Groß Twülpstedt ist eine Gemeinde im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen und Mitglied der Samtgemeinde Velpke.
Geographie Lage Groß Twülpstedt liegt zwischen den Naturparks Elm-Lappwald im Süden und Drömling im Norden. Die Gemeinde liegt im Südwesten der Samtgemeinde Velpke und hat eine Fläche von 36,43 km².
Gemeindegliederung Die Ortsteile der Gemeinde sind: Groß Twülpstedt Klein Twülpstedt Papenrode Rümmer Groß Sisbeck Klein Sisbeck Volkmarsdorf
Geschichte Papst Lucius II. bestätigte 1145 dem Kloster Berge in der Nähe von Magdeburg seine Besitzungen. In der Urkunde wird Tiulpstidi erwähnt. Im Jahr 1201 war die erste urkundliche Erwähnung von Groß und Klein Twülpstedt. Die Urkunde vom 22. Februar 1201 handelt davon, welche Naturalien dem kerkenhere, also dem Pfarrer, von den einzelnen Höfen zustehen. Es wird in der Urkunde die Anzahl der Höfe pro Dorf aufgelistet.
Das ehemalige Rittergut war bis zum Jahr 1655 im Besitz der Familie von Bartensleben. Es wurde 1665 vom Universalgelehrten, Mediziner und Rechtsgelehrten Hermann Conring erworben und ging 1799 an die Familie Freiherr von Strombeck, und dann durch Erbe und Heirat (Sara von Strombeck) an die Familie von Sydow (vgl. Zirkwitz; die es bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, bei zwischenzeitlicher Verpachtung, Besitzer waren). Das Gutshaus wurde 1832 auf den Mauern eines Vorgängerbaues errichtet.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Groß Sisbeck, Klein Sisbeck, Klein Twülpstedt, Papenrode, Rümmer und Volkmarsdorf eingegliedert.
Erklärung des Ortsnamens Alte Bezeichnungen des Ortes sind 1145 Tiulpstidi, 1209 (A. 17. Jahrhundert) villam totam Wilpstede, 1311 Twilpstede Maiori, 1342 to Twlpstidde, 1346 (A. 14. Jahrhundert) to Groten Twelpstide, 1354 Twulpstede, 1367 dorpe to Twelpstede und erstes Viertel 15. Jahrhundert Twlpstede. Der Ortsname wurde mit dem Grundwort „-sted-“ gebildet. Die Wiedergabe einiger Laute im Bestimmungswort bereitete offensichtlich Probleme, es wechseln T-, Tw-, W- und -iu-, -i-, -e-, -ü-, manchmal erscheint gar kein Vokal oder er ist mit dem Halbvokal -w- verschmolzen. Man darf von Tw- und -i- /-ü- ausgehen. Ursprünglich ist -i-, das nach -w- und vor -l- zu -ü- gerundet wurde. Man wird „Twilp-“ am ehesten in zwei Teile zerlegen müssen: „Twil-apa“. „-apa“ ist ein germanisches Wort für „Wasser, Fluss“. Das BW Twil- kann mit altsächsisch twili „zweidrähtig“, mittelniederdeutsch twele „gabelförmig, gegabelt, gabelförmiger Stock“, twil „gabelförmiger Ast oder Stamm“, twillen „sich gabelförmig spalten“, niederdeutsch Twe(e)l(e) „Gabel eines Zweigs, sich gabelförmig teilendes Landstück“ verbunden werden; vergleiche hochdeutsch Zwille. Das Motiv des Gewässernamens ist also ein sich gabelnder Bach. Wir haben also eine Bildung Twil-apa-sted- vor uns.. Recherche von Jürgen Udolph. In: ndr.de, abgerufen am 5. Juli 2017.
Politik
Rat Der Rat ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Groß Twülpstedt. Über die Vergabe der (maximal) 13 Sitze entscheiden die Bürger alle fünf Jahre in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl. Aus dem Ergebnis der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Bürgermeister Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Heike Teuber wurde am 8. November 2011 gewählt. Sie gehört der CDU an.
Bei der Kommunalwahl 2021 trat Teuber nicht erneut an.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|St.-Maria-St.-Cyriakus-Kirche Die Groß Twülpstedter St.-Maria-St.-Cyriakus-Kirche wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Sie hat eine romanische Apsis. Chor und Langschiff stammen aus der Gotik.
Die St.-Servatius-Kirche befindet sich im Ortsteil Volkmarsdorf: die erste Kirche in Volkmarsdorf wurde vor rund neun Jahrhunderten auf Veranlassung von Kaiser Lothar von Supplinburg, dem Stifter des Kaiserdoms Königslutter, erbaut. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1896 und weist zwei Türme auf. Dies soll in Erinnerung an Kaiser Lothar und den ebenfalls mit zwei Türmen versehene Kirche in Königslutter erfolgt sein.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Klein Twülpstedt war bis 1988 Sitz einer Zuckerfabrik. Bis 1993 konnten hier noch Zuckerrüben angeliefert werden.
Öffentliche Einrichtungen Das neue Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Groß Twülpstedt wurde in den Jahren 2015 bis 2018 erbaut.
Bildung Groß Twülpstedt verfügt über eine Grundschule, die „Grundschule am See“.Website der Grundschule Twülpstedt „Grundschule am See“, abgerufen am 19. Februar 2016
Verkehr Straßenverkehr Groß Twülpstedt, Klein Twülpstedt und Groß Sisbeck liegen an der Bundesstraße 244, die von Helmstedt nach Wittingen führt. Die anderen Ortsteile liegen etwas westlich (Klein Sisbeck, Rümmer und Volkmarsdorf) oder östlich davon.
Eisenbahn Von 1902 bis 1975 bestand in Klein Twülpstedt und Volkmarsdorf Bahnanschluss im Personenverkehr durch die Bahnstrecke Schandelah–Oebisfelde.
Persönlichkeiten Der Universalgelehrte und frühere Leibarzt der Königin Christina von Schweden, Hermann Conring (1606–1681), erwarb 1665 das Rittergut derer von Bartensleben in Groß Twülpstedt. Sein Grab befindet sich ebenfalls dort. Heilwig Jacob (* 1957), in Klein Sisbeck geborene Malerin. Ayke Witt (* 1992), Popsänger wuchs im Groß Twülpstedter Ortsteil Klein Twülpstedt auf.
Literatur Joachim Schmid: „So dull unde dörde weren de bure…“ Geschichte der Holzlanddörfer Groß Twülpstedt, Groß Sisbeck, Klein Twülpstedt, Klein Sisbeck, Papenrode, Rümmer und Volkmarsdorf. Groß Twülpstedt 1993, . Peter Steckhan: Groß Twülpstedt, Ev.-luth. St. Maria St. Cyriakus Kirche (= Peda-Kunstführer. Nr. 607). Hrsg. vom Kirchenvorstand der Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Maria St. Cyriakus. Kunstverlag Peda, Passau 2005, ISBN 3-89643-607-4.
Weblinks
Website der Samtgemeinde Velpke zur Gemeinde Groß Twülpstedt
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Helmstedt Kategorie:Gemeinde in Niedersachsen
Kategorie:Ersterwähnung 1145