The Birds of America (auch: The Double Elephant Folio of The Birds of America, zu deutsch Das Doppel-Elefanten-Folio der Vögel Amerikas) ist ein 1826 bis 1838 herausgegebenes ornithologisches Werk von John James Audubon. Es besteht aus 435 Bildtafeln mit Darstellungen nordamerikanischer Vögel in Lebensgröße.

Entstehung Hintergrund und Weg zur Veröffentlichung mini|John James Audubon mit Flinte und Wolfsfell (gemalt 1826 von John Syme); durch das Auftreten als „amerikani­scher Waldbewohner“ hoffte er, in Eng­land einen Verleger für seine Arbeiten zu finden. John James Audubon, der sich 1812 im Alter von 23 Jahren mit seiner Ehefrau Lucy Bakewell in Louisville, Kentucky niedergelassen hatte, entwickelte schnell ein Interesse daran, Vögel, die er in der ländlichen Region jagte, zu malen. Die zu diesem Zwecke geschossenen Tiere fixierte er mit Draht in der gewünschten Pose. Im Jahr 1810 begleitete ihn der bekannte Ornithologe Alexander Wilson für einige Tage auf der Vogeljagd.Low, S. 31 Bei dieser Gelegenheit zeigte Wilson ihm Bilder seines Werkes American Ornithology mit zahlreichen Darstellungen nordamerikanischer Vögel. Audubon sagte später, dass ihn diese Zusammenkunft ermutigte, sich weiterhin auf dem Gebiet der Vogelmalerei zu betätigen, insbesondere da er bereits zu diesem Zeitpunkt seine eigenen Bilder als qualitätsvoller einschätzte als die Wilsons. Zehn Jahre später, angetrieben von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, intensivierte Audubon seine Bemühungen und es entstanden schließlich erste Gemälde für das spätere Werk The Birds of America, in dem er sämtliche nordamerikanischen Vögel in Lebensgröße darstellen wollte. 1824 suchte er in Philadelphia und in New York vergeblich nach einem Verleger. Zwei Jahre später begann er mit seinem mittlerweile aus 240 Bildern bestehenden Portfolio einen erneuten Versuch, dieses Mal in England, wo er Bekanntschaft mit der wohlhabenden Familie Rathbone aus Liverpool machte. Durch die befreundeten Rathbones lernte Audubon den Botaniker und Parlamentsangehörigen William Roscoe kennen. Diese Bekanntschaft erwies sich als äußerst hilfreich für Audubon, denn Roscoe half dabei, Ausstellungen zu arrangieren, bei denen Audubon einige seiner Bilder einflussreichen Mitgliedern der britischen wissenschaftlichen Gesellschaft zeigen konnte. Bei einer dieser Ausstellungen in Manchester traf Audubon den amerikanischen Konsul F. S. Brookes aus Boston, der ihm empfahl, sein „großartiges Werk“ Stück für Stück als Abonnement zu vertreiben, da auf diese Weise vorab Kapital zur Deckung der zu erwartenden Kosten erwirtschaftet werden könnte. Audubon nahm an, dass eine Veröffentlichung im Rahmen eines regelmäßig erscheinenden Abonnements angesichts der großen Menge an Bildtafeln etwa 14 Jahre bis zur Vollendung des Werkes in Anspruch nehmen würde, war der Idee aber zugetan. In der begründeten Hoffnung, durch eine romantisierte Vorstellung des wilden Amerika größeren Anklang bei seinem Publikum zu finden, trat er bei seinen Ausstellungen regelmäßig als amerikanischer Waldbewohner in Wildledergewand und mit von Bärenfett geglättetem Haar auf. Die Strategie war erfolgreich, denn Audubon und seine Bilder stießen bei den Vertretern der wissenschaftlichen Gemeinde auf großes Interesse. So wurde er in verschiedenen Gelehrtengesellschaften aufgenommen, darunter in der Royal Society of London. Bei einer weiteren Ausstellung im September 1826 in Edinburgh lernte Audubon den Botaniker Patrick Neill kennen, der ihn wiederum mit dem respektierten Graveur William Home Lizars bekannt machte. Lizars war von den Arbeiten Audubons beeindruckt und willigte schließlich ein, die Bilder zu drucken. Nun, da ein Verleger gefunden war, konnte sich Audubon auf die Suche nach Abonnenten für sein Werk konzentrieren. Nachdem jedoch die ersten zehn Tafeln 1827 fertiggestellt worden waren, begannen die Arbeiter in Lizars Betrieb zu streiken und die Geschäftsbeziehungen erloschen. In London fand Audubon in dem Graveur Robert Havell Sr. schließlich einen weiteren Verleger, der die filigranen Arbeiten aufgrund seines Alters jedoch bereits im selben Jahr an seinen Sohn, Robert Havell, übertrug. Während der Produktionszeit kehrte Audubon dreimal nach Nordamerika zurück und malte zusätzliche Bilder. Daneben erweiterte er anhand präparierter Vögel in englischen Museen sowie angekaufter Bälge aus Expeditionen den Umfang seines Portfolios schließlich auf 433 Gemälde. Insgesamt entstanden daraus bis 1838 im Laufe von zwölf Jahren 435 Bildtafeln, die in 87 Sets zu jeweils fünf Stück, bestehend aus einem großen, einem mittleren und drei kleineren Bildern, veröffentlicht wurden.

Mal- und Drucktechnik mini|hochkant=1.2|Sämtliche Drucke wurden von Hand koloriert.

Die insgesamt 433 Bilder malte Audubon hauptsächlich in Wasserfarben. Aber auch Pastell, Zeichenkohle, Ölfarben, Tinte sowie Eitempera kamen vereinzelt zum Einsatz. Bilder, die mehrere Vögel zeigen, wurden mitunter aus mehreren Gemälden montiert, indem Audubon früher gemalte Vögel ausschnitt und in das neue Bild klebte (so geschehen beispielsweise bei Tafel CXLI (141)). Alle drei Graveure, die mit der Vervielfältigung der Bilder betraut waren, bedienten sich Techniken des Intaglio-Druckverfahrens wie Aquatinta oder Ätzradierung. So handelt es sich bei den ersten zehn Bildtafeln von Lizars um Aquatinten. Für die übrigen Tafeln von Robert Havell Sr. und Robert Havell Jr. ist nicht eindeutig überliefert, ob es jeweils Drucke in Aquatinta- oder Ätzradierungstechnik sind. Bei beiden Verarbeitungsweisen wird auf eine Metallplatte (bei The Birds of America ausschließlich Kupferplatten) eine Schutzschicht aus Harz, Lack oder Wachs aufgetragen, in die das spiegelverkehrte Abbild des Originals eingeritzt wird. In einem Säurebad, das die Metallplatte nur an den freigelegten Stellen angreift, entsteht so eine spiegelverkehrte Kopie des Originals in der Platte. Bei einer anschließenden Einfärbung und sofortigen Reinigung der glatten Flächen des Metalls verbleiben lediglich die eingeätzten Linien farbig und können nun auf ein Papier gedruckt werden. Jede einzelne so erstellte Kopie des jeweiligen Bildes von John James Audubon wurde daraufhin von den Graveuren und deren Mitarbeitern mit Wasserfarben in aufwendiger Handarbeit nachkoloriert. Welche Methode zum Tragen kam, um das Abbild auf die Schutzschicht zu spiegeln, ist nicht bekannt. Denkbar wäre insbesondere eine Punktierung, bei der das Original zuvor auf ein Pauspapier übertragen wird. Alle Bildtafeln aus The Birds of America sind auf hochwertigem Papier von J. Whatman und J. Whatman/Turkey Mill gedruckt. Es waren zwei Nachfolgeunternehmen des anerkannten Papierherstellers James Whatman. Der Zusatz Double Elephant Folio bezieht sich auf die Größe des Papiers. Dadurch, dass Audubon die Vögel in Lebensgröße darstellen wollte, benötigte er Papier von erheblicher Größe, insbesondere da zu den dargestellten Arten auch Vögel wie Truthühner oder Pelikane gehörten. Das fertiggestellte Werk ist etwa einen Meter hoch (Format: 100 x 68 cm). Um auch noch größere Vögel wie beispielsweise einen Flamingo darstellen zu können, malte Audubon die Tiere in entsprechenden Körperhaltungen, so dass die Maße des Papiers nicht überschritten wurden. Bei der Gestaltung der Druckplatte wich Robert Havell Jr. mitunter von den Bildern ab, die ihm von Audubon geliefert wurden. So wurden gelegentlich einzelne Elemente entfernt, Vögel neu arrangiert oder Vögel aus stilistischen Gründen in eine andere Tafel eingefügt. Manchmal waren die originalen Bilder teilweise unvollständig und wurden von Havell nach Audubons Anweisungen komplettiert. Bei zwei Gelegenheiten fertigte Havell auf der Basis eines Gemäldes zwei Bildtafeln an (Nummern CCCXCIII (393) und CCCXCV (395) sowie CCCXCIX (399) und CCCCXIV (414)), so dass sich aus den 433 Bildern Audubons 435 veröffentlichte Blätter ergeben. Die Nummerierung der Bildtafeln erfolgte je nach Druckversion in der Regel in römischen Ziffern. Havell fertigte die ersten 100 Bilder bis 1830, die zweiten hundert bis 1834, die dritten hundert bis 1836 und die letzten 135 Bildtafeln bis 1838. The Birds of America konnte gebunden oder in losen Blättern bestellt werden. Der Preis für die Komplettausgabe betrug 1838 im Vereinigten Königreich 182,14 Pfund und in den USA 1000 Dollar.

Inhalt

Audubons ehrgeiziges Ziel, jeden Vogel Nordamerikas zu malen, resultierte in einem umfangreichen Werk, das insgesamt über 1050 Individuen aus mindestens 457 verschiedenen Arten darstellt. Während anfänglich noch regelmäßig eine Spezies auf den Bildtafeln dargestellt war, erhöhte sich diese Anzahl mit der Zeit, so dass bis zu fünf verschiedene Arten auf einem Blatt vertreten sind. Da sich Audubon ausschließlich im Osten der USA aufhielt und für westliche Vögel auf zugekaufte Exemplare angewiesen war, fehlen im vollendeten Werk jedoch insbesondere im Süd-Westen heimische Arten. Demgegenüber sind im Werk nicht nur amerikanische Vögel enthalten, sondern auch solche, die Audubon nur irrtümlich für in Nordamerika ansässig hielt. Bei zugekauften Vögeln verließ er sich auf die ihm gegebene Herkunftsangabe, die sich gelegentlich als falsch erwies. Ebenso sind offensichtliche Gefangenschaftsflüchtlinge wie auch europäische Vögel in The Birds of America vertreten, die Audubon in englischen Museen anhand dort ausgestellter Präparate in der Annahme malte, er hätte diese Art bereits in Nordamerika gesichtet. Beispielsweise wurde der Haubentaucher aus Tafel CCXCII (292) nach einem in London ausgestellten Exemplar gemalt. Unter den zahlreichen abgebildeten Vogelarten finden sich mit dem Karolinasittich, der Wandertaube, der Labradorente und dem Riesenalk insgesamt vier, die heute ausgestorben sind. Bei drei weiteren – dem Elfenbeinspecht, dem Gelbstirn-Waldsänger sowie dem Eskimobrachvogel – wird ebenfalls angenommen, dass es sie mittlerweile nicht mehr gibt. Daneben sind in The Birds of America verschiedene Vögel dargestellt, die Audubon erstbeschrieb; diese wurden von ihm regelmäßig nach Unterstützern und Freunden benannt, wie beispielsweise die nach dem befreundeten John Bachman benannte Kiefernammer, ursprünglich Fringilla bachmani. Die Darstellungen der Vögel in The Birds of America, die oftmals sowohl Weibchen als auch Männchen und gelegentlich Jungtiere enthielten, heben sich vor allem durch ihre Lebendigkeit und Natürlichkeit von typischen Vogelmotiven ihrer Zeit ab. Auf Gemälden abgebildete Vögel verharrten in der Regel in starren Posen, demgegenüber gab Audubon die Tiere in ihrem natürlichen Habitat und mit ihren natürlichen Bewegungen und Körperhaltungen wieder. Dieser Sprung von einer eher schematischen Darstellung hin zu einer Momentaufnahme im Leben des Tieres lässt sich anhand der Tafel CXLI (141) aufzeigen; die beiden unteren, sitzenden Raubvögel malte Audubon bereits 1809 und klebte sie in das 20 Jahre später gemalte Bild eines dritten, kurz vor dem Flug befindlichen Vogels. Die Darstellung innerhalb einer Bewegung macht einen naturgetreuen Eindruck, während die beiden anderen Vögel fast zweidimensional wirken. Wie wichtig Audubon die Abbildung natürlicher Bewegungen war, zeigt sich ebenfalls auf Tafel CXXXVII (137), auf der sich drei männliche Flötenstärlinge auf ein sich im Nest befindendes Weibchen bewegen. Die dreifache Darstellung des Männchens dürfte aufgrund der solitären Lebensweise der Art kaum nach natürlichem Vorbild gemalt sein, sondern dient wahrscheinlich dazu, mehrere Stufen eines Bewegungsablaufes (des Anfluges auf das Nest) darstellen zu können.

Unbekannte Vögel