mini|alt=Ein Mann Anfang 20 mit braunen Haaren und braunen Augen. Er trägt ein weißes Hemd unter einem dunkelblauen Sakko und hat Kopfhörer auf.|Nick Fuentes 2022 bei einem Livestream
Nicholas Joseph Fuentes (* 18. August 1998) ist ein US-amerikanischer White-Supremacy-Vertreter, Webvideoproduzent und rechtsextremer Aktivist der MAGA-Bewegung, der antisemitische Positionen vertritt und den Holocaust leugnet. Er lehnt eine demokratische Staatsform ab, ist Anhänger eines katholischen Integralismus bzw. Integralen Nationalismus und bezeichnet sich selbst als Incel.
Fuentes besitzt in den USA eine Anhängerschaft, die sich Groypers oder auch Groyper Army nennt. Diese treten vor allem im Internet als Troll-Armee auf, sorgten allerdings auch schon in der analogen Welt durch die Störung öffentlicher Veranstaltungen für Aufsehen.
Fuentes war an den rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville 2017 sowie dem Sturm auf das Kapitol in Washington 2021 beteiligt. Nach eigener Aussage benutzt er Witze, Memes und Ironie, um radikale Positionen vertreten zu können, die im gesellschaftlichen Diskurs ansonsten keinen Platz hätten.
Öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr Fuentes unter anderem, weil er und der Rapper Kanye West sich 2022 mit US-Präsident Donald Trump zum Abendessen getroffen hatten. Nach Trumps Wiederwahl 2024 verfasste Fuentes einen Tweet, der den feministischen Slogan „My body, my choice“ zu „Your body, my choice. Forever.“ verballhornte. Der entsprechende Tweet wurde über 100 Millionen Mal aufgerufen und führte zum Doxing von Fuentes’ Wohnadresse sowie einem gescheiterten Attentatsversuch auf ihn.
Kennzeichnend für Fuentes Stil ist, dass er etablierte Akteure der amerikanischen Rechten angreift und ihnen fehlende Prinzipientreue vorwirft. Mit rund 1,3 Millionen Followern auf dem Kurznachrichtendienst X und mehr als 680.000 Abonnenten auf der Video-Plattform Rumble verfügt er über eine erhebliche Reichweite. Eine Ausgabe seiner werktäglichen Live-Sendung America First with Nicholas J. Fuentes erreicht für gewöhnlich zwischen 500.000 und einer Million Aufrufe.
Herkunft und frühe Jahre Fuentes wuchs in La Grange Park in der Metropolregion Chicago im US-Bundesstaat Illinois auf und war zwischenzeitlich Präsident der Schülervertretung der dortigen Lyons Township High School. Fuentes bezeichnet sich als katholisch. Sein Vater ist Halbmexikaner.
Zunächst studierte Fuentes nach seinem Schulabschluss Politik und internationale Beziehungen an der Boston University, verließ diese allerdings 2017 wieder. Grund hierfür waren nach seinen Angaben insgesamt 15 Morddrohungen, die er erhalten habe, nachdem er an den rechtsextremen Protesten in Charlottesville teilgenommen hatte. Er bewarb sich anschließend bei der Auburn University, reagierte allerdings nicht mehr auf die Nachricht der Hochschule, dass er angenommen sei und sein Studium dort fortsetzen könne.
Fuentes hat über mehrere Jahre hinweg seine Livestreams vom Haushalt seiner Eltern aus getätigt, auch um so absichtlich seinen Ruf als NEET zu kultivieren. Ein gegen ihn gerichteter Fall von Swatting im März 2022 ereignete sich allerdings in einem teuren Wohnsitz in der Innenstadt Chicagos, fünf Meilen von dem seiner Eltern entfernt.
Politische Aktivitäten 2016–2020 Anfänge als Streamer und Aktivist mini|alt=Ein Wappen auf dunkelblauem Grund mit den Buchstaben A und F in weiß in der Mitte. Die Buchstaben sind von einem schmalen roten und einem etwas dickeren weißen Kreis umgeben. Zwischen den beiden Kreisen befinden sich jeweils über und unter den Buchstaben fünf fünfzackige Sterne kurvenförmig aufgereiht.|Logo von America First with Nicholas J. Fuentes
Bereits während seiner High-School-Zeit begann Fuentes das politische Geschehen öffentlich zu kommentieren. Über die jeweils von seiner Schule verwaltete Radio- und TV-Station präsentierte er eine politische Talkshow und die von ihm selbst moderierte Nicholas J. Fuentes Show, wobei er dort noch gemäßigtere konservative Positionen vertrat. Dies änderte sich mit dem Beginn seiner Studienzeit: In Boston begann Fuentes im Februar 2017 mit einem Webcast, der den Titel America First with Nicholas J. Fuentes trägt und bis heute existiert.Nick Fuentes. In: Encyclopaedia Britannica. 2. August 2026, abgerufen am 11. August 2026. Die Sendung wurde zunächst durch das Right Side Broadcasting Network (RSBN) produziert und erreichte pro Nacht nur etwa 100 Zuschauer. In einer Sendung im April 2017 äußerte Fuentes, dass „die Globalisten“ (eine Referenz auf eine angebliche jüdische Weltverschwörung) die Medien kontrollieren würden und es Zeit sei, diese zu töten. Er wolle die Macher von CNN eingesperrt, deportiert oder gehängt sehen. RSBN distanzierte sich im Anschluss von den „inakzeptabel“ und „unangebrachten“ Aussagen und entschuldigte sich für diese. Aufgrund weiterer problematischer Äußerungen und Fuentes’ Präsenz bei der tödlichen Demonstration in Charlottesville im August 2017 gingen er und das RSBN im gleichen Monat getrennte Wege. Fünf Jahre später gab Fuentes in einem Telegram-Post an, er sei damals vom CEO des RSBN gefeuert worden.Screenshot des betreffenden Posts
Noch 2017 wurde Fuentes Co-Moderator von James Allsup, einem weiteren White Supremacy-Vertreter, bei dessen Podcast Nationalist Review. Das Projekt endete allerdings bereits im Januar 2018 aufgrund interner Querelen zwischen den beiden wieder. Im April desselben Jahres sprach Fuentes auf der American-Renaissance-Konferenz.
2020 schickte sich Fuentes zudem an, der konservativen Conservative Political Action Conference (CPAC) Konkurrenz zu machen. Er organisierte hierfür die jährlich stattfindende America First Political Action Conference (AFPAC), die Akteuren der Alt-Right die Möglichkeit geben soll, sich untereinander zu vernetzen. Große Unterstützung hierfür erhielt Fuentes durch die prominente konservative Autorin Michelle Malkin, die auch als Rednerin auf der ersten AFPAC zugegen war. Die Young America’s Foundation, für die Malkin zuvor 17 Jahre lang als Rednerin an Universitäten aufgetreten war, stellte infolgedessen die Zusammenarbeit mit ihr ein.
Groypers und Groyper Wars
Seit 2019 hat Fuentes in Zusammenarbeit mit dem Neonazi Patrick Casey eine Anhängerschaft um sich geschart, die sich Groypers nennen.Charles Tanner, Devin Burghart: From Alt-Right to Groyper. White Nationalists Rebrand for 2020 and Beyond. Institute for Research and Education on Human Rights, Kansas City und Seattle 2020, S. 5. Casey wandte sich im Laufe der Zeit allerdings von der Gruppierung ab und warf Fuentes den Aufbau Kult-ähnlicher Strukturen vor.
Groyper ist eigentlich die Bezeichnung für eine Abwandlung von Pepe dem Frosch, der eine berühmte Meme-Vorlage ist und bereits seit Mitte der 2010er Jahre von Rechtsextremen instrumentalisiert wird. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten die Groypers, nachdem Charlie Kirk, Gründer der konservativen Non-Profit-Organisation Turning Point USA (TPUSA), seiner Mitarbeiterin Ashley St. Claire kündigte. Sie hatte sich bei einem Event mit einer Reihe von Vertretern der Alt-Right (darunter auch Fuentes) fotografieren lassen. Als Reaktion darauf besuchten Unterstützer von Fuentes eine Veranstaltung Kirks mit dem Titel „Culture War“ und stellten dort Fragen zum demographischen Wandel in den USA, zur Homosexualität und zur Liberty, einem 1967 vom israelischen Militär angegriffenen Aufklärungsschiff der US-Marine. Donald Trump Jr., der ebenfalls vor Ort war, beendete die Fragerunde daraufhin. Als Sammelbegriff für diesen und eine Reihe weiterer ähnlicher Vorfälle im gesamten Bundesgebiet der Vereinigten Staaten hat sich Groyper Wars etabliert. Fuentes und die Groypers sehen sich dabei als Verfechter eines echten Konservativismus, der noch die traditionellen Standpunkte zu Themen wie Migration, Außenpolitik und sexuellen Minderheiten vertrete.
Die Groypers sind nach wie vor innerhalb des Internets und vor allem in den sozialen Medien aktiv. Besonders auf Twitter fallen sie immer wieder durch die Beleidigung und Bedrohung politischer Gegner auf. Im April 2020 wurde deutlich, dass die Groypers versuchten, auch TikTok für sich zu nutzen. Kurz nachdem Fuentes einen Tiktok-Account erstellt hatte, wurde er und seine rechtsextremen Positionen von Gabriella Katharina Huggler öffentlich auf Tiktok angeprangert. Daraufhin verspottete Fuentes die junge Erwachsene mit Beiträgen und Memes, woraufhin Huggler auch zur Zielscheibe für die Groypers wurde, die sogar mit ihrer Ermordung drohten. Die TikTok-Accounts von Fuentes und mehreren Groypers wurden kurz darauf blockiert.
Anfang 2022 gab es erstmals größere Konflikte innerhalb der Groyper Army: Jaden McNeil und Simon Dickerman, beides ehemalige Führungsmitglieder der 2021 von Fuentes gegründeten America First Foundation, brachen öffentlich mit der Troll-Armee von Fuentes und warfen ihm vor, junge Männer zu isolieren und zu radikalisieren, um diese dann für seine Zwecke zu missbrauchen. Beobachter sehen in der Szene eine Tendenz zu gemäßigterer Rhetorik und weg vom expliziten und aggressiven Auftreten von Fuentes. Dies sei aber kein Zeichen einer Deradikalisierung, sondern geschehe vor allem aus der Überzeugung heraus, dass man so mehr Unterstützer gewinnen könne.
2021–2022 Verbindungen zum Sturm auf das Kapitol mini|Protokoll der Anhörung von Nick Fuentes am 16. Februar 2022 vor dem Kongressausschuss zur Untersuchung des Kapitolsturms Nick Fuentes war am Tag der Erstürmung des Kapitols am 6. Januar 2021 durch ultrarechte Demonstranten in Washington D.C. anwesend und hielt auf einer dortigen Versammlung eine Rede. Dabei behaupteten er und seine Mitstreiter, dass die Präsidentschaftswahl 2020 manipuliert worden und Donald Trump der rechtmäßige Präsident der Vereinigten Staaten sei. Er forderte die Anwesenden zudem auf, sich zum Kapitol zu begeben, Barrikaden zu entfernen und die Polizei zu ignorieren.Video der Rede von Nick Fuentes am 6. Januar 2021 ab Minute 17:45. In: archive.org. Abgerufen am 12. August 2025. Ein Video der Rede wurde während des zweiten Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump gezeigt. Fuentes selbst betrat das Kapitol nicht.
Fuentes und einige seiner ultrarechten Mitstreiter hatten kurz zuvor hohe Spenden in Form von Bitcoins erhalten. Der französische Programmierer Laurent Bachelier hatte einige Wochen vor den Protesten in 22 Transaktionen 28,15 Bitcoins im Gesamtwert von rund 522.000 US-Dollar an verschiedene Personen und Organisationen der Alt-Right überwiesen. Die Spende an Fuentes betrug 13,5 Bitcoins, was damals etwa 250.000 Dollar entsprach. Das FBI begann im Anschluss Ermittlungen und ließ das Geld am 23. Januar 2021 einfrieren, um zu klären, ob es zur Finanzierung illegaler Aktivitäten im Zusammenhang mit der Sturm auf das Kapitol genutzt wurde. Das Einfrieren des Vermögens wurde am 21. Juli 2021 nach sechs Monaten wieder aufgehoben, weil keine illegalen Handlungen festgestellt werden konnten.
Fuentes wurde vom Untersuchungsausschuss des US-Kongresses zur Kapitolstürmung als Zeuge geladen. Bei der Ausschusssitzung verweigerte er unter Verweis auf FBI-Ermittlungen gegen ihn und den 5. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten die Aussage.Befragung von Nick Fuentes (PDF; 12 MB), abgerufen am 12. August 2025.
Weitere konservative Tagungen Die zweite AFPAC fand im Februar 2021 statt. Sie stand ganz im Zeichen des Sturms auf das Kapitol. Neben Michelle Malkin und Steve King, einem ehemaligen Abgeordneten des Repräsentantenhauses, sprach dort auch der Republikaner Paul Gosar. Dieser propagierte dabei den Mythos, dass Donald Trump die Wahl zum Präsidenten gestohlen worden sei. Einen Monat später verkündete Fuentes offiziell die Gründung einer eigenen Stiftung. Die America First Foundation soll laut ihrem Gründungsstatus zur Verbreitung „konservativer Werte, die auf den Prinzipien des amerikanischen Nationalismus, des Christentums und des Traditionalismus basieren“, beitragen.