Die Türkei (; amtlich Republik Türkei, in der Schweiz amtlich und in deutscher förmlicher Kommunikation Republik Türkiye, türkisch Türkiye Cumhuriyeti, kurz T.C.) ist ein Einheitsstaat im vorderasiatischen Anatolien und südosteuropäischen Ostthrakien.

Geographisch wird das Land meist in sieben Regionen unterteilt. In der Türkei leben mehr als 86 Millionen Menschen (Stand: 2025) auf einer Fläche von 783.562 km². Im Ballungsraum von Istanbul lebt knapp ein Fünftel der Bevölkerung, daneben gibt es mit der Hauptstadt Ankara sowie mit Izmir, Bursa, Adana, Gaziantep, Konya und Denizli sieben weitere Millionenstädte. Der Grad der Urbanisierung lag 2021 bei 77 %.Urban population (% of total population) – Turkiye, data.worldbank.org, abgerufen am 10. August 2022. In der Türkei gibt es 22 UNESCO-Welterbestätten und zahlreiche Nationalparks.

Gemessen am Index der menschlichen Entwicklung (HDI) zählt die Türkei zu den sehr hoch entwickelten Staaten. Mit etwa 50 Mio. Touristen liegt die Türkei auf Platz vier der meistbesuchten Länder der Welt (Platz drei in Europa). Die Türkei ist ein Schwellenland mit mittlerem Einkommen, liegt beim Bruttoinlandsprodukt weltweit auf dem 17. und bei der Kaufkraftparität auf dem 11. Platz. Sie ist unter anderem Mitglied der OECD, der NATO, der Vereinten Nationen, der G20 und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit. Seit 1999 ist die Türkei darüber hinaus offiziell ein EU-Beitrittskandidat. Außerdem ist sie einer von sechs unabhängigen türkischen Staaten und aktives Mitglied der Organisation der Turkstaaten und der TÜRKSOY-Gemeinschaft.

Die Türkei ist seit der Gründung der Republik im Jahr 1923 als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches laizistisch und kemalistisch ausgerichtet. Der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk leitete eine Modernisierung der Türkei durch gesellschaftliche und rechtliche Reformen nach dem Vorbild verschiedener europäischer Nationalstaaten ein. Seit 2003 steht der derzeitige Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan an der Spitze des Landes. Seit ungefähr 2012 (Daten des Bertelsmann Transformation Index) (Daten des Demokratieindex) führt er das Land zunehmend autoritär. Besonders die Meinungs- und die Pressefreiheit gelten als stark eingeschränkt. Die durch seine Wirtschaftspolitik ausgelöste Währungs- und Schuldenkrise sowie die hohe Inflation halten seit 2018 an.

Außenpolitisch steht die Türkei den westlichen Staaten etwas näher. Sie hat mit mehreren ihrer Nachbarländer ein stark angespanntes, teilweise feindliches Verhältnis, bspw. zu Griechenland, Armenien und Zypern. Den nördlichen Teil Zyperns hält die Türkei seit 1974 gar militärisch besetzt, ebenso seit 2016 nördliche Teile Syriens, was den meisten Völkerrechtlern als völkerrechtswidrig gilt. Mit der Islamischen Republik Iran hat die Türkei ein rivalisierendes Verhältnis um die Vormachtstellung im Nahen Osten. Zudem gibt es Spannungen mit Israel und Ägypten aufgrund der Blockade des Gazastreifens und der militärischen Präsenz der Türkei in westlichen Teilen Libyens.

Geographie Lage

Die Türkei erstreckt sich geographisch über zwei Kontinente. Der asiatische Teil des türkischen Staatsgebiets (Anatolien) nimmt etwa 97 % der Fläche ein. Der europäische Teil im Nordwesten (Ostthrakien) umfasst etwa 3 % der Fläche, in der auch der Hauptteil der Metropole Istanbul liegt.

Mit einer Küstenlinie von rund 7200 km Länge grenzt die Türkei im Westen an das Ägäische Meer, im Süden an das Mittelmeer und im Norden an das Schwarze Meer. Das Marmarameer liegt zwischen dem Ägäischen und dem Schwarzen Meer und ist mit diesen jeweils durch eine Meerenge verbunden: im Westen durch die etwa 65 Kilometer langen Dardanellen, im Osten durch den Bosporus. Am Bosporus liegt die Millionen-Metropole Istanbul.

Die Landgrenze zu den acht Nachbarländern hat eine Gesamtlänge von 2816 km. Im Nordwesten grenzt die Türkei an Griechenland (192 km Grenze) und Bulgarien (270 km), im Nordosten an Georgien (273 km), Armenien (311 km), Aserbaidschan (Exklave und autonome Republik Nachitschewan, 17 km), im Osten an den Iran (534 km) und im Süden an den Irak (367 km) und an Syrien (899 km). Die politisch geteilte Insel Zypern mit der Republik Zypern und der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern befindet sich etwa 70 Kilometer von der Südküste entfernt (zur Demarkationslinie dazwischen siehe hier). Ebenfalls nicht weit vom türkischen Festland entfernt sind die griechischen Inseln Chios, Kos, Symi und Rhodos.

Das verlegte Grab Suleiman Schahs (vorher am Qalʿat Dschaʿbar) in der Nähe der syrischen Stadt Sarrin war früher eine offizielle Exklave; sie wurde als Hoheitsgebiet von türkischen Soldaten bewacht. Im Februar 2015 verlegte ein Kommandotrupp der türkischen Streitkräfte das Grab erneut und schleifte das Grabmal.

mini|Tektonische Betrachtung

Geologie Geologisch ist die Türkei ein Teil des Alpidischen Gebirgsgürtels.Nuri Güldalı: Geomorphologie der Türkei. Erläuterungen zur geomorphologischen Übersichtskarte der Türkei 1:2.000.000 (= Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients, Reihe A: Naturwissenschaften, Band 4). Reichert, Wiesbaden 1979, ISBN 3-88226-039-4, S. 1. Sie liegt größtenteils auf der Anatolischen Platte, die im Norden und Osten an die Eurasische Platte, im Süden an die Arabische Platte und im Südwesten an die Afrikanische Platte grenzt (siehe Tektonik des Mittelmeerraums). Mit der Nordanatolischen- und Ostanatolischen-Verwerfung, zwei Transformstörungen, gehört vor allem der Norden, aber auch der Süden der Türkei zu den am stärksten erdbebengefährdeten Regionen der Erde, die in den letzten Jahrzehnten mehrmals von Erdbeben erschüttert wurde. Da eine gewisse chronologische Ost-West-Abfolge der Erdbeben in der Nordtürkei festzustellen ist, vermuten Experten, dass in absehbarer Zeit auch Istanbul von einem großen Beben betroffen sein wird. Die letzten großen Beben in der Provinz Kocaeli wie das Erdbeben von Gölcük 1999 waren weniger als 100 km von Istanbul entfernt.

Natur- und Kulturraum

mini|Die Regionen der Türkei: 1 Marmararegion, 2 Zentralanatolien, 3 Ägäisregion, 4 Mittelmeerregion, 5 Schwarzmeerregion, 6 Südostanatolien, 7 Ostanatolien

Die Türkei wird geographisch in sieben Gebiete oder Regionen unterteilt. Vier Regionen sind nach den anliegenden Meeren benannt: Schwarzmeerregion, Marmararegion, Ägäisregion und Mittelmeerregion. Drei Regionen sind nach ihrer Lage in Anatolien benannt: Zentralanatolien, Ostanatolien und Südostanatolien. Diese Regionen unterscheiden sich stark bezüglich Vegetation und Wetterbedingungen.

Die Marmararegion umschließt das Marmarameer und liegt damit teils in Europa, teils in Anatolien, das zu Asien gehört. Der europäische Teil im Norden des Marmarameers ist das türkische Thrakien (Ostthrakien). Der Fluss Meriç bildet die Grenze zu Griechenland. Die Landschaft der Marmararegion ist hügelig und von Büschen und Wäldern bedeckt. Der fruchtbare Ackerboden weicht im Osten einer Steppenlandschaft. Die Metropolregion Istanbul bildet das wirtschaftliche Zentrum der Türkei. Die Millionenstadt Bursa ist Kurort und berühmt für ihre Schwefel- und Thermalquellen; sie liegt zu Füßen des Uludağ-Gebirges. Der Berg ist ganzjährig ein beliebtes Ausflugsziel.

mini|Das Ayder-Plateau in Rize (Schwarzmeer-Region)

Die Ägäisregion wird ebenfalls landwirtschaftlich intensiv genutzt. Die stark hügelige Landschaft erstreckt sich entlang der Westküste zwischen Çanakkale und Bodrum. Die Küstenregion zählt zu den touristisch am besten erschlossenen Regionen der Türkei. Neben Zypressen und Ölbäumen prägen Weinreben die Landschaft. In dieser Region finden sich viele antike Stätten aus der Zeit der griechischen Besiedlung, zum Beispiel Troja, Assos (Behramkale), Pergamon (Bergama), Ephesos (Efes), Priene, Milet, Didyma und Euromos.

Die Schwarzmeerregion umfasst den nördlichen Küstenstreifen der Türkei. Sie ist geprägt durch ein mildes, feuchtes Klima, und auf ihrer bergigen Landschaft erstrecken sich große Wälder. Auf dem sehr fruchtbaren Boden werden Tee, Tabak, Mais und Haselnüsse angebaut.

mini|Landwirtschaftlich genutzte zentralanatolische Steppe in der Nähe von Kırşehir

Die zentralanatolische Region umfasst die inneranatolischen Hochebenen. Hier liegen der Salzsee Tuz Gölü und Gebirgsketten, die stellenweise bis zu 3900 Metern hochragen. Im Osten liegt Kappadokien, das wegen seiner in Tuffstein getriebenen Wohnhöhlen und Felsenkirchen in bis zu 2000 Meter hohen Bergkegeln berühmt ist. Inneranatolien ist überwiegend durch eine Steppenlandschaft geprägt, die in großen Teilen aber nicht natürlich, sondern durch menschliche Eingriffe wie Entwaldung und Viehverbiss verursacht ist. Es gehört zu den trockensten Gebieten Kleinasiens; in der Region um den Tuz Gölü weist das Klima halbwüstenartige Züge auf. Deshalb ist die landwirtschaftliche Nutzung in dieser Region nicht so intensiv wie in den zuvor genannten Regionen. Die für Feldfrüchte, insbesondere Getreide, jahreszeitlich günstige Verteilung der Niederschläge mit einem Niederschlagsmaximum im Frühling und Frühsommer ermöglicht aber durchgehend Regenfeldbau ohne zwingende künstliche Bewässerung. Daher sind weitgehend alle Gebiete landwirtschaftlich genutzt, deren Böden nicht durch Verkarstung oder Erosion zerstört sind. Vor allem Weizen, Gerste, Hülsenfrüchtler, insbesondere Kichererbsen, und Obst werden hier angebaut. Das Klima dieser Region ist geprägt durch sehr warme, trockene Sommer mit kühlen Nächten. Im Winter können sehr tiefe Temperaturen bis unter −20 Grad Celsius erreicht werden, von den Durchschnittswerten ähneln sie den Wintern in Deutschland, sind aber trockener. Man kann in Zentralanatolien durchaus wärmeliebende, aber kälteresistente Gewächse aus dem Mittelmeerraum, wie Feigen-, Granatapfel- oder Maulbeerbäume antreffen. Auch Weinbau, bzw. Anbau von Tafeltrauben, wird dort betrieben.

mini|Pamukkale ist eine natürliche Stätte in der Provinz Denizli im Südwesten der Türkei

In Ostanatolien liegen als Hochgebirgslandschaft einige der höchsten Berge der Türkei, wie der Ararat und der Süphan Dağı. Auch sind hier die Quellflüsse des Euphrat zu finden, der Murat und der Karasu, ferner der Oberlauf des Aras, der am Ararat vorbei nach Osten dem Kaspischen Meer zustrebt. Der 1640 Meter hoch gelegene Vansee als größter Binnensee des Landes liegt auch in dieser Region. Größte Städte sind Elazığ, Erzincan, Erzurum, Malatya und Van.

Die Mittelmeerregion wird im Norden vom Taurus- und im Osten vom Nurgebirge begrenzt. In dieser Region werden überwiegend Zitruspflanzen, Bananen, Tomaten, Erdnüsse und Baumwolle angebaut.

mini|Der Ararat ist der höchste Berg in der Türkei

Südostanatolien ist die älteste Kulturregion der Türkei. Sie wird vom Taurus-Gebirge umschlossen. Hier verlaufen die beiden Flüsse Euphrat und Tigris. Landwirtschaftlich wird diese Region durch Weizen-, Gersten-, Wein-, Oliven- und Pistazienanbau genutzt. Neben Gebirgsverläufen ist die Gegend östlich des Euphrat durch ein Hochplateau geprägt. Im Rahmen des Südostanatolien-Projekts wurden entlang von Euphrat und Tigris zahlreiche Staudämme errichtet; einige sind noch im Bau (→ Euphrat#Staustufen und Tigris#Staustufen).