mini|Edward Teller (1958) Edward Teller, , (* 15. Januar 1908 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 9. September 2003 in Stanford, Kalifornien), war ein österreich/ungarisch-US-amerikanischer Physiker. Er leistete wichtige Beiträge auf den verschiedensten Gebieten der Physik. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er als „Vater der Wasserstoffbombe“ bekannt. Teller selbst lehnte diese Betitelung für seine Person ab. Teller, Memoirs. S. 546.

Teller studierte an der Technischen Hochschule Karlsruhe und promovierte 1930 in Leipzig bei Friedrich Hund und Werner Heisenberg. Wegen seiner jüdischen Herkunft entschied er sich 1933, das nationalsozialistische Deutschland zu verlassen und ins Vereinigte Königreich zu emigrieren, wo er 1934 in London eintraf.Academy of Achievement: , Teller in einem Interview auf 'achievement.org/' – Academy of Achievement: , Teller in einem Interview auf 'achievement.org/' – 1935 emigrierte er in die USA. Dort wurde er Mitarbeiter im 1942 begonnenen Manhattan-Projekt, das die ersten Atombomben entwickelte. Bereits während dieser Zeit drängte er auf die zusätzliche Entwicklung fusionsbasierter Nuklearwaffen. Viele der Physiker, die mit ihm im Manhattan-Projekt gearbeitet hatten, wandten sich später gegen die Weiterentwicklung der Kernwaffentechnik und das folgende nukleare Wettrüsten mit der Sowjetunion, während Teller sich aufgrund der von ihm angenommenen Bedrohung durch den Kommunismus vehement dafür einsetzte.

In Verhören zur Sicherheitseinstufung nach Kriegsende belastete Edward Teller Robert Oppenheimer, seinen ehemaligen Kollegen im Los Alamos National Laboratory, wodurch er in der wissenschaftlichen Gemeinschaft stark an Ansehen verlor. Er wurde allerdings weiterhin von der US-Regierung sowie den Forschern des Militärs unterstützt. Teller war einer der Mitbegründer des Kernwaffen-Forschungszentrums Lawrence Livermore National Laboratory und mehrere Jahre lang zunächst dessen Leiter, später stellvertretender Leiter.

In späteren Jahren wurde Teller hauptsächlich durch kontroverse technische Ansätze bei militärischen wie auch zivilen Aufgaben bekannt, beispielsweise einem Plan zur Anlage eines künstlichen Hafens (Operation Chariot) in Alaska durch Sprengungen mittels Wasserstoffbomben. Er war ein prominenter Befürworter von Ronald Reagans Strategic Defense Initiative (SDI) und wurde später beschuldigt, die sehr schwierige Durchführbarkeit des Programms verschleiert zu haben.

Sein Leben lang war Teller sowohl für seine großen wissenschaftlichen Fähigkeiten als auch für seine problematischen zwischenmenschlichen Verhaltensweisen bekannt. Er gilt als eines von mehreren Vorbildern für die Figur des Dr. Strangelove (deutsch „Dr. Seltsam“) in Stanley Kubricks Filmsatire Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben von 1964.

Herkunft, Ausbildung und frühe Jahre Kindheit und Jugend mini|hochkant|Teller als Jugendlicher Teller wurde 1908 in Budapest im damaligen Österreich-Ungarn als das zweite Kind des Rechtsanwalts Max Teller und dessen Ehefrau, der Pianistin Ilona Deutsch Teller aus Lugoj (Banat) geboren. Tellers Schwester Emma ist die Mutter des Physikers Janos Kirz. Die Tellers waren wohlhabende, assimilierte Juden, deren Vermögen allerdings unter der kurzen kommunistischen Herrschaft von Béla Kun während der Ungarischen Räterepublik nach dem Ersten Weltkrieg dezimiert wurde. Als Kind lernte Teller erst spät sprechen, weswegen sein Großvater ihn für zurückgeblieben hielt. Teller erklärte dies später mit dem Umstand, dass seine Eltern verschiedene Muttersprachen hatten. Sein Vater sprach Ungarisch und nur wenig Deutsch, während seine Mutter Deutsch als Muttersprache sprach und das Ungarische nur unvollkommen beherrschte. Als Kind habe er deswegen ständig in zwei Sprachen denken müssen.1. An early interest in numbers, Teller in einem Video auf 'Web of Stories' Edward und seine Schwester Emmi erhielten zunächst Privatunterricht von einer englischen Lehrerin. Danach besuchte er die ELTE Trefort Ágoston Gyakorlóiskola, ein renommiertes Gymnasium in Budapest. Als die eindrücklichsten Ereignisse seiner Kindheit schilderte Teller später den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und den Tod des Kaisers Franz Joseph I. mit den nachfolgenden Krönungsfeierlichkeiten des neuen Königs Karl IV. zum König von Ungarn im Jahr 1916.3. Two typewriters and a mirror, 4. Why I didn't become an experimental physicist, 5. A favourite professor and the law of nines, Teller in einem Video auf 'Web of Stories' Obwohl er sich schon in jungen Jahren für Mathematik interessierte und beispielsweise die Algebra von Euler las, verlor er aufgrund unerfreulicher Erfahrungen mit seinem Mathematiklehrer vorübergehend das Interesse an der Mathematik.10. Unhappy high school memories, Teller in einem Video auf 'Web of Stories' Zwischen 1919 und 1920 hatte Teller zusammen mit seiner Mutter Budapest verlassen und das Jahr bei seinen Großeltern mütterlicherseits in Lugoj verbracht, wo er die Verschiebung der Grenze zwischen Ungarn (ehemals Österreich-Ungarn) und Rumänien im Zug des Vertrags von Trianon miterlebte.

Studium Nach dem Schulabschluss im Juni 1925 wollte Teller Mathematik studieren, stieß hierzu jedoch auf den Widerstand seines Vaters, der dies für ein „brotloses“ Fach hielt und seinen Sohn überredete, stattdessen ein Studium der Chemieingenieurwissenschaften zu beginnen. Nach den Vorstellungen seiner Mutter hätte er dagegen eine Laufbahn als Pianist einschlagen sollen.7. Learning the piano, Teller in einem Video auf 'Web of Stories', auch später pflegte Teller das Klavierspiel als Hobby: siehe den 1. Satz aus der Mondscheinsonate. Das erste Semester studierte Teller in Budapest. Dabei beteiligte er sich an einem physikalisch-mathematischen Wettbewerb der Universität, bei dem er den nach dem ungarischen Physiker Loránd Eötvös benannten ersten Preis gewann.12. University and the Eötvös prizes und 13. First success as a scientist, Teller in einem Video auf 'Web of Stories' Mit Beginn des Jahres 1926 wechselte Teller an die Technische Hochschule Karlsruhe, die damals einen exzellenten Ruf im Fach Chemie hatte.14. Going to university in Germany, Teller in einem Video auf 'Web of Stories'. Neben den Lehrveranstaltungen in Chemie besuchte Teller auch Vorlesungen in Mathematik und Physik. Dabei entwickelte er ein starkes Interesse an der aufkommenden Quantenmechanik.

Nach zwei Jahren Chemiestudium bat Teller schließlich seinen Vater um die Erlaubnis, den Studiengang zu wechseln. Der Vater reiste daraufhin nach Karlsruhe, sprach mit den Professoren, und der Sohn erhielt schließlich das väterliche Einverständnis, zum Fach Physik zu wechseln.17. Permission to become a physicist, Teller in einem Video auf 'Web of Stories'. Später hob Teller vor allem den Einfluss von Hermann Mark hervor, der damals als Dozent an der Hochschule wirkte.18. The inspiration of Herman Mark, Teller in einem Video auf 'Web of Stories'. Im Jahr 1928 wechselte er an die Universität München, um bei Sommerfeld zu studieren. Allerdings zeigte er sich von Sommerfeld nicht sehr angetan.19. A lack of enthusiasm for Sommerfeld, Teller in einem Video auf 'Web of Stories'. In München geriet Teller beim Herabsteigen vom Trittbrett einer fahrenden Straßenbahn mit dem Fuß unter deren Räder, sodass ihm der Fuß amputiert werden musste. Mit dem operierenden Chirurgen von Lossow, einem Bruder des Generals Otto von Lossow, der den Hitlerputsch von 1923 mit vereitelt hatte, blieb Teller in freundschaftlicher Verbindung.20. Jumping off the moving train und 21. Losing my foot but meeting von Lossow, Teller in einem Video auf 'Web of Stories'. Zeitlebens musste er eine Fußprothese tragen und zog das betroffene Bein nach.

Noch im Jahr 1928 wechselte er an die Universität Leipzig zu Friedrich Hund und Werner Heisenberg und wurde 1930 dort promoviert. Das Thema seiner Dissertation, die quantenmechanische Beschreibung des ionisierten Wasserstoffmoleküls, wurde von Heisenberg angeregt. Die Dissertation wurde von Friedrich Hund betreut und unter dem Titel Über das Wasserstoffmolekülion in der Zeitschrift für Physik veröffentlicht. In der Doktorprüfung bekam Teller von allen drei Prüfern, Hund (Physik), Paul Koebe (Mathematik) und Max Le Blanc (Chemie) die Note „I ausgezeichnet“.Helmut Rechenberg, Gerald Wiemers (Hrsg.): Werner Heisenberg. Gutachten- und Prüfungsprotokolle für Promotionen und Habilitationen (1929–1942), Berlin: ERS-Verlag, 2001, S. 43–45. 25. Professor Kobe (Part 1) und 26. Professor Kobe (Part 2), Teller in einem Video auf 'Web of Stories' Ab 1931 war er an der Universität Göttingen bei James Franck, Hertha Sponer und Arnold Eucken tätig.35. Becoming an assistant of Eucken and Franck, Teller in einem Video auf 'Web of Stories'

Emigration aus Deutschland und Heirat Zwar war Teller als ungarischer Staatsbürger bei der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933, der anschließend beginnenden Massenentlassung jüdischer Akademiker sowie den ersten Judenverfolgungen noch nicht direkt betroffen.50. Terrible feelings and Hitler is made Chancellor of Germany, Teller in einem Video auf 'Web of Stories'. Er verließ jedoch Deutschland im selben Jahr in Richtung England und arbeitete kurz bei Frederick George Donnan, wo sich viele aus Deutschland geflüchtete Wissenschaftler gesammelt hatten.51. Moving to England, Teller in einem Video auf 'Web of Stories'. Danach ging Teller mit einem Rockefeller-Stipendium nach Kopenhagen, Dänemark, um unter Niels Bohr zu arbeiten. Am 26. Februar 1934 heiratete er in Budapest Augusta Maria „Mici“ Harkanyi († 2000), die Schwester eines Schulfreundes vom Gymnasium. Aus der Ehe gingen die Kinder Paul (* 1943 in Chicago, Illinois) und Susan Wendy Teller (* 31. August 1946 in Los Alamos, New Mexico) hervor.Istvan Hargittai: Teller, Edward (15 Jan. 1908–9 Sept. 2003), physicist. In: American National Biography Online. 2018, doi:10.1093/anb/9780198606697.013.1302697.

Übersiedlung in die USA und Hinwendung zur Kernforschung In Dänemark lernte er den russischen Physiker George Gamow kennen. Als Gamow eine Stellung an der George Washington University in Washington, D.C. erhielt, folgte Teller ihm 1935 und zog mit seiner Ehefrau in die Vereinigten Staaten. Zunächst forschte Teller in der Quanten-, Molekular- und Kernphysik. Als er 1941 Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika wurde, widmete er sich hauptsächlich der Kernphysik, sowohl der 1938 entdeckten Kernspaltung als auch der Kernfusion.

Tellers wohl bedeutendste Arbeit war die Erklärung des Jahn-Teller-Effekts, der die Verzerrung in der Geometrie des Ligandenfelds einiger oktaedrischer Komplexverbindungen entlang einer Raumachse beschreibt.Mary C. M. O’Brien, C. C. Chancey: The Jahn–Teller effect: An introduction and current review. In: American Journal of Physics. 61.8, 1993, S. 688–697, doi:10.1119/1.17197. Des Weiteren wirkte er entscheidend bei der BET-Theorie mit.P. Vyawahare, H. Tun, M. W. Vaughn, C. Chen: From Langmuir isotherm to Brunauer–Emmett–Teller isotherm. In: AIChE Journal. 68.3, 2021, doi:10.1002/aic.17523.

Aufgrund seiner Abneigung gegen Nazi-Deutschland und die Sowjetunion wirkte Teller nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges an der militärischen Forschung der USA mit. Auf den Rat des ebenfalls emigrierten ungarischen Aerodynamikforschers Theodore von Kármán hin entwickelte er zusammen mit seinem Freund, dem deutschen Emigranten Hans Bethe, eine Theorie der Ausbreitung von Stoßwellen. Später sollte sich diese Forschung über die Rolle von Gas bei Stoßwellen als sehr hilfreich herausstellen.

Manhattan-Projekt

mini|Der von Szilárd vorformulierte Brief Einsteins an Präsident Roosevelt mini|Edward Teller (Foto auf seinem Los-Alamos-Dienstausweis während des Zweiten Weltkrieges)