Die Sirene (Originaltitel: La Sirène, englischer Festivaltitel The Siren) ist ein französisch-deutsch-luxemburgisch-belgischer Animationsfilm unter der Regie von Sepideh Farsi aus dem Jahr 2023. Der Film feierte am 16. Februar 2023 auf der Berlinale seine Weltpremiere in der Sektion Panorama.

Handlung Der Iran-Irak-Krieg und die Belagerung von Abadan bilden den Hintergrund der Handlung. Ein überraschender irakischer Raketenangriff löst 1980 in der iranischen Ölmetropole Abadan chaotische Zustände aus, die Stadt wird eingekesselt. Der 14-jährige Omid erlebt den Angriff auf die Ölraffinerie bei einem Fußballspiel mit seinen Freunden. Sein älterer Bruder meldet sich freiwillig zu den kämpfenden Einheiten. Seine Mutter und Geschwister verlassen die Stadt, er bleibt bei seinem Großvater und wartet auf die Rückkehr seines Bruders. Man erfährt, dass sein Vater einst als Kapitän auf dem Meer verschollen blieb. Der Junge begibt sich auf die Suche nach dem Bruder, gerät dabei an die Front und wird Zeuge der Schrecken des Krieges. Später erfährt er auf dem städtischen Friedhof, dass sein Bruder gefallen ist. Sein Hobby des Hahnenkampfs gibt er daraufhin auf. Er besucht einen Freund des Bruders, der mehrere Menschen in der Stadt mit Mittagsessen versorgt und trotz des Bombenhagels durch die Stadt fährt. Nahe dem Haus einer berühmten Diva und ihre Tochter Pari verunglücken sie und der Freund verliert in Folge sein Bein. Pari bindet es mit ihrem Kopftuch ab und rettet dadurch das Lebens des Freundes. Omid übernimmt für ihn die tägliche Essensauslieferung und trifft dabei ungewöhnliche Menschen. Nahe der Raffinerie wohnt ein als Ingenieur benannter Mann mit zahlreichen Katzen in einem mehrstöckigen Rohbau, der nach eigenem Bekunden die Raffinerie geplant hat. Eine weitere Station auf seiner Tour ist eine armenisch-apostolische Kirche, deren Geistliche ein wertvolles Marienbildnis aufbewahren, das den Jungen fasziniert. Auf seiner täglichen Route trifft er regelmäßig Pari, in die er sich verliebt.

An einem Tag muss er Essen in das Hauptquartier der Truppen bringen und belauscht ein Gespräch, in dem die Aussichtslosigkeit der Lage für Abadan dargestellt wird. Omid wird zu Stillschweigen verpflichtet. Er beschließt, ein altes Boot in traditioneller Bauweise, ein „Lenj“, das er im Hafen entdeckt hat, wieder flott zu machen. Es trägt den namen „Sirene“. Den Ingenieur fragt er, ob er ihm den Motor reparieren kann. Der verlangt dafür eine Flasche Arrak als Gegenleistung – Alkohol ist strengstens verboten. Es gelingt ihm aber, von den Geistlichen eine Flasche Wein zu bekommen. Er erzählt allen, die er liebt und schätzt, seinen Plan. Dazu gehört auch sein Freund, der weiße Tauben züchtet. Einen ehemaligen Kapitän kann er überzeugen, nochmal auf Fahrt zu gehen, als er offenbart, dass die Mutter von Pari mitfährt. Einige haben gute Gründe, in der Stadt zu bleiben. Aber die Situation in der Stadt spitzt sich zu, gemeinsam reparieren sie schließlich alle das Boot, das zwischenzeitlich durch Beschuss stark beschädigt ist, und gehen auf Fahrt. Die irakischen Truppen kontrollieren den Fluss und haben schwere Artillerie stationiert. Der örtliche Kommandeur erkennt, dass nur zivile Personen an Bord sind, darunter die Diva und das Marienbildnis. Von höherer Stelle erhält er aber trotzdem den Schießbefehl, den er widerwillig ausführt. Durch die Verzögerung ist das Schiff aber bald außer Reichweite der Kanonen.

Produktion Filmstab Regie führte die in Teheran geborene Regisseurin von Dokumentar- und Kurzfilmen Sepideh Farsi. Das Drehbuch stammt von Djavad Djavahery, grafischer Direktor war Zaven Najjar.

Produktion und Förderungen Die Arbeit an dem Film begann bereits 2018.

An der Produktion waren von französischer Seite Sébastien Onomo für Les Films d’Ici beteiligt, aus Belgien Lunanime Filmproductie, BAC Cinéma aus Luxemburg sowie der Saarländische Rundfunk, das Trickstudio Lutterbeck GmbH und Arte.

Das Budget betrug 3,7 Millionen Euro. Förderungen kamen unter anderem 2018 von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg in Höhe von 150. 000 Euro und Film Paris Region in Höhe von 166. 000 Euro sowie 2019 von der Deutsch-Französischen Förderkommission in Höhe von 400. 000 Euro und der Film- und Medienstiftung NRW 200. 000 Euro.

Dreharbeiten und Veröffentlichung Gedreht wurde in Baden-Württemberg, im Grand Est und im Pays de la Loire.

Der Film feierte am 16. Februar 2023 auf der Berlinale seine Weltpremiere in der Sektion Panorama.

Als internationaler Verleih wurde BAC Films International ausgewählt.

Auszeichnungen und Nominierungen 2022: Festival d’Animation Annecy Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) hat dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“ verliehen. Die Jury hebt die Erzählweise vom Iran-Irak-Krieg als Verdienst des Films heraus: "Als europäische Koproduktion steht diese eher französische Emigrationsgeschichte auch stellvertretend für eine neue Generation, die Erinnerungen, familiäre Wurzeln und ihre Herkunft aus den Kriegsregionen mitbringt und in unsere Gegenwart einspeist."

Weblinks Website des Films (französisch) Berlinale-Profil

Die Sirene (TrickStudio Lutterbeck GmbH)

Einzelnachweise

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