Lieselott Beschorner, verheiratete Toman (* 24. September 1927 in Wien; † 31. März 2024 ebendaMichaela Fleck: Lieselott Beschorner: Die Herrin der Puppen ist verstorben. In: Niederösterreichische Nachrichten. 3. April 2024. Abgerufen am 3. April 2024.), war eine österreichische Malerin, Zeichnerin, Keramikerin und Textilkünstlerin.

Leben Lieselott Beschorner besuchte zunächst drei Jahre lang eine Hauswirtschaftsschule.Beschorner, verehel. Toman, Lieselott. In: Rudolf Schmidt: Österreichisches Künstlerlexikon : von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 1. Tusch, Wien 1980. Danach studierte sie von 1945 bis 1950 an der Wiener Akademie der bildenden Künste in der Malerei-Klasse von Robin Christian Andersen, wo sie mit Diplom abschloss. Von 1949 bis 1952 setzte sie ihre Studien in der dortigen Freskoschule von Albert Paris Gütersloh bei Erich Huber fort. 1953/1954 war sie in der Meisterklasse von Andersen.

1951 wurde Beschorner als eine der ersten Frauen Mitglied der Wiener Secession, mit der sie mehrfach ausstellte. 1954 fand dort ihre erste Einzelausstellung statt. Bis Mitte der 1970er Jahre beschickte sie regelmäßig Ausstellungen, danach trat sie für einige Zeit kaum noch in Erscheinung, war aber weiterhin künstlerisch tätig.Lieselott Beschorner. Im Atem der Zeit. 29.6. – 6.11.2022. In: secession.at. Abgerufen am 25. Dezember 2022. Über 30 Jahre unterrichtete sie als Lehrerin für Fachzeichnen, Auslagengestaltung und Maskenbildnerei an der Berufsschule für Friseure und Perückenmacher.Ein Hausbesuch bei Lieselott Beschorner. In: noe.orf.at. 1. Februar 2021. Abgerufen am 25. Dezember 2022.

Um 2008 begann Beschorner ihre Werke öffentlichen Einrichtungen wie Belvedere, Niederösterreichisches Landesmuseum und Wien Museum zu schenken. 2011 trat sie durch eine Einzelausstellung im Wien Museum MUSA wieder in die Öffentlichkeit. 2015 wurde sie mit dem Kunstpreis der Stadt Wien ausgezeichnet.Kunstpreis der Stadt Wien: „Ich habe mein Leben verschenkt“. In: DiePresse.com. 30. November 2015. Abgerufen am 25. Dezember 2022. 2020 folgte eine Einzelausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich.Lieselott Beschorner. Kunstbedürfnisanstalt. In: lgnoe.at. Abgerufen am 26. Dezember 2022. Die Wiener Filmemacherin Christiana Perschon porträtierte die Künstlerin in ihrem Kurz-Dokumentarfilm Sekundenarbeiten, der 2021 auf der Viennale lief.Sekundenarbeiten. In: sixpackfilm.com. Abgerufen am 25. Dezember 2022.

Beschorner wohnte seit ihrer Jugend in einem Haus mit Atelier in Wien-Gersthof, früher zusammen mit ihrer Mutter.Laut der Ausstellung Frauen.Orte in Währing (auf der Grundlage der Recherchearbeit „Frauen*Spuren in Währing“ von Petra Unger vom 5. März bis zum 30. September 2025 im Amtshaus Währing) befand sich ihr Wohn- und Arbeitsort in der Wallrißgasse 37. Die Innenwände des Gebäudes sind mit dicht gehängten Werkgruppen ausgestaltet. Beschorners dort aufbewahrter künstlerischer Nachlass (2.300 inventarisierte Objekte, Stand 2021) wird nach ihrem Tod in die MUSA-Sammlung aufgenommen werden.

Lieselott Beschorner starb 2024 im Alter von 96 Jahren in Wien. Sie wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet.Toman, Liselotte. In: friedhoefewien.at. Abgerufen am 28. Mai 2024.

Werk Zu dem heterogenen Gesamtwerk von Lieselott Beschorner gehören unter anderem abstrakte figürliche Kompositionen und Landschaften in Tempera-Kreide und Acryl, welche sie ab 1957 malte. In den 1960er Jahren entstanden „Schichtenbilder“, eine zwischen Collage und Malerei liegende Technik, bei der gemalte und dann gerissene Papierfelder ineinander übergehend abstrakte Collagen bilden, die imaginären Landschaftsimpressionen ähneln. Seit Anfang der 1970er nimmt das Groteske und Kuriose eine zunehmende Bedeutung in ihrem Werk ein. So schuf sie kleinformatige Filzstiftzeichnungen mit skurrilen, oft auf Augen und Lippen reduzierten Gesichter („Groteskerien“), karikatureske „Keramikköpfe“ und an das Grotesken- und Fratzenhafte grenzende Puppen („Puppas“) aus Wolle, Stoffresten und Perlen.Katharina Rustler: Künstlerin Lieselott Beschorner: Sammelsurium eines ganzen Lebens. In: Der Standard. 28. Dezember 2020. Abgerufen am 25. Dezember 2022. Sie gestaltete auch Mosaiken und Keramikskulpturen. In den letzten Jahren konzentrierte sich ihre Arbeit, auch bedingt durch zunehmenden Verlust der Sehkraft, auf Sekunden- bzw. Impulszeichnungen, bei denen Beschorner aus spontanen Eingebungen heraus Linien mit schwarzer Kohle auf weißem Papier zog. Während der COVID-19-Pandemie zeichnete sie eine Reihe von Darstellungen des Virus mit Wachsölkreide.

Werke (Auswahl) mini|hochkant|Sgraffitos in Simmering Farbkomposition, 1958/1959, Tempera auf Holzfaserplatte, gefirnisst, Bienenwachs, 29,7 × 42 cm, Sammlung Belvedere Wandmosaik Überschwemmung der Liesing, 1959, Oktaviangasse 20, Wien-Liesing Blatt Nr. 7 (Abstraktion), 1961, Tempera, Passepartout: 282 × 405 mm, Albertina, Dauerleihgabe der Artothek des Bundes Aufstrebende Form, 1963, Collage mit eingefärbtem Zeichenpapier, Albertina, Dauerleihgabe der Artothek des Bundes Blatt aus der Serie der „Schichtenbilder“, 1963, Collage, Aquarell, unterschiedlich eingefärbtes Fließpapier, 44,5 × 57,6 cm, signiert und datiert links unten: „Lieselott Beschorner 1963“, Wien Museum Komposition helle Form auf Blau und Orange, 1965, Collage, Gouache, 507 × 574 mm, Artothek des Bundes 16 Sgraffito-Wandfelder an den Treppenhausachsen (Hauszeichen), 1966/1967, Simmeringer Hauptstraße 190–192 (Salvador Allende-Hof), Stiege 9–12, Wien-SimmeringIrene Nierhaus: Kunst-am-Bau: im Wiener kommunalen Wohnbau der fünfziger Jahre. Böhlau, Wien 1993, ISBN 3-205-05567-5, S. 231 (online). Rumpfpuppe, 1972–1980, Wolle, gehäkelt, Füllmaterial, Kordelfransen, 54 × 19 × 15 cm, Artothek des Bundes Oger, 1974–1978, Mischtechnik, 218 × 389 mm, Albertina, Dauerleihgabe der Artothek des BundesOger. In: sammlungenonline.albertina.at. Abgerufen am 7. September 2023. Beinlust, Strumpfobjekt, Gruppensex, um 1980, Wolle, Schuhe, Füllmaterial Nylonstrümpfe, ca. 100 × 100 × 100 cm, Wien Museum Braut aus der Serie „Puppas“, um 1980, Wolle, Strümpfe, 54 × 17,5 × 18 cm, Wien Museum Behutete Kopffiguren, 2014, Skulpturen Weinende Omnichronisten, 2022, Zyklus mit Zeichnungen zu COVID-19

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1954, 1957, 1966, 1972, 2022: Wiener Secession 1964: Staatsdruckerei, Wien 1977: Lieselott Beschorner. Karneval kurioser Köpfe, Kunstverein Wien/Alte Schmiede, Wien 2011: Lieselott Beschorner. Zwischen Abstraktion und Groteske, MUSA (Galerie Museum auf Abruf), Wien (mit Katalog) 2020: Lieselott Beschorner. Kunstbedürfnisanstalt, Wien Museum, Landesgalerie Niederösterreich, Krems

Gruppenausstellungen 1983, 1984: Wiener Secession 2009: Die fünfziger Jahre. Kunst und Kunstverständnis in Wien, MUSA, Wien 2012: Beauty Contest, MUSA, Austrian Cultural Forum, Wien 2018: Subversive Imagination, MUSA, Wien 2020: The Beginning. Kunst in Wien 1945 bis 1980, Albertina modern, Wien (mit Katalog) 2021: Avantgarde und Gegenwart. Die Sammlung Belvedere von Lassnig bis Knebl, Belvedere 21, Wien

Literatur Im Atem der Zeit = In the breath of time. Secession. Revolver Publishing, Berlin 2022, ISBN 978-3-95763-522-8. Lieselott Beschorner – Kunstbedürfnisanstalt. Landesgalerie Niederösterreich, Krems 2020, ISBN 978-3-901261-85-5. Berthold Ecker (Hrsg.), Peter Baum (Texte): Lieselott Beschorner: Zwischen Abstraktion und Groteske. Ausstellungskatalog. MUSA. Hrsg. für die Kulturabteilung der Stadt Wien. Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg 2011, ISBN 978-3-86984-199-1.

Beschorner, verehel. Toman, Lieselott. In: Rudolf Schmidt: Österreichisches Künstlerlexikon : von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 1. Tusch, Wien 1980. Beschorner, verehel. Toman, Lieselott. In: Heinrich Fuchs: Die österreichischen Maler des 19. Jahrhunderts. Band 1. Wien 1976, S. 78.

Weblinks

Lieselott Beschorner in der Artothek des Bundes Lieselott Beschorner in basis wien Werke von Lieselott Beschorner in der Sammlung Belvedere Werke von Lieselott Beschorner in der Sammlung des Wien Museums Videos zur Ausstellung Kunstbedürfnisanstalt auf museumsfernsehen.de

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