Die Liste der Stolpersteine in Idar-Oberstein enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Projekts von Gunter Demnig in Idar-Oberstein verlegt wurden. Mit ihnen soll an Menschen erinnert werden, die in Idar-Oberstein lebten und wirkten und aus unterschiedlichen Gründen Opfer des Nationalsozialismus wurden. Verlegte Stolpersteine Stadtteile Idar Bild AdresseVerlegedatum Person, Inschrift AnmerkungDie Anmerkungen basieren weitestgehend auf dem unveröffentlichten Manuskript „Die verfolgten und vernichteten Juden der oberen Naheregion 1933 bis 1945. Biografisches Gedenkbuch“ sowie den Büchern „Wer draußen steht, sieht manches besser. Biographie des Reichstagsabgeordneten Emil Kirschmann“ und „Es stand in der Zeitung. Artikel zur Regionalgeschichte aus der Nahe-Zeitung von 1983-2023“ von Axel Redmer. 140px|Stolperstein Dr. Wilhelm Levy Kobachstraße 11 20. Oktober 2011 HIER WOHNTEDR. WILHELM LEVYJG. 1894DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 28. Oktober 1944AUSCHWITZ Wilhelm Levy wurde am 11. April 1894 in Sensweiler als Sohn eines Viehhändlers geboren. Er machte Abitur in Oberstein, studierte Medizin in Bonn und lernte dort seine spätere Frau Adele Moses kennen. Das Ehepaar blieb kinderlos.In der Idarer Kobachstraße 11 eröffnete Levy 1925 eine nach modernsten Standards eingerichtete Praxis. Er war ein sehr kompetenter und beliebter Arzt, bei dem sich auch NSDAPler mit ihren Familien behandeln ließen. Trotzdem litt er zunehmend unter den nationalsozialistischen Schikanen, verlor seine ärztliche Zulassung und durfte offiziell nur noch als „ärztlicher Krankenbehandler“ für Juden tätig werden. 1938 musste er endgültig seine Praxis schließen und reiste mit seiner Frau vorübergehend zu den Schwiegereltern nach Bonn.In Abwesenheit der Eheleute Levy verwüsteten Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht 1938 Praxis und Wohnung des in der Bevölkerung überaus geschätzten Arztes und rühmten sich anschließend der Plünderungen, die sie zudem durchgeführt hatten. Trotz dieses antisemitischen Exzesses kehrte das Ehepaar nach Idar zurück und zog Ende 1941 nach Bonn in die Kapellenstraße 6. Zur Vorbereitung der geplanten Deportation wurde Wilhelm Levy mit seiner Frau von den Nationalsozialisten im Bonner Kloster zur Ewigen Anbetung interniert. Am 27. Juli 1942 folgte dann über Köln die Verschleppung in das Getto Theresienstadt, wo Wilhelm Levy in der Krankenstation eingesetzt wurde und u. a. Totenscheine auszustellen hatte. Nachdem absehbar war, dass die sowjetische Armee zunehmend in den Einzugsbereich der östlichen Vernichtungslager vorstieß, wurde das Ehepaar Levy am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und unmittelbar nach der Ankunft auf dem Bahnsteig getrennt. Seitdem fehlt von Wilhelm Levy jede Spur, sodass er nach 1945 für tot erklärt wurde. 140px|Stolperstein Adele Levy Kobachstraße 11 20. Oktober 2011 HIER WOHNTEADELE LEVYGEB. MOSESJG. 1899DEPORTIERT 1942THERESIENSTADT 1944 AUSCHWITZ Adele Levy lernte ihren Mann Wilhelm Levy während dessen Medizinstudium in Bonn kennen.Zum Schicksal von Adele Levy geb. Moses existiert ein Video. 140px|Stolperstein Adolf Baer Kobachstraße 15 19. März 2024HIER WOHNTEADOLF BAERJG. 1895FLUCHT 1935SCHWEIZDer Sohn der Eheleute Babette Wolf und Nathan Baer kam am 5. März 1895 in Idar zur Welt und wurde Edelsteinschleifer und -händler. Mit seiner aus Berlichingen stammenden Frau Berti Grünstein (Grinstein) und der gemeinsamen Tochter Edith zog er Ende 1935 zunächst nach Frankfurt am Main. Sein Hausanwesen in Idar war unmittelbar zuvor „arisiert“ worden. Während seine Eltern von Frankfurt aus erfolgreich über Frankreich ihre Ausreise nach New York vorbereiteten, floh Adolf Baer mit Frau und Tochter in die Schweiz, wo er 1937 an einem bislang unbekannt Ort starb. 140px|Stolperstein Berti Baer Kobachstraße 15 19. März 2024HIER WOHNTEBERTI BAERGEB. GRÜNSTEINJG. 1902FLUCHT 1935SCHWEIZPALÄSTINABerti Grünstein (Grinstein) kam am 22. Januar 1902 in Berlichingen bei Heilbronn zur Welt. Nachdem sie den Idarer Edelsteinschleifer und -händler Adolf Baer geheiratet hatte, brachte sie 1927 in Offenau die gemeinsame Tochter Edith zur Welt, bevor die Familie sich in Idar niederließ. Da die Juden ab 1933 systematisch aus der Edelstein- und Schmuckbranche gedrängt wurden und das Haus der Familie Baer 1935 „arisiert“ worden war, erhofften sich die Eheleute in der Anonymität der Großstadt Frankfurt am Main bessere Lebensbedingungen, was sich schnell als unbegründete Hoffnung erwies und zur Flucht in die Schweiz führte. Auch hier ließ es sich für geflohene Juden nicht gut leben. Nach dem frühen Tod ihres Mannes gelang Berti Baer mit ihrer Tochter die Einreise nach Palästina, wo beide eine dauerhafte Heimat fanden. Die verwitwete Berti Baer heiratete ein zweites Mal und führte danach den Namen Berti Ziegler. Nähere Angaben zu ihrem Mann und ihrem Leben in Israel sind bislang nicht bekannt. 140px|Stolperstein Edith Baer Kobachstraße 15 19. März 2024HIER WOHNTEEDITH BAERVERH. MANSURJG. 1927FLUCHT 1935SCHWEIZPALÄSTINAEdith Baer kam am 22. Januar 1922 als Tochter von Berti Grünstein (Grinstein) und Adolf Baer in Offenau auf die Welt. Mit ihren Eltern zog Edith in die Geburtsstadt des Vaters, der Edelsteinschleifer und -kaufmann war. In Idar lebten auch ihre Großeltern väterlicherseits. Wie alle selbstständigen Juden wurden Ediths Eltern systematisch aus dem Wirtschaftsleben gedrängt und suchten nach der „Arisierung“ ihres Wohn- und Geschäftshauses Ende 1935 in Frankfurt am Main eine neue Perspektive. Allerdings mussten sie ihr Vorhaben schnell aufgeben und flohen daraufhin in die Schweiz, wo jüdische Hitler-Flüchtlinge keineswegs willkommen waren. Nachdem der Vater 1937 42-jährig gestorben war, betrieben Tochter und Mutter die Ausreise nach Palästina. In Israel heiratete Edith Baer einen Mann namens Mansur. Über ihn und ihren weiteren Lebensweg sind bislang keine Angaben bekannt. 140px|Stolperstein Julius Baer Kobachstraße 15 19. März 2024HIER WOHNTEJULIUS BAERJG. 1896FLUCHT 1936FRANKREICHUSAJulius Baer kam am 12. Dezember 1896 als viertes Kind der Eheleute Babette Wolf und Nathan Baer in Idar zur Welt und war ebenso wie der Vater und mehrere seiner Brüder in der Edelsteinbranche tätig. 1928 heiratete er Hedwig Deutsch aus Ingenheim. Ernst, das einzige Kind des Ehepaars, wurde 1931 geboren. Nach der 1935 erfolgten „Arisierung“ des Grundvermögens wanderte die Familie nach Ramat Gan in Palästina aus, kehrte aber schon bald wieder zurück, um über Le Havre am 16. Oktober 1936 nach New York zu fliehen. Geschäftlich war Julius Baer bereits 1934 in New York gewesen und konnte daher genauer abschätzen, was ihn und seine Familie in den USA erwartete. In seinem erlernten Beruf konnte er nicht sofort Fuß fassen und so arbeitete er zunächst als Handlungsgehilfe und blieb bis zu seinem Tod im Februar 1967 in New York. 140px|Stolperstein Hedwig Baer Kobachstraße 15 19. März 2024HIER WOHNTEHEDWIG BAERGEB. DEUTSCHJG. 1903FLUCHT 1936FRANKREICHUSAHedwig Deutsch war die am 31. Januar 1903 in Ingenheim geborene Tochter des Textilhändlers Simon Deutsch und seiner Frau Ida Straus. Nach ihrer Hochzeit im November 1928 lebte sie mit ihrem Mann, dem Edelsteinschleifer und -händler Julius Baer, in Idar, wo 1931 der gemeinsame Sohn Ernst geboren wurde. Julius Baer wurde wie seine Angehörigen als Jude aus der Edelsteinbranche gedrängt und entschloss sich, mit seiner Familie nach Ramat Gan in Palästina auszuwandern. Weil sie dort nicht Fuß fasste, floh die Familie am 16. Oktober 1936 über Le Havre nach New York. Im jüdischen Viertel Height Washington fand Hedwig Baer mit ihrer Familie ein neues Zuhause. Erst nach dem Tod ihres Mannes 1967 verließ sie New York und verbrachte ihren Lebensabend in Danbury, Connecticut, wo schon ihre Mutter gewohnt hatte. 25 Jahre nach dem Tod ihres Manns starb Hedwig Baer am 11. Juni 1992. 140px|Stolperstein Ernst Baer Kobachstraße 15 19. März 2024HIER WOHNTEERNST BAERJG. 1931FLUCHT 1936FRANKREICHUSADer am 7. Oktober 1931 in Idar geborene Ernst Baer war das einzige Kind der Eheleute Hedwig Deutsch und Julius Baer. Nach der fehlgeschlagenen Auswanderung nach Palästina floh die Familie am 16. Oktober 1936 von Le Havre nach New York. In den USA heiratete Ernst Baer die drei Jahre jüngere Edyth Loft McRae, mit der er die drei Kinder Barry, Allen und Barbara hatte. Während des Koreakriegs war er von 1952 bis 1954 im US-Hauptquartier in Heidelberg stationiert. Anschließend besuchte er bis 1963 13 Jahre lang die Bernard M. Baruch Wirtschaftsabendschule. Nach seinem Schulabschluss war er in New York und Washington DC Steuerbeamter und anschließend in Atlanta Buchhalter. Mit 58 Jahren musste er wegen einer Herzerkrankung vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden. Danach engagierte er sich noch in der Georgia Society of CPA's und war Treuhänder der jüdischen Organisation Temple Sinai of Atlanta. Ernst Baer starb am 12. Dezember 2002 in Wiggins Stone County, Mississippi. 140px|Stolperstein Hugo Baer Layenstraße 3 19. März 2024HIER WOHNTEHUGO BAERJG. 1899FLUCHT 1936FRANKREICHUSA Das Wohnhaus Layenstraße 3 besteht nicht mehr. 140px|Stolperstein Anna Baer Layenstraße 3 19. März 2024HIER WOHNTEANNA BAERGEB. KAHNJG. 1899FLUCHT 1936FRANKREICHUSA 140px|Stolperstein Doris Baer Layenstraße 3 19. März 2024HIER WOHNTEDORIS BAERJG. 1928FLUCHT 1936FRANKREICHUSA 140px|Stolperstein Alfred Neuhäuser Hauptstraße 146 19. März 2024HIER WOHNTEALFREDNEUHÄUSERJG. 1867DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 25. März 1942holocaust.cz: Alfred Neuhäuser, abgerufen am 1. Oktober 2026 140px|Stolperstein Helene Neuhäuser Hauptstraße 146 19. März 2024HIER WOHNTEHELENENEUHÄUSERJG. 1905FLUCHT 1933SPANIENSCHWEIZFRANKREICHÜBERLEBT 140px|Stolperstein Richard Neuhäuser Hauptstraße 146 19. März 2024HIER WOHNTERICHARDNEUHÄUSERJG. 1905FLUCHT 1937SCHWEIZ 1937 FRANKREICHÜBERLEBT 140px|Stolperstein Marion Neuhäuser Hauptstraße 146 19. März 2024HIER WOHNTEMARIONNEUHÄUSERGEB. MONNIERJG. 1907FLUCHT 1936SCHWEIZ 1937 FRANKREICHÜBERLEBT 140px|Stolperstein Berty Neuhäuser Hauptstraße 146 19. März 2024HIER WOHNTEBERTYNEUHÄUSERJG. 1933FLUCHT 1937SCHWEIZ 1937 FRANKREICHÜBERLEBT 140px|Stolperstein Georg Maus Hauptstraße 148 20. Oktober 2011 HIER WOHNTEGEORG MAUSJG. 1888IM CHRISTLICHENWIDERSTANDVERHAFTET 1944GEFÄNGNIS KOBLENZGEFÄNGNIS BERLINTOT 14. Februar 1945 AUFTRANSPORT NACH DACHAU Georg Maus wurde am 5. Juni 1888 als Pfarrersohn in Bottendorf geboren.Er studierte Theologie, Deutsch und Geschichte, nahm am 1. Weltkrieg teil und unterrichtete dann an verschiedenen Schulen, bis er 1943 an die Staatliche Oberschule Idar-Oberstein versetzt wurde.Eine Religionsstunde, in der der bibeltreue Christ sich klar zu Jesu Gebot der Feindesliebe bekannte, führte zur Verhaftung, zur Inhaftierung in Koblenz und Berlin-Moabit, zur Verurteilung vor dem Volksgerichtshof in Berlin: zwei Jahre Haft wegen Wehrkraftzersetzung.Der geschwächte Georg Maus starb auf dem Transport nach Dachau im Güterwaggon am 14. Februar 1945. 140px|Stolperstein Willi Günzburger Hauptstraße 176 20. Oktober 2011 HIER WOHNTEHANS WILLIGÜNTZBURGERJG. 1882DEPORTIERT 1945THERESIENSTADTTOT 25. Februar 1945 Hans Willi Güntzburger war Edelsteinhändler mit einem gut gehenden Geschäft in Idar und Niederlassungen in England. Da er in einer „Mischehe“ mit einer Christin lebte und die Söhne evangelisch getauft waren, gehörte er zu den letzten beiden jüdischen Bürgern, die noch am 14. Februar 1945 zum „Arbeitseinsatz“ nach Theresienstadt deportiert wurden. Der gesundheitlich stark angegriffene Willi Güntzburger verstarb dort nach dem Transport am 25. Februar 1945.Frau Güntzburger war vorher bis zum Amtsarzt vorgedrungen, um ein Attest über Transport- und Arbeitsunfähigkeit ihres Mannes zu erlangen. Es gelang ihr nicht.Auch in einem Prozess nach dem Krieg wurde ihr die Aufdeckung der Wahrheit und die Bestrafung des Schuldigen verweigert.
Oberstein