Die Dämonischen (auch: Invasion der Körperfresser; Originaltitel: Invasion of the Body Snatchers) ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Science-Fiction-Film von Don Siegel aus dem Jahr 1956. Er basiert auf dem Roman Die Körperfresser kommen (The Body Snatchers) von Jack Finney und gilt, nach anfangs nur spärlichem Presseecho,George Turner: A Case for Insomnia, in: American Cinematographer, März 1997, American Society of Cinematographers, Hollywood 1997. heute als einer der wichtigsten Vertreter seines Genres der 1950er Jahre. Der Film handelt von einer außerirdischen Invasion, bei der die Bewohner einer kalifornischen Stadt durch äußerlich identische, aber gefühllose Doppelgänger ersetzt werden; ein ortsansässiger Arzt versucht die Invasion aufzuhalten.
Handlung Dr. Hill, Psychiater an einer staatlichen Heilanstalt, wird mitten in der Nacht zur Notaufnahme eines Krankenhauses gerufen. Dort wird ein sichtlich aufgewühlter Mann festgehalten, der die Anwesenden vor der Gefahr warnen will, der er gerade entkommen sei. Wenn nicht unverzüglich die Aufsichtsbehörden verständigt würden, wäre es zu spät. Dr. Hill ist bereit, den Patienten anzuhören. Der Mann, ein Arzt namens Miles Bennell, schildert Hill die Ereignisse der vergangenen Tage:
Aufgrund eines Notrufs seiner Arzthelferin Sally bricht der Arzt Miles Bennell seinen Aufenthalt auf einem medizinischen Kongress ab und reist zurück in seine Heimatstadt, das kalifornische Santa Mira. Dort angekommen, berichtet ihm Sally, in den vergangenen zwei Wochen hätten sich die Anrufe von Einwohnern gehäuft, die Bennell dringend hätten sprechen wollen, aber ohne den Grund ihres Anrufs mitzuteilen. Bennells Jugendfreundin Becky Driscoll betritt die Praxis und erzählt, dass ihre Cousine Wilma ihren Onkel Ira nicht wiedererkennt. Wilma insistiert, der jetzige Ira würde ihrem Onkel zwar äußerlich gleichen, aber er wäre nur jemand, der vorgibt, ihr Verwandter zu sein. Der nächste Patient ist der kleine Jimmy Grimaldi. Jimmy will nicht nach Hause zurückkehren, weil die Frau, die ihn dort erwartet, nicht mehr seine Mutter sei.
Bennell und Becky gehen miteinander aus. Unterwegs treffen sie Bennells Arztkollegen Pursey und Dan Kauffman, den Psychiater des Ortes. Auch sie wurden mit Berichten von einander entfremdeten Verwandten konfrontiert. Kauffman hält das Phänomen für eine Massenhysterie. Im Lokal, in dem Bennell und Becky eingekehrt sind, erhält Bennell einen Notruf von seinem Freund Jack Belicec. Bennell fährt zu Belicec, der ihm einen leblosen Körper, den er in seinem Haus gefunden hat, zeigt. Der Körper wirkt wie eine Kopie von Jack, deren Gesicht aber noch nicht vollends ausgebildet ist und deren Finger keine individuellen Abdrücke hinterlassen. Bennell rät Jack und dessen Frau Teddy, den Körper zu beobachten, dann bringt er Becky heim. Obwohl es mitten in der Nacht ist, kommt bei ihrem Eintreffen Beckys Vater aus dem Keller, wo er angeblich etwas zu erledigen hatte.
In der Nacht sieht Teddy, wie Jacks Doppelgänger seine Augen öffnet; auch hat er eine Wunde an der Handfläche, wo Jack sich zuvor geschnitten hatte. Jack und Teddy fahren zu Bennell, der eine schlimme Vorahnung hat und zu Becky eilt. Im Keller findet er einen Körper, der Becky ähnelt. Er bringt Becky aus dem Haus, holt Jack und Teddy unterwegs ab und fährt mit ihnen zu Jacks Wohnung. Jacks Doppelgänger ist jedoch verschwunden. Der hinzugerufene Psychiater Kauffman versucht, das Geschehen rational zu erklären. Weil im Haus der Driscolls auch Beckys Duplikat verschwunden ist, glaubt Kauffman an eine Halluzination Bennells. Von der Polizei erfahren sie, dass die Leiche eines Verbrechers mit weggeätzten Fingerkuppen auf einem Feld gefunden wurde. Bennell und Jack geben fürs Erste auf.
Am nächsten Tag spricht Wilma Bennell an und erklärt, ihr Misstrauen in Bezug auf ihren Onkel sei verschwunden, sie bräuchte keine ärztliche Hilfe mehr. In seiner Praxis erwarten ihn Jimmy Grimaldi und seine Mutter, die sich wieder ausgezeichnet verstehen. Bennell wird misstrauisch und spekuliert, ob man ihm etwas vormacht. Abends entdecken er, Becky, Jack und Teddy in Jacks Garten riesige Schoten, die menschliche Körper enthalten, die den vier ähneln. Bennell schließt daraus, dass auf diese Weise Personen durch Doppelgänger ersetzt werden; dies geschehe offenbar nachts, wenn die betroffene Person schläft. Weil es nicht möglich ist, nach auswärts zu telefonieren, fahren Jack und Teddy los, um Hilfe zu holen. Bennell zerstört die Duplikate und fährt mit Becky zur Wohnung seiner Assistentin Sally in der Hoffnung, diese sei noch nicht ausgetauscht worden. Stattdessen stößt er auf eine Versammlung der Doppelgänger, unter ihnen Beckys Vater. Bennell und Becky erkennen, dass sie niemandem mehr trauen können, und verstecken sich in Bennells Praxis.
Am nächsten Morgen beobachten sie aus dem Fenster, wie unzählige Schoten verladen und in die umliegenden Städte gebracht werden. Jack und Kauffman betreten die Praxis. Beide sind ebenfalls ersetzt worden und erklären, was geschehen ist: Die Schoten kamen als Samen aus dem Weltall und kopieren nun menschliche Körper. Die Duplikate sind gefühllos, empfinden weder Liebe noch Hass, weder Freude noch Schmerz, und ihr Denken ist konformisiert. Auch Bennell und Becky sollen ausgetauscht werden, aber ihnen gelingt die Flucht. Erschöpft verstecken sie sich in einem alten Bergwerksschacht. Bennell lässt Becky kurz allein und beobachtet eine nahegelegene Plantage, in der neue Schoten herangezüchtet werden. Als er zurückkehrt, ist auch Becky ausgetauscht worden und ruft die Verfolger herbei. Bennell rennt zum nächsten Highway und versucht vergeblich, die Richtung Los Angeles rollenden Autos anzuhalten und die Fahrer vor der Gefahr zu warnen. Er springt auf einen Laster auf und sieht entsetzt, dass dieser voller Schoten ist. Sein Warnruf „you’re next, you’re next“ („ihr seid die Nächsten“) verhallt ungehört.
Bennell beendet seinen Bericht. Dr. Hill berät sich mit dem Stationsarzt, der die Geschichte für erfunden hält. In diesem Moment wird ein Patient eingeliefert, der in einen Autounfall verwickelt war und unter riesigen Schoten gefunden wurde. Die Ärzte begreifen, was geschehen ist, und informieren die Bundespolizei.
Der Körperaustausch Im Weltall herumtreibende Samen fallen auf die Erde, wachsen zu Pflanzen heran und bilden große, etwa ein Meter lange Schoten. Diese öffnen sich und ein noch undefinierter, roher Körper fällt heraus, der innerhalb von einigen Stunden das Aussehen und sämtliche Eigenschaften eines sich in der unmittelbaren Nähe befindlichen Menschen annimmt. Sobald der Körper ausgereift ist, und die Vorbildperson auch nur kurz einschläft, kommt es zum Austausch. Wie dieser genau vor sich geht und was mit dem überflüssigen Körper geschieht, wird nicht näher beschrieben. Die ausgetauschte Person hat alle Eigenschaften ihres Vorbildes, empfindet allerdings keine Gefühle mehr, ist in den außerirdischen Plan eingeweiht und verfolgt nun das Ziel, den weiteren Körperaustausch zu unterstützen. Ausgetauschte ziehen weitere Schoten heran und legen diese in der Nähe von noch unveränderten Menschen ab.
Entstehung Literarische Vorlage Der Film basiert auf dem Roman Die Körperfresser kommen (The Body Snatchers) von Jack Finney, der zuerst 1954 als Fortsetzungsroman im Collier’s Magazine veröffentlicht wurde. Die Dämonischen war die erste Verfilmung des Stoffes. Die bedeutendste Änderung gegenüber der Vorlage betrifft den Schluss: Daniel Mainwarings ursprüngliches Drehbuch deutet den Siegeszug der Invasoren an. Im Roman hingegen setzen die Menschen den Außerirdischen trotz scheinbar aussichtsloser Lage derart starken Widerstand entgegen, dass diese ihr Vorhaben, die Erde zu erobern, aufgeben und den Planeten verlassen. Zudem beträgt in der Vorlage die Lebensdauer der ausgetauschten Menschen oder „Pods“ (engl. Pod = Hülse) nur fünf Jahre, danach müssten die Außerirdischen einen neuen Planeten mit neuen Wirtskörpern suchen – eine entvölkerte Erde hinterlassend. Der Film erwähnt keine begrenzte Lebensdauer.
Produktionsvorbereitung und Dreharbeiten Walter Wanger, Produzent bei dem Filmstudio Allied Artists, schlug Finneys Roman als Filmstoff vor, woraufhin Allied Artists die Rechte erwarb. Wanger verpflichtete den Regisseur Don Siegel, mit dem er zuvor den erfolgreichen Gefängnisfilm Terror in Block 11 gedreht hatte. Siegel wiederum empfahl Wanger Daniel Mainwaring als Drehbuchautor, mit dem er unter anderem bei Die rote Schlinge zusammengearbeitet hatte, nachdem Terror-in-Block-11-Autor Richard J. Collins aus Termingründen Wangers neuem Projekt absagen musste.
Die Produktionskosten, ursprünglich mit 420.000 US-Dollar ($) veranschlagt, dann auf Wirken von Allied Artists auf 350.000 $ reduziert, lagen schließlich bei knapp 385.000 $. Gemessen an den durchschnittlichen Kosten einer US-Filmproduktion, die sich 1950 bei ca. 1 Million $ bewegtenJoel W. Finler, The Hollywood Story, 3. Auflage, Wallflower, London/New York, 2003., rangierte Die Dämonischen damit in der Kategorie des B-Movies. Allied Artists, aus dem Studio Monogram Pictures hervorgegangen, war in der Filmindustrie auf Billigproduktionen spezialisiert.
Die Dämonischen sollte auf Wunsch von Walter Wanger „on location“ (= am Originalschauplatz) im kalifornischen Mill Valley gedreht werden, dem Schauplatz der Romanvorlage. Dieses Vorhaben wurde aus Kostengründen nicht realisiert, gedreht wurde schließlich in knapp einem halben Dutzend Städten, die als das fiktive Santa Mira fungieren, sowie in Los Angeles und auf dem Studiogelände von Allied Artists.Al LaValley, Invasion of the Body Snatchers, Rutgers University Press, 1989. Ökonomische Faktoren hatten bereits bei der Besetzung den Ausschlag gegeben: Statt der von Wanger angedachten Darsteller Gig Young, Dick Powell oder Joseph Cotten in der Rolle des Miles Bennell und Anne Bancroft, Donna Reed, Kim Hunter oder Vera Miles als Becky Driscoll wurden schließlich die damals relativ unbekannten Darsteller Kevin McCarthy und Dana Wynter verpflichtet. Der Film entstand im März und April 1955, mit zusätzlichen Drehtagen im September desselben Jahres. Der Arbeitstitel lautete, analog zur Romanvorlage, zunächst The Body Snatchers, später They Came from Another World und schließlich Invasion of the Body Snatchers.
Sam Peckinpah hat eine kleine Nebenrolle. Seine in späteren Jahren wiederholt geäußerte Behauptung, ungenannt am Drehbuch mitgewirkt zu haben, zog er erst nach einer angedrohten Klage durch Drehbuchautor Daniel Mainwaring bei der Writers Guild of America zurück.Invasion of the Body Snatchers auf IMDB.com.
Bildformat Regisseur Siegel drehte Die Dämonischen im amerikanischen Breitwand-Format (1,85:1), bei dem der Film im Normalformat (1,33:1) aufgenommen und später kaschiert projiziert wird. Allied Artists entschied sich jedoch in der Postproduktionsphase für den Vertrieb des Films im Superscope-Format, ein anamorphotisches Format, dessen Seitenverhältnis (2,0:1) den Verlust von Bildinformation am oberen und unteren Bildrand zur Folge hatte. Wanger protestierte gegen diesen Eingriff und führte unter anderem die aus dem veränderten Format resultierende Grobkörnigkeit und die Verfälschung der ursprünglichen Bildkomposition an, konnte sich aber nicht durchsetzen. – In der Bundesrepublik Deutschland wurde Die Dämonischen zwar auf Aushangplakaten im Superscope-Format angekündigt, es kursierten aber auch Filmkopien im nicht-anamorphotischen Normalformat.Normalformat-Kopien wurden in Deutschland z. B. von dem auf Filmklassiker spezialisierten Filmverleiher „Die Lupe“ vertrieben. Der Bildausschnitt dieser Kopien entsprach jedoch nicht dem ursprünglichen, vollständigen Aufnahmeformat, sondern einem an den Seiten beschnittenen Superscope-Breitbild, mit zusätzlichem Bildinformationsverlust als Folge.
Nachträglich hinzugefügte Szenen