Shelby County ist ein County im östlichen Teil des US-Bundesstaats Texas an der Grenze zum US-Bundesstaat Louisiana. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 24.022 ermittelt. Die Bezirkshauptstadt (County Seat) ist Center.

Shelby County wurde 1836 gegründet, zählt zu den Original-Countys der Republik Texas und wurde nach Isaac Shelby, einem früheren Gouverneur von Kentucky, benannt. Bis zum Bürgerkrieg war Shelby County Teil der sich quer durch den tiefen Süden ziehenden Sklavenhalter-Region. Landschaftlich ist es Teil der osttexanischen Piney Woods-Region. Wirtschaftlich prägende Faktoren sind Geflügelproduktion, Holzwirtschaft, Baumwolle sowie – in kleinerem Ausmaß – Erdöl- und Erdgas-Förderung.

Geografie mini|links|Sabine River Bridge nahe Joaquin Shelby County liegt im äußersten Osten von Texas. Mit über 2100 Quadratkilometern Fläche – davon 105 Quadratkilometer Wasserfläche – zählt es zu den mittelgroßen texanischen Countys.Shelby County, Cecil Harper, Jr., Texas State Historical Association (TSHA), 15. Juni 2010 (Engl.) Seine östliche Grenze bildet der Sabine River. Der Fluss – südlich der Stadt Joaquin aufgestaut zum Toledo Bend Reservoir – bildet die Grenze zum US-Bundesstaat Louisiana. Nachbarcountys im Uhrzeigersinn sind: Sabine und San Augustine im Süden, Nacogdoches im Südwesten, Rusk im Westen und Panola im Norden. Im Osten grenzt Shelby County an die beiden zu Louisiana gehörenden Parishes De Soto und Sabine. Grenzgewässer zu den beiden westlich liegenden Countys Nacogdoches und Rusk ist der Attoyac Bayou – ein Stehgewässer, das in das Sam Rayburn Reservoir einmündet.Siehe Karten-Überblick Shelby County, Texas Almanac (PDF; 960 kB) und Overview of Shelby County, Texas, statisticalatlas.com, aufgerufen am 6. Dezember 2018 (Engl.)

Zwei weitere größere Gewässer innerhalb der Countygrenzen sind der Fiat Fork Creek und der Tenaha Creek. Sie durchfließen das County in West-Ost-Richtung und münden beide in den Sabine River. Markantester Landschaftspunkt ist das Toledo Bend Reservoir. Der Stausee nimmt fast das gesamte östliche Countyufer in Beschlag. Mit 104 Kilometer Länge und einer durchschnittlichen Breite von 16 Kilometern ist er die größte künstlich geschaffene Wasserfläche im Süden der Vereinigten Staaten. Westlich an den Stausee an schließt sich der Angelina National Forest, welcher ungefähr ein Drittel der Countyfläche in Beschlag nimmt.

mini|links|Toledo Bend Reservoir Landschaftlich gehört das – mit dem Slogan Gateway to the Texas Forest Country für seinen Naturreichtum werbende – County zur Piney Woods-Region beziehungsweise der East Texas Timberlands – einer waldreichen Ökoregion, die sich über ihren Kern in Osttexas hinaus bis nach Louisiana, Arkansas und Ost-Oklahoma erstreckt.The City of Center, Texas, east-texas.com, aufgerufen am 6. Dezember 2018 (Engl.) Vorherrschend ist eine ebene Landschaft mit sanft-welligen Erhebungen. Das Gebiet zeichnet sich durch starken Waldbewuchs aus. Dominierende Baumarten sind Kiefern, Zypressen und Eichen. Die durchschnittliche Höhe variiert zwischen 40 und 120 Metern über dem Meeresspiegel. Die Bodenart variiert zwischen grauem, sandigen Lehm in den höheren Lagen und schwarzem Lehmboden. Zwischen 21 und 30 Prozent des Bodes gelten als erstklassiges Ackerland. Landwirtschaftlich dominieren neben der in ganz Osttexas stark betriebenen Holzwirtschaft Heuanbau, Viehzucht sowie Hühnerhaltung. An Rohstoffen verfügt der Bezirk über Vorkommen von Braunkohle, Erdöl, Erdgas sowie Sand.

mini|links|Baumwollfeld mini|rechts|Piney Woods-Landschaft in Osttexas Die Siedlungsstruktur gruppiert sich um die in der Countymitte gelegene Bezirkshauptstadt Center – mit über 5000 Einwohnern die größte Stadt des Gebiets. Weitere Orte mit dem Status City oder Town sind Timpson, Tenaha sowie die am Sabine River beziehungsweise dem Toledo Bend Reservoir gelegenen Ortschaften Joaquin und Huxley. Mittlerweile keine eigenen Verwaltungsrechte mehr innehat die ehemalige, rund sieben Kilometer südöstlich von Center liegende Bezirkshauptstadt Shelbyville.Welcome to Shelby County Texas, Jane Keppler, 1997, countygenweb.com, aufgerufen am 6. Dezember 2018 (Engl.) Der Süden und Südosten des Countys verfügt über keinerlei feste Ortschaften. Die Besiedlung weist insgesamt einen agrarischen, von Einzelgehöften und kleinen Ansiedlungen geprägten Charakter auf. Eine Folge davon sind zahlreiche nahezu unbekannte Kleinansiedlungen wie White Elephant, Toomey, Sarat und Rainsville – Ortschaften, deren Name oftmals nur noch einen historischen Wert hat. Mittlerweile Geisterdörfer (Englisch: Ghost Towns) sind die ehemaligen Ortschaften Brooklyn und Buena Vista.. East Texas Press, 21. Juni 2018 (Engl.)

Wichtigste überregionale Verbindungsstraßen sind die beiden US-Highways 59 und 96. Ersterer führt von Nacogdoches über den nördlichen Teil des Countys in Richtung Louisiana. Der zweite durchquert das County-Gebiet in Nord-Süd-Richtung Richtung Golfküste. Darüber hinaus verfügt das County über einige Farm-to-Market-Roads, deren Zielpunkt meist die Bezirkshauptstadt Center ist. Eisenbahnlinien im County unterhalten die Union Pacific Railroad und die BNSF Railway – erstere in Nord-Süd-Richtung über Center, letztere durch den Nordteil des Countys mit den Stationen Timpson, Tenaha und Paxton.

Das Klima in der Region ist – gemäß der Klassifikation von Köppen – subtropisch-feucht (Typus: Cfa). Typisch sind heiße, feuchte Sommer und milde bis kühle Winter. Die Sommer fallen normalerweise etwas feuchter aus als die Winter. Die Durchschnittstemperaturen bewegen sich zwischen 34 °C im Juli und +1 °C im Januar. Der durchschnittliche monatliche Niederschlag beträgt 127 Millimeter; die Vegetationsperiode erstreckt sich über eine durchschnittliche Spanne von 240 Tagen im Jahr. Das Tornado-Risiko wird seitens der Rating-Webseite homefacts.com als „moderat“ eingestuft. Größter Tornado in der Region war ein F4 (Kategorie „verheerend“) im Februar 1950, der 77 Verletzte und 18 Todesfälle zur Folge hatte., tornadotalk.com, aufgerufen am 6. Dezember 2018 (Engl.)

Geschichte Bis zum 20. Jahrhundert mini|links|Texas als Provinz von Neuspanien mini|rechts|Expedition von Hernando de Soto und Luis de Moscoso am Mississippi River. Gemälde von 1853 Vor der Ankunft spanischer Konquistadoren lebten in diesem Teil des heutigen Texas vor allem Stämme und Völker der Caddo – einer indianischen Kultur, die Landwirtschaft betrieb und auf deren Angehörige auch die Mississippi-Kultur (um 1000 n. Chr.) zurückging. Welche Europäer die Region zuerst erkundeten, lässt sich heute nicht mit Bestimmtheit sagen. Möglich ist, dass die Moscoso-Expedition von 1542 bereits dieses Gebiet streifte. Ebenso möglich ist allerdings, dass der erste Kontakt ortsansässiger Indianerstämme mit Weißen erst im 18. Jahrhundert stattfand. Eine erste Verbindungsstraße in die Region basierte auf einem alten Indianerpfad, der später Teil der Old San Antonio Road wurde. Das nördlich davon gelegene Gebiet, das heute das Territorium des Shelby County umfasst, gehörte ebenfalls zum Vizekönigreich Neuspanien, dürfte allerdings erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts näher erkundet worden sein.

mini|links|Shelby County und umliegende Gebiete 1839–1844 mini|rechts|hochkant|Sam Houston (1856) Die ersten angloamerikanischen Siedler ließen sich in der Region in den 1810er-Jahren nieder. Unter mexikanischer Herrschaft firmierte sie unter den Bezeichnungen Tenehaw District beziehungsweise Tenaha Municipally. Als erste feste Siedlung entstand 1824 Nashville – das spätere Shelbyville. 1836 wurde Shelby County offiziell begründet – als eines der sieben texanischen Originalcounties mit Shelbyville aus Hauptstadt. In den 1840er-Jahren wurde die Region von einer blutigen Fehde zwischen zwei konkurrierenden Vigilanten-Gruppen stark in Mitleidenschaft gezogen – dem Regulator–Moderator War. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen gilt als die blutigste Fehde der texanischen Geschichte. In ihrem Verlauf kamen zwischen 30 und 40 Personen gewaltsam ums Leben. Nachdem sie sich auch geografisch immer mehr ausweitete und mehrere Nachbarcountys in Mitleidenschaft zog, griff der texanische Präsident Sam Houston ein und ließ sie durch Entsendung der texanischen Miliz beenden.

Um 1847 lebten rund 3300 Personen in Shelby County – ein Stand, der in etwa dem der Nachbarcountys Panola und San Augustine entsprach. Bis zum Bürgerkrieg stieg die Einwohnerzahl auf rund 5300 an. Zunächst basierte die Wirtschaft des Landkreises auf Mais- und Haferanbau sowie Viehzucht. Der Anbau von Baumwolle spielte zunächst eine untergeordnete Rolle. Aufgrund der kommerziellen Rendite, welche die Baumwollwirtschaft versprach, weitete sie sich bis zum Bürgerkrieg jedoch deutlich aus. Einher ging die etablierte Wirtschaftsstruktur mit der Etablierung der – aus den Südstaaten eingeführten – Sklaverei. 1860 lebten knapp 1500 unfreie Afroamerikaner in dem Gebiet. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung war zwischenzeitlich von 23 % im Jahr 1847 auf 28 % gestiegen. Wie weite Teile von Osttexas zählte auch Shelby County zur klassischen Antebellum-Sklavenhalterregion.Shelby County. Kurzportrait in Texas Almanac, aufgerufen am 6. Dezember 2018 (Engl.)

Die Sezession des Südens wurde von den Einwohnern des Countys fast einhellig befürwortet. Einer Schätzung zufolge dienten im Verlauf des Bürgerkriegs fast 750 Männer aus Shelby County in lokalen und überregionalen konföderierten Einheiten. Von unmittelbaren Kampfhandlungen war das County nicht betroffen; auch die in weiten Teilen des Südens obligatorische Besetzung durch Unionstruppen blieb ihm erspart. Wie an vielen Orten im Süden führte die Politik der Reconstruction sowie die damit verbundene Sklavenbefreiung zum Ausbruch neuer Konflikte. Da Shelby County kein Brennpunkt der Rekonstruktions-Politik war, wurde der Kreis bereits ab 1869 wieder von Anhängern der Südstaaten-Demokraten kontrolliert. 1866 wurde die zentral in der County-Mitte gelegene Stadt Center zum neuen County Seat bestimmt. Während die Bedeutung des neuen Verwaltungszentrums stetig zunahm, geriet das 17 Kilometer entfernte Shelbyville zunehmend ins Abseits.

20. und 21. Jahrhundert mini|links|Holztransport in der Nähe des Sabine River (1916) Bis in die 1920er-Jahre hinein blieb Shelby County eine ländliche, von Landwirtschaft bestimmte Gegend. Das Verkehrsnetz sowie die sonstige Infrastruktur wurden nach und nach den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Seit 1885 war der nördliche Teil des Countys an das Streckennetz der Houston East und West Texas Railway angeschlossen; ab 1904 wurden das Eisenbahnverbindungen durch die Golf, Beaumont und Great Northern Railroad komplettiert, welche das Zentrum des Bezirks von Nord nach Süd durchquerte. Folge der Eisenbahnanbindung war die Gründung einiger neuer Städte nahe der nördlichen Countygrenze – beispielsweise Timpson und Joaquin. Andere – wie Tenaha – entwickelten sich von kleinen Flecken zu prosperierenden Ortschaften. Die sozialen Verwerfungen in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg führten auch in Osttexas zum Wiederaufleben rassistischer Aktivitäten. Eine Besonderheit dieser landesweit grassierenden Welle an Lynchjustiz waren die gehäuften Lynchmorde an Afroamerikanern. Zwei dieser Vorfälle – einmal 1924 und einmal 1928 – fanden in der Bezirkshauptstadt Center statt. In beiden Fällen holte eine aufgebrachte Menge tatverdächtige Afroamerikaner aus dem Gefängnis und hängte sie an einem Baum vor dem Gerichtsgebäude öffentlich auf.Center Hanging Oak. Famous Threes of Texas, aufgerufen am 6. Dezember 2018 (Engl.)East Texas town struggles with the past. Allan Turner, Washington Times, 5. Juli 2015 (Engl.)

mini|rechts|hochkant|Öffentlicher Lynchmord an Lige Daniels (Center, 1920)