San Augustine County ist ein County im östlichen Teil des US-Bundesstaats Texas. Der Sitz der County-Verwaltung (County Seat) befindet sich in San Augustine. Historisch gehört es zu den frühesten Ansiedlungszentren angelsächsischer Siedler in Texas. Benannt ist es nach einem christlichen Heiligen, Augustinus von Hippo. Das County ist ländlich geprägt; wirtschaftlich dominieren Land- sowie die in Osttexas stark präsente Holzwirtschaft. Aufgrund des nahegelegenen Sam Rayburn Reservoirs sowie zweier als National Forest ausgewiesener Gebiete kommt als weiterer Faktor der Naherholungstourismus hinzu. Mit 7918 Einwohnern (Volkszählung: 2020) sowie einer Flächenausdehnung von 1534 Quadratkilometern zählt das County eher zu den „kleinen“ texanischen Countys. Einzige City im County ist San Augustine; mit dem Status Town versehen ist darüber hinaus die im Südteil des Bezirks gelegene Ortschaft Broaddus.

Geografie mini|links|San Augustine Residential Historic District

San Augustine County liegt im äußersten Osten von Texas, nicht weit entfernt von der Staatsgrenze zu Louisiana. Seine Flächengröße beträgt 1534 Quadratkilometer; 167 davon sind Wasserfläche. Die südliche Grenze bildet das Sam Rayburn Reservoir – ein langgezogener Stausee, welcher den Unterlauf des Angelina River aufstaut. Die Westgrenze zum benachbarten Nacogdoches County bildet der Attoyac Bayou, ein Fließgewässer, welches in das Sam Rayburn Reservoir einmündet. Zentrales Gewässer ist der Ayish Bayou. Er fließt in Nord-Süd-Richtung durch das County und mündet ebenfalls in das Sam Rayburn Reservoir. Im Uhrzeigersinn grenzt der Bezirk an die Countys Nacogdoches (Westen), Shelby (Norden), Sabine (Osten), Jasper (Südosten) und Angelina (Südwesten).San Augustine County. Vista K. McCroskey, Texas State Historical Association (TSHA), 15. Juni 2010 (Engl.) Die Entfernung zwischen der Bezirkshauptstadt San Augustine und dem – die Grenze zum US-Bundesstaat Louisiana bildenden – Sabine River beträgt rund 20 Kilometer, die zur Regionalmetropole Nacogdoches rund 30 Kilometer. Die Entfernung zur nord-zentraltexanischen Metropole Dallas beträgt rund 300 Kilometer, die zum osttexanischen Metropolzentrum Houston knapp 200.Siehe Karten-Abbildung bei Google Maps sowie County-Karte (PDF; 813 kB) im Portal der Texas State Historical Association (TSHA); aufgerufen am 24. Oktober 2018.

Großlandschaftlich ist San Augustine County Teil der osttexanischen East Timberland-Region. Vorherrschend ist eine ebene, stark bewaldete Landschaft mit sanft-welligen Erhebungen. Vorherrschend ist Kiefern- und Harthölzer-Bewuchs – bei letzteren vor allem Eichen. Die Waldlandschaft wird vor allem von Ackerland sowie Weide- beziehungsweise Heuanbau-Flächen durchbrochen. Der Boden variiert von hellen, sandigen Partien zu rotem Lehmboden und dunklem Lehmboden im Süden. Die Höhenlage liegt zwischen 40 und 120 Meter über dem Meeresspiegel. Häufig vorkommende mineralische Rohstoffe sind Öl, Gas, Braunkohle, Industriesand sowie Ton. Zwischen 21 und 30 Prozent des Bodens sind erstklassiges Ackerland. Neben Gemüse-, Baumwolle- und Maisanbau sind Milchwirtschaft sowie Hühnerzucht die vorherrschenden Faktoren; als weiterer Faktor hinzu kommt die in Osttexas stark verbreitete Holzwirtschaft.

Die Siedlungsstruktur ist dünn und ländlich geprägt. Rund ein Viertel der Einwohnerschaft (2.216 gemäß der Volkszählung von 2010) lebt in der Bezirkshauptstadt San Augustine. Einzige größere Ortschaft ist Broaddus im Süden des Countys (Einwohnerzahl: 216). Neben dem Angelina National Forest, der den Großteil der südlichen Bezirkshälfte einnimmt und teilweise ins benachbarte Angelina County hineinragt, hat das County einen kleinen Anteil am Sabine National Forest, welcher in östlicher Richtung bis zur Bundesstaatsgrenze zu Louisiana reicht. Wichtige Verbindungsstraßen sind der – in West-Ost-Richtung durch San Augustine hindurchführende – State Highway 21, der in Nord-Süd-Richtung an der Stadt vorbeiführende US-Highway 96, der in Süd-Nord-Richtung durch den Angelina National Forest hindurchführende State Highway 147 und der den Südteil des Countys passierende State Highway 103. Ergänzt wird das Straßensystem durch einige Farm-to-Market-Roads, die teilweise ebenfalls die Bezirkshauptstadt zum Zielpunkt haben.

Das Klima in der Region ist – gemäß der Klassifikation von Köppen – subtropisch-feucht (Typus: Cfa). Typisch sind heiße, feuchte Sommer und milde bis kühle Winter. Die Sommer fallen normalerweise etwas feuchter aus als die Winter. Darüber hinaus liegt die Region im Einzugsgebiet tropischer Wirbelstürme. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in der Bezirkshauptstadt San Augustine beträgt 19 °C. Wärmster Monat ist Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 28,1 °C, kühlster Monat der Dezember mit einer Durchschnittstemperatur von 9,2 °C. Höchste gemessene Temperaturen sind 44,4 °C im August, die niedrigsten −13,3 °C im Januar. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge ist 1331 mm. Regenreichster Monat mit 142,2 mm ist Dezember, trockenster Monat mit 86,4 mm Juli.San Augustine, Texas. weatherbase.com, aufgerufen am 24. Oktober 2018 (Engl.)

Geschichte Spanische und mexikanische Kolonialphase mini|Spanische Kolonialzeit: Texas als Provinz des Königreichs Neuspanien hochkant|mini|Sam Houston (1856)

Vor der Ankunft der Europäer war die Region von Stämmen der Caddo-Gruppe bewohnt. Die Gegend um den Ayish Bayou war das Refugium einer Untergruppe, der Ais. Eine spanische Expedition durchstreifte bereits 1540 das Gebiet. Da die nördliche Grenze von Neuspanien weitab der zentralmexikanischen Verwaltungszentren lag, fanden bis zum Ende des 17. Jahrhunderts keine weiteren Erkundungs- oder Besiedlungsaktivitäten statt. 1690 ließen sich französische Händler in der Nähe des heutigen Natchitoches in Louisiana nieder. Sie fanden drei Indianersiedlungen vor mit ungefähr 500 Einwohnern. Als Reaktion auf die französischen Aktivitäten zeigten nunmehr auch die Spanier verstärktes Interesse. Domingo Téran de los Rios erkundete den Verbindungsweg, der später zur Fernstraße Old San Antonio Road (spanischsprachige Bezeichnung: El Camino Real de los Tejas; kurz auch: El Camino Real) ausgebaut wurde. 1717 gründete der Dominikaner Antonio Margil de Jesús eine feste Ortspräsenz: die am Ayish Bayou gelegene Missionsstation Nuestra Señora de los Lolores de los Ais. 1773 deklarierte die neuspanische Verwaltung die Indianermission in der Region als gescheitert und gab sämtliche Missionsstationen in Nordosttexas auf.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts setzte die Neubesiedlung ein. Träger waren in der Regel ehemalige Bewohner. In unmittelbarer Nachbarschaft des neu konstituierten Ayish-Bayou-Bezirk befand sich ab 1806 der sogenannte Neutral Ground. Festgelegt als Pufferzone zwischen der neuspanisch-mexikanischen Provinz Texas und dem US-amerikanischen Louisiana, entwickelte sich der – auch unter dem Namen Sabine Free State bekannte – Landstreifen zu einem Magnet für Abenteurer, Gesetzlose und Landspekulanten. In den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ließen sich die ersten angelsächsischen Einwanderer im Ayish Bayou-Distrikt nieder. Hinzu kamen versprengte Überreste östlicher Indianerstämme wie der Cherokee, Kickapoo, Delaware und Shawnee. 1819 wurde das erste Sägewerk errichtet; 1825 setzte der Baumwollanbau in der Region ein. Schwerpunkt der angelsächsischen Ansiedlung war der nördliche Bereich des heutigen Countys. Während des ersten Aufstandsversuchs gegen die mexikanische Zentralmacht, der Fredonian Rebellion im Jahr 1827, verhielten sich die Siedler der Region abwartend. Im Zug weiterer Auseinandersetzungen mit der mexikanischen Zentralregierung, die 1832 in der Schlacht von Nacogdoches eskalierten und die mexikanische Militärpräsenz in Osttexas de facto beendete, stellte die Ansiedlung ein eigenes Freiwilligen-Kontingent.

Die Gründung der späteren County-Hauptstadt San Augustine erfolgte 1834. Ein unter dem Vorsitz des Alcalde der Siedlung, William McFarland, bestimmtes Komitee aus 15 Bewohnern legte gemeinsam den Platz der Stadtgründung fest. Die Bewohner der Ayish Bayou-Siedlungen beteiligten sich aktiv an den Unabhängigkeitskonvents 1832 und 1833. Der spätere texanische Präsident Sam Houston errichtete in San Augustine ein Büro. Im Zug des Ausbruchs der Unabhängigkeitskämpfe wurde er 1836 zuerst zum Kommandeur der Streitkräfte in San Augustine gewählt, später zum Oberbefehlshaber der gesamten texanischen Streitkräfte. Kurzzeitig in San Augustin auf hielt sich auch der aus Tennessee stammende ehemalige Kongressabgeordnete Davy Crockett. 1835 in der Absicht nach Texas gekommen, sich in der Red-River-Region niederzulassen, verpflichtete er sich nach seiner Ankunft auf den Kampf für die texanische Unabhängigkeit.Davy In East Texas. Bob Bowman, Texas Escape, 30. August 2009 (Engl.) Mit einer kleinen Gruppe von Tennessee-Freiwilligen verließ er Anfang 1836 San Augustine, um die Besatzung des vorgeschobenen Postens Fort Alamo bei San Antonio zu unterstützen.Die Angaben zur Anzahl der Freiwilligen, die mit Davy Crockett nach Alamo zogen, variieren zwischen 12 und 14. Das Magazin Geo gibt in seiner Beschreibung der Schlacht von Alamo die Anzahl von 14 Grenadieren (exklusive Crockett selbst) an. Siehe: „Remember the Alamo“. Marion Hombach, GEO Nr. 68: Der Wilde Westen, August 2014. Im Zug des Vormarschs der mexikanischen Armee unter General Antonio López de Santa Anna – speziell nach dem Massaker von Goliad am 27. März 1836 – verließen viele Einwohner die Stadt. Nach dem kriegsentscheidenden Sieg von San Jacinto erfolgte die Wiederaufnahme der üblichen Ansiedlungsaktivitäten.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mini|links|Afroamerikanische Siedlungsschwerpunkte in den USA mini|Baumwolle – lange Zeit ein wichtiges Anbauprodukt mini|Holz-Abtransport via Eisenbahn (1916)

1837 wurde San Augustine County – als eines der ersten texanischen Countys nach Erringung der Unabhängigkeit – offiziell begründet. Die bewaffneten Konflikte in der osttexanischen Region dauerten bis Mitte der 1840er Jahre an. 1838 wurde die Córdova Rebellion niedergeschlagen – ein Versuch der mexikanischstämmigen Altsiedler, ihre gesellschaftliche Position zu behaupten. 1839 wurden die letzten Indianer, die noch in der osttexanischen Region lebten, gewaltsam vertrieben. Die Konflikte, welche durch die Gesetzlosen-Ansiedlungen in der Neutral-Ground-Zone in die Region hineingetragen wurden, eskalierten ab 1840 im sogenannten Regulator–Moderator War – einer Fehde, in der sich zwei Fraktionen von Landerschließern gegenseitig bekämpften und die mehrere Countys in Osttexas in Mitleidenschaft zog. Beendet werden konnte der Konflikt erst durch eine Intervention Sam Houstons. 1844 wurde die Region zur allgemeinen Besiedlung freigegeben. Die meisten Neusiedler waren Kleinbauern und Viehzüchter aus Alabama und Tennessee.

Im Verlauf der Antebellum-Periode vor dem Bürgerkrieg prosperierte die Region. Die landwirtschaftliche Wirtschaft mit den Schwerpunkten Baumwoll- und Maisanbau wurde zunehmend durch Schulen, öffentliche Verwaltungseinrichtungen, Zeitungen sowie Manufakturen ergänzt. Eine Begleiterscheinung der historischen Entwicklung war die Übernahme des südstaatlichen Systems der Sklaverei. Eine Folge davon: der hohe, für Osttexas charakteristische Anteil an afroamerikanischer Bevölkerung. Entsprechend stieg mit der Anzahl der (freien) County-Bewohner auch die Anzahl der Sklaven: 1850 lebten im County 3648 Einwohner, darunter 1561 afroamerikanische Sklaven, 1860 waren es 4094 Einwohner, darunter 1717 Sklaven.