Die italienische Münzgeschichte wird von den ersten prämonetären Geldformen der frühen Antike bis zum überwiegend bargeldlosen Zahlungsverkehr von heute eingerahmt. Seit der Zeit der Römischen Republik bis in das 19. Jahrhundert hinein ist die Münzgeschichte der Kern der italienischen Geldgeschichte.

Die antiken Wurzeln des italienischen Münzsystems Siehe auch Römische Münzgeschichte

Bereits vor dem Gebrauch der ersten Münzen durch Griechen in Süditalien waren ungestaltete Bronzestücke (Aes rude), zum Teil mit nur wenigen Gramm Gewicht, als prämonetäre Zahlungsmittel im Gebrauch.Haymann, S. 72 mini|Drei Aes rude Stücke zwischen 6 und 10 Gramm, 8. bis 3. Jahrhundert v. Chr. mini|Bronzegussmünzen (Aes Grave) der Römischen Republik, 3. Jahrhundert v. Chr.

Sie wurden auch in Mittelitalien noch genutzt als in sich in den von den Griechen seit der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. gegründeten Städten in Magna Graecia längst schon ein auf geprägten Silbermünzen basierendes Geldsystem durchgesetzt hatte. Zumindest in der Zeit um 280 bis 242 v. Chr. wurden Bronzebarren auch in rechteckige Form gegossen und bildhaft gestaltet (Aes signatum). Bei Bedarf wurden diese Bronzebarren für kleinere Zahlungen auch gestückelt. Um sich diese mühevolle Zerstückelung zu ersparen, wurden ebenfalls ab etwa 280 v. Chr. Bronzebarren in münzähnliche in Formen gegossen und unterlagen einem nach Gewicht geordneten Nominalsystem (Aes grave).Haymann, S. 73 In den griechischen Kolonien Süditaliens entwickelte sich eine eigenständige Münzkunst, die auf Sizilien die höchste Blüte erlangte.Haymann, S. 32 Wahrscheinlich in Akragas wurde das erste Bronzekleingeld in Form kleiner konischer Kegel hergestellt, um die kleinsten Silbermünzen zu ersetzen. Wenig später wurde dieses Bronzekleingeld auch in typischer Münzform ausgeprägt.Haymann, S. 44 Durch den Handel der mittelitalienischen Städte mit den griechischen Städten Unteritaliens wurde die Übernahme des im Wesentlichen griechischen Münzsystems gefördert. Die ersten für, aber nicht unbedingt in, Rom geprägten römischen Silbermünzen nach griechischem Vorbild werden vermutlich auf den Außenhandel mit den griechischen Städten Unteritaliens beschränkt gewesen sein. Da diese Münzen im Gewicht und Silbergehalt den griechischen Didrachmen entsprachen, werden diese römischen Münzen entsprechend benannt.Haymann, S. 73 Die ersten Silbermünzen, die auch in Rom hergestellt wurden, stammen aus der Zeit um 270 v. Chr. und entsprachen noch dem Vorbild der griechischen Didrachmen. Daneben wurden aber weiter Gussmünzen aus Bronze produziert. Seit 211 v. Chr. galt ein neues Geldsystem: Nun wurden hauptsächlich Denare als Silbermünzen hergestellt, die aber ebenfalls in etwa einem griechischen Vorbild entsprachen, nämlich der Drachme. Trotz aller Verfallserscheinungen hielt sich der Denare bis in spätrömische Zeit und wurde ein Fundament für den mittelalterlichen Pfennig. Eine weitere Silbermünze war der etwas leichtere Victoriatus, der wahrscheinlich dem Handelsverkehr diente. Nur ausnahmsweise wurden auch Goldmünzen im Wert von 60, 40 oder 20 Assen geprägt.Haymann, S. 76f Erst seit Augustus wurde eine Goldmünze regulärer Bestandteil des Münzsystems. In ihm galt der goldene Aureus 25 Denare, der Denar vier Sesterze aus Messing, der Sesterz teilte sich in zwei Dupondien, der Dupondius in zwei Asse, das As in zwei Semissis, der Semis in zwei Quadrans.Haymann, S. 90 Dieses System hielt sich, trotz abnehmenden Feingold- bzw. Feinsilbergehalts und dem Wegfall der kleineren Nominale bis in die spätrömische Zeit. Im weiteren Verlauf der römischen Geschichte und der räumlichen Ausdehnung der römischen Herrschaft umfasst die römische Währungsgeschichte mehr als die Münzgeschichte Italiens. Die römische Eroberung Galliens und Spaniens beendete die keltische Münzprägung und ersetzte sie durch das römische Münzsystem. In den besetzten Gebieten Griechenlands wurde vielen Städten, vor allem in Kleinasien, allerdings noch lange Zeit die Möglichkeit eingeräumt für den lokalen Gebrauch Bronzekleingeld zu prägen. Es ist umstritten, ob diese Prägungen in einer engen Verbindung zu den reichsrömischen Münzen stehen und das Assarion der kleinasiatischen Städte dem reichsrömischen As entsprach. Sicher war jedenfalls die Währung der römischen Provinz Ägyptens eine Binnenwährung (Alexandrinische Münzen), die nur in Ägypten umlief und ohne Einfluss auf die Münzverhältnisse Roms blieben. Erst mit der Münzreform Diokletians wurden die Provinzialprägungen abgeschafft und das Münzsystem für das gesamte römische Herrschaftsgebiet vereinheitlicht.

Das Frühmittelalter (von ca. 500 bis 1050 n. Chr.) mini|300px|Cunincpert war der erste Langobardenkönig, dessen Abbild auf Münzen geprägt wurde. In Pavia geprägter Tremissis.DN CVNI-INCPE RX; Dominus Noster Cunincpert Rex (Unser Herr Cunincpert, der König)SCS MI-HAHIL (Sankt Michael) Die frühmittelalterlichen Münzverhältnisse Italiens sind eine stark reduzierte und modifizierte Fortsetzung des spätantiken Münzsystems.Kluge, S. 35 Vor allem die Ostgoten setzen spätrömische Münztraditionen noch einige Zeit fort. In ihrer Hauptstadt Ravenna ahmten sie vor allem byzantinische Münzen nach. Die kleinen Silbermünzen mit dem Monogramm ihres Königs Theoderichs wurden dagegen eher selten hergestellt.Goff, S. 20 Die Westgoten prägten Tremisses sogar mit den Namen ihrer Könige. In Norditalien prägten die Langobarden seit 7. Jahrhundert Solidi von geringem Gewicht, aber nun mit den Frontalbüsten ihrer Herzöge.Goff, S. 20 Die Vandalen münzten ebenfalls Goldmünzen nach römischem Vorbild, allerdings hauptsächlich Tremisses (Drittelsolidi), aus. Nur die Silber- und Bronzemünzen wurden mit stark stilisierten eigenen Porträts und Namen der eigenen Herrscher ausgeprägt.Clain-Stefanelli/Schön, S. 67 Vor Beginn des 10. Jahrhunderts wurden Goldmünzen in Europa nur in Frankreich und Italien produziert, weil anders als im Byzantinischen Reich ein erheblicher Goldmangel in Westeuropa bestand.Goff, S. 26 Auch wegen dieser geringeren Goldressourcen wurde, anders als im Ostreich, wo der Solidus, bereits von Konstantin I. als Ersatz für den Aureus eingeführt, mit unverändertem Gewicht und Goldgehalt und in großen Mengen weiter geprägt wurde, im Westen schließlich der Drittelsolidus, der Tremissis, die wichtigste Münze. Eine Ausnahme war Marseille, die für den Osthandel mit dem lombardischen Herzogtum Benevent, das wiederum enge Handelsbeziehungen zu Byzanz unterhielt, weiter Solidi in Gebrauch hatte.Porteus, S. 40

Der Denier Im 8. Jahrhundert ermöglichten kleine Silbermünzen auch der bäuerlichen Bevölkerung, wenn auch im kleinen Umfang, zu sparen und am Handel besser teilnehmen zu können. Zudem wurden Verpflichtungen aus den Feudalverhältnissen wohl nicht nur in Naturalien, sondern teilweise auch in bar abgewickelt. Das belegt ein Beispiel aus dem Jahr 768 aus Lucca. Die wichtigste Münze dafür war neben dem Solidus bzw. dem Triens, seinem Drittelstück, für größere Summen, der Denier, der sich aus dem Denar entwickelt hatte und sich für kleinere Summen eignete.Porteus S. 53 Die Päpste prägten erstmals unter Hadrian I. (772–795) in Rom eigene Münzen. Zuvor waren dort noch byzantinische Münzen für das Exarchat von Ravenna hergestellt worden.Kluge S. 41

Der karolingische Denar

mini|Denier in der Münze von Pavia von Kaiser Ludwig der Fromme geprägt Mit der Münzreform Karls des Großen wurden die Denare innerhalb des Frankenreichs standardisiert. Die Einführung des karolingischen Denars kennzeichnet schon die Münzverhältnisse des Hochmittelalters.Kluge, S. 35 Zunächst wurde der karolingische Denar zwar nur für das Frankenreich hergestellt, bald hatte er aber auch Auswirkungen auf Oberitalien. Die zuvor langobardischen Gebiete waren im Jahr 774 in das Reich der Karolinger eingegliedert worden, was mit der Übernahme von dessen Münzsystem einherging. Die Zugehörigkeit der Lombardei zum Frankenreich dauerte bis in das 12. Jahrhundert an.Kluge S. 41 Die Gestaltung der karolingischen Denare unter Ludwig dem Frommen, bei denen der Name der Münzstätte die ganze Fläche einer Münzseite einnahm, wurde deshalb auch von norditalienischen Münzstätten übernommen.Porteus, S. 57 So prägten zunächst alle norditalienischen Städte Denare des gleichen Typs, was heute die Zuordnung nach einzelnen Städten erschwert. Oberitalien folgte auf Grund der karolingischen Vereinheitlichung bis in das 12. Jahrhundert im Wesentlichen den deutschen Münzverhältnissen. Durch die Krise im 10. Jahrhundert begann aber auch in Norditalien immer stärker wieder eine Differenzierung der Prägungen und beendete schließlich den Umlauf des karolingischen Denars. Die kaiserlichen Denare aus Verona kursierten auch im Augsburger und Regensburger Währungsraum, weil sie kleiner waren als die dortigen Denare und so als Kleingeld dienen konnten.Rizolli S. 138 Auf den päpstlichen Münzen wurde seit der Kaiserkrönung Karls sowohl die Namen des Kaisers als auch des Papstes genannt.Kluge S. 41 mini|links|Italien um das Jahr 1000

Das Hochmittelalter (von ca. 1050 bis 1250 n. Chr.) Oberitalien Nachdem die norditalienischen Städte Mailand, Verona, Lucca und Pavia und einige Bischöfe Silbermünzen im karolingischen Denarsystem unter kaiserlicher Oberhoheit geprägt hatten, drifteten die Währungsverhältnisse nun immer stärker auseinander.

Im Laufe der Regionalisierung des Währungssystems kam es zu einer starken Zunahme der Ausmünzung und der Zahl der Prägestätten.Goff, S. 70f Während es zu Beginn des 12. Jahrhunderts in den norditalienischen Städten nur acht Münzstätten gab, verdreifachte sich ihre Zahl bis zum Ende des Jahrhunderts. Zu den alten Münzstätten von Mailand, Pavia und Verona traten zwischen 1138 und 1200 neue Münzstätten hinzu: Genua, Asti, Piacenza, Cremona, Ancona, Brescia, Bologna, Ferrara und Mantua.Porteus S. 83, Goff, S. 71 Die steigende Geldmenge in Europa wurde durch eine Reihe neuer oder leistungsfähiger gewordenen Silberminen ermöglicht, zu denen auch die italienischen in Montieri bei Siena, in Volterra und Iglesias auf Sardinien gehörten. Zudem wurde auch Silber importiert, zum Beispiel aus Frankreich.Goff, S. 62, 64

Bologna prägte auf Grund eines 1191 von Kaiser Heinrich VI. verliehenen Münzregals. Zunächst wurde ein Denar, der Bolognino piccolo geprägt. Er trug den Namen des Kaisers ENRICVS mit den Buchstaben IPRT (für Imperator) mittig kreuzförmig um das Zentrum platziert auf der einen und dem lateinische Namen der Stadt BONONIA, wobei der letzte Buchstabe A groß in die Mitte gesetzt wurde, auf der anderen Seite. Die Münze bestand aus etwa 0,5 g Bronze und 0,15 g Silber. Zwölf Stück hatten den Wert von einem Soldo. Ab 1236 wurde ergänzend der Bolognino grosso im gleichen Stil geprägt, der dem Wert von einem Soldo oder zwölf Bolognini piccoli entsprach. Der Bolognino grosso verdrängte die bisher einzigen Münzen in der Romagna aus Ravenna und Rimini (italienisch). und wurde häufig von anderen Städten nachgeahmt, unter anderem in Rom, Ancona und Ferrara. Die Nominalbezeichnung Bolognino hielt sich bis in das 17. Jahrhundert für verschiedene Münzen, die aber deutlich geringwertiger waren. Die italienische Redewendung: „Non valere un bolognino“ („Nicht einen Bolognino wert“) entwickelte sich aus diesem erheblichen Wertverlust und steht für „Das ist nichts wert“.

Verona, Genua und Mailand

Die Veroner Denare fanden als Veroneses in Venedig und der Adria Gebrauch (Veroneser Währungsraum), bis sie vom starken Aufschwung der venezianischen Münzen verdrängt wurden.Rizolli S. 138f

Genua besaß das Münzrecht seit dem 1139. Die Genueser Denare sind durch ein stilisiertes Stadttor leicht erkennbar.