Borki, (), ist ein Dorf im Powiat Bartoszycki (Bartensteiner Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Gmina Bartoszyce (Landgemeinde Bartenstein). mini|Dorfplatz
Geographische Lage Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 15 Kilometer südsüdöstlich von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) und sechs Kilometer westnordwestlich von Bartoszyce (Bartenstein).
Geschichte mini|Borken, westnordwestlich von Bartenstein und südsüdöstlich von Preußisch Eylau, auf einer Landkarte von 1910. Um 1330 wurde Borken (vor 1595 Borcken) als deutsches Bauerndorf mit Kirche und Krug gegründet.Dietrich Lange: Borken, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) Prägend für den Ort war ein sehr großes Gut mit großem Park, Teich, einer Kapelle, einem Friedhof und auch einem Sägewerk.
Schwere Schäden erlitten Dorf und Kirche durch den Poleneinfall 1414. Eine weitere Zerstörung erfolgte im Dreizehnjährigen Krieg 1454/66.
In Borken entwickelte sich eine Gutsherrschaft, die häufig wechselte: v. Milbe (1748), v. Fresin (1749–1756), v.d. Groeben (1756–1764), v.d. Goltz (ab 1764), v. Malitz (1777–1785), v. Negelein (ab 1785), v. Henkel (ab 1790), v. Wartensleben (ab 1792), v. Krafft (ab 1795). Am 22. Juni 1835 wurde das Gut von den Erben öffentlich zur Ersteigerung angeboten.Amts-Blatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Königsberg, No. 18, Mittwoch den 6. Mai 1835, S. 276 (Google Books).
Am 7. Mai 1874 wurde Borken Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Preußisch Eylau:Rolf Jehke: Amtsbezirk Albrechtsdorf/Borken Borken war sowohl als Landgemeinde als auch als Gutsbezirk Teil des Amtsbezirks.
Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Borken eine Flächengröße von 614 ha, 97 ar, und 50 m², und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 207 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 373, 10. Kreis Preußisch Eylau, Ziffer 10 (Google Books). Im Jahre 1928 wurden die Gutsbezirke Borken und Pillwen sowie die Landgemeinde Borken und das Gut Schonklitten zur neuen Landgemeinde Borken zusammengeschlossen.
Borken gehörte bis 1945 zum Kreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen im Deutschen Reich.
Letzter Gutsbesitzer auf Borken war die Familie v. Janson (etwa 1860–1945), ganz zuletzt der Diplomat Martin von JansonInformationszentrum Ostpreußen: Gut Kinderhof/Schloss Gerdauen, der allerdings lieber auf dem geräumigeren und komfortableren Gut Pillwen weilte als auf dem Stammsitz in Borken. Als sich die Rote Armee der Region näherte, wollte er seine Heimat nicht verlassen und setzte am 29. Januar 1945 seinem Leben ein Ende, um nicht sowjetischen Soldaten in die Hände zu fallen.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Borken am 2. Februar 1945 von der Roten Armee besetzt, wobei viele Gebäude zerstört wurden. Anschließend wurde Borken zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Der Ortsname Borken wurde daraufhin zu „Borki“ polonisiert. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.
Der Ort gehört heute zur Landgemeinde Bartoszyce (Bartenstein) im Powiat Bartoszycki (Kreis Bartenstein (Ostpr.)), von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – adliges Vorwerk und Bauerndorf, mit einer Kirche und 20 Feuerstellen (Haushaltungen), im Besitz des Lieutenants von Maltertz befindlichJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, Anhang: Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 20 (Google Books). 1816 143 adliges Gut und DorfAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 150, Ziffer 3869 (Google Books). 1828 209 Dorf, mit einem Vorwerk, sechs Bauerngehöften und einer PfarrkircheLeopold Krug: Die Preussische Monarchie. Teil 1: Provinz Ostpreussen, Berlin 1833, S. 585, Ziffer 80 (Google Books) 1852 237 Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 61 (Google Books). 1864 306 am 3. Dezember, davon 159 im Gutsbezirk und 147 im GemeindebezirkPreußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Berlin 1966, 4. Kreis Fischhausen, S. 2–9, Ziffer 28–29 (Google Books). 1867 294 am 3. Dezember, davon 142 im adligen Kirchdorf und 152 im Gutsbezirk 1871 293 am 1. Dezember, davon 129 im adligen Kirchdorf (sämtlich Evangelische) und 164 im Gutsbezirk (163 Evangelische und eine katholische Person) Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 86–87, Ziffer 17 (Google Books), und S. 90–91, Ziffer 139 (Google Books). 1885 313 am 1. Dezember davon 121 in der Landgemeinde (117 Evangelische und vier sonstige Christen) und 192 im Gutsbezirk (183 Evangelische und neun Katholiken)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 96–97, Ziffer 17 (Google Books), und S. 102–103, Ziffer 133 (Google Books). 1910 260 am 1. Dezember, davon in der Landgemeinde 50 und im Gutsbezirk 210 Einwohner 1933 406 Michael Rademacher: Ortsbuch Landkreis Preußisch Eylau 1939 357
Im Jahr 2021 hatte das Dorf 152 Einwohner.
Amtsbezirk Borken (1874 bis 1937) Der Amtsbezirk bestand bei seiner Errichtung aus sechs Orten, die allesamt strukturellen Veränderungen unterworfen waren und am Ende den Amtsbezirk zur Auflösung brachten:
Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Ardappen Ardapy 1936/1937 in den Amtsbezirk Spittehnen, Kreis Bartenstein, eingegliedert Borken (Landgem.) Borki 1937 in den Amtsbezirk Albrechtsdorf ausgegliedert Borken (Gutsbezirk) 1928 in die Landgemeinde Borken eingegliedert Paulienen Pawłówka 1909 in den Amtsbezirk Markienen, Kreis Friedland, umgegliedert Pillwen Pilwa 1928 in die Landgemeinde Borken eingegliedert Spittehnen Spytajny 1936/1937 in den neuen Amtsbezirk Spittehnen, Kreis Bartenstein, überführtRolf Jehke: Amtsbezirk Spittehnen ab 1922:Schonklitten Wysieka 1928 in die Landgemeinde Borken eingegliedert
Kirche Evangelisch
mini|Kirchenschiff-Ruine der evangelischen Kirche Borken Die Kirche stammt aus der Ordenszeit im 15. Jahrhundert. Von 1685 bis 1688 wurde sie durch einen Turm ergänzt. Der chorlose verputzte Backsteinbau mit siebenteiligem Ostgiebel ruht auf Feldsteinfundament.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 67. Mit der Reformation wurde die Kirche lutherisch. Vor 1945 gehörte sie zum Superintendenturbezirk Landsberg im Kirchenkreis Preußisch Eylau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Zum Kirchspiel gehörten mehr als zehn Orte, in denen 1150 Gemeindeglieder wohnten.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 468.
Pfarrer sind seit 1532 belegtFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 25. Von besonderer Bedeutung war der die Gemeinschaftsbewegung prägende Geistliche Carl Ferdinand Blazejewski, der von 1892 bis 1900 in Borken wirkte und dort unter anderem ein Diakonissenhaus gründete, das zum Diakonissen-Mutterhaus und zur ersten diakonischen Einrichtung der evangelischen Gemeinschaftsbewegung wurde. Letzter Pfarrer war Bruno Otto Zippel, der bei der Besetzung Borkens durch Soldaten der Roten Armee erschossen wurde.
Die Kirche wurde bis auf die Außenmauern zerstört. Die Ruine blieb erhalten und steht unter Schutz.
Römisch-katholisch Borken gehörte vor 1945 zur römisch-katholischen Pfarrei in Bartenstein (polnisch Bartoszyce) im damaligen Bistum Ermland. Heute sind die katholischen Einwohner nach Wojciechy (Albrechtsdorf) im jetzigen Erzbistum Ermland eingepfarrt.
Verkehr Borki liegt an einer Nebenstraße, die bei Tolko (Tolks) von der Woiwodschaftsstraße 512 abzweigt und bis nach Pilwa (Pillwen) führt. Eine Anbindung an den Bahnverkehr besteht nicht.
Persönlichkeiten Carl Ferdinand Blazejewski (1862–1900), deutscher evangelischer Pfarrer, von 1892 bis 1900 an der Borkener Kirche tätig, Träger der deutschen Gemeinschaftsbewegung in Westpreußen, starb am 24. Mai 1900 in Borken Martin von Janson (1887–1945), deutscher Diplomat, war letzter Gutsbesitzer auf Borken und ging in Pillwen (Pilwa) kurz vor Einbruch der Roten Armee am 29. Januar 1945 aus seinem Leben
Literatur Borken, Dorf und Rittergut, Kreis Preußisch Eylau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Borken (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 47 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 49(Google Books). Leopold Krug: Die Preussische Monarchie. Teil 1: Provinz Ostpreussen, Berlin 1833, S. 585, Ziffer 80 (Google Books).
Weblinks
Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Borken Amtsbezirk Albrechtsdorf (Territorial.de)
Einzelnachweise
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