Georg Osterkorn (* 17. Januar 1881 in Hauzenberg; † 28. September 1958 in Oberaudorf am Inn) war ein deutscher Verleger, Publizist und Archivar, bayerischer Landespolitiker und Parteifunktionär.

Leben

Herkunft und Familie Georg Osterkorns Familie stammte ursprünglich aus Österreich. Er wurde im Dreiländereck von Bayern, Böhmen und Oberösterreich in der Stadt Hauzenberg (damaliges Bezirksamt Wegscheid) geboren und katholisch getauft. Seine Eltern waren Franz Salles Osterkorn (* 1839; † unbekannt) und Emilia Osterkorn geb. Stangel (* 1844; † 1910), seine Schwester Emilie Osterkorn (* 1884; † unbekannt). Am 6. April 1908 heiratete er in München Josefine Simson (* 2. Oktober 1877 in Ingolstadt, kath.; † unbekannt), mit der er ein Kind hatte. Er lebte und arbeitete vorwiegend in München. Seine Ehefrau Josefine Osterkorn war von 1936 bis 1938 als Nachfolgerin ihrer Mutter Anna Simson Geschäftsführerin der Modehaus Schober GmbH, München."Geschäftsführerin Anna Simson gelöscht; neubestellte Geschäftsführerin: Josefine Osterkorn, Verlegersgattin, in München" Deutscher Reichsanzeiger, Zentralhandelsregisterbeilage, 27. Oktober 1936, Nr. 251, S. 4 https://digi.bib.uni-mannheim.de/viewer/reichsanzeiger/film/015-8456/0734.jp2 (Abruf 2023-02-07)"Modehaus Schober, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, München (Brienner Straße 2): Josefine Osterkorn ist als Geschäftsführerin ausgeschieden. Adolf Schober, Kaufmann in München, ist als Geschäftsführer bestellt" Deutscher Reichsanzeiger 2. Februar 1938, Zentralhandelsregisterbeilage Nr. 27, S. 1 https://digi.bib.uni-mannheim.de/viewer/reichsanzeiger/film/021-8462/0312.jp2 (Abruf 2023-02-07) Im Juni 1942 zog das Ehepaar Osterkorn nach Oberaudorf am Inn, einem bayerisch-österreichischen Grenzort, wo er 1958 verstarb.

Liberaler Parteisekretär (1906–1919) Über Osterkorns Ausbildung ist nichts Genaues bekannt. Vermutlich absolvierte er ein Lehrerseminar und war vorübergehend als Lehrer an einer Volksschule tätig. 1906 wurde er einer der ersten hauptamtlichen Parteisekretäre, die in Bayern im bürgerlichen Parteiwesen angestellt wurden. Zunächst war er Sekretär des bayerischen Verbands der Jungliberalen Vereine, die sich für eine Modernisierung und Öffnung der liberalen Honoratiorenparteien einsetzte.

Als 1910 drei liberale Parteien in Regensburg das Bündnis Arbeitsgemeinschaft liberaler Kreisverbände in Bayern rechts des Rheins unter Vorsitz des Regensburger Oberbürgermeisters Otto Geßler gründeten und die Jungliberalen Vereine sich anschlossen, wurde Osternkorn Generalsekretär der neuen Zentrale und gehörte dem geschäftsführenden Vorstand an.Werner Chrobak, Politische Parteien, Verbände und Vereine in Regensburg 1869–1914, Teil II. Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg Nr. 120, 1980, S. 211–384, hier: S. 355, 381, 384 https://www.heimatforschung-regensburg.de/2127/1/982240_DTL2270.pdf (2022-12-19) Hier begann eine enge, 16 Jahre währende Zusammenarbeit mit Geßler.

Die Parteiarbeit ruhte in den ersten Jahren des Weltkriegs. Osterkorn diente ab 1915 als einfacher Soldat, dann Gefreiter im I. Ersatz-Bataillon des 1. Königlich Bayerischen Infanterie-Regiments (München).Lfd. Nr. 985, Kriegsstammrolle 8842, Bd. 10, bayer. Landwehr. Infanterie-Regiment No. 3 (Freising/Fff) Ersatz-Bataillon, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München; Abteilung IV Kriegsarchiv. Kriegsstammrollen, 1914–1918; Lfd. Nr. 2244, Kriegsstammrolle 4234, Bd. 5; Stammrolle VI / 307, Vol. 4473., abgerufen von Ancestry.com (2022-04-06) Nachdem er 1916 zeitweise zurückgestellt war, nahm Osterkorn im Frühjahr 1917 an einem Ausbildungskurs für Unteroffiziers-Aspiranten in Freising teil.Lfd. Nr. 40, Seite 5, Kriegsstammrolle 10655, 10. Ausbildungskurs für Unteroffiziers-Aspiranten während der Mobilmachung 4. Januar 1917 bis 14. März 1917, Freising, Bayerisches Hauptstaatsarchiv; München; Abteilung IV Kriegsarchiv. Kriegsstammrollen, 1914–1918, abgerufen von Ancestry.com (2022-04-06)

Offenbar kehrte er nicht mehr zur Front zurück. Stattdessen widmete er sich ab Mitte 1917, als nach Ende des „Burgfriedens“ innenpolitische Auseinandersetzungen zunahmen und politische Reformen in Gang kamen, abermals der Parteiarbeit. In dieser Zeit legte Osterkorn den Grundstein für sein parteinahes Verlagsunternehmen (siehe unten).

Im November/Dezember 1918 war Generalsekretär Osterkorn an der Gründung der Deutschen Volkspartei in Bayern (DVP, im Oktober 1919 umbenannt in Deutsche Demokratische Partei in Bayern, DDP) beteiligt.Gründung der Deutschen Volkspartei in Bayern : Aufruf der Deutschen Volkspartei in Bayern. Münchner Neueste Nachrichten 18.11.1918, 71. Jg., Nr. 582, S. 1–2 https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00131382_00263_u001?page=263Die DVP in Bayern war de facto ein Landesverband der DDP. Sie darf nicht verwechselt werden mit der konkurrierenden nationalliberalen Deutschen Volkspartei, die Gustav Stresemann in Berlin gründete. Bei der ersten Wahl zum Bayerischen Landtag kandidierte Osterkorn für die DVP erfolglos auf Listenplatz 19 und im Stimmkreis Regen.Aus der Wahlbewegung – Wahlvorschlag der Deutschen Volkspartei in Bayern (Deutschen Demokratischen Partei). Münchner Neueste Nachrichten 29.12.1918, 71. Jg. Nr. 655 S. 2 https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00131383?page=420,421 (2022-12-19)Joachim Lilla. Der bayerische Landtag 1918/19 bis 1933 - Wahlvorschläge - Zusammensetzung – Biographien. Kommission für bayerische Landesgeschichte: München 2008, S. 10, S. 179

Nach der Revolution war Osterkorn immer wieder in scharfe Auseinandersetzungen mit den Sozialisten verwickelt. Während der Münchner Räterepublik im April 1919 besetzten und durchsuchten Rotgardisten die liberale Parteigeschäftsstelle, weil die Liberalen angeblich planten, mit dem Flugzeug Flugblätter gegen die Räteregierung abzuwerfen. Der zweite Generalsekretär Osterkorn wurde verhaftet, jedoch nach einem Tag wieder freigelassen.Heinrich Hillmayr. Roter und weißer Terror in Bayern nach 1918. München: Nusser 1974, S. 69 Öffentliches Aufsehen über viele Monate erregte 1920/21 eine Beleidigungsklage des Hofer USPD-Landtagsabgeordneten Max Blumtritt gegen Osterkorn vor dem Münchner Schöffengericht. Auslöser war der Einsatz des Freikorps Chiemgau in Hof während der Märzunruhen 1920, wobei nach Blumtritt als Anführer angeblich putschbereiter, bewaffner Arbeiter gefahndet wurde. In Osterkorns Parteipressedienst wurde berichtet, die Soldaten hätten neben Hunderten Waffen in den Räumen der von Blumtritt geleiteten Zeitung in Blumtritts Haus ein halbes geschlachtetes Schwein, beim Metzger für Blumtritt bestimmtes Frischfleisch zum Räuchern gefunden. Damit hätte der Abgeordnete gegen die geltende Lebensmittelrationierung verstoßen. Das Gericht vernahm diverse Zeugen, befand die Berichterstattung für wahrheitsgerecht und sprach Osterkorn im Februar 1921 von der üblen Nachrede frei.Gerichtssaal: Blumtritts "halbe Sau" : Der Wahrheitsbeweis erbracht. Münchner Neueste Nachrichten 11.02.1921 74. Jg., Nr. 61, S. 4 https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00133272?page=162,163 (2022-12-19) – Die Klage bezog sich auf Osterkorns Artikel "Unabhängige Idealisten und Weltverbesserer", Süddeutsche Demokratische Korrespondenz 02.04.1920

Im Winter 1919/1920 wurde Osterkorn Geschäftsführer des aus DDP-Kreisen um Reichsminister Otto Geßler und mit verdeckten Subventionen der Reichsregierung gegründeten Vereins Bayernbund für Deutschlands Neubau mit Sitz in München. Diese politische Kampagnenplattform trat gegen Bestrebungen des Separatismus in Bayern ein. Osterkorn organisierte im Februar 1920 eine Großkundgebung und später weitere Veranstaltungen. In seinem Verlag erschienen Werbeschriften des Bayernbunds.

Verleger und Publizist Osterkorns publizistische Tätigkeit entstand direkt aus seiner Parteiarbeit. Mit Hilfe von Parteifreunden errichtete er Verlagsunternehmen, die zunächst allein für die Partei tätig waren, jedoch zunehmend kommerziell auftraten. Osterkorn verlegte die Süddeutsche Demokratische Korrespondenz, aus der der Süddeutsche Zeitungsdienst entstand, sowie die Tageszeitung Bayerische Landespost – München-Pasinger Zeitung, die Romanbeilage Das Sonntagsbuch und die Pressedokumentation Zentralarchiv für Politik und Wirtschaft.

Osterkorn betreute bereits als Parteisekretär vor dem Ersten Weltkrieg redaktionell das Organ der Arbeitsgemeinschaft der liberalen Kreisverbände Fortschritt – Liberales Wochenblatt und bald auch für die Landtagsabgeordneten den Pressedienst Liberale Landtags-Korrespondenz.Handelskammer München (Hrsg.), Adreßbuch für München und Umgebung. München 1917, S. 127 https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00092331?page=1780,1781 (2022-12-18) Solche Publikationen erschienen neben Wahlkampf- und Werbeschriften in der Fortschritt-Verlag GmbH, München, deren Geschäftsführer Osterkorn war. Dahinter stand der von Landtagsabgeordneten getragene Liberale Preßverein. Dieser war eine Gegengründung zum von Georg Triller 1901 gegründeten Katholischen Preßverein für Bayern, der seit 1901 sowohl als Veranstalter, Bildungsträger, Zeitungs- und Buchverlag auftrat. Es war seine Aufgabe, Spendenmittel zu beschaffen, sich an Zeitungsverlagen und Druckereien mitzufinanzieren, als Gesellschafter zu beteiligen und politisch im Sinne der Zentrumspartei zu beeinflussen. Die Aufgaben für den Liberalen Preßverein waren sehr ähnlich.

Während des Krieges ruhten Parteiarbeit, Bildungs- und Publikationsaktivitäten weitgehend bis 1916/17. Auch das von Osterkorn (der beim Militär war) verantwortete Wochenblatt Fortschritt erschien während des Krieges nicht.Deutsches Bücherverzeichnis. Erster Band 1911–1914 A-K, Leipzig: Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, 1916, S. 780 https://hdl.handle.net/2027/mdp.39015070413425?urlappend=%3Bseq=790%3Bownerid=116766699-789 (2022-12-19)

Ab 1917 eröffneten Wahlrechts- und Verfassungsreforminitiativen im Reich und in Bayern eine Perspektive zu Parlamentarisierung und Demokratisierung. Die bayerischen Liberalen erwarteten wachsende Einflussmöglichkeiten und Verantwortung. Um die Verlags- und Presseaktivitäten auf neue Füße zu stellen, wurde der alte Fortschritt-Verlag im Frühjahr 1918 aufgelöst; Osterkorn war Liquidator.Amtliche Anzeigen, Bekanntmachungen Handelsregister, Münchner Neueste Nachrichten 26.6.1918, 71. Jahrgang, Nr. 318, S. 5 https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00131370?page=452,453 (2022-12-18)