Die Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB) gehörte zu den größten deutschen Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungskonzernen. Zu ihren bekanntesten Produkten zählen die Hubschraubertypen Bo 105 und BK 117. Im Jahr 1989 übernahm die Daimler-Benz-Tochter DASA die MBB. Die heutige MBB SE ist kein Nachfolgeunternehmen der „alten“ MBB, sondern bekam ihren Namen durch die Übernahme eines ehemaligen Tochterunternehmens (MBB Gelma Industrieelektronik GmbH).

Geschichte mini|Ehemaliger Sitz der Geschäftsführung in Ottobrunn Die Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH entstand 1969 durch den Zusammenschluss der Bölkow GmbH mit der Messerschmitt AG und der anschließenden Übernahme der Hamburger Flugzeugbau GmbH, einer Tochter von Blohm + Voss.

Messerschmitt-Bölkow GmbH Vorausgegangen war am 1. November 1968 der Zusammenschluss der Bölkow GmbH und der Messerschmitt AG zur Messerschmitt-Bölkow GmbH.

Zur Messerschmitt-Bölkow GmbH, Ottobrunn und Lampoldshausen gehörten danach: 100 % Messerschmitt Werke – Flugzeug Union Süd GmbH, Augsburg, München und Manching 100 % Bölkow-Anlagen GmbH, Ottobrunn 100 % Entwicklungsring Süd GmbH, München und Manching 100 % Junkers Flugzeug- und Motorenwerke GmbH (JFM), München 100 % Waggon- und Maschinenbau GmbH Donauwörth (WMD), Donauwörth und Laupheim 100 % Siebelwerke-ATG GmbH (SIAT), Donauwörth 100 % FUS Avionics Inc., New York 96 % Bölkow-Apparatebau GmbH, Nabern und Schrobenhausen 50 % HANSA-Waggonbau GmbH, Bremen 50 % UVP Union für den Vertrieb der Produkte Bölkow-Nord Aviation, Paris 40 % Deutsche Airbus GmbH, München 33 1/3 % Panavia Aircraft GmbH, München 33 1/3 % Leichtflugtechnik Union GmbH, Bonn 33 1/3 % Hochleistungs-Schnellbahn Studiengesellschaft mbH, Ottobrunn 17 % Gesellschaft für Flugtechnik mbH (GfF), 13,5 % Hispano Aviación S.A. (HASA), Madrid 12 % Société Européenne pour l’Etude et l’Intégration des Systèmes Spatiaux (S.E.T.I.S.), Paris Mitarbeiter: 12.020 (1968)

Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH Nach der Übernahme der Hamburger Flugzeugbau GmbH am 14. Mai 1969 kamen folgende Beteiligungen hinzu: 100 % Hamburger Flugzeugbau GmbH (HFB), Hamburg-Finkenwerder und Stade 100 % Hansa Jet Corporation, New York 50 % Bayern-Chemie Gesellschaft für flugchemische Antriebe mbH, Aschau 50 % HANSA-Waggonbau GmbH, Bremen 50 % MIZ Materialinformationszentrum der Marine GmbH, Wilhelmshaven Mitarbeiter: 19.255, Gesamtumsatz: 900 Millionen DM (1969)

Die Gesellschafter waren 1969: Familie Blohm 27,1 %, Willy Messerschmitt 23,3 %, Ludwig Bölkow 14,6 %, Boeing 9,7 %, Nord Aviation 9,7 %, Siemens 9,1 % und der Freistaat Bayern über die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung 6,4 %.

mini|Ehemaliger MBB-Flügel in Wilhelmshaven Im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie entwickelte MBB 1980 die Windenergieanlage Monopteros, einen Einflügler.

1981 übernahm MBB das Unternehmen Vereinigte Flugtechnische Werke, ein Nachfolger der Unternehmen Focke-Wulf, Focke-Achgelis und Weser-Flugzeugbau. Dadurch erweiterte sich der MBB-Konzern um folgende Unternehmen: 100 % Vereinigte Flugtechnische Werke GmbH (VFW), Bremen, Lemwerder, Speyer, Einswarden, Varel und Hoykenkamp 100 % ERNO Raumfahrttechnik GmbH, Bremen 100 % Rhein-Flugzeugbau GmbH (RFB), Mönchengladbach 100 % Elektro-Mechanischer Fluggerätebau GmbH, Hamburg (später Rhein-Flugzeugbau GmbH Zweigniederlassung Hamburg) 100 % Sportavia-Pützer GmbH & Co. KG, Dahlem/Eifel 50 % Henschel Flugzeugwerke AG, Kassel 35 % Deutsche Airbus GmbH, München Mitarbeiter: 38.500, Gesamtumsatz: 4,3 Milliarden DM (1981)

Am MBB-Konzern waren dadurch beteiligt: Familie Werner Blohm 0,67 %, Messerschmitt Stiftung 6,75 %, Ludwig Bölkow 1,57 %, der Freistaat Bayern (direkt) 7,02 % sowie über die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung 16,50 %, die Freie und Hansestadt Hamburg über die Hamburger Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung mbH (HGV) 18,23 %, die Siemens AG 7,5 %, die August Thyssen Hütte AG 7,5 % und Aérospatiale 10,69 % über die Fides Industrie-Beteiligungsgesellschaft, die Freie Hansestadt Bremen 3,80 % und die Friedrich Krupp AG 6,20 % über die VFW-Verwaltungsgesellschaft sowie die Allianz AG 6,78 % und die Robert Bosch GmbH 6,78 % über die ABM Beteiligungsgesellschaft.

1982 erwirtschaftete MBB einen Umsatz von 5,68 Milliarden DM und einen Jahresüberschuss von 60,1 Millionen DM.

Nach seinem Ausscheiden aus dem MBB-Vorstand (Dezember 1977) gründete Ludwig Bölkow 1983 die Ludwig-Bölkow-Stiftung mit Sitz in Ottobrunn. Ziel der Stiftung ist seitdem die Förderung nachhaltiger Energie- und Wirtschaftsstrukturen in allen gesellschaftlichen Bereichen, mit den Schwerpunkten Energie, Landwirtschaft und Mobilität.

1985 beteiligten sich über die BD-Industrie-Beteiligungsgesellschaft die Bayerische Vereinsbank AG und die Dresdner Bank AG mit je 5,0 % an MBB.

Mit der Gründung des Unternehmensbereichs Energie- und Industrietechnik 1985–1986, innerhalb des MBB-Konzerns, wurden neue Technologien wie effiziente Energie- und Automatisierungs-Technik in den Fokus der Geschäftstätigkeit gerückt.Messerschmitt-Bölkow-Blohm: Eine Unternehmensbiographie: Firmengeschichte der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH 1956–1986. Ottobrunn 1987.

mini|Magnetbahn auf der Versuchsstrecke in Ottobrunn (1974) MBB war an der Entwicklung des Transrapid und des InterCityExperimental entscheidend beteiligt.

Tochter- und Beteiligungsunternehmen Weitere Tochter- und Beteiligungsunternehmen der MBB waren u. a. Gelma Industrieelektronik GmbH, MBB Förder- und Hebesysteme GmbH, MBB-Kunststofftechnik GmbH, MBB Liftsysteme AG, MBB-Medizintechnik GmbH, MBB Wirtschaftsdienst GmbH, Conventional Munitions Systems Inc (CMS), Wolf Hirth GmbH, MPC Aircraft GmbH, COMLOG Gesellschaft für Logistik mbH, Transporter-Allianz (TRANSALL), Eurocopter Tiger GmbH, RTG Raketen Technik GmbH (heute: PARSYS GmbH), Eurogrip GIE, Euromissile GIE, Euromissile Dynamics Group (EMDG) GIE, Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, RAM System GmbH, Eurosatellite Gesellschaft für Satellitentechnik mbH, GESAT Gesellschaft für die Vermarktung von Fernmeldesatelliten-Systemen mbH, Laser-Medizin-Zentrum GmbH, Solar-Wasserstoff-Bayern GmbH, Krauss-Maffei AG, Construcciones Aeronáuticas S.A. (CASA), Arianespace SA und Intospace GmbH (Stand 1989).

Skandal Im August 1984 bestätigte MBB, zwei Transporthubschrauber für Regierungsmitglieder während des Ersten Golfkriegs in den Irak geliefert zu haben. 24 von der Construcciones Aeronáuticas S.A. (CASA) in Spanien in Lizenz gebaute Hubschrauber, ausgerüstet mit Oerlikon-Maschinenkanonen, wurden ebenfalls in den Irak geliefert. Am 20. September 1984 wurde der MBB-Abteilungsleiter Manfred Rotsch, der auch mit der Entwicklung des Mehrzweck-Kampfflugzeugs Panavia Tornado befasst war, wegen Spionagetätigkeit für den sowjetischen Nachrichtendienst KGB verhaftet.

Nachfolgeunternehmen 1989 übernahm die Daimler-Benz-Tochter DASA die MBB, diese hatte zu diesem Zeitpunkt ca. 40.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 7,1 Milliarden DM.

Die Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH wurde 1992 vollständig in die DASA integriert und verschmolz auch gesellschaftsrechtlich mit ihr. Im Jahr 2000 wurde die DASA mit der französischen Aérospatiale-Matra und der spanischen CASA zum europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS – European Aeronautic Defence and Space Company (heute Airbus Group) vereinigt.

MBB, wie auch die DASA, waren jeweils die größten Rüstungsexporteure Deutschlands.

Produkte bzw. Produktionsbeteiligungen Hubschrauber Bo 105 Panzerabwehrhubschrauber 1 Hubschrauber MBB/Kawasaki BK 117 Eurocopter Tiger Lampyridae Tornado Eurofighter Airbus A300 Airbus A310 Airbus A320 Transall C-160 Fokker F28 ESA Röntgensatellit EXOSAT Airbag-Gasgeneratoren Gasgeneratoren für Gurtstraffer Betriebsdatenerfassungssystem BESSY Medizin-Laser mediLas Alpenflug Hochleistungsfernsehsatelliten TV-SAT 1 und 2 Kommunikationssatellitenreihe Intelsat V Kommunikationssatellitenreihe Intelsat VI Wissenschaftssatellit ASTRO-SPAS AZUR Helios-Sonnensonden Raumsonde Galileo Spacelab Ariane 1–4 Windkraftanlage Monopteros Abwasserreinigungssysteme Geothermie-Projekte Anaerobe Fermentation Gülleentsorgung Photovoltaikmodule auf Basis von amorphem Silizium Panzerabwehrlenkwaffe COBRA Panzerabwehrlenkwaffe MILAN Panzerabwehrlenkwaffe HOT Flugabwehrrakete Roland Reaktive Panzerbüchse Armbrust MW-1 (Mehrzweckwaffe-1) UAV Tucan in Kooperation mit Matra Cabinentaxi Hagen Cabinenlift Ziegenhain (Schwalmstadt) Magnetschwebebahn Transrapid 05 Disneyland Monorail System Hochgeschwindigkeitszug InterCityExperimental und ICE 1 Elektrotriebzug 420 U-Bahn-Triebwagen A und B der U-Bahn München 77 Personenwagen für MBTA in Boston (1987–1988) Reisezugwagen der Bauart Avmz 111

Abspaltungen und Tochterunternehmen außerhalb der Luft- und Raumfahrttechnik

MBB Business Development GmbH Auf Initiative von langjährigen Bölkow- und MBB-Mitarbeitern wurde 1996 aus dem MBB-Unternehmensbereich Umwelttechnik die MBB Business Development GmbH (MBB-BD) gegründet, zu der die DASA eine Starthilfe gab. Etwa 40 aktive und pensionierte Mitarbeiter beteiligten sich an der MBB-BD. Projekte des Unternehmens waren unter anderem Abwasserreinigungsanlagen, Biogasanlagen und Solarparks. Die MBB baute bereits in den 1980er Jahren Photovoltaikmodule auf Basis von amorphem Silizium. Das Vorhaben hatte jedoch keinen Erfolg und die neu gegründete Gesellschaft ging bereits im Dezember 1996 in Konkurs. Aus der MBB-BD löste sich im Oktober 1996 der Teilbereich Umweltsysteme und wurde zu einer eigenständigen Gesellschaft, der MBB Business Development Umweltsysteme GmbH. Auch weitere Nachfolgegesellschaften, wie die MBB Projects GmbH, die MBB Clean Energy AG oder die MBB Sun AG, sind inzwischen aufgelöst.

MBB Gelma Industrieelektronik GmbH Betriebsdatenerfassungs-, Zeiterfassungs- und Zutrittskontroll-Systeme waren eine der Hauptaktivitäten des MBB-Unternehmensbereiches Kybernetik. Bei der Bölkow GmbH in Ottobrunn wurde schon in den 50er Jahren der erste Großversuch mit gleitender Arbeitszeit durchgeführt. In den 1970er Jahren versuchte sich MBB mit der Integration der Zeiterfassung in die EDV. Aus dieser Entwicklung entstand das „BESSY-System“. 1977 wurde die Firma Gelma (Gesellschaft für elektro-mechanische Apparate) zur Fertigung der BESSY-Anlagen von MBB erworben.

Die Nesemeier & Freimuth GmbH (heute MBB SE) erwarb 1997 von der DASA die Gelma Industrieelektronik GmbH. Im Jahr 2000 übernahm die DORMA-Gruppe zuerst 51 % der MBB Gelma Industrieelektronik GmbH und im Jahr 2002 schließlich die restlichen 49 % der Gesellschaft.

MBB-Kunststofftechnik GmbH Bereits 1954 interessiere sich Ludwig Bölkow an glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) und an den damit verbundenen Möglichkeiten neuartiger Bauweisen und Fertigungsverfahren. In den folgenden drei Jahrzehnten wurden bei MBB auf allen Gebieten Faserverbundwerkstoffe verwendet (z. B. bei Rotorblätter für Windkraftanlagen und Hubschrauber, Segel- und Motorflugzeugen, Bodengruppen für Fahrzeuge, Decken- und Seitenwandverkleidungen bei Reisezug- und Triebwagen sowie bei Bauteilen für Militär- und Verkehrsflugzeugen, Hubschraubern, Flugkörpern und Satelliten).

Bei all diesen Aktivitäten war es nur eine logische Entwicklung, dass im Laufe der Zeit bei MBB ein Bereich Faserverbundwerkstoff (FVW) entstand: Die FVW-Projektgruppe des ehemaligen Unternehmensbereiches Drehflügler und Verkehr aus Ottobrunn ging nach einer kurzen Zwischenstation in Garching in das Gemeinschaftsunternehmen MBB-Kunststofftechnik GmbH (MKT) mit Sitz in Laupheim über, das 1985 zusammen mit Freudenberg gegründet wurde. Freudenberg war mit 24,9 % und MBB mit 75,1 % an dem Unternehmen beteiligt. Doch bereits zum 31. Dezember 1986 wurde der Joint Venture wieder beendet. MBB übernahm alle Anteile. Die MBB-Kunststofftechnik GmbH hörte auf zu existieren, als sie 1995 mit der DASA gesellschaftsrechtlich verschmolz.