Die Freie Volksbühne Danzig war ein Theaterverein in der Freien Stadt Danzig von etwa 1921 bis etwa 1933.
Geschichte Um 1921 wurde der Verein Freie Volksbühne in Danzig gegründet. Er wollte Theatervorstellungen zu niedrigen Eintrittspreisen für die Mitglieder möglich machen, wie andere Volksbühnen-Vereine auch.Peter Oliver Loew: Das literarische Danzig, Frankfurt am Main, 2009 S. 149; mit kurzer Erwähnung, nach Unser Danzig, 1958; ansonsten ist bisher keine Sekundärliteratur über die Freie Volksbühne Danzig bekannt Die Sitzplätze wurden jeweils vorher ausgelost, ab 1926 mit einem modifizierten Rollsystem, in dem abwechselnd Plätze in der besseren und der schlechteren Hälfte verteilt wurden.Danziger Volksstimme vom 11. September 1926, S. 3, mit Vorstellung der Planungen für die nächste Spielsaison
Das Repertoire wurde auf Mitgliederversammlungen nach demokratischer Abstimmung ausgewählt. Es wurden Theaterstücke von modernen und klassischen Autoren gezeigt, außerdem Opern und Operetten. Gespielt wurde anfangs in den Danziger Festsälen (Werftspeisehaus), danach meist im Stadttheater als Gast. Die Spieltage waren an einzelnen verschiedenen Tagen im Monat. 1922 gab es etwa 2500 Mitglieder, 1926 waren es etwa 5000.Danziger Volksstimme vom 6. Juli 1922, S. 4; Hans Sachs, letzte Zeile Das Büro war zuerst am Heveliusplatz 1/2 im Gewerkschaftshaus, ab etwa 1926 in der Jopengasse 59. Eine Zeitschrift Freie Volksbühne Danzig wurde von 1926 bis 1932 herausgegeben.
1929 fand der allgemeine deutsche Volksbühnentag in Danzig statt.Danziger Volksstimme vom 20. bis 27. Juni 1929 (PDF); mit Vorankündigungen und Berichten; es gab vor allem Vorträge und eine Kundgebung, aber keine Theatervorstellungen Die Volksbühne, Juli 1929, Ansicht, Angaben; dieser fand jährlich in einer anderen deutschen Stadt statt; die Freie Stadt Danzig gehörte damals nicht zum Deutschen Reich
Wahrscheinlich 1933 wurde der Verein aufgelöst, nachdem im Stadtparlament veränderte Machtverhältnisse eingetreten waren. 1936 gab es eine Trauerfeier für die verstorbenen Mitbegründer Bruno Galleiske und Anna Sellin als eine letzte öffentliche Veranstaltung, in der auch der Geschichte des Vereins gedacht wurde.Danziger Volksstimme vom 3. Februar 1936, S. 3
Ein Archiv des Vereins ist wahrscheinlich nicht erhalten.
Repertoire Die Theatersaison begann im September/Oktober und endete im Sommer. Die Auswahl ist unvollständig.
1921/22 Henrik Ibsen: Die Stützen der GesellschaftDV, 5. 12. 1921, Anzeige, letzte Seite Anton Wildgans: ArmutDV, 9. 12. 1921, Anzeige Franz von Schönthan: Die goldene Eva, LustspielDV, 9. 1. 1922, S. 3; Ankündigung, Wahl auf Wunsch der Mitglieder Gerhart Hauptmann Der BiberpelzDV, 8. 4. 1922, S. 4; auch Barbier erwähnt Gioachino Rossini: Der Barbier von Sevilla, Oper Max Halbe: JugendDV, 19. 5. 1922, S. 5; mit Rezension der Vorstellung Max Halbe Der StromDV, 3. 6. 1922, Anzeige Hans Sachs Schwänke DV, 6. 7. 1922, S. 4; mit Rezension von Willibald Omankowski
1922/23 Georg Kaiser: David und Goliath, KomödieDV, 10. 3. 1923, Anzeige
1924/25 Aimé Maillart: Das Glöckchen des Eremiten, OperDV, 6. 12. 1924, Anzeige, auch Kaiser, Kolportage Georg Kaiser: Kolportage, Komödie
1925/26 Die Bohème, OperDV, 14. 11. 1925, Anzeige [S. 16], zu allen vier Stücken Adolphe Adam Der Postillon von Lonjumeau, Oper Sutton Vane: Outward Bound (Überfahrt) Adolph L’Arronge Doktor Klaus
1926/27 geplant warenDV, 11. 9. 1926, S. 3; Vorstellung des geplanten Programms, es kann danach zu Änderungen gekommen sein Molière Der Geizige Friedrich Schiller Die Räuber William Shakespeare Sommernachtstraum Romain Rolland Spiel von Tod und Liebe Paul Raynal Grab des unbekannten Soldaten Arthur Schnitzler (?) Familientag Carl Maria von Weber Der Freischütz Giuseppe Verdi Ein Maskenball Giacomo Puccini Madame Butterfly Richard Wagner Das Rheingold Richard Wagner Siegfried Richard Wagner Götterdämmerung
1927/28 Gerhart Hauptmann Einsame MenschenDV, 8. 10. 1927, Anzeige, zu den vier Stücken Hermann Sudermann Die Schmetterlingsschlacht Bedřich Smetana Die verkaufte Braut, Oper Giuseppe Verdi Die Macht des Schicksals
Persönlichkeiten Franz Arczynski (1886–1946), Leiter, sozialdemokratischer Abgeordneter Bruno Galleiske, Geschäftsführer, RegisseurDanziger Volksstimme vom 1. September 1923, S. 3 (Vorstellung der neuen Spielsaison); 6. Juli 1922, S. 4 (Regie Hans Sachs); 3. Februar 1936, S. 3 (Trauerfeier) Carl Bückel, Regisseur 1921/1922 Willibald Omankowski, Kulturjournalist
Die Schauspieler kamen meist vom Stadttheater.
Literatur Danziger Volksstimme, 1921–1936, mit regelmäßigen Berichten im Lokalteil S. 3, 4 oder 5, und im Anzeigenteil
Einzelnachweise
Volksbuhne Kategorie:Gegründet in den 1920er Jahren Kategorie:Aufgelöst in den 1930er Jahren Kategorie:Theaterverein Kategorie:Geschichte der Stadt Danzig (20. Jahrhundert) Kategorie:Freie Stadt Danzig Kategorie:Organisation (Danzig)