mini|alt=Plakat zur Ausstellung an der Südfassade des Rijksmuseums, Detailansicht des Gemäldes Dame und Dienstmagd|Plakat zur Ausstellung an der Südfassade des Rijksmuseums, Detailansicht des Gemäldes Dame und DienstmagdDer deutsche Titel Dame und Dienstmagd entspricht dem Eintrag im Werkverzeichnis. In Pieter Roelofs, Gregor J. M. Weber: Vermeer, S. 283. Die Ausstellung Vermeer fand vom 10. Februar bis 4. Juni 2023 im Rijksmuseum Amsterdam statt. Sie zeigte etwa drei Viertel der bekannten Werke des niederländischen Malers Johannes Vermeer und war damit die bisher umfangreichste Werkschau des Künstlers.Ludger Kazmierczahk: So viel Vermeer war nie! Bisher größte Ausstellung in Amsterdam, Onlineartikel zur Ausgabe der Sendung SWR2 am Morgen vom 10. Februar 2023 auf der Website des Südwestrundfunks. Einige der gezeigten Werke konnten dabei erstmals im Original direkt miteinander verglichen werden. Zuvor wurden mehrere Gemälde eingehend untersucht und im Rahmen der Schau die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert.Stefan Dege: Vermeer in Amsterdam: Verlosung von Eintrittskarten, aktualisierter Beitrag auf der Website der Deutschen Welle 9. Februar 2023.
Mit rund 650.000 Besuchern war es die bisher meistbesuchte Sonderausstellung des Museums.Gut 650 000 Menschen sahen größte Vermeer-Ausstellung in Amsterdam, Onlineartikel vom 4. Juni 2023 im Monopol-Magazin. Entsprechend groß war die internationale Medienberichterstattung, die insgesamt auf die Einmaligkeit der Schau hinwies, aber teilweise auch Kritik an den Besuchermassen und den damit verbundenen Problemen übte.
Zur Entstehung der Ausstellung Das Werk von Johannes Vermeer umfasst nur 37 erhaltene Gemälde, die von Kunsthistorikern dem Maler zugeschrieben werden.Pieter Roelofs, Gregor J.M. Weber: Vermeer. Deutschsprachige Ausgabe, S. 17. Diese Werke sind im Besitz von 19 Museen und Privatsammlungen in acht Ländern. Die aus dem 17. Jahrhundert stammenden Bilder werden nur selten in größerer Zahl ausgeliehen, da sie besonders wertvoll sind und zu den Höhepunkten der jeweiligen Sammlungen gehören.Jon Henley: ‘Chance of a lifetime’ Vermeer exhibition to open in Amsterdam, Artikel in The Guardian vom 3. Februar 2023. Teilweise verhindern konservatorische oder rechtliche Gründe die Ausleihe der Bilder. Vor diesem Hintergrund sind größere Ausstellungen zu Vermeer die Ausnahme.Wer Vermeer sehen will, muss nach Amsterdam, Bericht im Deutschlandfunk Kultur vom 9. Februar 2023.
Eine monografische Ausstellung fand erstmalig 1995–1996 statt, als in der National Gallery of Art in Washington, D.C. und im Mauritshuis in Den Haag 23 Gemälde Vermeers zu sehen waren.Pieter Roelofs (Hrsg.), Gregor J.M. Weber (Hrsg.): Vermeer. Deutschsprachige Ausgabe, S. 21.Ausstellungskatalog Johannes Vermeer, National Gallery of Art und Mauritshuis 1995 Andere Ausstellungen zeigten Vermeers Werke bisher im Umfeld seiner zeitgenössischen Malerkollegen. Hierzu gehörte beispielsweise die besonders umfangreiche Ausstellung Vermeer and the Delft School, die 2001 in der Londoner National Gallery und im New Yorker Metropolitan Museum of Art 15 beziehungsweise 16 Gemälde Vermeers zeigen konnte. Ulrike Knöfel wies im Nachrichtenmagazin Der Spiegel darauf hin, dass Vermeer seit 2003 durch den Spielfilm Das Mädchen mit dem Perlenohrring mit Scarlett Johansson in der Titelrolle und Colin Firth als Vermeer populärer geworden sei. Erst im 20. Jahrhundert sei Vermeer zu den großen Namen der niederländischen Barockkünstler aufgestiegen.Ulrike Knöfel: Der Klub der geheimnisvollen Schönheiten, Artikel in Der Spiegel vom 5. Februar 2023.
Die Idee zur Amsterdamer Vermeer-Ausstellung 2023 entstand, als bekannt wurde, dass die New Yorker Frick Collection wegen Sanierungsarbeiten für mehrere Jahre geschlossen wird. Die drei dort beheimateten Vermeer-Gemälde werden sonst üblicherweise nicht ausgeliehen und standen nun zusammen für eine Leihgabe zur Verfügung. Das Amsterdamer Rijksmuseum, das selbst vier Werke Vermeers besitzt, konnte zudem die Museumskollegen im Mauritshuis in Den Haag von einer Leihgabe ihrer drei Vermeer-Werke überzeugen, sodass allein durch diese drei Museen bereits zehn Werke für die Ausstellung gesichert waren.
Vor diesem Hintergrund erklärten sich zahlreiche weitere Museen zur Leihgabe bereit.Philipp Meier: Vermeers Bilder sind geheimnisvoll und selten – so viele Werke waren noch nie zusammen zu sehen, Artikel in der neuen Zürcher Zeitung vom 11. Februar 2023. Darunter befanden sich Museen, die nur ein Gemälde von Vermeer besitzen, wie das Städel in Frankfurt am Main, die National Gallery of Ireland in Dublin, die Scottish National Gallery in Edinburgh und das Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio, das ein Vermeer-Gemälde als Dauerleihgabe besitzt. Hinzu kamen die Londoner National Gallery, die Berliner Gemäldegalerie und die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, die jeweils beide in ihrem Besitz befindlichen Gemälde in die Amsterdamer Ausstellung liehen. Die National Gallery of Art in Washington, D.C. verlieh sogar ihre vier Gemälde des Künstlers, wobei beim Bild Mädchen mit Flöte die Urheberschaft Vermeers umstritten ist. Angezweifelt wird die Urheberschaft teils auch beim Bild Die heilige Praxedis aus Tokio und beim Gemälde Junge Frau am Virginal aus der Privatsammlung The Leiden Collection. Die Organisatoren der Amsterdamer Ausstellung erklärten diese Bilder alle zu authentischen Werken Vermeers.Martin Bailey: Rijksmuseum upgrades three Vermeers ahead of blockbuster show—but not everyone agrees, Onlineartikel in The Art Newspaper vom 29. November 2022.
Zu den Vermeer-Werken, die nicht ausgeliehen werden konnten, gehörte das Gemälde Das Konzert aus dem Isabella Stewart Gardner Museum, das 1990 gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Ferner durften das Bildnis eines jungen Mädchens und das Gemälde Schlafendes Mädchen aus dem Metropolitan Museum of Art in New York nicht ausgeliehen werden. Ihr jeweiliger Stifter hatte dies durch eine Verfügung untersagt.
Andere Gemälde wurden aus konservatorischen Gründen nicht ausgeliehen:
Das Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig hatte sein Werk Das Mädchen mit dem Weinglas noch 2021–2022 zur Vermeer-Ausstellung in Dresden ausgeliehen.Angaben zur Dresdner Ausstellung 2021–2022 auf der Website des Museums. Im Jahr 2023 wollte es aus konservatorischen Gründen das Bild nicht ausleihen.Darum hat Braunschweig seinen Vermeer nicht nach Amsterdam geschickt, Artikel vom 16. März 2023 in der Zeitung Hannoversche Allgemeine. Ebenfalls konservatorische Gründe nannte das Kunsthistorische Museum Wien, dessen Gemälde Die Malkunst nicht nach Amsterdam reisen durfte. Hierzu gab es Pressemeldungen, die darüber hinaus rechtliche Gründe anführten, da zu diesem Gemälde Restitutionsansprüche strittig seien.Größte Vermeer-Schau der Geschichte ohne Wiener "Malkunst", Onlinebericht auf Plus 24 vom 31. Januar 2023. Auch die Gemälde Die Gitarrenspielerin (Kenwood House, London), Die Musikstunde (Royal Collection, London) und Junge Frau mit Wasserkanne am Fenster (Metropolitan Museum of Art, New York) konnten aus konservatorischen Gründen nicht ausgeliehen werden. Zudem stand das Bild Der Astronom aus dem Pariser Louvre nicht zur Verfügung, da es bereits für eine parallel stattfindende Ausstellung im Louvre Abu Dhabi vorgesehen war.
Im Vorfeld der Ausstellung sprach der Chefkurator des Rijksmuseums in Amsterdam mit dem Südwestrundfunk. Er wies auf ein spezielles Scan-Verfahren hin, mit dem beispielsweise im Gemälde Das MilchmädchenDer deutsche Titel Das Milchmädchen entspricht dem Eintrag im Werkverzeichnis. In Pieter Roelofs (Hrsg.), Gregor J.M. Weber (Hrsg.): Vermeer. Deutschsprachige Ausgabe, S. 276. unter einer Malschicht im Hintergrund ein Regal mit Kannen entdeckt wurde. Die Kunsthistoriker des Rijksmuseums untersuchten ferner, gemeinsam mit Experten vom Mauritshuis und von der Universität Antwerpen, zwei der drei Gemälde aus der Frick Collection. Sie stellten erhebliche Veränderungen in den Werken fest, „die Rückschlüsse auf seine Arbeitsweise, seinen künstlerischen Entscheidungsprozess und seine Suche nach der perfekten Komposition erlauben.“ Weitere materialtechnische Untersuchungen fanden im Vorfeld der Ausstellung an Gemälden des Metropolitan Museum of Art, des Kunsthistorischen Museums in Wien, der Dresdner Gemäldegalerie, der National Gallery of Art in Washington, D.C. und der Leiden Collection statt.Pieter Roelofs (Hrsg.), Gregor J.M. Weber (Hrsg.): Vermeer. Deutschsprachige Ausgabe, S. 23.
Liste der ausgestellten Werke In der Ausstellung waren drei Viertel der Gemälde des heute bekannten Gesamtwerkes von Vermeer zu sehen. Die Urheberschaft Vermeers ist jedoch bei einigen dieser Werke umstritten. So hatte die National Gallery of Art in Washington erst im Oktober 2022 darauf hingewiesen, das in ihrer Sammlung befindliche Gemälde Mädchen mit Flöte habe nicht Vermeer gemalt, sondern es stamme von einer unbekannten Person aus seiner Werkstatt. Das Rijksmuseum in Amsterdam gab Ende 2022 hingegen bekannt, dass nach sorgfältiger wissenschaftlicher und vergleichender Forschung drei in Frage stehende Gemälde – darunter das Bild Mädchen mit Flöte – als eigenständige Werke Vermeers anerkannt würden. Das mit dem Katalog zur Ausstellung veröffentlichte Werkverzeichnis brachte eine neue Sortierung der Gemälde Vermeers von Nummer 1 bis Nummer 37 hervor. Diese Werkverzeichnisnummern (WV-Nr.) waren zugleich die Katalognummern der in der Ausstellung gezeigten Werke. Da nicht alle Werke in der Ausstellung zu sehen waren, ergab sich hierdurch keine fortlaufende Nummerierung der in der Ausstellung gezeigten Gemälde.
Nicht alle 28 Werke waren während der gesamten Ausstellung zu sehen. Das sehr populäre Gemälde Das Mädchen mit dem Perlenohrring wurde nur die ersten Wochen bis zum 30. März 2023 zusammen mit den anderen Werken gezeigt und kehrte danach ins Mauritshuis in Den Haag zurück.Informationen auf der Website der Ausstellung: „We are delighted that The Girl with the Pearl Earring is coming to our museum from the Mauritshuis. You can see her in the exhibition until 30 March. After that, she will return to the Mauritshuis in The Hague.“ Die in der nachfolgenden Liste angegebenen Bildtitel entsprechen dem deutschsprachigen Katalog zur Ausstellung.Pieter Roelofs (Hrsg.), Gregor J.M. Weber: Vermeer, 2023, S. 6–16.