Johann Hinrich Färber (* 1820 in Tönning; † 1888 ebenda) war ein deutscher Orgelbauer.
Leben Johann Hinrich Färber war Sohn des Tönninger Küsters und Tischlers Johann Jürgen Färber und dessen Ehefrau Maria Elisabeth, geb. Siese.Vgl. Volkszählung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein vom 1. Februar 1835, digitalisiert und transkribiert auf Myheritage Seine Lehrzeit absolvierte er bei dem bekannten Orgelbauunternehmen Marcussen & Reuter in Aabenraa, das 1848 auch die Richborn-Orgel der Laurentiuskirche in seiner Heimatstadt umbaute. 1855 ist Färber wieder in Tönning nachweisbar, laut Volkszählung vom 1. Februar 1855 lebte er als „Instrumentenmacher“ mit seiner aus Hamburg stammenden Ehefrau Hermine Pauline Elise und einem Gesellen in der Neustraße 30.Vgl. Volkszählung in Tönning vom 1. Februar 1855, digitalisiert und transkribiert auf Myheritage In demselben Jahr wird er auch als Mitglied der Tönninger Liedertafel erwähnt. Seit 1857 hatte Färber seine Werkstatt im 8. Quartier Nr. 22 (heute: Am Hafen 1). Aufgrund der Qualität seiner Arbeiten besaß er einen guten Ruf. Leopold Iwan Cirsovius zitierte 1872 den Kotzenbüller Organisten Wacker, der Färber als einen der „genialsten Schüler“ von Marcussen und Reuter bezeichnet. Sein Sohn Friedrich Johann Färber übernahm die Orgelbauwerkstatt und arbeitete auch als Klavierbauer; ab 1903 ist die Werkstatt jedoch in Tönning nicht mehr nachweisbar.Gunther Westphal: Das Dornröschen von Kotzenbüll. Die „Färber-Orgel“ in St. Nicolai. online (Worddokument, 33 KB) Johann Hinrich Färber hat ca. 20 bis 30 Orgelneubauten geschaffen; sein Wirkungsraum reichte von Hamburg bis nach Süddänemark.Konrad Küster: Die bescheidene Königin, online (PDF, 747 KB)
Werke (Auswahl) Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen1859KotzenbüllNikolaikirchezentriert|160x160pxII/P16Vermutlich erster größerer Auftrag Färbers. Färber integrierte in das Instrument hinter neugotischem Prospekt Teile des Pfeifenwerks und der Konstruktion der vorhergehenden Orgeln von ca. 1500 und 1739/1740 (Johann Hinrich Klapmeyer).Konrad Küster: Dokumentation zur Geschichte der Orgel in Kotzenbüll. Freiburg 2008. online (PDF, 153 KB) Nach Gunther Westphal ist dies die einzige Orgel der ehemaligen Landschaft Eiderstedt, „die die Geschichte der Orgelbautechnik über die Jahrhunderte in sich vereinigt und die gesamte Entwicklung widerspiegelt“. Konrad Küster: „Färbers subtile Baumaßnahme sucht im 19. Jahrhundert ihresgleichen: So viel Bestandserhaltung wie hier gab es andernorts kaum noch einmal“.In den 1960er Jahren stillgelegt und 2022 aus der einsturzgefährdeten Kirche ausgebaut und eingelagert.Eiderstedter Schutzengel1861TetenbüllSt. Annazentriert|160x160pxII/P23Prospekt und 80 % der Pfeifen von Färber erhalten. 1976 und 2010 Restaurierung durch Paschen Kiel Orgelbau.Dokumentation der Orgel-Generalüberholung Tetenbüll1862OldenswortSt. Pankratiuszentriert|160x160pxII/P24Orgelneubau samt neuem Hauptwerk-Prospekt bei Erhaltung Rückpositiv-Prospekts von 1592. 1971 Umbau durch Klaus Becker.1863ErfdeSt.-Marien-Magdalenen-Kirchezentriert|160x160pxII/P12Prospekt erhalten, ursprüngliche Disposition bei Cirsovius.Cirsovius (wie zuvor), S. 11.1869FriedrichstadtRemonstrantenkirchezentriert|160x160pxII/P151947 Barockisierung, vor allem des zweiten Manuals, durch Emanuel Kemper. 2010/2011 Restaurierung und Wiederherstellung der ursprünglichen Disposition durch Jehmlich Orgelbau Dresden.Friedrichstadt im Organindex1870PellwormNeue Kirchezentriert|160x160px II/P10Orgel 1902, 1934 und 1970 in unterschiedlichem Umfang verändert. 1998 Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands durch Gebrüder Hillebrand Orgelbau.1870Heide (Holstein)St. JürgenII/P21Im Jahr 1900 für 2600 Mark von Orgelbauer Hansen aufgekauft und in der katholischen Kirche St. Nikolaus (Kiel) eingebaut; dort 1931 zugunsten einer neuen, elektropneumatischen Rieger-Orgel entfernt.Historie der Orgeln in St. Nikolaus, Kiel1874MildstedtSt.-Lamberti-Kirchezentriert|160x160pxII/P241949 von Kemper umgebaut und 1999 von Neuthor restauriert1875BredstedtSt. NikolaiII/P2005 hinter Färbers Prospekt romantisch orientierter Orgelneubau (II/P/25) durch Martin ter Haseborg. 10 Register enthalten noch ganz oder teilweise Pfeifenmaterial von Färber. 2022 nach starkem Schimmelbefall Orgelsanierung und Neuintonation durch Schuke Orgelbau Potsdam.Angaben zur Orgel auf der Gemeindewebsite1877HamdorfKirchezentriert|160x160pxOrgelneubau für die 1876/1877 errichtete Kirche; mit Veränderungen erhalten1880OdenbüllSt. Vinzenzzentriert|160x160pxI/pUrsprünglich einmanualige Orgel mit angehängtem Pedal. 1894 Versetzung an den heutigen Standort auf der Westempore und vermutlich bei dieser Gelegenheit Hinzufügung einer Pedallade. 1952 von Orgelbauer Ernst Brandt aus Quickborn um ein zweites Manual mit fünf Registern erweitert.Rundgang durch die Odenbüller Kirche1882Hütten (Schleswig)Kirchezentriert|160x160pxII/P9Prospekt und Teile des Pfeifenwerks erhalten, aufgegangen in einer 1980 erbauten, neobarock angelegten Orgel von Günter Braukmann (II/P/13). Diese wurde 2001 durch Paschen Kiel Orgelbau überholt.1884St. MichaelisdonnSt. MichaelisI5Bei Cirsovius erwähnt.Cirsovius (wie zuvor), S. 38, 43. 1980 durch Neubau von Andreas Andresen, Kiel, ersetzt.Die St. Michaeliskirche: Ein Kirchenführer, S. 41884/85Neuenkirchen (Dithmarschen)St. JacobiII/P25Neubau hinter dem barocken Prospekt von Johann Hinrich Klapmeyer 1735, Färber entfernte allerdings das Rückpositiv.1885/86TodenbüttelDreieinigkeitskircheII/P20Orgel 1988 von G. Christian Lobback restauriert, steht unter Denkmalschutz.Kirchenwebsite Dreieinigkeitskirche Todenbüttel; vgl. auch Ars Organi, Band 49/2001, S. 128.ca. 1888KatingSt. LaurentiusVon Cirsovius in seiner Orgelschau für 1891 als in den letzten Jahren erbaut erwähnt; eine Schenkung von 8300 Mark erlaubte den Bau der Orgel durch Färber, „dessen Werkstatt viele schöne Orgeln entstammen“.Cirsovius (wie zuvor), S. 56. 1943 durch eine Ott-Orgel ersetzt; als sich diese nicht mehr stimmen ließ, folgte 1992 eine Paschen-Orgel (I/P/5).Kirchenwebsite zu den Orgeln in Kating
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (19. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Orgellandschaft Schleswig-Holstein Kategorie:Person (Tönning) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1820 Kategorie:Gestorben 1888 Kategorie:Mann