Das Cameron County ist ein County im US-Bundesstaat Texas. Gelegen zwischen dem Golf von Mexiko und der Mündung des Rio Grande ist es das südlichste County von Texas. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 421.017 ermittelt. Der Sitz der County-Verwaltung (County Seat) befindet sich in Brownsville. Das County wird vom Office of Management and Budget zu statistischen Zwecken als Brownsville–Harlingen, TX Metropolitan Statistical Area geführt.
Geografie mini|links|Zentrum von Harlingen (1957) mini|Hafen von Port Isabel Das County liegt im äußersten Süden von Texas, grenzt im Süden an Mexiko und im Osten an den Golf von Mexiko. Es hat eine Fläche von 3306 Quadratkilometern, wovon 960 Quadratkilometer Wasserfläche sind. Im Norden grenzt es entgegen dem Uhrzeigersinn an die texanischen Countys Willacy County und Hidalgo County, im Süden an Mexiko und im Osten an den Golf von Mexiko. Landschaftlich ist es Teil der Region von Südtexas. Wichtigste Landschaftsfaktoren sind der südliche Begrenzungsfluss Rio Grande, der östlich von Brownsville in den Golf von Mexiko mündet, und die Golfküste selbst. Der Küste vorgelagert ist die Barriereinsel Padre Island, so dass sich der eigentliche Küstenbereich innerhalb einer Lagune befindet. Die Böden im nahen Küstenbereich sind sandig und salzig mit Lehmzusätzen, die weiter landeinwärts gelegenen tonfarben-lehmig. Die Landschaft ist größtenteils flach: leichte Erhebungen finden sich lediglich im westlichen, landeinwärts gelegenen Teil. Die Vegetation im östlichen Bereich ist von Küstensalinen-Prärie bestimmt, die weiter landeinwärts gelegene von der durchwachseneren Vegetation des Lower Rio Grande Valley.Cameron County. Alicia A. Garza / Christopher Long, Texas State Historical Association, 12. Juni 2010 (englisch)
Die beiden wichtigsten Zentren des Countys sind die direkt an der mexikanischen Grenze gelegene Metropole Brownsville (175.000 Einwohner) sowie das nordwestlich gelegene Harlingen (65.000 Einwohner). Weitere Städte sind La Feria, Los Fresnos, Palm Valley, Port Isabel, Rio Hondo und San Benito, Ortschaften mit eigener Gemeindeverwaltung (Towns) Bayview, Combes, Indian Lake, Laguna Vista, Los Indios, Primera, Rancho Viejo, Santa Rosa sowie South Padre Island. Hinzu kommen rund zwei Dutzend rein zu Verwaltungszwecken zusammengefasste Gemeindungen. Besiedlungszentren sind die beiden Ballungsräume Brownsville und Harlingen. Das Gros der Citys und Towns liegt nördlich von Brownsville oder aber entlang der US-281 im Tal des Rio Grande. Der US Highway 281 ist eine der wichtigsten überregionalen Verbindungsstrecken. Darüber hinaus besteht Anschluss an den US Highway 83, die Texas State Highways 4, 48, 100, 107 und 345 sowie die Interstate 69.Overview of Cameron County, Texas. statisticalatlas.com, aufgerufen am 12. Januar 2018 (englisch)
Das Wetter in der Region ist subtropisch-warm. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen bewegen sich zwischen 15 °C im Winter und knapp 30 °C in den Sommermonaten Juli und August. Die Wassertemperatur ist konstant über 20 °C; die Niederschlagsmengen variieren zwischen unter 40 mm im Winter- und teils über 70 mm im Sommerhalbjahr. Regenreichster Monat ist der September. Die Anzahl der Regentage schwankt zwischen 2 und 6 und erreicht im September ihr Maximum mit durchschnittlich 8. Die Temperaturen und Niederschlagsmengen für den an der Grenze zu Mexiko gelegenen Verwaltungssitz Brownsville gestalten sich wie folgt:
Geschichte Bis Ende des 19. Jahrhunderts mini|links|Ehemaliges Königreich von Neuspanien Vor der Ankunft der Spanier in Mexiko lebten in der Golfküstenregion beidseits des Rio Grando unterschiedliche Indianerstämme – teils aus der Sprachgruppe der Coahuilteken, teils den Karankawa zugehörig, deren Stammesgebiet sich die Golfküste nordwärts bis zum heutigen Galveston erstreckte. Krankheitsbedingt hatte sich deren Zahl bereits im 17. Jahrhundert erheblich reduziert. 1638 schickte der Gouverneur von Léon eine erste Expedition in das Gebiet. Die Gruppe unter dem Anführer Jacinto García de Sepulveda hatte den Auftrag, die Region nördlich des Rio Grande zu erkunden. Genauere Vorstellungen über die lokalen Gegebenheiten lieferte die Expedition des Kolonisten Miguel de la Garza Falcón im Jahr 1747. 1765 wurde südlich des Rio Grande die Gemeinde San Juan de los Esteros gegründet – der Vorläufer der heutigen Grenzstadt Matamoros. Mit Hilfe von Landzuteilungen sowie finanziellen Förderungen versuchte das Vizekönigreich Neuspanien, weitere Siedler in die Region zu locken.
mini|Schlacht von Palo Alto (1846) mini|hochkant|Zachary Taylor (1848) Ungeachtet dessen war das Gebiet bis zum Ausbruch der Texanischen Revolution nur dünn besiedelt. Auch nach der Unterzeichnung des Vertrags von Velasco, in dem Mexiko die Unabhängigkeit der Republik Texas anerkannte, blieb die Oberherrschaft über das Gebiet nördlich des Rio Grande strittig. Bislang hatten mexikanische Ranch-Großgrundbesitzer das zum mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas zählende Gebiet als Weideland genutzt. Aus diesem Grund beanspruchte Mexiko dort weiter die Oberherrschaft. Eine endgültige Klärung brachte erst der Mexikanisch-Amerikanische Krieg zwischen 1846 und 1848. Bereits im Januar 1846 marschierte eine Streitmacht unter dem Kommando von General Zachary Taylor in das umstrittene Territorium zwischen dem Nueces River und dem Rio Grande ein und errichtete gegenüber Matamoros einen Vorposten – Fort Texas. Im Verlauf des Krieges wurde das Fort in Fort Brown umbenannt. Während des Krieges war das Gebiet des späteren Countys Schauplatz dreier bewaffneter Zusammenstöße: dem Gefecht bei Las Rucias am 25. April 1846, der Schlacht bei Palo Alto (8. Mai 1846) und der Schlacht bei Resaca de la Palma (9. Mai 1846).
mini|Baumwollfeld Mit der Unterzeichnung des Vertrags von Guadalupe Hidalgo wurde das Gebiet Teil der USA. Nur wenige Tage später – am 8. Februar 1848 – erfolgte die Gründung des Cameron County. Benannt wurde es nach Ewen Cameron, einem Offizier in der Armee der Republik Texas.Charles Curry Aiken, Joseph Nathan Kane: The American Counties: Origins of County Names, Dates of Creation, Area, and Population Data, 1950–2010. 6. Auflage. Scarecrow Press, Lanham 2013, ISBN 978-0-8108-8762-6, S. 42. Erster Verwaltungssitz war die nahe Fort Brown gelegene Ortschaft Santa Rita. Nach einer erneuten Abstimmung im Dezember 1848 wurde jedoch das neugegründete, unmittelbar neben dem Fort gelegene Brownsville als County Seat bestimmt. Lagebedingt entwickelte sich vor allem der Handel in den ersten Jahren zur bestimmenden Kraft. Brownsville fungierte einerseits als Anlaufpunkt, um Schmuggelware über den Rio Grande zu bringen, andererseits als Stützpunkt zur Weiterverschiffung amerikanischer Güter den Fluss hinauf. Die kalifornischen Goldfunde von 1848 spülten weitere Siedler in die Region. Bis 1850 war die Einwohnerzahl des County auf 8451 Personen angestiegen. Die frühe Geschichte des Landkreises war stark von Landstreitigkeiten bestimmt um das Territorium alteingesessener spanischer und mexikanischer Grundbesitzer. Die Rechtsstreitigkeiten um die Gültigkeit von Titeln zog sich bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Während des Amerikanischen Bürgerkriegs versuchte die Konföderation, sich die Lage des Countys zunutze zu machen, um die Seeblockade der Nordstaaten aufzubrechen. 1864 besetzten Bundestruppen kurzzeitig die Region; konföderierten Verbänden gelang es allerdings, sie wieder zu vertreiben. Im Mai 1865 wurde eine der letzten Landschlachten des Krieges auf dem Gebiet von Cameron County ausgetragen – die Schlacht von Palmito Ranch. Die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung stagnierte nach dem Ende des Krieges. Eine neue Eisenbahnlinie zwischen San Antonio und Laredo lenkte den Handel ab. Eine direkte Eisenbahnverbindung nach Norden wurde erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts fertiggestellt – die 1904 in Betrieb genommene St. Louis, Brownsville und Mexico Railway. Die Wirtschaft basierte in den Nachkriegsjahrzehnten weiter auf Viehzucht – betrieben meist von relativ wohlhabenden Grundbesitzern. Als weiterer wichtiger Faktor kam die Landwirtschaft hinzu. Der zunächst vielversprechende Anbau von Mais, Baumwolle, Gemüse und Obst stagnierte in den 1880ern zwar zeitweilig, nahm aber im Zug neu erprobter Bewässerungssysteme erneut an Fahrt auf.
Die Beziehungen zwischen den beiden ethnischen Hauptgruppen – Weißen und Latinos – verliefen bis in die 1880er- und 1890er-Jahre weitgehend konfliktfrei. Ebenso wie im Rest des unteren Rio-Grande-Tals waren die beiden Bevölkerungsgruppen in etwa gleich stark. Interkulturelle Ehen waren weit verbreitet; ebenso die Angleichung kultureller Vorlieben. Die Eliten des Countys bestanden ebenfalls zu gleichen Teilen aus spanischsprechenden Mestizen und Anglos. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz Richtung Norden im Jahr 1904 löste in der Folge jedoch Landspekulationsaktivitäten in großem Stil aus. Neuzuzügler aus dem Norden – teils mit Sonderzügen herbeigebracht – kauften billiges Land auf. Ein Effekt war die Kommerzialisierung der Landwirtschaft mittels neuer ausgedehnter Bewässerungssysteme, Straßen sowie der Nutzung von LKWs. Der wirtschaftliche Wandel veränderte auch das bestehende gesellschaftliche Gefüge. Während das Klima vor 1900 von Angleichung sowie gegenseitigem Respekt geprägt war, brachten die neuen Ansiedler aus dem Mittleren Westen und Norden separatistische, abgrenzende Verhaltensformen mit in den Süden. Viele der Neuankömmlinge sahen ihre mexikanischen Nachbarn als rassisch minderwertig an. De-facto-Segregation – getrennte Kirchen, Schulen und Restaurants für Hispanics und Angloamerikaner – setzte sich in immer breiterem Ausmaß durch.
20. und 21. Jahrhundert mini|Pancho Villa, Mitte der 1910er (vierter von links) mini|Ehemaliges Cameron County Courthouse (1979) Verstärkt wurden die Spannungen zwischen den beiden Hauptethnien unter anderem auch durch das aggressive Vorgehen von Viehzüchtern und Texas-Rangers-Einheiten gegen den Viehdiebstahl entlang der Grenze. Unter dem Kommando von Leander H. McNelly hatten die Texas Rangers bereits in den 1870ern eine Spezialeinheit im Cameron County stationiert. Die in der Folge etablierte Praxis, Banditen über die mexikanische Grenze hinaus zu verfolgen, belastete das Verhältnis zwischen den beiden Staaten nicht unerheblich.Jay Robert Nash: Encyclopedia of Western Lawmen & Outlaws. Da Capo Press, Boston 1994, ISBN 978-0-306-80591-2, S. 205/206 und 224; auszugsweise online bei Google Books (englisch) Die Mexikanische Revolution sowie die von der Regierung Wilson verfolgte Politik der Nichtanerkennung sowie Stärke-Demonstration verschärfte die angespannte Situation zusätzlich. 1913 stationierte Wilson eine große Streitmacht entlang der Grenze. Am 24. Februar 1913 eskalierte die Lage bei Brownsville in Form kleinerer Grenzgefechte. Im April 1915 startete vom nahe der Stadt gelegenen Armeestützpunkt Fort Brown ein Erkundungsflug mit dem Ziel, Erkenntnisse über die Stärke der Verbände des nordmexikanischen Revolutionsführers Pancho Villa zu gewinnen. Im Oktober 1915 zerstörten Banditen die Bahngleise nördlich von Brownsville, brachten einen Zug zum Entgleisen, raubten die Passagiere aus und töteten einen Soldaten sowie zwei Fahrgäste. 1916 startete General John Pershing eine großangelegte Strafexpedition gegen die Verbände von Pancho Villa. In einer Stärke von 10.000 Mann rückten amerikanische Verbände auf mexikanisches Gebiet vor. Das gesteckte Ziel – die Ausschaltung von Villa – erreichte die Expedition allerdings nicht. Aufgrund der Lage in Europa sowie der finanziellen Belastungen ordnete Präsident Wilson 1917 das Ende der militärischen Aktivitäten an. Kleinere Scharmützel mit mexikanischen Irregulären fanden allerdings bis 1919 statt.Mexican Eypedition. GlobalSecurity.org, aufgerufen am 12. Januar 2018 (englisch)