mini|hochkant=1.1|Arik Brauer in der Galerie Latal,Foto: Monica Boirar, Zürich 1991 Arik Brauer, bürgerlich Erich Brauer (* 4. Jänner 1929 in Wien; † 24. Jänner 2021 ebenda), war ein österreichischer Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Sänger und Dichter. Er gilt als einer der Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus.

Leben und Werk Brauer wurde als Sohn von Simche Moses Brauer (1881–1944),The National Library of Israel, Fürsorge-Zentrale der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Auswanderungsabteilung, Applicant: Brauer, Simche Moses Simon; born 21.1.1881 in Kowno, (Lithuania); married (Faksimile bei The National Library of Israel). eines aus Litauen stammenden jüdischen orthopädischen Schuhmachermeisters, und der aus Wien stammenden Hermine Helene Brauer (geb. Sekirnjak) (1896–1987) in Ottakring geboren. Die Eltern hatten sich als überzeugte Anhänger der Ideale des Roten Wien bei einem Kurs im Ottakringer Volksheim kennengelernt. Die frühe Kindheit verbrachte er zusammen mit seinen Eltern und seiner zwei Jahre älteren Schwester Lena Brauer im sogenannten „Viererhaus“, einem Gemeindebau im 16. Bezirk. Zunächst die Februarkämpfe 1934, die er als Wurzel seines „lebenslangen Antifaschismus“ sah, und ab 1938 die Herrschaft der Nationalsozialisten beendeten seine unbeschwerte Kindheit im Wien der 1930er Jahre.

Brauers Vater starb in einem Konzentrationslager, er selbst überlebte untergetaucht in Wien in einem Versteck. Nach dem Krieg schloss sich der junge Brauer zunächst der KPÖ an, wandte sich aber bald enttäuscht von der kommunistischen Bewegung ab.

mini|hochkant=1.1|Ernst Fuchs, Arik Brauer, Friedensreich Hundertwasser (1973). Fotograf: Gert Chesi mini|hochkant=1.1|Arik Brauer by Gert Chesi Bis 1951 studierte Brauer an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Robin Christian Andersen und Albert Paris Gütersloh. Während dieser Zeit gründete er mit Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden und Helmut Leherb die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ab 1947 studierte er zusätzlich Gesang an der Musikschule der Stadt Wien. Zwischen 1951 und 1954 reiste er mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika, was er später im Lied Reise nach Afrika verarbeitete. 1954/55 lebte er als Sänger und Tänzer in Israel und trat 1956 als Tänzer im Raimundtheater in Wien auf. Im Jahr darauf heiratete er in Israel Naomi Dahabani (1932–2024), eine Israelin jemenitischer Abstammung, und zog mit ihr nach Paris, wo das Paar als israelisches Gesangsduo Neomi et Arik Bar-Or auftrat. In Paris hatte er seine erste erfolgreiche Einzelausstellung.

Als Brauer 1964 die Pariser Bohème verließ und wieder nach Wien zurückkehrte, genossen die Künstler der Wiener Schule des Phantastischen Realismus bereits große Popularität, und es gab von 1953 bis 1965 eine Weltwanderausstellung. Außer in Wien war Brauer ab dieser Zeit auch im Künstlerdorf En Hod in Israel ansässig, wo er aus einer Ruine ein künstlerisch gestaltetes Haus schuf. Seine Friedensreich Hundertwasser nahestehende Auffassung von Architektur fasste er in dem Lied Glaub nicht an das Winkelmaß und wohn in einem runden Haus zusammen. Zu dieser Zeit begann er auch Bühnenbilder für die Wiener Staatsoper zu gestalten (Medea von Luigi Cherubini, 1972; Regie August Everding), das Opernhaus Zürich, das Theater an der Wien und die Pariser Oper (Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, 1977; Regie Horst Zankl, Dirigent Karl Böhm).

Bereits in Paris hatte ihn H. C. Artmann bei einem Besuch ermutigt („Burli, des muasst mochen“), seine im Wiener Dialekt verfassten Lieder öffentlich zu machen. Im Dialekt schrieb er, wie er erklärte, weil das „die Sprache der Arbeiterklasse“ ist, in der „die Poesie der Straße“ liegt. Die Gesangskarriere Brauers erreichte in den 1970er Jahren ihren Höhepunkt. Für ihn kam der Erfolg überraschend und unerwartet. Er hatte sich nie als Pop-Sänger gesehen, sondern als Maler. Mit Liedern wie Sie hab’n a Haus baut und Sein Köpferl im Sand („Hinter meiner, vorder meiner“) auf der Langspielplatte Arik Brauer, 1971, oder der Langspielplatte Sieben auf einen Streich 1978 wurde Brauer zu einem der Väter des Austropop in dessen politisch engagierter Ausrichtung. Ab 2000 trat er mit seinen Töchtern und Elias Meiri als Die Brauers auf.

1986 bis 1997 war Arik Brauer ordentlicher Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1991 begann er mit der künstlerischen Gestaltung des 1994 fertiggestellten Arik-Brauer-Hauses im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf. 2002 erhielt er den Auftrag der Botschaft Österreichs in Berlin zur Gestaltung des österreichischen Buddy Bär. mini|hochkant=1.1|Arik Brauer (Wien 2009) Kennzeichnend für das künstlerische Werk Brauers sind die farbenfrohen Flächen, die detaillierte Kleinarbeit und die Einbindung aktueller politischer Ereignisse in Bilder mit traum- und märchenhafter Atmosphäre, wobei Einflüsse von Pieter Bruegel dem Älteren sowie orientalischer Miniaturmalerei zu verzeichnen sind.

mini|Ehrengrab von Arik Brauer auf dem Zentralfriedhof Wien (vorläufiger Zustand) Für Diskussionen sorgten Aussagen Brauers 2018 in einer Im-Zentrum-Sendung des ORF anlässlich des 80. Jahrestages des „Anschlusses“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938. ORF, 11. März 2018. Dort hielt er fest, dass ihm als Juden heute der Antijudaismus muslimischer Flüchtlinge mehr Sorgen bereitet als der heimischer Neonazis. In anschließenden Interviews danach gefragt, erklärte er, dass seiner Einschätzung nach „die Mehrheit der arabischen Muslime die Juden hassen“, weil sie sich vom Staat Israel gedemütigt fühlten. Er nehme das aber gar nicht persönlich, denn „sie wurden so erzogen, und vielleicht würde ich das an ihrer Stelle auch so sehen“.Brauer: „Neuer Antisemitismus wurde mit Flüchtlingen importiert“. In: Kurier, 3. April 2018; abgerufen am 25. Jänner 2021. In Bezug auf die zu dieser Zeit aktuelle „Liederbuch-Affäre“ um Gesangsbücher mit antisemitischen Liedern einer Wiener Neustädter Burschenschaft meinte er, es wäre „bestimmt nicht einer dieser Fechter, die da so ein Lied singen“, die ihn umbringen würden. Im selben Jahr kritisierte Brauer das Mauthausen Komitee und nannte seinen Boykott der FPÖ einen „großen Fehler“; es hatte anlässlich der internationalen Befreiungsfeier des KZ Mauthausen, zu der gewöhnlich die österreichische Regierung geschlossen erscheint, die FPÖ-Vertreter der Bundesregierung Kurz I ausgeladen und sich auf einen Beschluss aus den 1960er-Jahren berufen.Helga Embacher, Bernadette Edtmaier, Alexandra Preitschopf: Antisemitismus in Europa. Fallbeispiele eines globalen Phänomens im 21. Jahrhundert. Böhlau, Wien 2019, S. 219 f., 263 f. Er erklärte seine Haltung damit, dass „ja nicht jene Vertreter nach Mauthausen kommen würden, die im Verdacht des Antisemitismus stehen, sondern jene FPÖ-Politiker, deren historische Aufgabe es ist, die FPÖ zu einer demokratischen Partei zu formen“. Für diesen Umbruch sah er zu dem Zeitpunkt die „ersten Anzeichen“.

Familie Arik Brauer war Vater von Timna Brauer, Ruth Brauer-Kvam und Talja. Er verstarb im Jänner 2021 im Alter von 92 Jahren in Wien im Kreis seiner Familie. Diese berichtet von den letzten Worten Brauers wie folgt: „Ich war so glücklich mit meiner Frau, mit meiner Familie, mit meiner Kunst und meinem Wienerwald. Aber es gibt eine Zeit, da lebt man, und es gibt zwei Ewigkeiten, da existiert man nicht.“ Er wurde auf dem Zentralfriedhof im von der Stadt Wien ehrenhalber gewidmeten Grab Gruppe 33G, Nummer 13 beigesetzt.

Arik-Brauer-Haus In den Jahren 1991–1994 wurde von der Gemeinde Wien in der Gumpendorfer Straße 133–136 das Arik-Brauer-Haus, ein gemeinnütziges Wohnhaus mit 33 Wohnungen und 3 Geschäftslokalen, errichtet. Wie das Hundertwasser-Haus wurde das Arik-Brauer-Haus vom jeweiligen Künstler geplant.

Arik-Brauer-Villa und Arik-Brauer Museum Im Untergeschoß seiner Villa im Währinger Cottage befindet sich seine Kunstsammlung.

Im Wiener Augarten wird seit Ende 2025 im Ambrositrakt des „Atelier“ ein Arik-Brauer-Museum eingerichtet.

Auszeichnungen 1979: Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst 2002: Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse 2011: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 2015: Amadeus Austrian Music Award für das Lebenswerk 2018: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ÖsterreichGroßes Goldenes Ehrenzeichen für Arik Brauer. orf.at, 20. November 2018; abgerufen am 21. November 2018. 2019: Fritz-Csoklich-Demokratiepreis

Seit 2022 verleiht die Website Mena-Watch den Arik-Brauer-Publizistikpreis.

Ausstellungen (Auswahl) 1958: Bilder. Haus der Künstler, Jerusalem 1964: Galerie Finker, Paris, und Brauers Durchbruch als Maler 1974: Wien achtzehn (Ölbilder und Graphik), Bezirksmuseum Währing 1978: Mappenwerke und Einzelgrafik, Heimatmuseum Purkersdorf, 18.–31. Oktober 1978 1985: Sieben Künstler malen Zeitgeschichte (Gemeinschaftsausstellung mit Werken von Friedl Dicker, Georg Eisler, Hans Escher, Alfred Hrdlicka, Heinrich Sussmann und Alfons Walde), Gedenkstätte Mauthausen 1991: Galerie Latal, Zürich 1998: Wien Museum, Arik Brauer 70. 10. Dezember 1998 bis 17. Jänner 1999. 2003: Schieß nicht auf die Blaue Blume ...! Kunst Haus Wien, 11. September 2003 – 18. Januar 2004 2009: Arik Brauer und die Bibel – Zum 80. Geburtstag, Dom Museum Wien, abgerufen am 1. Juli 2009 2014: Von Generation zu Generation. Die neue Haggada von Arik Brauer, Jüdisches Museum Wien, 22. Jänner 2014 – 9. Juni 2014 2014/15: Arik Brauer – Gesamt.Kunst.Werk Leopold Museum, 14. November 2014 – 16. Februar 2015 2019: Arik Brauer. Alle meine Künste, Jüdisches Museum Wien, 3. April 2019 – 20. Oktober 2019 2019: Arik Brauer. Phantastisch-Realistisch. Ein Lebenswerk, Kunsthalle Erfurt, 4. August 2019 – 27. Oktober 2019

Werke (Auswahl) Bildende Kunst mini|hochkant=1.1|Arik-Brauer-Haus mini|Keramikmalerei Das letzte Abendmahl von Arik Brauer an der Fassade der Pfarrkirche am Tabor in der Wiener Leopoldstadt Vogelfang, 1962 Turm aus gebrannter Erde, 1962/63 Der Regenmacher vom Karmel, 1964 Die Verfolgung des jüdischen Volks, Zyklus, ab 1973 Menschenrechte, 1975 (Zyklus von Farbradierungen) Bühnenbilder und Kostüme zur Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart an der Pariser Oper, 1975 Mein Vater im Winter, 1983 Sesam öffne dich, 1989 (Fernsehspiel mit Tochter Timna Brauer) Arik-Brauer-Haus in Wien 6, Gumpendorfer Straße 134/136, fertiggestellt 1993 Fassade der Pfarrkirche Am Tabor in Wien 2, 1996 Fassade der Zwi-Perez-Chajes-Schule in Wien 2, Castellezgasse 35 (am Augarten) Fassade des Rathauses in Voitsberg (Steiermark) 2002 Schieß nicht auf die blaue Blume, 2003 Friedensverhandlung, 2003 Adam im Feuerwind, 2003 Sommernacht, 2003 Denkmal für das Außenlager Wiener Neudorf des KZ Mauthausen, 2014

Fotogalerie Denkmal KZ Mauthausen

Buchveröffentlichungen (Auswahl)

A Jud und keck a no, Amalthea Signum Verlag, Wien 2019, ISBN 978-3-99050-148-1. Das Alte Testament. Erzählt von Arik Brauer. Mit 60 Zeichnungen. Amalthea Signum Verlag, Wien 2018, ISBN 978-3-99050-127-6. Franz Smola, Alexandra Matzner (Hrsg.): Arik Brauer – Gesamt.Kunst.Werk (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien 14. November 2014 – 16. Februar 2015), Wien 2014.

Arik Brauer: Die Farben meines Lebens. Erinnerungen. Amalthea, Wien 2006, ISBN 3-85002-562-4. Arik Brauer: Der Teufel und der Maler. Signierte Vorzugsausgabe. Ein Satyrikon (Zeichnungen). Amalthea, Wien 2000, ISBN 3-85002-453-9. Arik Brauer: Arik Brauer (Bildband). Brandstätter, Wien 1998, ISBN 3-85447-810-0. Arik Brauer: Werkverzeichnis. Harenberg Komm., Dortmund 1992, ISBN 3-88379-427-9. Arik Brauer: Die Ritter von der Reuthenstopf (Kinderbuch). Betz, München 1986, ISBN 3-219-10366-9. Arik Brauer: Die Pessach-Haggada/„Seder haggada sel pesah“. Piper, München 1979, ISBN 3-492-02502-1 (deutsch/hebräisch).