mini|200px|Das Rittergut heuteDas Rittergut Kirchscheidungen befindet sich im Ortsteil Kirchscheidungen der Gemeinde Laucha an der Unstrut im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Niederschloss mini|Das Rittergut zu Kirchscheidungen Das Niederschloss war ein sächsisches Mannlehen und wurde auch als Kempnater bezeichnet. Es war im Besitz der Knutonen und muss ein interessantes Denkmal gewesen sein. Auf einem alten Bild der 1945 enteigneten und abtransportierten Schlossbibliothek von Burgscheidungen ist zu sehen: „eine malerische Ruine, dicht an der Unstrut, ein runder Bergfried mit der anstoßenden Mauer der Kapelle und einem Eckturm, dann (rechts) über eine Steinbrücke damit verbunden, ein massives, geräumiges, jedoch strohgedecktes Haus mit Rundbogentor, (welches zugleich Wohn- und Wirtschaftsgebäude war) am Fluß entlang einen Flankenzaun.“ Das Bild ist so „malerisch“ gehalten, dass die Einzelheiten nicht näher zu bestimmen sind.

Arthur Rockhausen ließ 1947 ein ähnliches Ölgemälde nach Berichten aus der „Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen, Kreis Querfurt“ von 1909 malen. Der Künstler hatte jedoch nur das oben besagte Gemälde, den Text und vielleicht das Herrenhaus als Vorbild und gestaltete sein Bild noch ein wenig mehr aus, so dass die Abbildung wohl kaum den Tatsachen entspricht. Das Gemälde befindet sich im Besitz von Wolff-Christoph Rockhausen aus Waldheim.

Wenn also der abgebildete Bergfried in Verbindung mit Kapelle und Eckturm Teile der ursprünglichen Burganlage darstellt, so müsste das durch die Steinbrücke verbundene große strohbedeckte Haus mit Rundbogentor, also das „Niederschloss“, später (nach 1250) entstanden sein, so dass der Wohnsitz der Lehnsherren von Kirchscheidungen mit dem gesamten Anhang und Wirtschafts- und Gesinderäume darin Platz finden konnten. 1424 wohnten schon die von Rockhausen darinnen. Das Niederschloss bildete den Grundstock des später entstandenen großen Rittergutes, bestehend aus Ober-, Mittel- und Niederhofes, welche noch heute in Teilen vorhanden, während die Burganlage und das Niederschloss verschwunden sind.

Mittelhof mini|200px|Wappentafel am RittergutNach der Meinung Ortskundiger soll der Mittelhof etwa dort gewesen sein, wo heute die von Schmidts und Gottschalks bewohnten Gebäude stehen. Der Türbogen zum jetzigen Gehöft Gottschalk (heute Lindenstr. 28), trug die Jahresinschrift 1583. Wegen Bauarbeiten dort abgetragen, wurde er Ende 2013 links des ehemaligen Backhauses durch den Feuerwehrverein unter reger Beteiligung der Einwohner wieder errichtet. Darüber befand sich eine eingemauerte Inschriftentafel, in der Mitte ein Herzförmiges Rockhäusisches Wappen, mit der Umschrift:

HANS PATSCH SHVLTZE ZV KIRCHSCHI

Auf dem Wappen die Initialen CVR (vermutlich Christoffen von Rockhausen, Ritter auf Kirchscheidungen * 1510 † 1583).

Ob diese Pforte wirklich der Eingang zum Mittelhof war, ist unklar, eher unwahrscheinlich. Vergleicht man die Bauweisen ähnlicher Pforten in Laucha, so ist nicht auszuschließen, dass die Pforte aus verschiedenen alten Teilen eines Hauseinganges zusammengesetzt und auch die Inschriftentafel später eingebracht wurde.

Erklärbar wäre dies nur so, dass die Familie von Rockhausen mit ihren „Hoheitszeichen“, als Erblehn- und Gerichtsherren von Kirchscheidungen, dem Schulzen auch Machtbefugnisse übertrugen, aber gleichzeitig damit klarstellten, dass der Ortsschulze nur auf Grund ihrer Gnade eingesetzt worden war. 1739 wird der Mittlere Hof als Rockhäusisches Rittergut bezeichnet. Er ging 1746/48 in das Eigentum von Levin Friedrich von der Schulenburg über.

Moritz Levin Friedrich Graf von der Schulenburg zu Burgscheidungen war nach dem Tod seines Vaters Eigentümer des Rockhausenschen Mannlehnguts Kirchscheidungen und gleichzeitig auch des altschulenburgischen Anteils am Majoratsgut Kirchscheidungen (Oberhof).

Der Mittelhof hat 1908 eine Größe von 54 ha.

Die Einfahrt zum Mittelhof muss an anderer Stelle gewesen sein. Heinrich Bergner gibt einen anderen Standort für den Mittelhof an. Diese Gebäude des Mittelhofes, die sich nördlich an den Oberhof, das Rittergut anschlossen, wurden jedoch 1946 bis 1950 komplett abgetragen.

Oberhof und Herrenhaus Das Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes befindet sich im Oberdorf, oben auf dem Lohberg (Nr. 77) unweit der Kirche von Kirchscheidungen. 1739 wird der Oberhof den Herren von der Schulenburg gehörig bezeichnet. Nach Bergners Beschreibung soll dessen heutige Form um 1748/49 als Vierseitenhof entstanden sein. Diese Baumaßnahme am Rittergut sollen im engen Zusammenhang mit dem Neubau des Schlosses von Burgscheidungen, dem des Portals der Dorfkirche in Tröbsdorf und dem des Herrenhauses des Rittergutes in Baumersroda gestanden haben. 1909 umgeben den Oberhof 3 zweigeschossige Wirtschaftsgebäude und eine Remise, welche vom Herrenhaus dominiert werden. Alle Gebäude sind aus roten Buntsandstein und weißen Kalksandstein errichtet. Der Hof war mit einer geschlossenen Mauer umgeben. Der Zugang erfolgte über vier große Tore. Die Häuser und Stallungen waren von einem innen ringsumführenden Wirtschaftsweg zu erreichen. Doch hier irrt Bergner. Nach einem historischen Messtischblatt von 1852, sah das damalige Rittergut vollkommen anders aus. Das Rittergut, welches Bergner beschreibt, ist in dieser Form also erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden.

Der Zustand des Oberhofes und des Herrenhauses vor 1748 ist nicht bekannt. Aus Untersuchungen des Haupthauses im Inneren ergibt sich, dass das Haus eine jahrhundertelange Geschichte hat. Vielleicht ist es auf den Grundmauern des ehemaligen Niederschlosses und/oder aus dem ehemaligen Wohnturm (Kemenate) errichtet worden, oder ist noch ein Rest davon. Bei Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass zumindest Steine aus älterer Zeit mit verwendet wurden. Die Keller und das Erdgeschoss stammen wahrscheinlich aus Barockzeit. Dafür sprechen die für diese Zeit typische Bauweisen, so die dicken aus rotem Buntsandstein errichteten Bruchsteinmauern. Ungewöhnlich sind die Kreuzgewölbe im Keller und im Erdgeschoss, hingegen typisch die rundbogigen Türen im Keller. Die das Kreuzgewölbe tragenden Pfeiler haben eine schlichte quadratische Basis und die Kapitelle sind rechteckige Blöcke aus Kalksandstein ohne Verzierungen.

Am dem Herrenhaus gegenüberliegenden Schafstall, dem ältesten unverändert gebliebenen Gebäude des Hofes von 1748/49, wurde damals eine Wappenkartusche angebracht, welches das Schulenburgische Wappen darstellt, zur Seite zwei wilde Männer. Daraus kann geschlussfolgert werden, da Wappen am Herrenhaus fehlen, dass das Stallgebäude neu errichtet worden war.

Nach einer preußischen Generalstabskarte von Kirchscheidungen aus dem Jahre 1852 war damals das gesamte Rittergut in einem vollkommen anderen baulichen Zustand wie heute. Das Hauptgebäude hatte im Grundriss etwa die Form einer „4“ mit geraden Schenkeln. Die nördlichen Stallgebäude fehlten. Warum hier der Grundriss der Gebäude und des gesamten Gutes so gravierend von anderen Karten abweicht, konnte bislang nicht geklärt werden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand der heutige dreigeschossige, etwas symmetrische Barockbau des Herrensitzes, mit hohem Mittelrisalit, gebrochenem und allseitig abgewalmtem Mansardenwalmdach. Ihm zur Seite wurden zwei zweigeschossige, niedrigere und nüchterne Stallgebäude gestellt (dieser Grundriss entspricht etwa dem Abwärtsstrich einer vier). Nach alten Karten gehört der linke Anbau mit zum ältesten Gebäudeteil und hatte vermutlich einen Vorgängerbau, was anhand der vorhandenen Unterkellerung und Bauausführung anzunehmen ist. Aus alten Zeiten befindet sich noch eine Kerkerzelle dort, mit in der Wand eingelassenen Ringen für Hand- und Halsketten. Bei dem Um- und Ausbau des Hauses wurde äußere die Hülle nach barockem Vorbild vollkommen verändert. Es wäre sogar möglich, da alle Fenster, Türen und Blendecken des Hauses ca. 2 cm über dem Mauerwerk hervorstehen, dass – nach dem Geschmack der Zeit – das Haus sogar vollkommen verputzt und angestrichen war. Die beiden Haupteingänge in der Mitte des Haupthauses, beides identische barocke Portale mit gesprengten Giebeln, befanden sich jeweils an der Hof- und Gartenseite. Heute ist es deshalb nicht mehr möglich von seiner heutigen äußeren Ansicht, Rückschlüsse auf die vorhergehende zu ziehen. Der Umbau macht auch deutlich, dass das Herrenhaus nicht mehr als Adelssitz, sondern nur noch als Guts- und Verwaltungshof gedacht war.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Wege des Hofes gepflastert. Zu dieser Zeit muss auch das Brunnenhäuschen in der Nähe der Unstrut angelegt worden sein, mit dem sich das Rittergut Wasser versorgte. Eine Wasserzisterne war im linken Seitenflügel unter dem Dach angebracht, welche beim Umbau des Herrenhauses 1949 entfernt wurde. Das Brunnenhäuschen wurde in den neunziger Jahren abgerissen.

Der Ober- und Unterhof hatten 1908 eine Größe von 142 ha 30 ar und 12 m².

Bei einem starken Gewitter am 13. Juli 1911 schlug der Blitz in einen Stall des Rittergutes Kirchscheidungen (das heutige Wohnhaus / Stallgebäude von Knips / Kaufmann). Der Stall brannte damals ab, wurde aber bereits ein Jahr später wieder aufgebaut. Beim Wiederaufbau erfolgte die Teilung der Gebäude, wie es heute noch zu sehen ist. Im gleichen Jahr wurde im Pfarrhof an Stelle des ca. 50 Fuß tiefen Ziehbrunnens (auf der Nordseite der Pfarre), eine Saugpumpe eingebaut. Das Wasser konnte aber nicht als Trinkwasser genommen werden und musste nach wie vor im Dorf geholt werden.

Den Oberhof des Rittergutes umgaben bis dahin Bullen-, Schaf- und Schweineställe: (Lohberg Nr. 75, 76), ein Schafstall (Lohberg Nr. 74) und ein Kuhstall (Lohberg Nr. 73). Der Pferdestall war im Erdgeschoss des linken Seitenflügels des Herrenhauses (Lohberg Nr. 77) gewesen.

Nachkriegszeit Nach Ende des Krieges 1945 kamen Flüchtlinge nach Kirchscheidungen. Es herrschte Wohnungsknappheit und deshalb wurden kurzzeitig in den Gutsanlagen und in der Wohnung des schulenburgischen Gutsinspektors Knips Flüchtlinge und Umsiedler untergebracht. Es waren rund 300 Flüchtlinge – zum Teil katholisch und aus dem Sudetenland – gekommen, so dass die Einwohnerzahl des Ortes auf rund 800 wuchs. Wenig später wurde von der sowjetischen Kommandantur Burgscheidungen das Rittergut aufgelöst.

Nach Abschluss der Bodenreform wurde der rechte Hausflügel des Herrenhauses abgerissen. Vom Bürgermeister war der Abriss angeordnet worden, um den Neubauern Baumaterial zum Bau von Ställen zur Verfügung stellen zu können. Die sowjetische Kommandantur setzte diese Anordnung durch. Örtliche Handwerker, die sich weigerten, sollen von einem sowjetischen Offizier auf den Dachboden gejagt und mit vorgehaltener Pistole gezwungen worden sein, mit dem Abriss des Daches zu beginnen. Der rechte Flügel, der einen eigenen Eingang und ein Treppenhaus hatte, wurde bis zum Erdboden abgetragen. Vom Abbruchmaterial holten sich die Neubauern und auch andere Bauern des Ortes Steine. Die Häuser der Familien Quasdorf und Wenghöfer wurden, soviel bekannt ist, mit Sandsteinen aus diesem Seitenflügel errichtet. Der verbleibende Schuttberg blieb noch Jahre liegen. Falls der rechte Seitenflügel, wie das Haupthaus und der linke Seitenflügel, unterkellert war, hat es keinen Kellerzugang vom Keller des Haupthauses zu diesem gegeben. Das Haupthaus und der verbleibende Seitenflügel blieben danach ungenutzt und verfielen.

Die anderen nun „überflüssigen“ Häuser und Stallungen und alle den Hof umgebenden Mauern und Tore des Oberhofes wurden ebenfalls abgetragen. Die Wirtschaftsgebäude und Stallungen teilte man unter Neubauern auf und deren spezifischen Wohn- und Wirtschaftszwecken umgebaut und angepasst. Auch der spätere Ortspfarrer Paul Reschke wohnte von Oktober 1947 bis 1949 im Inspektorhaus.