miniatur|Die Stätte des Hauses von Māriya al-Qibṭīya in Medina, heutiges Saudi-Arabien

Māriya al-Qibtīya (; gest. 16. Februar 637 in Medina) war eine koptisch-christliche Sklavin.

Leben Abstammung Maria war Christin. Ihr Vater, genannt Schamʿūn, gehörte der koptischen Gemeinde des nicht näher lokalisierbaren Ortes Hafn (arabisch ) in der Region von Ansina () am östlichen Nilufer in OberägyptenYāqūt: Geographisches Wörterbuch. Kitāb muʿǧam al-buldān. Hrsg. Ferdinand Wüstenfeld. Band 1 (s.n. Ansina und Hafn). Leipzig 1866–1870. Ausgabe Beirut 1955. Band 1, S. 265–266; Band 2, S. 276, wo Yāqūt auch die Episode mit Maria kurz erwähnt. Der Ortsname Anṣinā erscheint auch in einem Papyrus aus dem Jahr 841; siehe: Raif Georges Khoury: Chrestomathie de papyrologie arabe. Brill, Leiden 1993. S. 53–54 und Anmerkung 3 an.

Nachdem Mohammed al-Muqauqis, dessen Identität die arabischen Quellen nur vage beschreiben – er soll mit dem Patriarchen der Melkiten von Alexandria, Cyrus, identisch seinThe Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Band 7, S. 511; Enno Littmann: Mukaukis im Gemälde von Kuṣair ʿAmra. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG), Band 105, 1955, S. 287–289; Rofail Farag: The Technique of Presentation of a Tenth-Century Christian Arab Writer:Severus Ibn Muqaffaʿ. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG), Band 127, 1977, S. 287ff, hier: S. 299–300 und die Anmerkungen mit weiteren Quellenangaben – schriftlich aufgefordert hatte, den Islam anzunehmen, gab dieser eine ablehnende Antwort. Aber zusammen mit seiner Antwort sandte er Geschenke, darunter Maria und Schirīn (Variante: Sirīn), die unter den Kopten, so im Schreiben von al-Muqauqis, „hohes Ansehen“ hatten. Sowohl Mohammeds Schreiben als auch die Antwort des Patriarchen werden in den islamischen Quellen in zwei zum Teil kontroversen Varianten überliefert.Muhammad Hamidullah: Maǧmūʿat al-waṯāʾiq as-siyāsīya. S. 105–108 Die genaue Datierung dieser Kontakte ist nicht überliefert.Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorāns. Band 1, S. 218. Anm. 1 Das angebliche Schreiben Mohammeds an al-Muqauqis auf Pergament gilt seit seiner Entdeckung in Oberägypten im Jahre 1852 als eine paläographische Fälschung.Theodor Nöldeke, op. cit. 190, Anm. 3. Publiziert in: Journal Asiatique. 1854, S. 482–518; The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Band 7, S. 511. Foto davon bei Muhammad Hamidullah: Maǧmūʿat al-waṯāʾiq as-siyāsiyya, S. 107

Mohammed überließ Sirin dem berühmten Dichter Hassān ibn Thābit (gest. gegen 661).Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Band 2 (Poesie). Brill, Leiden 1975. S. 289–292 Anderen, isoliert stehenden Berichten zufolge schenkte er sie Diḥya al-Kalbī, seinem Gesandten an Heraclius durch „Schenkung“.Sulaiman Bashear: The mission of Diḥya al-Kalbī and the situation in Syria. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. Band 14, 1991, S. 84ff. Maria lebte als Mohammeds Konkubine in der Oberstadt (ʿĀliya; siehe unten) von Medina. Nachdem Hafsa, eine der Ehefrauen Mohammeds, in ihrem eigenen Haus den Propheten und Maria beim Geschlechtsverkehr überrascht hatte, stellten sie, Aischa und alle anderen seiner Frauen sich gegen ihn. Die darauf folgenden 29 Tage verbrachte Mohammed auf der Obstplantage, der „Maschrabat Umm Ibrāhīm“ (d. i. Maria – siehe unten); erst anschließend sind die Verse der Sure 66, so die Koranexegese, offenbart worden.

Die koranische Auseinandersetzung Die ersten Verse der Sure 66 bringen sowohl die Traditionsliteratur als auch die Koranexegese und die Historiographie mit diesem Zwischenfall in Verbindung. Schon die frühesten Exegeten, deren Überlieferungen zu diesem Fall at-Tabarī auf vier Seiten referiert, berichten, dass Mohammed seiner Frau Hafsa angeboten habe, Maria für sich selbst haram (tabu) zu erklären, um sie, Hafsa, dadurch zufriedenzustellen. Er bat Hafsa ferner, diesen Vorfall niemandem – vor allem nicht Aischa – zu erzählen. Daraufhin soll Gott den Propheten getadelt (ʿātaba) haben, da er Erlaubtes – mit einer Sklavin Geschlechtsverkehr zu haben – durch seinen Eid gegenüber Hafsa für verboten erklärt habe. Deswegen heißt diese Sure „Das Verbot“, deren Anfang in der oben geschilderten Situation entstanden ist. Andere Surennamen sind: „Der Prophet“, wegen seiner persönlichen Rolle in der gesamten Sure, „Der Verbotene/Unantastbare (al-mutaharrim)“ und die ersten Worte des ersten Verses:Lamya Kandil: Die Surennamen in der offiziellen Kairiner Koranausgabe und ihre Varianten. In: Der Islam. Band 69, 1992, S. 52 In seiner Textanalyse zum Koran schreibt Theodor Nöldeke in diesem Zusammenhang: „Diese Tradition trägt die Gewähr ihrer Geschichtlichkeit in sich selbst. Eine Episode, die den Charakter Muhammeds in so ungünstigem Lichte zeigt, können die Muslime weder erfunden, noch dem Gerede der Ungläubigen entnommen haben.“Theodor Nöldeke: Geschichte des Qorāns. Band 1, S. 217 Dieser Darstellung widersprechen diverse Überlieferungen al-Buchārīs in seinem Werk Ṣaḥīḥ al-Buchārī. Darin wird ein anderes Szenario der Offenbarung für die Sure 66 dargelegt, in der es um einen Honig-Vorfall zwischen seinen Ehefrauen geht:

Ibrāhīm, der Sohn Mohammeds Der Sohn, den Maria im März 630 gebar, wurde Ibrāhīm genannt. Der islamischen Überlieferung zufolge soll Mohammed zunächst gezögert haben, das Kind als seinen Sohn anzuerkennen. Es war der Engel Gabriel (Dschibril), der den Propheten, so Ibn Saʿd in seinem Klassenbuch, mit der Kunya Abū Ibrāhīm (Vater von Ibrāhīm) begrüßt haben soll.Die Echtheit dieser Tradition wird von der Hadith-Kritik, z. B. von adh-Dhahabī angezweifelt. Mohammeds Kunya ist nach seinem ebenfalls früh gestorbenen Sohn Abū ʾl-Qāsim und nicht Abū Ibrāhīm; al-mausūʿa al-fiqhīya. 1. Auflage (Kuwait 1995), Band 35, S. 170 und ebd. Anm. 3 Ibrāhīm erkrankte schon im Kindesalter und starb am 27. Januar 632, kurz vor Mohammeds Tod. mini|In der Blattmitte aus dem Schauq-Name eines persischen Reisenden im Jahre 1559 das Grab von: „sayyid Ibrāhīm waladu ʾn-nabiy“ = „Herr Ibrāhīm, der Sohn des Propheten“ eingezeichnet

Dieses Datum scheint gesichert zu sein, denn kurz nach seinem Tod fand in der Region um Medina eine Sonnenfinsternishttps://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEsearch/SEsearchmap.php?Ecl=06320127 statt. Da man in diesem Naturereignis eine Verbindung zum Tod des Kindes sehen wollte, soll Mohammed – überliefert in einem bekannten Hadith – gesagt haben: „Sonne und Mond sind zwei Zeichen Gottes. Sie verdunkeln sich beim Tod / Var.: beim Tod und bei der Geburt eines Menschen nicht. Seht ihr sie (die Sonnen- bzw. Mondfinsternis), so sollt ihr Fürbitten sprechen / Var.: sucht Zuflucht in der Moschee.“In den oben genannten Traditionssammlungen hat der Spruch mehrere Varianten im Wortlaut, die aber denselben Sinn ergeben.

Ibrāhīm ist auf dem Friedhof al-Baqīʿ, vor dem südöstlichen Tor von Medina beigesetzt worden.Rachel Milstein: Kitāb Shawq-Nāma – an illustrated tour of Holy Arabia. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. Band 25, 2001, S. 275ff., hier: S. 313

Als Sohn des Propheten hinterließ er im islamischen Schrifttum keinerlei Spuren. Anlässlich seines Todes soll Mohammed einige Aussagen über ihn gemacht haben, die bei einigen Traditionariern und bei Ibn ʿAsākir in einem den Söhnen Mohammeds gewidmeten Kapitel erhalten sind. „Hätte er gelebt“, heißt es in einer angeblichen Aussage Mohammeds, „wäre er ein Rechtschaffener, ein Prophet gewesen. Hätte er gelebt, hätte er seine koptischen Onkel (mütterlicherseits) aus der Sklaverei entlassen.“Ibn ʿAsākir: Taʾrīḫ madīnat Dimašq. Band 3, S. 144, Beirut 1995; M. J. Kister: The Sons of Khadīja. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam (JSAI), Band 16 (1993), S. 91 Der deutsche Orientalist Theodor Nöldeke vermerkt in einem privaten Schreiben vom 6. Juli 1906 an Ignaz Goldziher: „Welch Erbarmen für Muh’s Umma lag doch darin, dass dessen Sohn Ibrāhīm früh starb. Man denke sich: nach Muh’s Tod ein vierjähriges Kind als Erbe des Reichs. Und Sohn einer Sklavin, was den damaligen echten Arabern noch ein gewaltiger Stein des Anstosses gewesen wäre!“Róbert Simon (Hrsg.): Ignác Goldziher: His life and scholarship as reflected in his works and correspondence. Brill, Budapest 1986, S. 292

Der Status von Maria al-Qibtiyya Maria wird in der islamischen Literatur durchgehend entweder als „Maria die Koptin“ oder als Umm Ibrāhīm „Ibrāhīms Mutter“ genannt. Ob sie den Islam angenommen hat, ist in der islamischen Literatur umstritten. In einem isoliert stehenden Bericht von al-Wāqidī – ohne Isnad – in der annalistischen Weltgeschichte von at-TabarīTaʾrīḫ ar-rusul wal-mulūk (ed. de Goeje), Band 1, S. 1591–1592 sollen sie und ihre Schwester auf dem Weg nach Medina den Islam angenommen haben. Nach einem weiteren, ebenfalls auf al-Wāqidī zurückgeführten Bericht in der Stadtgeschichte von Ibn ʿAsākirTaʾrīḫ madīnat Dimašq, Band 3, S. 236, Zeile 4 sollen Maria und ihre Schwester wiederum im Beisein des Propheten in Medina den Islam angenommen haben.

Im Gegensatz zu den anderen Prophetenfrauen wird Maria an keiner Stelle im einschlägigen islamischen Schrifttum „Mutter der Gläubigen“ () genannt.Die anderslautende Behauptung – ohne Quellenangaben – ist falsch: Muslim sources are unanimous in saying that she was accorded the same honor and respect given Muhammad’s wives, pointing out that she was given the same title as Muhammad’s wives – „Mother of the Believers.“ Maria al-Qibtiyya und auch مارية القبطية ohne Quellenangabe. al-mausūʿa al-fiqhiyya (3. Auflage. Kuwait 2004), Band 6. S. 264–270 (Liste der Mütter der Gläubigen: ummahāt al-muʾminīn) nennt sie ebenfalls nicht. Falsch ist auch die diesbezügliche Angabe in der Wikipedia in arabischer Sprache:مارية القبطية Denn nach islamischer Rechtsauffassung gehören zwei Gruppen von Frauen nicht zu den „Müttern der Gläubigen“: 1) Frauen, mit denen der Prophet zwar einen Ehevertrag geschlossen, aber mit ihnen keinen Geschlechtsverkehr hatte; 2) Frauen mit denen der Prophet ohne Ehevertrag Geschlechtsverkehr hatte, „wie dies bei Maria al-Qibtiyya der Fall gewesen ist.“al-mausūʿa al-fiqhiyya (3. Auflage. Kuwait 2004), Band 6. S. 265 mit Hinweis auf Sure 33, Vers 6: „…und seine Gattinnen sind (gleichsam) ihre Mütter.“

Die Traditionsliteratur verzeichnet keinen einzigen Spruch Mohammeds, den Maria nach ihm überliefert hat; folglich erscheint sie auch in den Biographien der Hadithüberlieferer (ruwāt al-hadīth) nicht. Ibn Hanbal, der Jurist Ibn Qayyim al-Dschauziya, die Historiker al-Wāqidī, sein Schüler Muhammad ibn Saʿd (gest. 845 in Bagdad), die über die Konversion Marias widersprüchlich berichten, ferner at-TabarīTaʾrīḫ ar-rusul wal-mulūk (ed. de Goeje), Band S. 1, 1778 und Ibn ʿAsākir nennen Maria stets in der Liste der Konkubinen, als Konkubine ()al-muʿǧam al-wasīṭ. Akademie der Arabischen Sprache. Kairo. S. 427: as-surrīya: die Sklavin im Besitz: al-ǧārīya al-mamlūka des Propheten, nicht aber unter seinen Ehefrauen. Der andalusische Rechtsgelehrte Ibn ʿAbd al-Barr (gest. 1071 in Játiva) nennt sie in seiner Biographie der Zeitgenossen Mohammeds als „Schutzbefohlene () des Gesandten Gottes“.Band 4, S. 1912. Nr. 4091 Dass sie ihren früheren Status als Konkubine weiterhin behielt, belegt ein einstimmig und mehrfach überlieferter Spruch Mohammeds anlässlich der Geburt von Ibrāhīm: „Ihr Sohn (d. h. Ibrāhīm) hat sie freigelassen“ :aʿtaqa-hā waladu-hā.Sunan Ibn Māǧa, Band II. K.al-ʿitq, Nr. 2515; Ibn ʿAsākir, Band III. S. 237 Diesen auf Mohammed zurückgeführten Spruch betrachtet die islamische Rechtsliteratur als Rechtsnorm allerdings in mehrfacher Hinsicht als fragwürdig. Ibn ʿAbd al-Barr zitiert diesen Spruch in seinem umfassenden Studium zur Erörterung der Richtungen der Rechtsgelehrten… mit der Bemerkung, dass die Traditionarier, „ahl al-hadīth“, die Authentizität des Prophetenspruches nicht bestätigen.al-Istiḏkār… Band 23. S. 154