Management ([]; , „Hand“ und , „führen“, „an der Hand führen“; ) ist ein Anglizismus für jede zielgerichtete und nach ökonomischen Prinzipien ausgerichtete menschliche Handlungsweise der Leitung, Organisation und Planung in allen Lebensbereichen.

Allgemeines Management ist also nicht nur auf Unternehmen oder sonstige Personenvereinigungen (etwa Behörden) begrenzt, sondern betrifft auch Teilbereiche der Lebensführung im Privathaushalt (beispielsweise Zeitmanagement). Zentraler Inhalt des Managements ist die Organisation, Vorbereitung und Durchführung von Entscheidungen in einer komplexen Umwelt unter den Bedingungen der vollkommenen Information.Fritz Neske: Management. In: derselbe / Markus Wiener (Hrsg.): Management-Lexikon. Band II. 1985, S. 760 f. Wer in Arbeits- und Handlungssystemen mit Aufgaben des Managements betraut ist, heißt Manager. Er benötigt vor allem Managementkompetenzen, während Führungskräfte insbesondere über Führungskompetenzen verfügen müssen.Wolfgang H. Staehle: Management: Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive. 8. Auflage. 1999, S. 192

Management ist sowohl eine Institution als auch eine Funktion in Organisationen.Erich Gutenberg: Unternehmensführung – Organisation und Entscheidungen. 1962, S. 20 Als Institution versteht man darunter eine Gruppe von Managern, die in einer Organisationseinheit (vom Vorstand bis zum Meister oder Vorarbeiter) zusammengefasst sind. Management ist darüber hinaus auch eine Funktion, die von Managern als Führungskräfte durch Führungsaufgaben wahrgenommen wird. In angelsächsischen Staaten ist der Manager meist jedoch keine Führungskraft mit Personalverantwortung, sondern ein – allenfalls mit Fachaufsichtsbefugnis betrauter – Fachvorgesetzter. Auch in Deutschland wird inzwischen der Begriff des Managers für Personen ohne Personalverantwortung verwendet („Facility Manager“ ist ein Hausmeister, „Sales Manager“ ein Verkäufer, „Account Manager“ ist Kundenbetreuer, „Risk Manager“ ein Finanzanalyst).Maximilian Lackner: Talent-Management Spezial, 2014, S. 12

Geschichte Die etymologische Wurzel des Wortes Management ist nicht vollständig geklärt. Das englische Verb für „handhaben, bewerkstelligen, etwas bewältigen, leiten, führen“ () stammt wohl aus dem italienischen „ein Pferd in allen Gangarten üben“ oder „ein Pferd in der Manege führen“ (). Als mögliche Stammbedeutungen kommen ‚an der Hand führen‘ oder ‚das Haus (für den Eigentümer) bestellen, haushalten‘ in Frage.Wolfgang H. Staehle: Management: Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive. 8. Auflage. 1999, ISBN 3-8006-2344-7, S. 71 Der etymologische Ursprung deutet darauf hin, dass mit Management eine Person Arbeitsabläufe in Bewegung setzen, steuern und lenken kann. Die Verwendung im engeren Sinne ‚etwas führen, leiten‘ ist eine Bedeutungsverengung des jungen deutschen Lehnwortes.

In der Antike gab es bereits durch Hesiod, Xenophon oder Platon beschriebene frühe systematische Ansätze wirtschaftlichen Handelns.Fritz Söllner: Die Geschichte des ökonomischen Denkens 2001, S. 3 Eine erste systematische ökonomische Theorie stammt von Aristoteles, der zielgerichtetes Handeln in der Ökonomie (, „Haus“, „Besitz“; , „Gesetz“; „nach Gesetzen wirtschaften“) für legitim hielt. Er unterschied zwischen der Verwendung der materiellen Mittel für das gute Leben ( oikonomiké) und dem (naturgemäßen oder naturwidrigen) Erwerb dieser Mittel ( chrematistiké). Die Hauptkonturen seiner ökonomischen Theorie finden sich in seinen Werken Politik und Nikomachische Ethik.

Auch das Mittelalter kannte bereits einige Managementfunktionen bei religiösen, politischen oder militärischen Projekten. Führungsaufgaben nahmen seit jeher in der Kirche beispielsweise die Päpste oder Bischöfe, in der Politik die Staatsmänner oder auch Fürsten und beim Militär die militärischen Vorgesetzten (Feldherren) wahr.

Die „natürliche Ordnung“ () der Physiokraten war geprägt von Freiheit, Wettbewerb und Privateigentum, was am besten in ihrem 1751 von Vincent de Gournay geprägten Schlagwort „laufen lassen und geschehen lassen“ () zum Ausdruck kam. Dieses Schlagwort repräsentiert geradezu das Gegenteil zum Management, welches sogar eingreifen und steuern muss.

Management als Funktion führte erstmals Frederick Winslow Taylor 1911 ein, als er die Planung dem Management vorbehielt und die Ausführung den Arbeitern überließ.Frederick Winslow Taylor: The principles of scientific management. 1911, S. 38 Sein 1913 in Deutschland unter dem Titel Die Grundsätze der wissenschaftlichen Betriebsführung erschienenes Buch differenzierte deutlich zwischen dem Management, das Führungskompetenzen wahrnimmt, während die ausführenden Mitarbeiter mit Durchführungskompetenzen betraut sind.Frederick Winslow Taylor, Rudolf Roesler: Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung, 1913, S. 6 Aus diesen Gedanken entwickelte sich die Managementlehre als Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre. Der Franzose Henri Fayol verfeinerte 1916 diesen funktionalen Managementbegriff, indem er die Grundfunktionen Vorschau und Planung (), Organisation (), Leitung (), Koordination () und Kontrolle () als Managementabfolge festlegte.Henri Fayol: Administration Industrielle et Générale. 1916, S. 13 Fayol wies darauf hin, dass Management gelehrt werden kann.Henri Fayol: Administration Industrielle et Générale. 1916, S. 138

Für den Betriebswirt Erich Gutenberg bedeutete Management im Jahre 1951 die Planung als ordnender Akt.Erich Gutenberg: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre. Band 1: Die Produktion. 1951, S. 148 Konrad Mellerowicz wies 1952 darauf hin, dass der Taylorismus nur einen „kleinen Teil“ der Betriebswirtschaftslehre darstelle.Konrad Mellerowicz: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 1952, S. 23

Aufgaben Zu den Führungsaufgaben des Managements und eines Managers gehören Organisation, Planung, Zielsetzung, Entscheidung, Delegation, Koordination, Information, Mitarbeiterbewertung und Kontrolle.Klaus Altfelder, Hans G. Bartels, Joachim-Hans Horn, Heinrich-Theodor Metze: Lexikon der Unternehmensführung. 1973, S. 83 Diese Tätigkeiten werden in der Betriebswirtschaftslehre unter dem dispositiven Faktor zusammengefasst. Für Konrad Mellerowicz darf nur eine Person eine Führungsaufgabe übernehmen (unipersonale Führung), denn der Unternehmer „hat die letzte Verantwortung für das Gesamtunternehmen zu tragen“.Konrad Mellerowicz: Unternehmenspolitik. Band 1. 1963, S. 31 Er meint damit jedoch, dass nur substanzielle unternehmerische Entscheidungen dem Unternehmer vorbehalten sind, denn er überträgt im Wege der Delegation auch Führungsaufgaben und Führungsverantwortung auf die nachgeordneten OrganisationseinheitenReinhard Höhn, Gisela Böhme: Führungsbrevier der Wirtschaft. 1974, S. 9 f. des mittleren und unteren Managements.

Arten Nach der Hierarchiestufe unterscheidet man das Spitzen-Management (: Unternehmensführung wie Vorstand, Geschäftsführung), mittlere Management (: Abteilungsleiter, Betriebsleiter) und das untere Management (: Gruppenleiter, Teamleiter, Meister, Vorarbeiter).Fritz Neske: Management. In: ders. / Markus Wiener (Hrsg.): Management-Lexikon. Band II. 1985, S. 761 In der Fachliteratur erfährt der Management-Begriff zuweilen einen engeren Begriffsinhalt, sobald er lediglich auf das Top-Management eingeschränkt wird.Erich Frese: Management. In: Wolfgang Lück: Lexikon der Betriebswirtschaft. 1983, S. 746 f.

Nach Arbeitsgebieten gibt es im Rahmen wichtiger betrieblicher Funktionen vor allem:

betriebliche Funktion Managementform Beschaffung Beschaffungsmanagement Gebäude Facilitymanagement Finanzen Finanzmanagement Konflikte Konfliktmanagement Krisen Krisenmanagement Produktion Produktionsmanagement Produkte Dienstleistungen Produktmanagement Personal Personalmanagement Produktqualität Dienstleistungsqualität Qualitätsmanagement Risiken Risikomanagement Vertrieb Vertriebsmanagement Wissen Wissensmanagement

Sonstige Bereiche und Anwendungsgebiete des Managements Darüber hinaus gibt es u. a. folgende Anwendungsgebiete des Managements:

Wirtschaftszweig Managementform Erläuterungen Bauwesen Baumanagement Leitung und Organisation eines Bauvorhabens Bildungswesen Bildungsmanagement Initiierung und Steuerung von Lernprozessen in Bildungseinrichtungen Bildungsprozess Bildungsprozessmanagement beschäftigt sich mit Planung, Steuerung und Optimierung von Handlungsabläufen in Bildungsinstitutionen Daten Datenmanagement Maßnahmen und Verfahren zur Behandlung der Ressource „Daten“ Fuhrpark Flottenmanagement Verwalten, Planen, Steuern und Kontrollieren von Fahrzeugflotten Luftraumüberwachung Flugverkehrsmanagement () Verwaltung und Überwachung des Luftraumes Informationen Informations- und Kommunikationsmanagement Schaffung einer aufgabenorientierten Informationsverarbeitung und Kommunikation Globalisierung Internationales Management Management internationaler Unternehmen Kulturelle Einrichtungen Kulturmanagement Leitung von Kulturbetrieben und -projekten Qualifizierung Managementkompetenz funktionsübergreifende Verantwortung Unternehmensprozess Managementprozess Steuerung der Geschäftsprozesse zur Erreichung der Managementziele Wissenschaft vom Management Managementlehre Führung von Organisationen Projekte Projektmanagement Planen, Steuern und Kontrollieren von Projekten Medizin Qualitätsmanagement in der Medizin organisatorische Maßnahmen gemäß SGB V, die zu einer Verbesserung der Prozesse in den medizinischen Einrichtungen führen Regionen Regionalmanagement Management in der Regionalplanung Privatpersonen Selbstmanagement Management der Lebensführung der eigenen Person Sport Sportmanagement Handlungen und Strukturen, in denen Führungskräfte Sportgüter oder -dienstleistungen anbieten Unternehmensstrategie Strategisches Management geplantes Handeln zum Erreichen der Unternehmensziele Natur und Jagd Wildtiermanagement Steuerung der Bestandsentwicklung frei lebender Tierarten durch Naturschutz und Jagd (etwa Bibermanagement) Strategische Planung Zukunftsmanagement Vorbereitung auf erwartete Risiken

Auch die „Management by“-Führungstechniken Management by Delegation, Management by Exception, Management by Objectives, Management by Results oder Management by Walking Around sind Führungsstile des Managements.

Algorithmisches Management Durch ERP-Systeme und Datenanalyse werden heute immer mehr Managemententscheidungen vorbereitet und fundiert. Die Organisation und ihre Prozesse werden dadurch stärker algorithmisiert, d. h. organisatorische Abläufe und Entscheidungen werden algorithmisch kodiert und potenziell durch Rechenkraft ausgelöst und gesteuert. Dadurch wird auch die Machtverteilung zwischen Management und Computersystemen verändert: Entscheidungen werden durch Datenanalyse so vorbereitet, dass sie eigentlich schon getroffen sind, bevor die Entscheider darüber diskutieren.Armin Beverungen: Algorithmisches Management. In: Timon Beyes, Jörg Metelmann, Claus Pias (Hrsg.): Nach der Revolution. Ein Brevier digitaler Kulturen. Haniel Stiftung, 2017, S. 52–63. Waren davon zunächst oft nur operative Entscheidungen des unteren und mittleren Managements betroffen, durch die einfache Arbeit gesteuert werden, dürften künftig zunehmend strategische Entscheidungen durch Algorithmen vorstrukturiert werden wie heute schon bei Finanzdienstleistern, Investmentfonds oder Venture-Capital-Unternehmen.Tobias Conradi/Florian Hoof/Rolf F. Nohr (Hrsg.), Medien der Entscheidung, Münster, 2016; ISBN 978-3643135483