mini|Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara, 1923 Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland ist eine zivilisationskritische Satire von Hans Paasche. Sie erschien erstmals 1912 und erhielt mehrere Neuauflagen.
Inhalt Der Afrikaner Lukanga Mukara wird von seinem König nach Deutschland geschickt, um über seine Erfahrungen dort zu berichten. Er beschreibt erstaunliche und ihm skurril erscheinende Gewohnheiten und Bräuche, wie runde Metallstücke, seltsame Kleidung, viel unnütze Bewegung und das Verbrennen von Rauch zum Einatmen.
Form Der Autor Hans Paasche verkehrt die Blickperspektiven: Während bisher die Europäer verwundert auf seltsame afrikanische Sitten und Bräuche geschaut hatten, so betrachtet nun ein fiktiver afrikanischer Besucher diese in Deutschland. Durch diesen Abstand macht er Gewohnheiten sichtbar, die für die Zeitgenossen selbstverständliche Gewohnheit waren und als normal angesehen wurden.
Diese Form hatte bereits Montesquieu mit seinen Persischen Briefen gewählt, wobei fraglich ist, ob Hans Paasche diese kannte.Werner Lange: Hans Paasches Forschungsreise ins innerste Deutschland, Bremen 1995, S. 127 f.;
Geschichte Hans Paasche hatte als Kolonialoffizier 1904/1905 in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) gelebt. Er bemühte sich, die Sprache und Kultur der Einheimischen kennenzulernen. Dabei sah er sie als gleichwertige Menschen, im Gegensatz zu den meisten anderen Kolonialbeamten und -reisenden dieser Zeit. In den folgenden Jahren engagierte er sich in der Lebensreformbewegung, die neue Formen eines einfacheren und natürlicheren Lebens zu entwickeln suchte. 1909/1910 reiste er erneut nach Ostafrika, diesmal als Privatreisender.
Danach veröffentlichte er einzelne fiktive Briefe des Afrikaners Lukanga Mukara in seiner Zeitschrift Der Vortrupp. 1921 erschienen sie erstmals in Buchform, kurz nach seiner Ermordung. Danach gab es mehrere Neuauflagen bis 1929 mit etwa 60.000 Exemplaren. Über die zeitgenössische Rezeption ist wenig bekannt.
1984 und 1988 erschienen Neuausgaben. Danach kam es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, da in diesen behauptet worden war, dass das ähnlich strukturierte Buch Der Papalagi von Erich Scheurmann von 1914 ein Plagiat sei.Jürgen von Stackelberg: Die Geschichte von den „edlen Wilden“, von Kolumbus bis Gauguin. In: derselbe: Grenzüberschreitungen. Studien zu Literatur, Geschichte, Ethnologie und Ethologie. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2007, ISBN 978-3-940344-04-5, S. 113–124, hier S. 115; auch in der anderen Forschungsliteratur. Dieses wies das Gericht in dieser pauschalen Formulierung zurück.Zwei Kultbücher und die Folgen: Ein Plagiat bekommt recht. In: Die Zeit, Nr. 48/1989. Die Tageszeitung, 19. September 1989, 21. Oktober 1989; über das Verfahren.
Ausgaben Briefe des Afrikaners Lukanga Mukara. In: Der Vortrupp. Halbmonatsschrift für das Deutschtum unserer Zeit, 1912, 1913, mehrere Fortsetzungen. Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland. Verlag Junge Menschen, Hamburg 1921, ergänzt um drei spätere Briefe; Weitere Neuauflagen 1923; und öfter. Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland. Goldmann Verlag;
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Satire Kategorie:Reiseliteratur Kategorie:Briefroman