In dieser Liste von Austriazismen sind alphabetisch geordnet solche Wörter angeführt, die für das österreichische Deutsch charakteristisch sind. Diese Wörter werden außerhalb Österreichs oft generell als dialektal missverstanden, auch wenn viele von ihnen jedoch gemäß dem plurizentrischen Sprachkonzept ebenso standardsprachlich sind wie die in der deutschsprachigen Schweiz, in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien, Südtirol oder in Deutschland verwendeten Varianten. Analogwörter zu Austriazismus sind Helvetismus und Teutonismus bzw. Deutschlandismus. Für die Definition von österreichischer Standardsprache ist das Österreichische Wörterbuch (ÖWB) maßgeblich.
Manche Austriazismen sind wegen der dialektalen Nähe auch in Bayern in Verwendung. Andere, wie beispielsweise die zahlreichen kulinarischen Spezifika, sind auf die historische Verbindung mit den Böhmischen Kronländern, der Slowakei, Ungarn, Kroatien und anderen Ländern innerhalb der Habsburgermonarchie zurückzuführen.
Durch den Konsum von deutschen Medien und anderweitigen Kontakten nach Deutschland sind die bundesdeutschen Entsprechungen von Austriazismen in Österreich gut bekannt. Sprachwissenschafter stellten 2012 fest, dass in Österreich immer mehr bundesdeutsche Ausdrücke verwendet werden.Konrad Putzier: Das Österreichische wird immer bundesdeutscher. In: Die Welt. 24. Juli 2012, abgerufen am 25. August 2012. Vor allem die junge Generation verwendet bereits in manchen Fällen auch Bezeichnungen, die als bundesdeutsch gelten.
Die angeführten Wörter sind hier in drei Kategorien eingeteilt: Wörter ohne Anmerkung: österreichisches Hochdeutsch Wörter mit der Markierung ugs. (= umgangssprachlich): in der Umgangssprache gebräuchlich, im österreichischen Standarddeutsch als Begriffe aus einer anderen Sprachschicht erkennbar Wörter mit der Markierung mda. (= mundartlich): Wörter aus den österreichischen Dialekten, die aus stilistischen Erwägungen gelegentlich in umgangs- oder hochsprachliche Texte, etwa in Pressetexten oder der österreichischen Literatur, eingestreut werden.
Die Anführung eines Austriazismus in dieser Liste bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich der Gebrauch dieses Worts ausschließlich auf Österreich beschränkt, auch nicht, dass dieses Wort überall in Österreich gleichermaßen üblich ist. Außerdem kann teilweise auch die bundesdeutsche Entsprechung in Österreich synonym gebräuchlich sein.
A abbeuteln → abschütteln Abbrändler, Abbrandler → Bauer, dessen Hof abgebrannt istWörterbuch des österreichischen Deutsch abbrennen ugs., veraltend → bräunen (z. B. „Die Sonne hat sein Gesicht abgebrannt.“) abbrocken auch südd. → abpflücken abbusseln ugs. auch bayr. → abküssen abcashen ugs. → abkassierenDuden abdrehen → ausschalten, schließen, stilllegen, abwürgen Abdruck: im letzten Abdruck → im letzten Augenblick abeisen → abtauen abendessen, abendgegessen → zu Abend essen Abendspitze → Stoßzeit im Abendverkehr Abfahrt, Alpabfahrt vbg. → Almabtrieb Abfertigung → Abfindung abfieseln mda. → abnagenÖsterreichisches Wörterbuch abfretten auch südd. → fretten, im Sinne von „sich mühsam durchbringen“ oder „sich mit etwas sehr abmühen“ Abgang amtsspr. → Fehlbetrag; ansonsten das Weggehen abgängig amtsspr. → vermisst (bei Personen) Abgängigkeitsanzeige → Vermisstenanzeige abgedreht ugs. → durchtrieben, verdorben, skrupellos abgehen tw. auch in Deutschland → fehlen, vermisst werden Abgeltung → Vergütung abgreifen → abtasten abhausen → Pleite machen, in Konkurs gehen Abiturientenlehrgang → Wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts für Absolventen allgemein-bildender Mittelschulen eingeführt, um ihnen in verkürzter Form auch einen Abschluss an einer berufsbildenden Schule zu ermöglichen. Seit 1983 hinfällig. abklauben → mit den Fingern abnehmen abkrageln mda. → (Geflügel) den Hals abschneiden/umdrehen, auch derb für umbringen Ablaufdatum auch schweiz. und tw. in D → Verfallsdatum für Lebensmittel und Medikamente abliegen auch südd. → durch längeres Liegen mürbe, trocken usw. werden Ablöse auch in D → Geldbetrag für übernommene Einrichtung von Vormietern abmachen → (Salat) mit Marinade zubereiten, anmachen abnützen auch südd. und schweiz. → abnutzen Abnützung auch südd. und schweiz. → Abnutzung abpaschen mda. → weglaufen, abhauen abputzen (sich) → sich reinwaschen, eine Schuld abwälzen abrebeln auch südd. → abbeeren, [ab]zupfen (z. B. „Beeren von der Traube abzupfen“) absammeln → von mehreren Personen einsammeln abschießen auch südd. → in den Farben verblassen abschmalzen auch bayr. → abschmälzen Abschneider (m) → Abkürzung eines Weges Abschnitzel auch südd. → kleines Stückchen abseit (Adv.) → abseits absitzen → (z. B. vom Fahr- oder Motorrad) absteigen Absolutorium → Bestätigung einer Hochschule, dass man die für die Abschlussprüfung erforderliche Anzahl an Semestern und Übungen erreicht hat absperren auch südd. u. westmd. → zuschließen, abschließen Absteigquartier → Absteigequartier abtreiben auch südd. → etwas gut verrühren, etwas zu Schaum rühren Abtrieb auch südd. → zu Schaum Gerührtes Abverkauf → Verkauf von Waren unter ihrem Wert abverkaufen → einen Abverkauf veranstalten Abwasch (f) → Geschirrspülbecken, Spüle Abwaschschaff (n) → SpülschüsselDas große Wörterbuch der deutschen Sprache abwatschen ugs., auch bayr. → heftig ohrfeigen Achtel (n) Achterl/Achtele → Achtelliter Adabei (m) auch bayr. → jemand, der bei allem auch dabei sein will, neugieriger Mensch, Wichtigtuer, Möchtegern-Promi adaptieren → (bes. eine Wohnung, ein Haus) für einen bestimmten Zweck einrichten, herrichten Adjunkt (m) → Beamtentitel Adjustierung → Uniform (z. B. „in Sommeradjustierung“); scherzhaft: Aufmachung Adjutum (n) amtsspr. → vorläufige Entlohnung eines Beamten während der Probezeit Adventkalender, Adventkranz etc. → Adventskalender etc. affichieren auch schweiz. → anheften, ein Plakat anbringen Agentie (f) veraltet → eine Geschäftsstelle agentieren → als Agent (im Sinne von Handelsvertreter oder Künstleragent) tätig sein, Kunden werben Agiotage (f) → unerlaubter Handel mit Eintrittskarten agnoszieren → üblicherweise: anerkennen; in Österreich auch: identifizieren (einen Toten), feststellen Agrargemeinschaft → Allmende Agrasel ostöst. mda. → Stachelbeere Ahndl/Ahnl/Ähnl (f) veraltet mda. auch bayr. → Großmutter oder Großvater Aitel auch südd. → Döbel à jour frz.; auch schweiz. → auf dem Laufenden ajourieren → aktualisieren Akt (m) → Akte (f), amtliches Schriftstück oder Sammlung solcher Schriftstücke aliquot → anteilmäßig allfällig auch schweiz. → etwaig, gegebenenfalls, allenfalls oder eventuell vorkommendDuden Taschenbücher, Band 8, Wie sagt man in Österreich? Bibliographisches Institut, Dudenverlag, Mannheim, Wien, Zürich 1969, S. 25. alleweil mda. → immer almen → (Vieh) auf der Alm halten Almer → Senn, Almhirt Altjahrstag (m) → Silvester Alumnat (n) veraltet → Ausbildungsstätte für Priester, Priesterseminar am teilw. auch schweiz. → auf dem (z. B. „etwas liegt am Tisch“, „ich spiele am Klavier“) Ananas(erdbeere) (f) veraltet → Gartenerdbeere Anbot → Angebot, Offert andere(r) in den Formen: jemand/niemand/wer anderer angeloben → vereidigen (Politiker, Soldaten) Angelobung → Vereidigung (Politiker, Soldaten) angreifen → auch: berühren, anfassen sich anhalten → sich festhalten Ankick (m) → AnstoßLexikon zum Spiel des Jahres, in: Kleine Zeitung vom 11. September 2012, S. 1. Anrainer auch bayr. → Anlieger mini|hochkant|Anrainer dürfen hier auf eigene Gefahr passieren ansonst (Konj.) auch schweiz. → ander(e)nfalls, sonst Ansuchen (n) → Gesuch antauchen ugs. → anschieben, Schwung geben, sich anstrengen anverwahrt Amtssprache, veraltend → beiliegend Anwert (m) → Wertschätzung anzipfen mda. → (durch Geduldprobe) verärgern aper(n) auch schweiz. → schneefrei sein (bzw. werden) Arena (f) → auch: Freilichttheater Armutschkerl (n) → bedauernswerter Mensch (ums) Arschlecken (n) mda. vulg. → sehr knapp (z. B. „das ist sich ums Arschlecken nicht ausgegangen“) Aschanti (f) veraltet → Erdnuss Asperl (mda.) (n) → in Ostösterreich Mispel Asylwerber → Asylbewerber aufmascherln ugs.→ sich herausputzen, aufpeppen Aufsitzer (m) ugs. → Reinfall, dummer Fehler ausdekoriert → mit allen Auszeichnungen/Orden/Ehrungen versehen; es bleibt keine Auszeichnung mehr übrig, die man noch verleihen könnte ausfassen → (Essen, eine Strafe etc.) erhalten sich ausgehen → ausreichen oder passen (zeitlich, räumlich, finanziell …) ausfolgen Amtssprache → aushändigen ausforschen Amtssprache → ermitteln, ausfindig machen ausgreifen ugs.→ unsittlich berühren ausmalen → (Zimmer/Wohnung) streichen sich ausrasten → ausruhen ausreiben → aufwischen, scheuern ausschroten veraltet → Fleisch aushacken, ein Ergebnis ausschlachten aus sein → etwas ist aus = die Vorräte sind erschöpft jem. gut/schlecht aussteigen lassen → jem. gut/schlecht aussehen lassen äußerln ugs. → Gassi gehen Autodrom (n) → Autoscooter Aviso (n) → Avis, Wink, Ankündigung
B mini|Geschäft für Sanitätswaren
baba! → tschüss!, leb wohl! Backhendl (n) → Backhuhn Backröhre/Backrohr/Rohr auch süddt. → Backofen Bahöl bzw. Bahö→ Aufsehen, Aufhebens, Aufruhr, Tumult, Lärm Ballschani (m) → Balljunge Bandagist → Orthopädietechniker Bankomat auch in anderen mitteleuropäischen Ländern → Geldautomat Bankomatkarte → Debitkarte Barterl (n) ugs, auch Batterl → Lätzchen Bartwisch (m) → Handbesen Bassena (f) → Wasserstelle auf dem Flur eines Mietshauses, „auf dem Gang eines Zinshauses“ Bauschen (m) auch bayr. → Bausch Bauxerl (n) mda. → kleines, reizendes Kind Bazi (m) auch bayr. mda., auch scherzhaft → Schlingel, insbesondere: „Wiener Bazi“ Bedienerin (f) → Zugehfrau, Raumpflegerin bedingt auch schweiz. (z. B.: „fünf Monate bedingte Haft“) → Freiheitsstrafe auf Bewährung beeinspruchen → Einspruch erheben gegen, Berufung einlegen gegen beflegeln → beschimpfen, anpöbeln befürsorgen → betreuen beheben → abheben (Amtsdeutsch z. B. Geld abheben am Automaten) oder → abholenJakob Ebner: Wie sagt man in Österreich? Wörterbuch der österreichischen Besonderheiten, Duden-Taschenbücher, Band 8, Bibliographisches Institut, Mannheim 1969, S. 45. („nicht behoben“ = nicht abgeholt) beiläufig → auch: ungefähr, etwa Beiried (n/f) → Rippenstück vom Rind, Roastbeef Beisl/Beisel (n) → Lokal, Kneipe Beistrich (m) → Komma Benützer (m), benützen auch süddt. und schweiz. → Benutzer, benutzen Berggeher (m) → Bergsteiger, Wanderer Beuschel (n) → obere Eingeweide, Lunge und Herz Beuschelreißer ugs. → starke Zigarette mini|Blunzengröstl, Backhendlsalat, dann Palatschinken mit Marmelade oder doch lieber Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster? beuteln auch süddt. → schütteln Bewerb (m) → Wettbewerb Bim ugs. → Straßenbahn Binkel (m) ugs. → Bündel, liebevoll: Kind Biskotte (f) → Löffelbiskuit (n/m) Biskuitroulade (f) → Biskuitrolle (f) blad ugs. derb → dick Blasbalg (m) → Blasebalg Blitzgneißer (m) ugs., scherzhaft → jemand, der etw. rasch begreift (siehe gneißen) Blockrandverbauung (f) → Blockrandbebauung Blumenkisterl (n), auch: Blumenkiste (f) → Blumenkasten Blunze, auch: Blunzen (f) → Blutwurst; derb: dumme Frau blunzen („ist mir blunzen“) mda. → egal, schnuppe Bockerl (n) → Kieferzapfen Bodenwachs (n) → Bohnerwachs Bramburi ugs., scherzhaft → Kartoffeln (aus dem Tschechischen, wo einst aus Brandenburg importierte Erdäpfel so genannt wurden) brandeln ugs. → nach Brand riechen; bezahlen Brandteigkrapferl (n) → Windbeutel Branntweiner (m) → Branntweinausschenker, mda. auch: Säufer brenzeln/brenzlig auch in Altbayern → nach Brand riechen(d), prekär, gefährlich Brettljause (f) → auf einem Brett servierte, rustikale Zwischenmahlzeit brocken → pflücken (Beeren, Kirschen) Brösel (n) auch bayr. → Krümel Bub (m) auch süddt. und schweiz. → männliches Kind, Knabe, Junge Budel (f) auch bayr. → Ladentisch budern, auch: pudern vulg. → Geschlechtsverkehr haben