mini|Preußischer Landtag, der Sitz des Abgeordnetenhauses von Berlin mini|Wahlergebnisse in Berlin seit 1946 mit Nichtwähleranteilen und Ausschöpfungsquoten Die Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus von Berlin fand am 20. September 2026 für eine Legislaturperiode von fünf Jahren statt. Die Linkspartei erreichte mit 25,7 % zum zweiten Mal – nach der Landtagswahl in Thüringen 2019 – die Rolle als stärkste Kraft in einer Landtagswahl, während andere Parteien – außer der AfD mit 16,3 % – überwiegend Verluste hinnehmen mussten. Nach der Wahl gelten Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp und Finanzsenator Stefan Evers, dessen CDU mit 18,8 % zweitstärkste Kraft wurde, als mögliche Kandidaten für das Amt des Regierungsschefs. Sie hätten jeweils mit Grünen (14,3 %) und SPD (12,1 %) zusammen eine entsprechende parlamentarische Mehrheit. Das BSW verpasste den Einzug ins Abgeordnetenhaus knapp mit 4,7 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 %.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) führte bisher eine Senatsregierung aus CDU und SPD und war nicht zur Wiederwahl angetreten. Rund 2,5 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Gleichzeitig fanden Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen sowie die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern statt. Zwei Wochen zuvor war in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt worden.
Organisation
Wahlsystem In Berlin finden alle fünf Jahre zeitgleich die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) statt.
Wahlberechtigt sind deutsche Staatsangehörige ab 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in Berlin wohnen. Jede Person hat zwei Stimmen:
Erststimme: Wahl eines Direktkandidaten in einem der 78 Wahlkreise (Direktmandat). Zweitstimme: Wahl einer Partei, die mindestens 5 % der Zweitstimmen oder ein Direktmandat benötigt, um ins Parlament einzuziehen. Per Verhältniswahl wird dort die Sitzverteilung bestimmt.
Das Abgeordnetenhaus hat regulär 130 Sitze, die sich durch Überhang- und Ausgleichsmandate erhöhen können.
Wahltermin Das 19. Abgeordnetenhaus hatte sich am 4. November 2021 konstituiert und beschloss keine vorzeitige Auflösung. Artikel 54 der Berliner Verfassung bestimmt, dass eine reguläre Neuwahl frühestens 56 und spätestens 59 Monate nach Beginn der Wahlperiode des Abgeordnetenhauses stattfindet. Als Termin zur regulären Wahl des 20. Abgeordnetenhaus wurde bereits im Mai 2025 der 20. September 2026 ins Auge gefasst, eine Woche vor dem Berlin-Marathon, der 2021 gleichzeitig mit Bundestagswahl 2021 und den Berliner Wahlen stattfand, was zu den Problemen am Superwahltag beigetragen hat. Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026 wurde im Juli 2025 auf den gleichen Termin gelegt, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 zwei Wochen vorher auf ihren spätestmöglichen Termin, nachdem 2021 schon Anfang Juni gewählt wurde.
Ausgangslage
Die letzte reguläre Wahl zum Abgeordnetenhaus fand statt am 26. September 2021, zeitgleich mit der Bundestagswahl. Aufgrund verschiedener Pannen und Missstände bei der Durchführung musste die Wahl laut Urteil des Berliner Verfassungsgerichtshofes wiederholt werden. Da es sich nicht um eine Neuwahl aus politischen Gründen handelte, blieb die Legislaturperiode des 19. Abgeordnetenhauses davon uneingeschränkt. Nachdem die SPD unter Franziska Giffey 2021 ursprünglich das Rote Rathaus regierte, ging am 12. Februar 2023 die CDU als stärkste Kraft aus der Wahlwiederholung hervor. Damit gelang den Christdemokraten erstmals nach 1999, die SPD auf die zweite Position zu drängen. Diese hielten die Sozialdemokraten hauchdünn mit nur 53 Stimmen Vorsprung vor den Grünen. Die Linke erreichte mit einem erneuten Stimmenverlust wieder den vierten Platz; dahinter lag die AfD. Die FDP verpasste den Einzug in das Parlament, den die Liberalen bei der ursprünglichen Wahl noch deutlich erreicht hatten. Alle anderen Parteien blieben klar unter der Fünf-Prozent-Hürde. Das BSW formierte sich erst im Oktober 2023 und war seit Übertritt des Linken-Abgeordneten King im Parlament vertreten. +Bisher im Abgeordnetenhaus vertretene ParteienFraktion / LandesverbandKurzbe-zeichnungSitze nach Wahl 2023 vor Wahl 2026 Christlich Demokratische Union Deutschlands CDU 52 52 Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD 34 36 Bündnis 90/Die Grünen GRÜNE 34 33 Die Linke LINKE 22 20 Alternative für Deutschland AfD 17 16 Fraktionslos, davon Bündnis Sahra Wagenknecht Parteilos BSW ——
2 1 1
Parteien und Bewerber Der Landeswahlausschuss ließ als zuständiges Gremium insgesamt 17 Parteien und Listen zur Wahl zu. Darunter sind alle sechs bislang im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. CDU, SPD sowie die Linke treten in der ganzen Stadt mit Wahlvorschlägen (Listen) auf Bezirksebene an. Die „Bergpartei“ und „Die Heimat“ (ehemals NPD) sind nur in manchen Bezirken wählbar. Die anderen 12 Parteien treten jeweils mit einer einheitlichen Landesliste an.
mini|210x210px|Finanzsenator Stefan Evers, CDU-Spitzenkandidat mini|225x225px|Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat mini|224x224px|Werner Graf, Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen mini|190x190px|Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken mini|200x200px|Kristin Brinker, AfD-Spitzenkandidatin mini|151x151px|Alexander King, BSW-Spitzenkandidat Spitzenkandidaten Der Regierende Bürgermeister von Berlin wird nach der Wahl durch das Parlament bestimmt. Als Spitzenkandidaten benennen Parteien die Kandidaten, die im Falle eines Wahlerfolgs die Regierungsbildung anführen und das Amt der Regierungschefs übernehmen sollen. Üblicherweise werden diese Kandidaten auch als Listenführer an Platz 1 der jeweilgen Wahlvorschläge gesetzt. Es wird erwartet, dass eine Koalitionsbildung notwendig wird, wenn keine einzelne Partei die absolute Mehrheit erreicht.
Für die CDU war ursprünglich der amtierende Bürgermeister Kai Wegner als Spitzenkandidat benannt worden: Am 9. Juni stimmten beim Landesparteitag 93 % der Delegierten für seine Nominierung. Zuvor hatte ihn der Schriftsteller Wolfram Wickert überraschend herausgefordert. Wegner war bereits mehrfach in die Kritik geraten, zuletzt für sein Agieren während des Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang 2026. Am 10. Juli gab er innererparteilichen Rücktrittsforderungen schließlich nach und verzichtete auf seine Kandidatur. Er wolle seine Amtszeit zu Ende führen und anschließend nicht für ein Senatorenamt zur Verfügung stehen. Am 13. Juli übernahm der bisherige Finanzsenator Stefan Evers sowohl einstimmig die Spitzenkandidatur als auch den kommissarischen Parteivorsitz der CDU Berlin.
Die SPD hatte bereits im Vorjahr Steffen Krach zum Spitzenkandidaten nominiert. Auf dem Landesparteitag am 15. November wurde der bisherige Regionspräsident von Hannover und Ex-Wissenschaftsssenator (2014–2021) einstimmig nominiert. Er wolle für die SPD das Rote Rathaus zurückerobern. Dieses war 2023 von Franziska Giffey an die CDU verloren gegangen. Gegen Krach wurden nur wenige Tage vor der Wahl Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover eingeleitet: In seiner Rolle als Regionspräsdient wird Krach die Verletzung von Geheimhaltungspflichten und Vorteilsannahme in einer Ausschreibung vorgeworfen. Krach wies alle Vorwürfe zurück und bekräftigte, an seiner Kandidatur festhalten zu wollen.
Für die Grünen tritt Werner Graf im Rennen um das Bürgermeisteramt an. Gemeinsam mit Bettina Jarasch, Spitzenkandidatin von 2021, wurde er zur Spitze eines Führungsduos nominiert. Beide erhielten rund 82 % der Stimmen bei der Delegiertenkonferenz am 22. November 2025.
Die Linkspartei nominierte ihre bisherige Vize-Fraktionschefin Elif Eralp zur Spitzenkandidatin am 15. November 2025 per Akklamation auf einem Landesparteitag in Lichtenberg.
Bei der AfD ist Partei- und Fraktionschefin Kristin Brinker bereits zum dritten Mal Spizenkandidatin ihrer Partei. Erstmals nominierte sie ihr Landesverband im Mai 2026 auch als Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin. Sie war Gast auf Vernetzungstreffen mit Rechtsextremen, gilt aber innerhalb der AfD als verhältnismäßig zurückhaltend in Auftritt und Ansprache.
Das zwei Jahre zuvor gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ist durch das ehemalige Linken-Mitglied Alexander King im Abgeordnetenhaus vertreten. Er wurde gemeinsam mit Islamwissenschaftler Michael Lüders zum Spitzenduo des BSW nominiert, das erstmals zur Abgeordnetenhauswahl antritt.
Parteien KürzelParteiAusrichtungSpitzenkandidatLetzte WahlSitze vor der WahlCDUChristlich Demokratische Union DeutschlandsKonservatismus, ChristdemokratieStefan Evers28,2 %52SPDSozialdemokratische Partei DeutschlandsSozialdemokratie, ProgressivismusSteffen Krach18,4 %36GrüneBündnis 90/Die GrünenGrüne Politik, SozialliberalismusWerner Graf, Bettina Jarasch18,4 %33Die LinkeDie LinkeDemokratischer SozialismusElif Eralp12,2 %20AfDAlternative für DeutschlandRechtsextremismus, RechtspopulismusKristin Brinker9,1 %16FDPFreie Demokratische ParteiWirtschaftsliberalismus, OrdoliberalismusChristoph Meyer4,6 %0TierschutzparteiPartei Mensch Klima TierschutzTierrechtsbewegungNico Poschinski2,4 %0Die PARTEIPartei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung & basisdemokratische InitiativeSatire, Populismus–1,4 %0VoltVolt DeutschlandEuropäischer Föderalismus, LinksliberalismusAnna Auerbach, Paul Loeper0,9 %0Die UrbaneDie Urbane. Eine HipHop ParteiLinke PolitikNiki Drakos, Raphael Moussa Hillebrand0,2 %0DKPDeutsche Kommunistische ParteiKommunismusArnold Schölzel0,2 %0ÖDPÖkologisch-Demokratische ParteiUmweltschutz, Direkte DemokratieThomas Kuhn0,1 %0HeimatDie HeimatRechtsextremismus, Neonazismus–0,1 %0B*Bergpartei, die ÜberparteiÖko-Anarchismus–0,1 %0SGPSozialistische Gleichheitspartei, Vierte InternationaleSozialismus–0,1 %0BSWBündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und GerechtigkeitLinkskonservatismus, PopulismusAlexander King, Michael Lüders–1PdFPartei des FortschrittsSozialliberalismus, BasisdemokratieAimee Kühn, Salem Rezik–0
Umfragen Sonntagsfrage