Die französisch-portugiesischen Beziehungen umfassen das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Frankreich und Portugal. Die Länder unterhalten seit 1485 geregelte direkte diplomatische Beziehungen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich, diplomatisches Institut des portugiesischen Außenministeriums, abgerufen am 28. Juni 2026
Das Verhältnis gilt traditionell als sehr gut, mit sehr alten und engen Beziehungen, die historisch auch konfliktreiche Phasen erlebten, häufig bedingt durch das enge britisch-portugiesische Verhältnis. Frankreich und Portugal teilen sehr alte und vielfältige Verbindungen in Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Kultur oder gegenseitiger Migration. So ist Frankreich heute Portugals zweitgrößter Außenhandelspartner und beherbergt eine der größten portugiesischen Diasporas. Dazu sind sie gemeinsam Mitglieder der EU, der Eurozone, des Schengen-Raums oder auch der Europäischen Weltraumorganisation auf europäischer Ebene, militärisch in der NATO, deren Gründungsmitglieder beide sind, und multilateral in weiteren Organisation wie dem Europarat, der OSZE und der OECD u. v. m. Der lebendige Kulturaustausch, mit dem traditionell großen kulturellen Einfluss Frankreichs auf Portugal, ist ebenfalls ein bedeutendes Bindeglied. 2018 erhielt Frankreich u. a. auf Grund seines bedeutenden portugiesischstämmigen Bevölkerungsanteils und der hier besonders lebendigen Lusitanistik Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder.
Heute sind neben den historischen Bezügen, den wirtschaftlichen Verflechtungen und den politischen Beziehungen die Migration und die Kultur wesentliche Verbindungsglieder. Insbesondere in Bereichen wie Film, Comics, Philosophie oder Mode ist bis heute der französische Einfluss in Portugal spürbar, auch wenn er in früher ebenso bedeutenden Bereichen wie Architektur, Musik oder Städteplanung teils merklich abgenommen hat. Auch war bis in die 1980er Jahre die französische Sprache als erste Fremdsprache, vor allem im Norden Portugals, verbreiteter als Englisch, was seither immer weniger der Fall ist.
In Frankreich ist Portugal vor allem als Urlaubsland und Kulturnation bekannt. Aus dem Kreis der langen portugiesischen Migration nach Frankreich stammen so verschiedene bekannte französische Persönlichkeiten wie die Bankierbrüder Émile und Isaac Pereire, der Filmregisseur Ruben Alves, der Manager Carlos Tavares oder die aus dem Reality-TV bekannte Influencerin Mélanie Da Cruz, und auch in Bereichen wie Kultur, Kommunalpolitik oder Sport sind zahlreiche portugiesischstämmige Franzosen bekannt geworden.
Geschichte Antike bis Mittelalter mini|hochkant|Heinrich von Burgund stammte aus Dijon und wurde im Zuge der sog. Reconquista Graf von Portugal, und damit Begründer des Hauses Burgund, der ersten Herrscherdynastie des später unabhängigen Portugals. Beide waren lange Teil des Römischen Reichs, das sie prägte und deren kulturelle Nähe bis heute häufig darauf zurückgeführt wird. Auch sind Französisch und Portugiesisch beides Romanische Sprachen.
Danach zogen Vandalen und andere, im Zuge der Völkerwanderung, auch durch Frankreich und Portugal. Beide gehörten eine Zeit zum Westgotenreich, bevor die Araber von Nordafrika nach Europa übersetzten und ihre Islamische Expansion ab 711 über das heutige Portugal bis nach Frankreich hinein (737) ausweiteten. Während sie in Frankreich jedoch nicht dauerhaft Fuß fassen konnten, wurden sie in Portugal, im Zuge der sogenannten Reconquista, nur mühsam nach und nach vertrieben. Im Verlauf dieser sogenannten Rückeroberung halfen auch ausländische Ritter. Bei der Belagerung Lissabons 1147 nahmen auch französische Krieger des Zweiten Kreuzzugs teil. Der aus Frankreich stammende Heinrich von Burgund war inzwischen Herrscher des heutigen Nordportugals geworden, der Grafschaft Portucale, und begründete damit das Haus Burgund, die erste Dynastie Portugals. Sein Sohn Alfons I., portugiesisch Dom Afonso Henriques, wurde 1139 erster König des unabhängigen Portugals. Im Zuge der weiteren Reconquista in Portugal, die erst 1250 abgeschlossen wurde, erhielten auch aus Frankreich stammende Ritter Landgüter in Portugal und ließen sich hier mit ihrem Gefolge nieder.
Der 1118 in Frankreich gegründete und zu einiger Macht und Reichtum aufgestiegene Templerorden wurde 1312 aufgelöst, auf Betreiben des französischen Königs. Ein Teil der Tempelritter gründete den Orden 1319 in Portugal als Christusorden neu. Nach ersten provisorischen Sitzen wurde das mächtige und wohlhabende Wehr-Kloster Convento de Cristo des früheren Templerordens in Tomar endgültiger Sitz des Ordens. Bis heute ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden um die französischen Tempelritter und in der Folge, wenn auch international weniger verbreitet, auch um die portugiesischen Christusritter.
Auch in anderen Ritterorden wirkten Franzosen und Portugiesen zusammen, darunter der frühere Johanniter- und spätere Malteserorden.
14. bis 18. Jahrhundert mini|hochkant|Von Schomberg, Marschall von Frankreich, machte sich ab 1660 im Restaurationskrieg um die Unabhängigkeit Portugals verdient. Nachdem Portugal Anfang des 15. Jh. das Zeitalter der Entdeckungen eingeläutet und zum ersten globusumspannenden Weltreich aufgestiegen war, begann Frankreich im 16. Jh. ein eigenes Kolonialreich zu errichten. Dabei gerieten beide Mächte mehrmals in direkte Konflikte, erstmals in größerem Ausmaß in Brasilien, wo das französische Projekt France Antarctique am Ende militärisch durch Portugal beendet wurde. Zudem erschwerten auch französische Piraten den portugiesischen Handel, etwa vor den afrikanischen Küsten, insbesondere vor Mosambik, aber auch vor Westafrika und Angola oder auch gelegentlich in Asien, Südamerika und anderswo. Ihre Konflikte waren jedoch selten tiefgreifend und konnten den guten Beziehungen, insbesondere seit ihrem Bündnis- und Handelsvertrag von 1485 und dem Freundschafts- und Bündnisvertrag von 1536, in dieser Phase selten gefährlich werden.
Mit der schwindenden Bedeutung des portugiesischen Kolonialreichs und dem weiteren Aufstieg Frankreichs und seines Kolonialreichs kam es seltener zu Konflikten. Die Französische und die Portugiesische Ostindien-Kompanie etwa traten im 17. Jh. nur noch am Rande in direkte Konkurrenz. Ein Grund war auch die Schwäche Portugals während der Iberischen Union, nachdem Portugal 1582 durch Erbfolge an Spanien gefallen war. Als Portugal seine Unabhängigkeit zurückhaben wollte, musste es sich diese militärisch im Restaurationskrieg 1640–1668 erstreiten. Seit 1634 hielten sich bereits französische Agenten in Portugal auf, um dem Land die französische Unterstützung gegen den gemeinsamen Feind Spanien zuzusichern, mit dem sich Frankreich im Krieg befand. Portugals neuer König D. João IV. ging ein Bündnis mit Frankreich ein, und 1641 tauschten sie erstmals Botschafter aus. Und auch die Vertretung der portugiesischen Interessen im Westfälischen Frieden durch französische Vertreter, nachdem Spanien die Teilnahme von Portugiesen verhindert hatte, zeigt ihre nun engen Beziehungen. Dank dieses Bündnisses erhielt Portugal, als Spanien nach dem Ende des Französisch-Spanischen Kriegs 1659 stärker gegen Portugal vorging, französische Unterstützung. So wurde der in französischen Diensten stehende deutsche General Schomberg mit Truppen dorthin entsandt und leistete einen wesentlichen Beitrag zum portugiesischen Sieg gegen Spanien. 1667 schlossen Frankreich und Portugal ein erneuertes Beistandsabkommen. Der Einfall Frankreichs in die Spanischen Niederlande im Mai 1667 begünstigte schließlich im Februar 1668 auch den Frieden von Lissabon und damit die Sicherung der Unabhängigkeit Portugals.
Auf kulturellem Gebiet fand parallel ein immer stärkerer Austausch statt, und die französischen Einflüsse in Kunst, Architektur und Technik während der Renaissance wuchsen.
Im 18. Jh. gerieten Frankreich und Portugal dann aber häufiger in Konflikt. Im Spanischen Erbfolgekrieg standen sie ab 1703 auf verschiedenen Seiten und ihre diplomatischen Beziehungen wurden 1704 unterbrochen. Nach Ende des Krieges 1714 nahmen sie ihre diplomatischen Beziehungen am 18. August 1715 wieder auf. Im Siebenjährigen Krieg ab 1756 wurden sie dann erneut Gegner, bis sie im Frieden von Paris 1763 ihren Konflikt zunächst beilegten. 1761 hatte Frankreich, zusammen mit Spanien, Portugal zwischenzeitlich erneut angegriffen (Guerra Fantástica), wurde jedoch von Portugal unter seinem einflussreichen Premierminister Marquês de Pombal zurückgeschlagen, der sich die Hilfe des Heerführers Wilhelm von Schaumburg-Lippe gesichert hatte und gegen Frankreich auf Truppen seines britischen Verbündeten unter John Burgoyne zählen konnte.
19. Jahrhundert mini|hochkant|Die Schlacht bei Buçaco markierte am 27. September 1810 den endgültig gescheiterten Versuch des napoleonischen Frankreichs, Portugal zu erobern. Damit endete auch der historische Tiefpunkt der langen französisch-portugiesischen Beziehungen. Unter dem ab 1799 herrschenden Napoleon Bonaparte geriet Portugal, als ältester und treuester Verbündeter Englands, erneut in Konflikt mit französischer Machtpolitik. Im Ersten Koalitionskrieg gehörte Portugal ab 1793 zur Koalition gegen Frankreich, dem es dann aber, nach einer Reihe Separatfrieden ab 1795, fast allein auf dem Kontinent gegenüberstand und am Ende des Konflikts 1797 fast als einziger Verbündeter Großbritanniens übrig geblieben war. Mit dem Orangen-Krieg 1801 setzte Frankreich Portugal weiter unter Druck, um es aus seinem Bündnis mit Großbritannien herauszulösen.
Nachdem Großbritannien bereits seit 1793 Seeblockaden gegen französische Häfen verhängt hatte, und sich Portugal als einzige europäische Nation auch nach massivem französischen Druck nicht an der Kontinentalsperre Napoleons 1806 gegen Großbritannien beteiligt hatte, und auch nach dem französischen Ultimatum an Portugal 1807 unverändert an der Seite Englands stand, entschied Napoleon, Portugal militärisch durch Eroberung unter Kontrolle zu bringen. Ab 1807 erfolgten die Napoleonischen Invasionen, vor denen das portugiesische Königshaus 1808 nach Rio de Janeiro flüchtete, um die portugiesische Unabhängigkeit auch bei einer erfolgreichen Eroberung Portugals durch Napoleon zu wahren. Zunächst gelang es den französischen Truppen, Portugal militärisch weitgehend zu besetzen und sich die besten Teile seiner Armee als Portugiesische Legion einzuverleiben. Im geheimen Vertrag von Fontainebleau (1807) hatte Napoleon mit Spanien bereits eine Aufteilung Portugals in drei Teile vereinbart, mit der Schaffung eines Königreich Lusitanien und mindestens zwei weiteren abgetrennten Herrschaftsbereichen. Bis zum Sommer 1808 blieb Portugal praktisch durch den französischen Heerführer Junot besetzt, bis ein britisch-portugiesisches Heer unter General Wellington die französische Armee in der Schlacht von Vimeiro schlug und nach der Konvention von Cintra vom 30. August 1808 der Abzug der Franzosen erfolgte. Napoleon unternahm danach zwei weitere blutige Feldzüge gegen Portugal, zuletzt unter Marschall Masséna, der nach zwischenzeitlichen Erfolgen aber am Ende die schweren Linien von Torres Vedras nicht durchbrechen konnte und sich nach den verlorenen Schlachten bei Buçaco am 27. September 1810 und schließlich bei Sabugal am 3. April 1811 endgültig aus Portugal zurückziehen musste.