Das Preissystem der Deutschen Bahn (kurz BBDB für Beförderungsbedingungen Deutsche Bahn) ist ein Tarifsystem, das bei Verbindungen zur Anwendung kommt, die ganz oder teilweise im Schienenpersonenfernverkehr der Deutschen Bahn zurückgelegt werden. Bis 2021 kam das Tarifsystem auch im Schienenpersonennahverkehr der DB und anderer Eisenbahnunternehmen zum Einsatz.

Seit der Überarbeitung des neuen Preissystems gibt es seit August 2003 neben dem BahnCard-Abonnement mit 25 Prozent Rabatt wieder ein BahnCard-Abonnement mit 50 Prozent Rabatt. Daneben gibt es Sparpreise, die nur mit Vorausbuchung und Zugbindung gültig sind. BahnCard 25 und BahnCard 50 können mit Sparpreisen kombiniert werden und ermöglichen 25 % Rabatt auf die Sparpreise.

Geschichte mini|Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn Das Preissystem beruhte seit Zusammenlegung der Bahnen beider deutscher Staaten zu einem nationalen Unternehmen auf einer systemischen Gesamtkalkulation des Bahnnetzes. Nach der Umfirmierung des Sondervermögens Deutsche Bundesbahn zur Deutsche Bahn AG am 1. Januar 1994 wurde das bisherige Preissystem, das überwiegend auf Tarifkilometern basierte (inklusive festem Zuschlag für die Benutzung von IC-Zügen) und nur für den Bereich der ICE-Züge Relationenpreise kannte, zunächst übernommen.

Ende 2001 wurde aus einem Fahrpreis von 3.00 DM pro 10 km bei der Euro-Umstellung 2002 1,60 EuroPro Bahn: Entwicklung der Bahnpreise. Letzte Änderung am 30. Dezember 2015. Zum 15. Dezember 2002 trat, begleitet von heftiger Kritik, ein neues Preissystem in Kraft. Nach Bahnangaben machten bis dahin Marketing- und Vertriebskosten einen Anteil von 23 Prozent am Umsatz aus.Neue Preise, großes Chaos? In Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 27. Oktober 2002

Mit der Reform änderte das Unternehmen seine überwiegend linearen Entfernungstarife in ein strecken- und produktbezogenes Tarifsystem. Ein kontingentierter Frühbucherrabatt („Plan&Spar“) in Höhe von 10, 25 oder 40 Prozent ersetzte die bisherigen Sonderangebote im Fernverkehr (wie den bei langen Fahrten günstigen ICE-Sparpreis, der weder kontingentiert noch an einen bestimmten Zug gebunden war). Bis zu vier Mitfahrer erhielten je 50 Prozent zusätzlichen Rabatt, Kinder bis 14 Jahre (vormals 6) konnten kostenlos mitgenommen werden. Die bisherige BahnCard, die 50 Prozent Rabatt bot, wurde durch eine günstigere Karte mit gleichem Namen, aber nur 25 Prozent Nachlass, ersetzt. Die Normalpreise (Grundpreise) wurden im gleichen Zug im Durchschnitt um 12 Prozent, in der Spitze um 25 Prozent reduziert. Die Gültigkeit der Fernverkehrs-Fahrkarten wurde von einem Monat auf zwei Tage (Normalpreis) herabgesetzt.

Das Unternehmen verfolgte damit im Wesentlichen drei Ziele: Die starken Nachfrageschwankungen (insbesondere die Spitzen im Wochenendverkehr) sollten durch die gezielte Steuerung des Angebots ausgeglichen werden. Nach Bahnangaben wurden dabei, je nach erwarteter Auslastung des Zuges, zwischen 10 und 90 Prozent der Sitzplätze mit Frühbucherrabatt abgegeben. Durch die Frühbucherrabatte sollte Bahnfahren im Fernverkehr auch für Reisende ohne BahnCard attraktiver gemacht werden. Die unübersichtlich gewordene Vielfalt von Angeboten sollte auf ein überschaubares, leicht verständliches Maß reduziert werden. Laut Angaben des Unternehmens wurden im Zuge der Preisreform rund 35 bisherige Sonderangebote abgeschafft.

In den folgenden Monaten sanken Umsatz und Fahrgastzahlen im Fernverkehr um etwa zehn Prozent. Hauptkritikpunkt war die für einen günstigen Fahrpreis erforderliche Vorausbuchung der Reisen. Diese senkte die Flexibilität in der Auswahl von Reisestrecken und -zeiten; die Preise sanken in der Kundenwahrnehmung nicht genug, um diesen Nachteil auszugleichen. Zum 1. August 2003 besserte die DB nach massiven Protesten Teile ihres Tarifsystems nach und führte unter anderem die alte BahnCard unter dem Namen BahnCard 50 wieder ein. Daneben wurde das Vorausbuchungsverfahren vereinfacht, das nach wie vor auch ohne BahnCard 50 Ermäßigungen von bis zu 50 Prozent des regulären Fahrpreises ermöglicht.

Die Bahn begründet die Einführung des neuen Preissystems unter anderem mit dem zunehmenden Wettbewerbsdruck der Billigfluggesellschaften, die um 2002 auf einigen Relationen bereits einen Marktanteil von etwa zehn Prozent erreicht hatten. Durch Rabatte von bis zu 70 Prozent sollten Frühbucher mit besonderen Preisvorteilen belohnt und gleichzeitig die Auslastung gelenkt werden. Hartmut Mehdorn, damaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, sah als maßgeblichen Grund für das Scheitern des neuen Systems in seiner ursprünglichen Form die „Stimmungsmache“ von Organisationen wie der Stiftung Warentest und Pro Bahn, die Niedrigpreise bei voller Flexibilität eingefordert hätten.Hartmut Mehdorn: Diplomat wollte ich nie werden. Hoffmann und Campe, Berlin 2007, ISBN 978-3-455-50047-9, S. 132–134

Nach Angaben der DB AG von 2006 lag das Preisniveau des Fernverkehrs zum Fahrplanwechsel im Dezember 2006, verglichen mit 1994, in etwa auf dem Niveau der Teuerung der Alten Bundesländer im gleichen Zeitraum. Bis zur Preisreform im Dezember 2002 habe das Preisniveau des Fernverkehrs dabei geringfügig über der Inflationsrate gelegen (Bezugsjahr 1994: je 100; 2002: 114 zu 112 %) und sei mit dem neuen Preissystem auf das Niveau von 1994 abgesenkt worden (Fernverkehr Ende 2002: 100, Preisindex Lebenshaltung: 112).Deutsche Bahn gibt gestiegene Kosten weiter. In: DB Welt, Ausgabe November 2006, S. 5. Das neue Preissystem wurde von der Deutschen Bahn dabei als Preis- und Erlösmanagement Personenverkehr (PEP) bezeichnet.

Nach eigenen Angaben verkaufte das Unternehmen (Stand: Oktober 2009) rund 90 Prozent der Fahrkarten im Fernverkehr sowie mehr als 80 Prozent der Nahverkehrs-Fahrkarten zu rabattierten Preisen.Deutsche Bahn AG: DB-Bahnpreise steigen um durchschnittlich 1,8 Prozent – Vorstand Ulrich Homburg: „Entscheidung mit Augenmaß“. Presseinformation vom 6. Oktober 2009

Im September 2019 wurde angekündigt, dass die Umsatzsteuer auf Bahnfahrkarten des Fernverkehrs (ab 50 Kilometer) ab 2020 von 19 auf 7 Prozent sinken soll. Es wurde mit einer Preissenkung um ca. 10 % gerechnet. Die Absenkung wurde am 15. November zusammen mit dem Klimaschutzgesetz auf Bundesebene im Bundestag beschlossen,Umweltfreundliches Verhalten wird gefördert, Website der Bundesregierung, 15. November 2019. und nach Verhandlungen und Zustimmung des Bundesrats ab dem 1. Januar 2020 wirksam. Diese Änderung durch die Politik gab die DB als Preissenkung an ihre Kunden weiter, die bisher übliche Preiserhöhung blieb aus und die Fahrten im Fernverkehr wurden um rund 10 Prozent billiger. Auch die Bahncard 100 wurde Anfang 2020 preisgünstiger, die Bahncard 25 und 50 zum 1. Februar.Die letzte Lücke: Preissenkung auch für Bahncard 25 und 50, Süddeutsche Zeitung, 10. Januar 2019. Fahrkarten des Nahverkehrs wurden schon zuvor ermäßigt mit 7 % besteuert.Nicht alle Bahn-Tickets sind billiger geworden, Bayerischer Rundfunk, 4. Januar 2020.

Seit dem 1. Januar 2022 werden keine Fahrkarten mehr angeboten, die nur im Nahverkehr gültig sind. Für diese Verbindungen findet seitdem der Deutschlandtarif Anwendung.

Kauf von Fahrkarten

mini|upright|Video-Reisezentrum am Bahnhof Bad Langensalza (05/2026) Fahrkarten der Deutschen Bahn können auf verschiedene Weisen erworben werden, zum Beispiel: am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn an Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn in Video-Reisezentren der Deutschen Bahn (mit teils sehr eingeschränkten Zugangszeiten) in DB-Service-Stores (Die Marke „ServiceStore DB“ wird bis Ende 2026 aufgelöst, die Shops können unter anderem Namen weitergeführt werden.)

telefonisch unter der Servicerufnummer der DB teilweise in Nahverkehrszügen an Automaten oder vom Personal in Reisebüros mit DB-Lizenz im Internet mit einem Webbrowser, siehe Online-Ticket bei der Deutschen Bahn zum Ausdrucken auf Papier oder ausnahmsweise zur Bildschirmanzeige mit einem PDF-Darstellungsprogramm, zur Anzeige auf einem MMS-fähigen Mobilfunktelefon (seit Mitte 2010), siehe Handyticket bei der Deutschen Bahn Im Internet mit dem DB-Navigator, einer Applikation für mobile Geräte mit dem Betriebssystem Android oder iOS

In Nachtreisezügen (EuroNight und Nightjet) werden Fahrkarten auch durch das Zugbegleitpersonal verkauft, jedoch sind diese Züge reservierungspflichtig, eine Mitfahrt beim Kauf der Fahrkarte und Reservierung beim Zugbegleitpersonal ist nur dann möglich, wenn freie Plätze im Zug vorhanden sind. Generell werden Fahrkarten auch in DB-Service-Stores (Die Marke „ServiceStore DB“ wird bis Ende 2026 aufgelöst, die Shops können unter anderem Namen weitergeführt werden.) verkauft. Eine Ausnahme bilden DB-Service-Stores, die sich in fahrkartenpflichtigen Bereichen befinden, wie etwa auf den Bahnsteigen der S-Bahn Hamburg. Hier ist kein Kauf von Fahrkarten möglich. An den Stationen vieler Nebenbahnen in Deutschland befinden sich aufgrund zu geringer Fahrgastzahlen sowie Vandalismusgefahr keine Fahrscheinautomaten oder Fahrkartenschalter, daher ist hier der Kauf von Fahrscheinen an den mobilen Fahrscheinautomaten in den Zügen möglich.

Aufschläge Ab Dezember 2008 wollte die Bahn für alle Fahrscheine, die am Schalter oder per Telefon gekauft werden, zusätzlich zum Fahrpreis eine „Bediengebühr“ von 2,50 Euro erheben. Dieses Vorhaben scheiterte aber, nachdem auch Spitzenpolitiker diese Überlegung kritisiert hatten; die schon seit 1. April 2008 erhobene „Servicegebühr“ von 3,50 Euro für Fahrkarten im Postversand sollte davon unberührt bleiben.

Für Zahlungen per PayPal führte die Bahn ab 2014 im Fernverkehr innerhalb Deutschlands einen Aufschlag von ca. 1 Prozent des Kaufpreises ein. Das wurde mit den Gebühren begründet, die von PayPal erhoben werden. Auch für einige Kreditkarten galt diese Regelung. 2018 wurde der Aufschlag infolge der Umsetzung einer EU-Richtlinie wieder abgeschafft.

Bordpreis Im Fernverkehr war es bis 2021 möglich, Fahrkarten an Bord des Zuges zu erwerben. Dies kostete seit 1. Januar 2001 einen Aufpreis. Er betrug im ICE, IC und EC zuletzt 17,00 Euro. Seit 2022 ist es nicht mehr möglich, Fahrkarten im Zug zu erwerben; als Alternative bietet die Bahn bis zu zehn Minuten nach Abfahrt des Zuges Handy- bzw. Onlinetickets in der App DB Navigator und auf ihrer Website an. Hierbei entfällt der Bordzuschlag, es fällt also der normale Flexpreis abzgl. etwaigem BahnCard-Rabatt an. In S-Bahn-Zügen und den meisten anderen Nahverkehrszügen gab es auch vor 2022 keinen Fahrkartenverkauf.

Produktklassen Das Preissystem der Deutschen Bahn AG unterscheidet drei Produktklassen: Produktklasse ICE (ehemals Produktklasse A) ICE, ICE Sprinter, TGV, Railjet, ECE Produktklasse IC/EC (ehemals Produktklasse B) IC, EC, D, EN, NJ Produktklasse C IRE, RE, FEX, MEX, RB, S

Der Fahrschein wird immer für die höchste genutzte Produktklasse ausgegeben. Sobald ein Teilstück im ICE zurückgelegt wird, wird die gesamte Strecke zum ICE-Preis verkauft. Wenn ein Teilstück in IC, EC, D, EN zurückgelegt wird, aber auf der gesamten Strecke kein ICE genutzt wird, wird die Gesamtstrecke in der Produktklasse IC/EC tarifiert.

Für jede dieser Produktklassen gibt es eine unterschiedliche Methode zur Errechnung des Flexpreises, auf den dann gegebenenfalls verschiedene Rabatte gewährt werden. Flexpreise werden dabei immer auf volle 10 Cent gerundet, außerdem wird der Flexpreis bei festgelegten Beträgen gedeckelt (siehe Tabelle im Abschnitt Flexpreis im Fernverkehr).

Fernverkehr

Die Tarife des Fernverkehrs gelten, wenn mindestens auf einer Teilstrecke ein Fernzug (Intercity-Express (ICE), InterCity (IC), EuroCity (EC), EuroNight (EN) u. a.) benutzt wird. Die Fahrscheine gelten in allen Zügen. In Regionalzügen (IRE, RE, RB, S-Bahn) gibt es keine Zugbindung.