mini|Mira Leung – Absprungphase mini|Andrei Lutai – Rotation mini|Jamal Othman – Landung Sprünge (engl. jumps oder figure skatings jumps) sind Eiskunstlaufelemente, bei denen sich der Eiskunstläufer von der Eisfläche abhebt und in der Luft um die eigene Achse dreht. Es gibt sechs Grundsprünge, man kann aber mehr als hundert weitere machen, die von den Grundsprüngen abgeleitet sind. Sprünge können mit einfacher, doppelter, dreifacher und sogar vierfacher Rotation ausgeführt werden.

Drehrichtungen Die meisten Eiskunstläufer drehen sich bei den Sprüngen und Pirouetten nach links. Es gibt jedoch einige, die sich nach rechts drehen. Die wenigsten Eiskunstläufer können Sprünge in beiden Drehrichtungen durchführen. Der Engländer John Curry beherrschte den einfachen Axel in beiden Drehrichtungen. Der Kanadier Donald Jackson zeigte bei der Weltmeisterschaft 1962 in Prag sogar den doppelten Axel in beiden Richtungen.

Der Einfachheit halber werden alle Sprünge üblicherweise als „Nach-links-Dreher“ beschrieben.

Phasen eines Sprunges Charakteristische Merkmale eines richtig durchgeführten Sprunges sind Intensität, d. h. Höhe und Schnelligkeit, und die sich daraus ergebene Sprunglänge.

Ein Sprung besteht aus fünf Phasen:

1. Einlaufphase

Die Einlaufphase erfolgt rückwärts auf einem Fuß, beim Rittberger auf beiden Füßen. Nur den Axel läuft man vorwärts ein. Die Schnelligkeit gewinnt man durch unterschiedliche Anfahrten (Übersetzen oder Schrittvariationen).

Dem Lutz-Sprung beispielsweise geht fast immer eine lange diagonale Rückwärtsgleitung auf dem linken Fuß voran, von der Mitte des Eises in Richtung der Eisbahnecke.

Die Anfahrt vor dem Salchow-Sprung geht von einem Dreier aus und ähnelt einem Kreis.

2. Absprungsphase

Die Absprungsphase ist bei jedem Sprung unterschiedlich. Es gibt zwei Absprungstypen: Absprung von der Schlittschuhkante und ein getippter Absprung. Der Absprung von der Kante muss flexibel und aus der Kniebeuge über die Kantenspitze durchgeführt werden (nicht aber aus der Schlittschuhbezahnung). Bei einem getippten Sprung tippt kurz das Spielbein mit der Schlittschuhbezahnung ins Eis und hilft damit beim Abspringen.

Zu den Kantensprüngen gehören Axel, Rittberger, Salchow.

Getippte Sprünge sind Toeloop, Lutz und Flip.

3. Rotation

Die Rotation besteht aus zwei Phasen. In der ersten Phase geht es darum, die richtige Höhe zu gewinnen. Sie soll nur mit geringer Rotation verlaufen. Erst in der zweiten Phase dynamisiert man die Rotation, in dem man die Arme vor dem Oberkörper verkreuzt und auch das linke Bein vor das rechte kreuzt. Während man in der Luft ist, soll die Körper- und Kopfachse ausschließlich in der Vertikallage sein. Die Anzahl der durchgeführten Drehungen bestimmt, ob es ein einfacher, doppelter, dreifacher oder vierfacher Sprung ist.

Ein Axel hat eine halbe Rotation mehr, d. h. bei der einfachen Durchführung 1 ½ Drehungen, in doppelter Durchführung 2 ½ usw.

Vierfach werden heutzutage alle 6 Grundsprünge gesprungen, der Axel aber nur sehr selten und bislang nur von Ilia Malinin.

Die meisten Elite-Eiskunstläufer führen dreifache und vierfache Sprünge als ihre Hauptsprünge durch, während die meisten Elite-Eiskunstläuferinnen alle Sprünge dreifach, außer Axel, der normalerweise doppelt ist, durchführen. Nur wenige Damen beherrschen den dreifachen Axel und zeigten ihn erfolgreich in einem Wettbewerb.

4. Landungsphase Die Landungsphase erfolgt bei allen Sprüngen rückwärts. Vor der Landung bewegt man rasch die Arme und das Spielbein vom Körper weg, wodurch man die Rotation verlangsamt. Man landet rückwärts auf dem rechten Bein tief im Knie über die Schlittschuhspitze; sofort nachdem die Schlittschuhbezahnung das Eis berührt, muss man auf die Kante übergehen. Beim Auslauf streckt man das Spielbein nach hinten. Die Auslaufspirale soll ein Halbkreis mit großem Durchmesser sein, wobei das Standbein gebeugt bleibt.

5. Ausgleiten

Bei den Sprungkombinationen unterscheidet man acht Phasen: Einlauf, Absprung, Rotation, Landung und Ausfahrt aus dem ersten Sprung, Absprung, Rotation, Landung und Ausfahrt aus dem zweiten Sprung.

Aufteilung der Sprünge Sprünge lassen sich nach folgenden Kennzeichen aufteilen:

1. nach den vier Grundfiguren in dem Pflichtlauf a) ein Sprung im Dreier-Sinne b) ein Sprung im Gegendreier-Sinne c) ein Sprung im Wende-Sinne d) ein Sprung im Gegenwende-Sinne Bei Sprüngen ohne Rotation: a) Gerade Linie b) Bogen c) Schlangenlinie

2. nach den Kanten a) vorwärts auswärts b) vorwärts einwärts c) rückwärts auswärts d) rückwärts einwärts

3. dabei ist der Absprung möglich a) vorwärts – nur mit einem Fuß von der Kante b) rückwärts – nur mit einem Fuß von der Kante, sog. Kantensprünge oder mit beiden Füßen bei gleichzeitigem Abstich mit dem anderen Fuß, sogenannte getippte Sprünge

4. die Landung ist möglich a) vorwärts – auf das Absprungsbein, freie Bein oder auf beiden Beinen (nur bei Spreizsprüngen – mit einem Bein auf die Spitze, mit anderem Bein auf die Kante). b) rückwärts – auf das Absprungsbein oder auf das freie Bein

5. Nach der Rotation a) Sprünge ohne Drehungen b) Sprünge mit Drehungen von 180° (Halbsprünge) bis zu 1620° (vierfacher Axel), meistens aber 1440° (vierfach Sprünge)

Durch Kombination dieser Möglichkeiten lassen sich über 130 verschiedene Sprünge durchführen.

Sprungelemente Als Sprungelement bezeichnet man: einen Einzelsprung (engl. individual jump) einen geworfenen Sprung (engl. throw) im Paarlauf eine Sprungfolge (engl. jump sequence) eine Sprungkombination (engl. jump combination)

Einzelsprünge Einzelsprünge werden sowohl im Einzellauf als auch im Paarlauf durchgeführt. Die heutige Weltklasse in den Herrenwettkämpfen erfordert schon vierfache Sprünge (seit 2022 sind alle sechs schon im Wettkampf gesprungen worden, zuletzt der Axel); bei den Damen werden dreifache Sprünge benötigt. Jedoch fangen einige Damen bereits an, vierfache Sprünge zu zeigen.

Es gibt sechs Grundsprünge. Alle sechs werden rückwärts auswärts gelandet, haben jedoch unterschiedliche Einlauf- und Absprungsphasen, nach denen man sie unterscheiden kann.

Die folgenden Beschreibungen gelten für „gewöhnliche“ Eiskunstläufer, die sich nach links drehen; für diejenigen, die sich nach rechts drehen, gelten die Angaben spiegelbildlich.

Sprung Standbein Spielbein Anmerkungen Toeloop rechtes Bein, rückwärts auswärts linker Fuß tippt ins Eis Flip linkes Bein, rückwärts einwärts rechter Fuß tippt ins Eis Lutz linkes Bein, rückwärts auswärts rechter Fuß tippt ins Eis Fast immer geht dem Lutz eine lange diagonale Rückwärtsgleitung auf dem linken Fuß voran, (von der Mitte des Eises in die Eisbahnecke). Axel linkes Bein, vorwärts auswärts rechtes Bein schwingt von hinten nach vorn einziger Sprung, der vorwärts gesprungen ist Rittberger beide Beine, rückwärts (man verlagert das Gewicht auf das rechte Bein und springt von der Auswärtskante ab) kein Schwingen kein Abstechen das linke Bein ist vor dem rechten Bein verkreuzt Salchow linkes Bein, rückwärts einwärts rechtes Bein schwingt um den Körperschwerpunkt herum nach vorn

Eine Variation ist der Tano-Sprung, bei dem der Eiskunstläufer seinen Arm über den Kopf streckt. Das macht ihn erheblich schwieriger als einen „normalen“ Sprung. Den Namen bekam diese Variation nach dem kalifornischen Eiskunstläufer Brian Boitano, der als Erster einen dreifachen Lutz mit gehobenem Arm gesprungen hat.

Verbindungssprünge Es gibt eine Anzahl weiterer Sprünge, die gewöhnlich mit einfacher Drehung durchgeführt werden und meistens als Verbindungselemente in den Sprungfolgen eingesetzt sind. Diese schließen beispielsweise ein:

Euler – Anlauf und Absprung mit dem rechten Fuß rückwärts auswärts, nach einer Drehung Landung rückwärts einwärts auf dem linken Bein (oder spiegelbildlich). Oft benutzt man ihn als Verbindungssprung, wenn der Eiskunstläufer einen Salchow oder Flip an das Ende einer Sprungkombination anfügen will.

Dreiersprung (engl. walz jump oder three-jump) – Der einfachste aller Sprünge hat nur eine halbe Umdrehung und wird daher auch Kadettensprung genannt. Mit einem Dreier dreht man zunächst von vorwärts auf rückwärts und setzt dann auf das linke Bein vorwärts auswärts um. Der Absprung erfolgt ähnlich wie beim Axel von der linken Außenkante, das Spielbein schwingt von hinten nach vorn. In der Luft führt man eine halbe Drehung durch und landet rückwärts auf dem rechten Bein.

Walley läuft man rechts rückwärts auswärts an und springt mit dem rechten Fuß rückwärts einwärts nach einem kurzen Schlangenbogen ab, nach einer Drehung landet man auswärts auf dem Absprungbein. Eine andere Variante ist ein getippter Walley.

Spreizsprung – Ist ein beliebiger Sprung, bei dem man nach einer halben Drehung die Beine in der Luft spreizt (bis in die Spagat-Position) oder grätscht.

Geworfene Sprünge Ein geworfener Sprung (engl. throw) ist ein paarlaufspezifisches Element. Die Dame führt einen gewöhnlichen Sprung durch, während der Mann ihr bei dem Absprung einen zusätzlichen „Stoß“ gibt. Für einen geworfenen Sprung ist die Höhe und Länge des Sprunges charakteristisch. Die Namen der geworfenen Sprünge sind von den Einzelsprüngen abgeleitet: Wurf-Axel, Wurf-Lutz, Wurf-Salchow, Wurf-Toeloop. Bei den Wettbewerben werden sie doppelt oder dreifach durchgeführt.

Sprungfolgen Eine Sprungfolge (engl. jump sequence) besteht mindestens aus zwei Sprüngen, zwischen denen ein Fußwechsel erfolgt oder Umdrehungen durchgeführt werden. Sprungfolgen waren eine Spezialität der deutschen Eiskunstläuferin Marina Kielmann. Sie führte Sprungfolgen mit fünf oder sechs Sprüngen (einfach oder doppelt) durch.

Sprungkombinationen Eine Sprungkombination (engl. jump combination) besteht aus mindestens zwei Sprüngen, die unmittelbar nacheinander folgen. Der zweite Sprung wird von der gleichen Kante abgesprungen, auf der der erste Sprung landete (d. h. es gibt keine Umdrehungen oder Fußwechsel zwischen den Sprüngen).

Anzahl der Sprünge Die Anzahl der Sprünge, Sprungfolgen und Sprungkombinationen ist sowohl im Kurzprogramm als auch in der Kür durch das ISU-Wertungssystem für Eiskunstlauf und Eistanzen bestimmt: im Kurzprogramm (Einzellaufen, Paarlaufen) ist die Anzahl der Sprünge, Sprungfolgen und -kombinationen begrenzt; in der Kür durch das so genannte Well balanced program empfohlen (Einzellaufen, Paarlaufen)

Fehler und Bewertung Jedes Sprungelement hat seinen eigenen Grundwert. So hat zum Beispiel ein vierfacher Toeloop den Grundwert 10,3, ein dreifacher Axel 8,5, ein dreifacher Lutz 6, ein dreifacher Flip 5,3, ein dreifacher Rittberger 5,1, ein dreifacher Salchow 4,2, ein dreifacher Toeloop 4,1 und ein doppelter Axel 3,3. Die Preisrichter ordnen dann die Qualität des Sprungelements innerhalb des Bereiches von +3 bis −3. Für jeden Fehler gibt es einen entsprechenden Abzug.

Als Fehler gelten: Landung auf beiden Füßen; Störlandung, bei der der Eiskunstläufer das Eis mit dem freien Fuß oder mit der Hand berührt oder die Drehung auf dem Eis (und nicht in der Luft) beendet; ein „gemogelter“ Sprung, bei dem die Drehung auf dem Eis vollendet wird; ein Sturz; Durchführung von mehr Sprüngen, Sprungfolgen und -kombinationen als erlaubt.

Von 1977 bis Oktober 2024 hatte die Internationale Eislaufunion alle Salto-Sprünge verboten. Zuwiderhandlungen wurden mit Punktabzügen bestraft, etwa im Falle von Surya Bonaly bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano.https://www.nbcsports.com/olympics/news/figure-skating-backflip-ilia-malinin-surya-bonaly-adam-siao-him-fahttps://www.olympics.com/de/news/katarina-witt-eiskunstlauf-backflip-zuruck-entwicklung-sport-interview

„Gemogelte“ Sprünge