mini|hochkant=1.8|Traditionelle Wohngebiete der Mahican und benachbarter Stämme um 1600. mini|Die Mahican siedelten im 17. Jahrhundert am Hudson und dessen Nebenflüssen, dem Mohawk River, Hoosick River sowie Catskill Creek, zogen dann ostwärts nach Massachusetts und später nach Wisconsin im Westen.
Die Mahican, im Englischen meist Mohican genannt, waren eine Östliches Algonkin sprechende indigene Bevölkerungsgruppe, die im oberen Hudsontal jenseits der Catskill Mountains im heutigen Staat New York lebten und politisch-militärisch die mächtige aus fünf Stämmen bestehende Mahican-Konföderation bildeten. Ihre Sprache namens Mã’eekaneeweexthowãakan steht linguistisch den Delawarischen Sprachen (Lenape und Munsee) der Lenape und Munsee sowie der Sprache der Wappinger (Wappani) am nächsten. Sie dürfen nicht mit den ebenfalls zu den Algonkin gehörigen Mohegan verwechselt werden, einer einst zu den Pequot gehörenden Stammesgruppe im östlichen Connecticut.
Stammesbezeichnung Da sie ursprünglich ihre Siedlungen entlang des Hudson Rivers (Mahicannituck – „Wasser, die nie still sind“, „Wasser, das immer fließt“) errichteten, bezeichneten sie sich in ihrer Sprache einfach als Muhhekunneuw oder Muh-he-con-ne-ok („Die Menschen der Wasser, die nie still sind“, „Die Menschen am Wasser, das immer fließt“). Daher wurden sie von Niederländern und Engländern zusammen mit den entlang des Hudson lebenden Stämmen, wie den Munsee (Nördliche Delaware) oder Wappinger (Wappani), als Flussindianer bezeichnet.Shirley W. Dunn: The Mohicans and Their Land 1609–1730, Verlag: Purple Mountain Press Ltd, August 1994, ISBN 978-0-935796-49-0Shirley W. Dunn: The River Indians: Mohicans Making History, Verlag: Purple Mountain Press, 30. Oktober 2009, ISBN 978-0-916346-78-2 Die Niederländer verballhornten den Namen des Wolfs-Clans („Manhigan“) in Mahigan, Mahikander, Mahinganak, Maikan oder Mawhickon. Die Engländer vereinfachten das Wort zu Mahican oder Mohican. Die Franzosen bezeichneten sie als Loups („Wölfe“).
Stammesgebiet Die Mahican siedelten im 17. Jahrhundert am Hudson River und dessen Nebenflüssen, dem Mohawk River und Hoosick River im heutigen Osten des Bundesstaates New York, im Westen von Massachusetts, im Südwesten von Vermont und im Nordwesten von Connecticut. Ihr Gebiet reichte im Nordwesten vom Lake George bis zum Südufer des Lake Champlain, im Nordosten bis zu den Stammesgebieten der zu den Westlichen Abenaki zählenden Pocumtuc-Konföderation, Penacook (Merrimack)-Konföderation und Sokoki (Eigenbez.: Ozokwakiak – „Menschen, die zerstören“; auch: Assokwekik bzw. Sakukia – „Menschen, die sich abspalteten“), im Osten einschließlich der Taconic Mountains bis in die westlichen Berkshire Mountains, im Westen zwischen dem heutigen Schenectady und Amsterdam bis zum Schoharie Creek, im Südwesten bis in die Catskill Mountains und zum Catskill Creek, dem Grenzfluss zum Gebiet der Munsee (Nördliche Delaware) (eine Stammesgruppe der Lenni Lenape) sowie im Südosten bis östlich des Housatonic River. Ihr Stammesgebiet, das sie N'DahAhKi (engl. Aussprache: „En-DAH-kee“, Kurzform von: N'DahAhKiNaNa – „Unser ursprüngliches Stammland“) nannten,Welcome to Mohican Country war durch weite Wälder, Berge und Flüsse geprägt und stellte eine bedeutende alte Handels- und Kommunikationsroute zwischen den Stämmen dar, da sich hier die Flüsse Mohawk und Hudson vereinigten. Ihr Stammesgebiet wurde im 17. und 18. Jahrhundert zu einem Zufluchtsort von einst weiter ostwärts lebenden Algonkin-Stämmen und einst mächtigen Stammesbündnissen, die auf Grund verheerenden Seuchen und kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Irokesen-Liga, den Briten, Niederländern und den ansässigen Neuengland-Algonkin, aufgerieben wurden und ihre Population stark dezimiert wurde. Die „Pocumtuc-Konföderation“ und „Penacook (Merrimack)-Konföderation“ sowie Teile der Mattabesic-Konföderation und Wappinger-Konföderation schlossen sich im 18. Jhd. der „Mahican-Konföderation“ im Westen sowie der sich neu formierenden Wabanaki-Konföderation im Norden an. Später suchten auch Teile der zwischenzeitlich mächtiger gewordenen „Mahican-Konföderation“ Schutz bei ihren einstigen Feinden, der Irokesen-Liga, und schlossen sich dort den Oneida an; andere Mahican schlossen sich den Wyandot (Zusammenschluss mehrerer einstiger Stammesbündnisse: Wendat/Huronen-Konföderation, Tionontati/Petun-Konföderation, Attiwandaronon/Neutrale-Konföderation, Eriehonon-Allianz und einiger kleinerer Algonkin-Stämmen) und Lenni Lenape in Ohio an.
Soziopolitische Organisation Die Mahican bildeten die sogenannte Mahican-Konföderation, bestehend aus fünf Stämmen, die von hereditären (erblichen) Sachems geführt und von ernannten Beratern unterstützt wurden:
Mahican, lebten in der Umgebung des heutigen Albany (Pempotowwuthut-Muhhcanneuw – „Platz des Ratsfeuer der Mahican Nation“) westwärts bis zum Mohawk River sowie im Nordwesten bis zum Lake Champlain und Lake George. Mechkentowoon, lebten entlang des Westufers des Hudson Rivers oberhalb des Catskill Creeks. Wawyachtonoc, Wawayachtonoc, auch Eddy People – „Volk des wirbelnden Stroms“ oder people of the curving channel – „Volk am biegenden Flussbett“, sowie New Milford Indians genannt. Sie lebten beiderseits des Housatonic River im heutigen Dutchess und Columbia County im äußersten Südosten des US-Bundesstaats New York und im Westen und Nordwesten Connecticuts, benannt nach ihrer Hauptsiedlung Weantinock am Housatonic River, dem heutigen New Milford. Weitere Dörfer waren Shecomeco, Wechquadnach, Pamperaug, Bantam, Weataug und Scaticook, ursprünglich mit Weantinock (Wyachtonok) bezeichnet, einem Stamm der Paugussett. Housatonic, abgeleitet von hous atenuc – „auf der anderen Seite der Berge“ und zu Westenhuck verballhornt. Ihr gleichnamiges Hauptdorf lag nahe dem heutigen Great Barrington. Sie lebten im Housatonic River Valley in Connecticut und Massachusetts, sowie in der Gegend um Great Barrington, Massachusetts.Donald B. Ricky: Indians of Maryland Past and Present, Verlag: Somerset Pubs, 1999, ISBN 978-0-403-09877-4 Wiekagjoc, eine Verballhornung von Wikwajek – „Oberlauf eines Baches“. Sie lebten östlich des Hudson Rivers nahe der heutigen Stadt Hudson im Columbia County in New York.Allen W. Trelease, William A. Starna: Indian Affairs in Colonial New York: The Seventeenth Century, Seite 8, University of Nebraska Press; 1997, ISBN 978-0-8032-9431-8
Vermutlich waren die Housatonic (Westenhuck) ursprünglich ein eigenständiger Stamm, der sich später den Mahican anschloss, sowie die westwärts geflohenen Wawyachtonoc, auch Weantinock oder Wyachtonok von den Paugussett, die der Mahican-Konföderation im Jahr 1687 beitraten.Franz L. Wojciechowski: The Paugussett tribes:: an ethnohistorical study of the tribal interrelationships of the Indians in the lower Housatonic River area, Catholic University of Nijmegen, 1985, 157 Seiten
Die Mahican wohnten in rund 40 teils geschlossenen, zwischen Maisfeldern und Wäldern gelegenen, Dörfern, die auf Hügeln lagen und von Palisaden umgeben waren. Diese befestigten Dörfer bestanden aus 20 bis 30 Häusern und wurden von bis zu 200 Menschen bewohnt. Die Mahican setzten sich aus drei Clans zusammen, nämlich Bär, Wolf, und Schildkröte. Mussten wichtige Angelegenheiten entschieden werden, die die Konföderation betrafen, wie zum Beispiel Krieg oder Frieden, Aufgabe von Dörfern oder Erschließung neuer Wohngebiete, versammelten sich die Sachems der verschiedenen Clans und Stämme regelmäßig in ihrer Hauptstadt Shodac, auch Schodack, die auf einer Insel östlich des heutigen Albany lag, um darüber abzustimmen. In Kriegszeiten übertrug der Rat der Sachems seine Autorität auf einen erfahrenen und angesehenen Kriegs-Sachem, der während des Konflikts über fast diktatorische Gewalt verfügte. War der Krieg jedoch beendet, übernahmen wieder die zivilen Sachems die Führung der konföderierten Stämme.
Geschichte Konflikt mit den Mohawk Bereits vor ihrem ersten Kontakt mit den Händlern und Siedlern der Holländer und später denen der Briten befand sich die Mahican-Konföderation im Krieg mit den mächtigen Mohawk im Nordwesten, den „Hütern des östlichen Tores“ der Irokesenliga, um den für die Stämme kulturell sowie auch materiell bedeutsamen Wampumhandel. Als kurzzeitig die Neuengland-Algonkin entlang der Atlantik-Küste militärisch gegenüber den nicht mit holländischen Gewehren und stählernen Tomahawks ausgestatteten Irokesen die Oberhand gewannen, war Letzteren klar, dass sie direkte Handelskontakte mit den Holländern etablieren mussten, um waffentechnisch gleichzuziehen. Da die Mahican jedoch jeden Versuch blockierten, um ihr eigenes Handelsmonopol nicht zu gefährden, begannen nun die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Irokesen, hier speziell mit den Mohawk, zu eskalieren.
Um 1610 erreichten niederländische Händler das Tal des Hudson River, das wichtig als Handelsroute zu den Stämmen im Gebiet der Great Lakes sowie im Landesinnern war. Sie belieferten die Irokesen mit den gewünschten Waffen, um mit ihnen gemeinsam die Susquehannock im Süden zu bekämpfen. 1618 vermittelten die Holländer zwischen den verfeindeten Mohawk und Mahican einen Frieden. 1624 errichteten die Holländer ihren ersten Handelsposten, das Fort Oranije südlich des heutigen Albany, und begannen entlang des Flusslaufs ab 1626 ihre Kolonie Nieuw Nederland zu errichten, das bald die auf der Südspitze von Manna-hata (Manhattan) errichtete Stadt Neu-Amsterdam (Nieuw Amsterdam) als Hauptsitz einschloss.Mark Meuwese: Brothers in Arms, Partners in Trade: Dutch-Indigenous Alliances in the Atlantic World, 1595–1674, Verlag: Brill Academic Publishing, 31. Oktober 2011, ISBN 978-90-04-21083-7, Seite 255 ff Zudem versuchten die Niederländer, auch Pelzhandel über Mittelsmänner der Mahican mit der ebenfalls zu den Algonkin zählenden Anishinaabe-Stammesgruppe, den Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa), Saulteaux (Salteaux), Mississauga, Odawa (Ottawa), Potawatomi (Bodéwadmi), Algonkin (Algonquin), Nipissing und Oji-Cree (Severn Ojibwa)Anishinaabeg oder Anishinabek und Innu im Norden zu treiben, die ebenfalls Feinde der Irokesen waren.From the Mohawk-Mahican War to the Beaver Wars: Questioning the Pattern – Ethnohistory 51.4 (2004) 725-750
Nun sahen sich die Irokesen von beiden Seiten durch gut bewaffnete Algonkin bedroht. Allerdings hatten die Holländer auch die durch das neu errichtete Fort Oranije leichter zu erreichenden Mohawk ebenfalls mit Gewehren bewaffnet. 1624 schlugen die Mohawk überraschend zu und es entbrannte ein heftiger Krieg mit den Stämmen der Mahican-Konföderation, den die Niederländer nicht verhindern konnten und den die europäischen Siedler durch weitere Waffenlieferungen an die verfeindeten Stämme schürten.The Encyclopedia of North American Indian Wars, 1607–1890, ISBN 978-1-85109-697-8, Seite 510–511 (The Mohawk-Mahican War, 1624–1628) 1626 wurde ein gemeinsamer Kriegstrupp von Holländern und Mahican von feindlichen Mohawk überrascht und besiegt. Diese Niederlage veranlasste die Holländer, im fortdauernden Krieg zwischen den Stämmen neutral zu bleiben. Um 1628 hatten die Mohawk gesiegt und die Mahican ostwärts über den Hudson River getrieben. Die Niederländer akzeptierten den Sieg der Mohawk und machten sie zu ihrem wichtigsten Alliierten und Handelspartner. Die Irokesen besaßen nun eine strategisch äußerst wichtige Position. Ihr Wohngebiet befand sich genau zwischen den Niederländern im Hudsontal, den Pelzlieferanten rund um die Great Lakes, sowie den französischen Pelzhändlern am Saint Lawrence River.Daniel P. Barr: Unconquered: The Iroquois League at War in Colonial America, Praeger Frederick, 28. Februar 2006, ISBN 978-0-275-98466-3, Seite 29–34 Die Mahican mussten an die Mohawk Tribut in Form von Wampum zahlen.
Vernichtung der Wappinger-Konföderation