im Taunus und in der Schweiz konnte van de Velde nach dem Friedensvertrag von Versailles 1919 wieder nach Weimar reisen, um das Haus Hohe Pappeln zu verkaufen. Beim schlussendlichen Auszug aus Weimar unterstützte ihn Westberg.Antje Neumann, Thomas Föhl: Henry van de Velde. Das Haus unter den hohen Pappeln, Klassik Stiftung Weimar, 2016, S. 103.

Westberg war 1914 Mitglied im Thüringer Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV).Ulrich Bücholdt: Historisches Architektenregister, abgerufen am 21. März 2023.

Ein weiterer Bau einer langen Reihe van de Veldes, Fabrice van de Kerckhove (Hrsg.): Henry van de Velde: Récit de ma vie: 1900–1913, Versa 1992, S. 183. Außer denen In Weimar und der hier in Gera erwähnten Villa sind Bauten mit seiner Beteiligung erwähnt in vorwiegend thüringischen Städten, so in Hermsdorf, Rötha, Zwenkau, Ruhla und Jena. bei dem hinsichtlich der Innengestaltung Westberg beteiligt war, ist das Haus Schulenburg in Gera.John Dieter Brinks: Denkmal des Geistes: Die Buchkunst Henry van de Veldes, Trition, 2007, S. 284. Die weiteren Stationen van de Veldes waren zugleich die Westbergs bis 1926, abgesehen von den Zwischenaufenthalten in Weimar, wo Westberg für van de Velde tätig war. In den 1930er Jahren war Westberg abermals in Weimar tätig. So ist es bei Thomas Föhl zu lesen.Thomas Föhl: Henry van de Velde: Architekt und Designer des Jugendstils, Weimar 2010, 416. Westberg ist als „Architekt“ aber bereits 1926 im Weimarer Adreßbuch zu finden.Weimarer Adreßbuch von 1926, Teil 2, S. 119. In dem von 1924 erscheint er noch nicht. Westberg erscheint letztmals im Weimarer Adreßbuch von 1933 unter der Bezeichnung, wohnhaft in der Luisenstraße 4.Weimarer Adreßbuch von 1933, 2. Teil, S. 138.

Wann genau er in seinen Heimatort Jönköping in Schweden zurückkehrte, ist nicht bekannt. Nach 1933 verläuft sich in Deutschland jedenfalls seine Spur.

Einzelnachweise

Kategorie:Designer Kategorie:Schwede Kategorie:Geboren 1873 Kategorie:Gestorben 1940 Kategorie:Mann