mini|Christian Lindner (2024)rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image Christian Wolfgang Lindner (* 7. Januar 1979 in Wuppertal) ist ein deutscher ehemaliger Politiker (FDP). Er war von Dezember 2013 bis Mai 2025 Bundesvorsitzender der FDP und von Dezember 2021 bis zum Bruch der Ampelkoalition im November 2024 Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz.

Von 2000 bis 2009 und erneut von Mai 2012 bis Oktober 2017 gehörte er dem Landtag in Nordrhein-Westfalen an. Von Oktober 2009 bis Juli 2012 war Lindner Mitglied des Deutschen Bundestages, von Dezember 2009 bis Dezember 2011 auch Generalsekretär der FDP. Lindner zog als Spitzenkandidat seiner Partei bei der Bundestagswahl 2017 erneut in den Deutschen Bundestag ein und war dort bis Dezember 2021 Vorsitzender der FDP-Fraktion. Am Abend der Bundestagswahl 2025 kündigte Lindner an, aufgrund des Scheiterns der FDP an der Fünfprozenthürde seine politische Karriere zu beenden und nicht mehr für politische Ämter anzutreten.

Werdegang Familie, Studium, Zivil- und Wehrdienst Lindner wurde 1979 in Wuppertal geboren. Sein Vater, Wolfgang Lindner, ist promovierter Mathematiker mit dem Schwerpunkt Computeralgebrasysteme im Unterricht und war als Oberstudienrat am Städtischen Gymnasium Wermelskirchen und als Lehrbeauftragter an der Fernuniversität in Hagen tätig. Seine Mutter, Martina Lindner, gemäß Berichterstattung des Express später mit Familiennamen Hessling, arbeitete als Pharma- und Klinikreferentin. Nach der Trennung der Eltern wuchs Lindner laut Bild am Sonntag bei seiner Mutter in Wermelskirchen auf. Das Abitur legte er 1998 nach eigener Angabe in einem Interview mit Kinderreportern der Rhein-Zeitung mit einem Notenschnitt von 1,3 am Städtischen Gymnasium in Wermelskirchen ab. Anschließend leistete Lindner Zivildienst als Hausmeister in der Theodor-Heuss-Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach. Seine Motivation zur Verweigerung des Kriegsdienstes bestand nach eigenen Aussagen darin, eine bereits 1997 begonnene unternehmerische Tätigkeit fortsetzen zu können. Die Entscheidung widerrief er später, als er sich als Reserveoffizier bewarb.

Von 1999 bis 2006 studierte er Politikwissenschaft als Hauptfach sowie Öffentliches Recht und Philosophie als Nebenfächer an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nach elf Semestern erwarb er den akademischen Grad Magister Artium (M. A.).

Während des Studiums war Lindner Reserveoffizier bei der Luftwaffe. 2002 wurde er zum Oberleutnant der Reserve befördert.Lindner, Christian – Mitglied des Deutschen Bundestags (auf kuerschner.info – Politikerbiographien) Als Reservist nahm er rund vier Jahre lang als Einsatztagebuchführer an Wehrübungen beim Luftwaffenführungskommando in Köln-Wahn teil. Im Jahre 2008 wurde er Verbindungsoffizier zum Landeskommando Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Er führt den Dienstgrad Major der Reserve.

Privates 2011 heiratete Lindner die Journalistin Dagmar Rosenfeld, mit der er seit 2009 liiert war. Nach der im April 2018 bekannt gegebenen Trennung wurde die Ehe im August 2020 geschieden. Im Juli 2018 bestätigte er eine Beziehung mit der damaligen RTL-Fernsehreporterin Franca Lehfeldt; am 7. Juli 2022 heiratete das Paar auf Sylt. Die kirchliche Trauung fand am 9. Juli 2022 in der evangelischen Kirche St. Severin statt, obwohl der katholisch getaufte Lindner mit 18 Jahren aus der Kirche ausgetreten und die Braut aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist.Reinhard Bingener: Mit Gottes Hilfe, aber ohne Kirchensteuer? In: faz.net, 7. Juli 2022, abgerufen am 9. Juli 2022. Die evangelische Theologin Margot Käßmann kritisierte die kirchliche Trauung als „Kulisse“: Mindestens ein Ehepartner müsse Kirchenmitglied sein, damit eine kirchliche Trauung stattfinden könne. Im April 2025 wurden Lindner und Lehfeldt Eltern einer Tochter.

Christian Lindner bekannte sich 2013 zu seiner Haartransplantation. Er besitzt eine deutsche Rennfahrerlizenz, den Sportbootführerschein See, den FischereischeinBegabung ohne Ziel. In: Die Zeit, Nr. 37/2018. und hat 2018 in Mecklenburg-Vorpommern die Jägerprüfung abgelegt.

Unternehmerische Tätigkeit Von 1997, mit Ausschnitten aus der Sendung 100 Grad von Deutsche Welle TV bis 1999 und 2002 bis 2004 war Lindner als freiberuflicher UnternehmensberaterJörg Tremmel: Handbuch Generationengerechtigkeit. 2. Auflage. ökom Verlag, 2003, ISBN 3-936581-09-6, siehe unter: Zur Person Christian Lindner, S. 404. und im Stromhandel tätig. Diese Tätigkeit ließ er im Zuge seiner Wahl zum nordrhein-westfälischen FDP-Generalsekretär auslaufen. Ein Bericht der Deutschen Welle über Lindner und seinen Geschäftspartner Christopher Peterka aus dem Jahr 1997 wurde während des Wahlkampfs zur Bundestagswahl 2017 vom damaligen Moderator Steffen Hallaschka in dessen Sendung Stern TV gezeigt. Lindner äußerte darin den Leitspruch „Probleme sind nur dornige Chancen“, der seither häufig zitiert wurde.

Im Mai 2000 gründete Lindner zusammen mit drei weiteren Partnern die Internetfirma Moomax GmbH. An dieser Firma beteiligte sich der Risikokapitalfonds Enjoyventure. Lindner war von 2000 bis 2001 Geschäftsführer; nach knapp einem Jahr mussten Lindner und Knüppel gehen – „zur Sicherstellung der Handlungsfähigkeit des Unternehmens“, wie Moomax schrieb. Wenig später war Moomax bankrott: Die KfW hatte laut Enjoyventure 1,2 Millionen verloren; die investierende Bank war mit einem sechsstelligen Betrag beteiligt, und gegen sonstige Forderungen von 172.338 Euro standen nur noch Vermögenswerte von 15.339 Euro.Pleite mit der Firma, Glück in der Partei auf www.tagesspiegel.de, abgerufen am 16. Juli 2022 Lindner geht mit dem Misserfolg offen um und sprach 2016 bei der Fuckup-Night in der Universität Frankfurt über seine Geschichte des Scheiterns und Wiederaufstehens: „Ich habe zwei Unternehmen gegründet. Das eine war erfolgreich – und das andere war lehrreich.“ Im Oktober 2022 startete Lindner den Podcast "CL+", welcher bis Oktober 2024 veröffentlicht wurde.

Politische Laufbahn Frühes Engagement Mit 16 Jahren trat Lindner der FDP bei. Von 1996 bis 1998 war er Landesvorsitzender der Liberalen Schüler NRW und Vorstandsmitglied der Jungen Liberalen Nordrhein-Westfalen. Seit 1998 ist er Mitglied des nordrhein-westfälischen Landesvorstandes der FDP.

Landtagsabgeordneter (2000–2009) Bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 14. Mai 2000 gelang der FDP der Einzug (sie erhielt 9,8 %; im Mai 1995 waren es nur 4,0 % gewesen). Der 21-jährige Lindner zog als jüngster Abgeordneter in der Geschichte des Landtags von Nordrhein-Westfalen ins Landesparlament ein. Ab 2000 war er zunächst „Sprecher für Generationen, Familie und Integration“. Lindner war von 2002 bis 2013 Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Rheinisch-Bergischer Kreis. Von 2004 bis 2012 war er auch stellvertretender Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes Köln.

Von November 2004 bis Februar 2010 war Lindner Generalsekretär des nordrhein-westfälischen FDP-Landesverbands und als solcher Wahlkampfleiter der FDP für den Landtagswahlkampf 2005. 2005 kam es in Nordrhein-Westfalen zu einem historischen Regierungswechsel: nach 39 Jahren SPD-Regierung erhielten CDU und FDP zusammen eine knappe Mehrheit der Parlamentssitze; Jürgen Rüttgers bildete das Kabinett Rüttgers. Lindner wurde stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Landtag und Sprecher für die Bereiche Innovation, Wissenschaft und Technologie.

Bundestag (2009–2012) und Generalsekretär (2009–2011) Dem FDP-Bundesvorstand gehörte er von 2007 bis Dezember 2011 an. Bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 zog Lindner über die Landesliste in Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag ein. Im Dezember 2009 wurde er als Nachfolger von Dirk Niebel Generalsekretär der FDP; im Dezember 2011 trat er von diesem Amt zurück. In seiner Funktion als Generalsekretär führte Lindner ab Juni 2010 auch eine Kommission zur Erarbeitung eines neuen FDP-Grundsatzprogramms, dessen ersten Textentwurf die Partei im September 2011 vorstellte.

Vorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalen (2012–2017) mini|Christian Lindner bei einer FDP-Wahlkampfkundgebung in Köln vor der Landtagswahl 2012 Im April 2012 wählte ein FDP-Landesparteitag Lindner zum Spitzenkandidaten für die wegen einer Parlamentsauflösung vorgezogene Landtagswahl am 13. Mai 2012. Kurz vor diesem Termin wurde er Landesvorsitzender. Bei der Landtagswahl erhielt die FDP 8,6 % der Stimmen. Lindner war Direktkandidat für den Landtagswahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis II und bekam 11,6 % der Erststimmen. Im Mai 2012 machte die FDP-Fraktion im Landtag ihn zu ihrem Vorsitzenden, woraufhin er sein Bundestagsmandat niederlegte.

Am 9. März 2013 wurde Lindner zu einem der drei stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden gewählt (die beiden anderen waren Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Holger Zastrow; Parteivorsitzender war seit 2011 Philipp Rösler).

mini|Christian Lindner am Wahlabend der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai 2017 in Düsseldorf Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai 2017 trat Lindner als Spitzenkandidat an. Themenschwerpunkte waren soziale Marktwirtschaft, Bildung, Bürgerrechte und Digitalisierung; er befürwortete einen härteren Kurs bei den Themen innere Sicherheit, Türkeipolitik und Eurorettung. Mit dieser Themensetzung war er nach Einschätzung des Journalisten Thomas Sigmund der heimliche Oppositionsführer. Diesmal erhielt die FDP 12,6 % der Stimmen und bildete eine Koalitionsregierung mit der CDU unter Leitung von Armin Laschet (→ Kabinett Laschet).

Wegen Lindners Engagement in der Bundespolitik wurde Joachim Stamp am 25. November 2017 zu seinem Nachfolger als Landesvorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalen gewählt.

Bundesvorsitzender der FDP (2013–2025) Nach der Bundestagswahl 2013, bei der die FDP den Einzug in den Bundestag verpasste, kündigten Parteichef Rösler sowie der Vorstand ihren Rücktritt an. Gleichzeitig erklärte Lindner, für den Bundesvorsitz kandidieren zu wollen. Vom 6. bis 8. Dezember 2013 fand ein außerordentlicher Parteitag statt, der die Ursachen für die Wahlniederlage analysierte und ein komplett neues Präsidium wählte. Auf diesem Parteitag wurde Lindner, damals 34 Jahre alt, mit 79 Prozent der Stimmen zum bislang jüngsten Vorsitzenden der FDP-Geschichte gewählt. In seiner Bewerbungsrede hatte er die Zeit der Trauer für beendet erklärt und die Delegierten dazu aufgerufen, die Partei „vom Fundament“ her zu erneuern.

Von 2014 bis 2016 war Lindner Mitglied des ZDF-Fernsehrates.

Am 15. Mai 2015 wählte der Bundesparteitag in Berlin Lindner mit 91 Prozent der Stimmen als Bundesvorsitzenden wieder. Ein weiterer Bundesparteitag bestätigte ihn am 28. April 2017, ebenfalls in Berlin, mit 91 Prozent der Stimmen im Amt.

mini|Christian Lindner (m.) bei einer Wahlkampfveranstaltung zur Bundestagswahl 2017 Als Bundesvorsitzender war er auch Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017. Dort konnte die FDP ihr Ergebnis gegenüber 2013 auf 10,7 Prozent verdoppeln. Lindner kandidierte auf dem ersten Platz der Landesliste in Nordrhein-Westfalen und als Direktkandidat für den Bundestagswahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis. Er erhielt 15,7 Prozent der Erststimmen und zog über die FDP-Landesliste in den 19. Deutschen Bundestag ein. Am 25. September 2017, einen Tag nach der Wahl, wurde er zum Vorsitzenden der FDP-Fraktion im Bundestag gewählt. Er war ordentliches Mitglied im Bundestags-Vermittlungsausschuss, sowie im Gemeinsamen Ausschuss.

Nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner am 19. November 2017 die Verhandlungen für gescheitert, und kommentierte: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“

Am 26. April 2019 wurde er beim Bundesparteitag in Berlin mit 86,6 Prozent der Stimmen im Amt des Bundesvorsitzenden bestätigt. Die Wahl fand ohne Gegenkandidaten statt.Lindner mit 86,6 Prozent wiedergewählt.tagesschau.de, 26. April 2019; abgerufen am 26. April 2019.