Im Jahre Ragnarök ist ein alternativweltgeschichtlicher Roman des deutschen Schriftstellers Oliver Henkel und erschien 2009 beim Atlantis Verlag. Der Roman handelt von einem britischen Geheimagenten, der sich in den 1960er Jahren in das geteilte und im Zuge des Morgenthau-Plans deindustrialisierte Deutschland begibt, um dort einem Mord nachzugehen, der mit Kunstschieberei zu tun haben könnte, und dabei auf geheime Machenschaften im Untergrund stößt.
Handlung
1962: Der britische Geheimagent John Tubber hat, weil er voreilig Schlüsse zog und an diesen stur festhielt, seinen jüngsten Auftrag im Britisch-Indien vermasselt und wird nun in das vom durchgeführten Morgenthau-Plan gezeichnete Deutschland strafversetzt. Dort ist nahe Kassel ein Toter gefunden worden, der offenbar mit Kunsthehlerei zu tun hatte. Tubber begibt sich in die britische Besatzungszone und bekommt in Hamburg den Deutschen Günter Dünnbrot zugewiesen, der für den einheimischen Ordnungsdienst arbeitet.
Vor ihrer Abreise nach Kassel will Tubber noch einen jüdischen Friedhof aufsuchen, denn seine aus Deutschland stammende Frau Ingrid bat ihn, das Grab einer damaligen Freundin ihrer Mutter aufzusuchen. Tubber kann sich noch an die Gräberreihe der Familie erinnern, ist jedoch erstaunt, nur noch eine Grasfläche vorzufinden. Dünnbrot betont, dass hier nie Gräber gewesen waren. Tubber wirft ihnen vor, die jüdischen Grabsteine aus Antisemitismus zerschlagen und zu Kies verarbeitet zu haben, Dünnbrot widerspricht ihm.
Am Tatort, dem Berg Hohlestein im Habichtswald bei Kassel, angekommen kann Tubber keinen Hinweis darauf finden, was der Tote hier draußen gemacht hat. Als sie die Leiche selbst untersuchen, stellt sich durch eine Blutgruppen-Tätowierung heraus, dass es sich bei dem Toten um einen Angehörigen der früheren Waffen-SS handeln muss. In seinem Mantel finden sie ein kleines Andachtsbild, das früher in der Kunsthalle Bremen ausgestellt war. In seinem Notizbuch finden sich mehrere Koordinaten von Orten in Europa sowie ein rätselhafter Hinweis auf das Ragnarök der germanischen Mythologie. Zudem liegt darin Zettel, auf dem neben einem Datum mit Uhrzeit „Kassel Herkules Svensson“ notiert wurde. Tubber glaubt nun, dass er Verschwörung von im Untergrund tätiger Nationalsozialisten auf die Spur gekommen ist. Damit wittert er auch die Chance, einen Erfolg verbuchen zu können und sich somit aus seiner beruflichen Misslage befreien zu können.
mini|Das Herkules-Denkmal in Kassel ist Handlungsort im Roman.
Tubber kommt dahinter, dass „Herkules“ kein Vorname ist, sondern damit die Herkules-Statue beim Schloss Wilhelmshöhe gemeint ist, also der Treffpunkt. Dünnbrot zieht den Mantel des Toten an und soll sich als dieser ausgeben, um an mehr Informationen zu gelangen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei Svensson um einen bereits älteren schwedischen Antiquitätenhändler handelt. Dünnbrot erfährt, dass der Tote den Namen Otto Pallasch trägt und gibt sich als dessen Vertretung aus. Bevor jedoch mehr Informationen gewonnen werden können, erscheint ein amerikanischer Captain und greift ein, wobei Svensson bei der Flucht erschossen wird, womit Tubber seine Spur verloren hat. Sie werden, obwohl sie sich nach wie vor in der britischen Besatzungszone befinden, verhaftet, können den Amerikaner jedoch überwältigen und fliehen. Dünnbrot findet im Mantel des Toten noch ein zusammengefaltetes Papier, auf dem in Maschinenschrift mehrere Kunstwerke aufgelistet sind, die den Charakter einer Bestellliste haben – das Papier trägt den Briefkopf von George S. Patton, dem Militärgouverneur für die US-Besatzungszone, der nun im Verdacht steht, Kunstwerke für seinen Privatbesitz zu erwerben.
Sie wollen sich nach Potsdam begeben, wo Patton, obwohl nach wie vor Berlin Sitz der amerikanischen Besatzungsmacht ist, im Schloss Sanssouci residiert. Auf dem Weg dorthin versagt jedoch ihr Wagen. Sie werden von Chantal Schmitt aus Luxemburg, die sich als Prostituierte herausstellt, mitgenommen. Tubber kann mit Patton sprechen, der ihn jedoch hinauswirft, als er merkt, dass ihm Hehlerei vorgeworfen wird. Tubber bemerkt jedoch, dass einer der Mitarbeiter Pattons sich verdächtig verhält und verfolgt diesen mit Chantals Wagen. Er wird Zeuge, wie dieser sich mit einem Fremden trifft und Geschäfte macht, neben militärischer Ausrüstung und Dingen wie Sonnencreme verkauft er u. a. diesem auch Briefpapier mit Pattons Briefkopf. Zu Tubbers Entsetzen handelt es sich bei dem Fremden um Otto Pallasch, dessen Leiche er kurz zuvor noch untersucht hatte. Tubber kann sich nicht erklären, wie dies möglich ist.
Tubber bemerkt, dass er den Zettel mit der Bestellliste bei Patton liegen gelassen hat und begeht einen nächtlichen Einbruch in das Schloss, bei dem er diesen an sich nehmen kann, jedoch erwischt wird und fliehen muss.
Er setzt sich anschließend mit seinem Vorgesetzten in London in Verbindung, da er in der dringenden Lage Vollmachten für sein weiteres Vorgehen erhalten möchte. Doch es kommt zu einer unschönen Wendung: Da einige Beschwerden gegen ihn eingetroffen sind, u. a. wegen des jüngsten Einbruchs, wird er mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Als er danach noch seine Frau anruft, meint diese, dass er sich nicht gebessert habe und trennt sich daher von ihm. Damit sind sämtliche Hoffnungen Tubbers zerplatzt. Greta, eine in Berlin lebende Freundin von Chantal, meint jedoch, er solle der Sache nun privat nachgehen, denn wenn tatsächlich Nazis im Untergrund große Pläne haben, dürfen sie keinen Erfolg haben.
Sie begeben sich daher zu dem Treffen, das sie mitbekommen haben. Tubber wird aus seinem Versteck heraus Zeuge, wie einer von Pattons Mitarbeitern mit Otto Pallasch Handel tätigt. Es wird auch ein „Reichsführer“ erwähnt, was Tubber vermuten lässt, dass nachher Heinrich Himmler, dessen Leiche nie gefunden wurde, noch leben könnte.
Tubber und Greta beschließen kurzerhand, Pallasch zu folgen. Sie gelangen so zu den Ruinen von Carinhall, dem früheren Privatsitz von Hermann Göring. Dort werden die beiden Zeugen, wie eine Reihe junger Männer in eine offenbar neu gegründete SS aufgenommen werden. Damit hat sich Tubbers Vermutung bestätigt, dass es sich um eine Verschwörung von Nazis handelt. Sie bekommen auch mit, dass es mehrere solcher geheimer Ausbildungslager gibt, die nun aber, weil ein größeres Unternehmen ansteht, nun alle aufgelöst werden und alle Rekruten zu dem Marktplatz in den Ruinen von Pirna gebracht werden. Sie müssen auch mit ansehen, wie nach dem Abtransport der jungen Leute die überzähligen Rekruten kaltblütig von der SS erschossen werden.
Zurück in Berlin werden die beiden von britischen Militärpolizisten ergriffen und zum Liaison Office gebracht. Dort treffen sie auf den amerikanischen Captain wieder, den Tubber in Kassel niederschlug. Sie können jedoch von Chantal und Dünnbrot befreit werden und begeben sich, da sie nun alle im gemeinsamen Boot sitzen, mit dem Wagen nach Süden Richtung Sachsen. Durch eine Kugel wurde der Wagen jedoch beschädigt, sodass sie auf halbem Weg festsitzen. Zu ihrem Glück stoßen sie auf einen Lastwagen der US-Armee, der sich ebenfalls in südliche Richtung bewegt, die Mannschaft erkennt Chantal wieder und nimmt sie daher mit. Während eines nächtlichen Halts entwenden sie den Amerikanern den Wagen und fahren damit weiter.
Inzwischen hat der amerikanische Captain, der ihnen auf den Fersen ist, den zurückgelassenen Wagen von Chantal gefunden. Dort findet er einen Zettel, den Tubber beim Verlassen verloren hat. Es handelt sich um jenen Zettel, auf dem die Daten des Treffens am Herkules stehen. Der Amerikaner erschrickt, weil er diesen Zettel selbst geschrieben hat. Er sieht in seiner Tasche nach und hat diesen immer noch bei sich. Er kann sich nicht erklären, weshalb Tubber offenbar denselben Zettel bei sich trägt, es ist schlicht unmöglich. Nun will er Tubber nicht nur aus verletzten Stolz finden, sondern auch, um Licht in diese Sache zu bringen.
Als Tubber und seine Gefährten in den Ruinen von Dresden einen Halt einlegen, um dort tanken zu können, werden sie von Smith gestellt, den sie jedoch überwältigen können. Tubber erfährt von dem doppelten Zettel und kann es sich nicht erklären.
In Pirna beobachtet Tubber wie erwartet mehrere Lastwägen der Nationalsozialisten. Sie sind alle mit Zeichen des Spanischen Roten Kreuzes ausgestattet, was es ihnen ermöglicht, sich unbehelligt durch Deutschland zu bewegen und auf Unterstützung aus dem von Franco geführten Spanien schließen lässt. Der Konvoi bewegt sich dann unmittelbar auf ein Gebiet vor, das seit Kriegsende Sperrgebiet ist, da in den letzten Kriegstagen dort gefährliche Milzbranderreger freigesetzt worden sind. Tubber vermutet nun, dass dies alles eine großangelegte Tarnung gewesen ist und das Gebiet überhaupt nicht verseucht ist. Dort drinnen muss sich die Zentrale der SS befinden.
Tubber und Dünnbrot begeben sich hinein und stoßen bald auf SS-Einheiten, die sie gefangen nehmen wollen. Man will ihnen ein Gift spritzen, um den Anschein zu erwecken, sie seien Opfer der Verseuchung geworden, als ihnen auffällt, dass Dünnbrot eine Blutgruppen-Tätowierung am Arm besitzt. Daher beschließt man, die beiden Gefangenen zum Reichsführer zu bringen.
Sie werden zur Burg Königstein gebracht, wo sie auf den tatsächlich noch lebenden Heinrich Himmler stoßen. Dort erfahren sie auch, um was es sich bei Unternehmen Ragnarök handelt: Den NS-Wissenschaftlern ist es gelungen, Portale zu konstruieren, mit denen man durch die Zeit reisen kann. So klärt sich auch das Verschwinden der jüdischen Gräber auf dem Hamburger Friedhof: Es handelte sich um die Auswirkungen von kleineren Experimenten, die gemacht wurden, wie man die Zeitlinie manipulieren kann und welche Auswirkungen dies auf die Gegenwart hat. Diese Möglichkeit wurde genutzt, um eine Reihe von Kunstwerken, kurz bevor sie im Krieg zerstört wurden, in die Gegenwart zu schaffen. Damit wurde ein Kapitalstock erarbeitet, um Ausrüstung für das Unternehmen finanzieren zu können.
Himmler hatte dabei ursprünglich vor, die Zeitlinie so zu manipulieren, dass das Deutsche Reich den Krieg gewinnen würde, verwarf die Idee schließlich aber wieder, weil sie zu schwierig war, und entschied sich für eine einfachere und größere Lösung: Mit bestens ausgerüsteten 1.000 Mann will er zurück in die Bronzezeit reisen und dort am Roten Meer die Juden bei ihrer Flucht aus Ägypten abfangen und sie alle ermorden, um so das Judentum endgültig aus der Weltgeschichte zu tilgen. Danach sollen die Deutschen nordwärts bis nach Südschweden ziehen, wo sie auf noch rassisch unverfälschte Urgermanen stoßen. Dort soll ein Reich errichtet werden und es der nordischen Rasse ermöglicht werden, durch die mitgebrachte Technik aus der Zukunft die anderen Rassen zu vernichten. Himmler bietet nun beiden die Mitarbeit an: Tubber hat sich früher mit der Geschichte des Alten Orients befasst und sei daher für den Weg nach Norden wegen seiner Landeskenntnis wertvoll, Dünnbrots große Literaturkenntnisse hingegen wären wertvoll, um eine neue arische Dichtung entstehen zu lassen. Während Tubber entschieden ablehnt, ist Dünnbrot zu Tubbers Entsetzen bereit, sich als Himmlers Skalde einzubringen.
Für das Unternehmen sollen alle Beteiligten und die Ausrüstung in das Eckertal gebracht werden, wo sich eine eigens dafür konstruierte Anlage befindet, die auf den Transport so vieler Menschen ausgerichtet ist. Dünnbrot, der nur vorgab, Himmlers Ideen verfallen zu sein, kann Tubber befreien und gemeinsam fliehen sie nach draußen. Sie lassen durch den gefangenen Smith den Amerikanern ausrichten, was vor sich geht, begeben sich aber selbst unmittelbar zum Eckertal. Dort gelingt es ihnen, Sprengsätze im dortigen Staudamm zu zünden, wodurch dieser bricht und eine große Überschwemmung auslöst, mit der Himmlers eingetroffene Männer samt ihrem Anführer in den Fluten getötet werden.