mini|Firmenlogo (1985–2000) mini|Auslandsanleihe der Preussischen Elektrizitäts-AG vom 1. Februar 1929 Die Geschichte der PreussenElektra beginnt im Jahr 1927, als der Freistaat Preußen das Energieversorgungsunternehmen Preußische Elektrizitäts-AG gründete.

Vorgeschichte In der Anfangszeit der Energieversorgungsnetze sah der preußische Staat diese als eher privatwirtschaftliches Projekt an und plante zunächst keine staatliche Intervention oder Beteiligung. Im westlichen Teil dominierte ab den 1910er Jahren zum einen das Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk (RWE), das unter der Leitung von Hugo Stinnes stark expandierte, zum anderen die Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) als regionales Energieversorgungsunternehmen, das sich auf kommunale Träger stütze. Beinahe das gesamte Mittel- und Ostdeutschland, zu dem auch der größte Teil Preußens gehörte, lag im Einflussbereich der im Zuge des Ersten Weltkriegs verstaatlichten Elektrowerke AG (EWAG), die sich im Beitz des Deutschen Reichs befand.

Im Gebiet von Schleswig-Holstein über die Provinz Hannover, Ostwestfalen und Hessen existierte lange keine derartige Großversorgung. Grund war, dass diese Regionen fast durchweg ländlich geprägt waren und weder Erzeugungs- noch Verbrauchsschwerpunkte existierten, die einen privatwirtschaftlichen Einstieg in die Energieversorgung attraktiv erscheinen ließen. Keimzellen für den sich entwickelnden Verbundbetrieb, aus dem sich später eine Großversorgung entwickelte, waren die mittlere Weser, Nordhessen und der Main zwischen Aschaffenburg und Offenbach. Verwaltet wurde die Stromproduktion ab 1920 durch staatliche Elektrizitätsämter, die sich in Kassel, Hanau und Hannover (letzteres aufgeteilt in Amt I und Amt II) befanden.Preussische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft: Entwicklung und Ziele. Entwicklung und Ziele. Frisch Berlin 1931, S. 7f

Weserregulierung und Wasserkraft mini|Das Kraftwerk an der Staustufe Dörverden erzeugte als erstes staatlich preußisches Bauprojekt auch elektrischen Strom Das am 1. April 1905 verabschiedete Gesetz „betreffend die Herstellung und den Aufbau von Wasserstraßen“ war der erste Schritt zu einer einheitlichen Elektrizitätswirtschaft unter staatlich preußischer Aufsicht. Nach der hierin projektierten Wasserstraße auch „Mittellandkanal-Gesetz“ genannt, regelte es den Bau der Schifffahrtsstraße zwischen Dortmund-Ems-Kanal und Weser.Hans-Joachim Patte: Das Braunkohlekraftwerk Borken. Verlag der Stadt Borken, 2000, ISBN 3-932739-09-4, S. 16 Zur Regulierung des Wasserhaushalts sollten im oberen Weser-Quellgebiet Talsperren angelegt werden, die zur Speisung des Kanals in Verbindung mit einem Pumpwerk in Minden und einer Staustufe in Dörverden einen konstanten Wasserstand in der Weser halten sollten.Preussische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft: Denkschrift anläßlich ihres 25 jährigen Bestehens 1927–1952. Hannover 1952, S. 24f Das Staatliche Maschinenbauamt Hannover begann mit der Errichtung der Bauwerke. Zur Stauung der Eder und Diemel in Nordhessen expandierte es mit der Abteilung Kassel nach Hessen.

Eder- und Diemeltalsperre sowie die Staustufe Dörverden verfügten über angegliederte Wasserkraftwerke, die überschüssigen elektrischen Strom an das umliegende Gebiet liefern sollten. Hierfür schloss das Maschinenbauamt Hannover mit den Kreisen Verden, Hoya, Neustadt, Fallingbostel und der Stadt Nienburg Stromlieferungsverträge ab.Hans-Joachim Patte: Das Braunkohlekraftwerk Borken. Verlag der Stadt Borken, 2000, ISBN 3-932739-09-4, S. 17 In den Jahren 1913 und 1914 baute es von Dörverden ausgehend ein erstes Leitungsnetz auf.Hans-Joachim Patte: Das Braunkohlekraftwerk Borken. Verlag der Stadt Borken, 2000, ISBN 3-932739-09-4, S. 15 Die einkreisigen, mit 45 kV Spannung betriebenen Drehstromleitungen führten vom Kraftwerk der Staustufe Dörverden nach Sebaldsbrück, über Nienburg nach Minden und über Ahlden nach Meyenfeld. Über die Leitung nach Minden konnte nun der in der Staustufe erzeugte Strom zum Betrieb des Pumpwerks genutzt werden.Preussische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft: Denkschrift anläßlich ihres 25 jährigen Bestehens 1927–1952. Hannover 1952, S. 85

Auch im Kasseler Raum war eine ähnliche Entwicklung im Gange, als die Kreise Kassel, Fritzlar, Hofgeismar, Münden, Melsungen, Göttingen, Uslar, Homberg und Warburg gemeinsam den „Zweckverband Überlandwerk Edertalsperre“ (ÜWED) gründeten. Dieser errichtete ein Ringnetz aus einkreisigen 60-kV-Leitungen. Bis 1920 erstreckte es sich vom Kraftwerk Hemfurth am Edersee über Helminghausen (Diemelsee), Borgholz, Hardegsen, Grone, Hann. Münden, Sandershausen und Felsberg zurück nach Hemfurth. Eine Direktverbindung existierte zwischen Borgholz und Sandershausen.Preussische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft: Denkschrift anläßlich ihres 25 jährigen Bestehens 1927–1952. Hannover 1952, S. 89 Das Speicherkraftwerk Helminghausen an der Diemeltalsperre ging aufgrund des Ersten Weltkriegs erst 1925 in Betrieb.

Kanalisierung des Mains mini|Eine der ersten Staustufen am Main in Großkrotzenburg Um die Jahrhundertwende führten die Länder Bayern, Hessen und Preußen den Ausbau des Mains zur Schifffahrtsstraße durch. Zunächst nur von der Mündung in den Rhein bei Mainz bis Offenbach, folgte von 1913 bis 1920 der Ausbau des Flusses für die Kettenschifffahrt bis Aschaffenburg. Hierzu entstanden ab 1916 die Mainstaustufen Mainkur, Kesselstadt und Großkrotzenburg. Alle drei Staustufen verfügten über Laufwasserkraftwerke, die ab 1920 elektrischen Strom produzierten. Eingespeist wurde auf der 20-kV-Ebene, wobei die wegführenden einkreisigen Leitungen an der Staustufe Kesselstadt für die Einspeisung ins umliegende Gebiet zusammengeführt wurden.

Relativ schnell wurde erkannt, dass die Stromproduktion der drei Laufwasserkraftwerke stark jahreszeitenabhängig war, je nachdem, ob der Main viel oder wenig Wasser führte. Die Staustufen alleine wären zur Deckung des Energiebedarfs in der Region zu unzuverlässig gewesen, weshalb man sich dafür entschied, diese im Verbund mit weiteren Kraftwerken zu betreiben. Über eine einkreisige 60-kV-Leitung wurde eine Verbindung mit dem Netz um Kassel hergestellt, außerdem entstanden entlang der Strecke weitere Umspannwerke in Hersfeld, Petersberg, Elm und Wächtersbach nach Dörnigheim. In letztgenanntem Umspannwerk in unmittelbarer Nähe zur Staustufe Kesselstadt wurde über einen 60-/20-kV-Transformator in das 60-kV-Netz des ÜWED eingespeist, der Parallelbetrieb zwischen Mainstaustufen und Edersee wurde erstmals im Februar 1922 verwirklicht.Preussische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft: Denkschrift anläßlich ihres 25 jährigen Bestehens 1927–1952. Hannover 1952, S. 88

Die Verbindung der relativ weit voneinander entfernten Standorte markierte den Beginn des Verbundnetzes im Main-Weser-Gebiet. Zwar erstreckte sich das Leitungsnetz vom Edersee aus bereits über drei preußischen Provinzen (Hessen-Nassau, Hannover, Westfalen), es handelte sich jedoch noch um ein regionales Netz, das aus wenigen Standorten gespeist wurde.

Einstieg in die Kohlekraft Erstmals wurde 1912 in einer Denkschrift ein Verbundbetrieb zwischen den damals neu entstehenden Wasserkraftwerken im Wesergebiet erläutert, dabei sollten diese über ein zusammenhängendes Leitungsnetz mit als „Dampfreserve“ bezeichneten Wärmekraftwerken gekoppelt arbeiten. Tatsächlich war der Ausbau von Dampfkraftwerken trotz vorhandener Kohlevorkommen im betroffenen Gebiet nicht erfolgt. Zwar standen die Mainstaustufen über die Staustufe Großkrotzenburg per 20-kV-Leitung in Verbindung, die zusätzlichen Strommengen reichten aber bei weitem nicht aus, um auch Nordhessen versorgen zu können.Dr.-Ing. Georg Boll: Entstehung und Entwicklung des Verbundbetriebs in der deutschen Elektrizitätswirtschaft bis zum europäischen Verbund. Verlags- und Wirtschaftsgesellschaft der Elektrizitätswerke m.b.H. Frankfurt/Main 1969, S. 39 Hier konnte bei Bedarf auf die Kraftwerke der Städte Kassel und Göttingen zurückgegriffen werden, da diese primär zur städtischen Versorgung gedacht waren, reichten die abgegebenen überschüssigen Energiemengen auch nicht aus.Preussische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft: Denkschrift anläßlich ihres 25 jährigen Bestehens 1927–1952. Hannover 1952, S. 91

Am Beheben dieses Missstands war maßgeblich das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten unter Minister Paul von Breitenbach beteiligt. Er erkannte, dass eine funktionierende Energiewirtschaft nur durch den Aufbau eines einheitlichen Versorgungsnetzes im Verbund der unterschiedlichen Energiequellen – in diesem Fall Wasserkraft und Steinkohle – möglich sei. Im Zuge des Programms für preußische Elektrizitätswirtschaft wurde im Mai 1918 per Gesetz der preußische Staat zum Bau eines Steinkohlekraftwerks bei Hannover ermächtigt, dem letztlich ein Versorgungsgebiet „von Bremen bis an den Main“ untergeordnet sein sollte.

Im Frühjahr 1922 beschloss die preußische Regierung den Bau von zwei Kraftwerken – einem Steinkohlekraftwerk in Ahlem bei Hannover und ein Braunkohlekraftwerk in Borken. Während um Borken schon um die Jahrhundertwende Braunkohle abgebaut wurde, war die Wahl für Steinkohle für das Kraftwerk bei Hannover auffällig. Verhandlungen zur Nutzung der relativ nahe gelegenen Braunkohlevorkommen der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke erzielten kein Ergebnis, weshalb man sich für die Befeuerung mit Steinkohle aus dem Ruhrgebiet entschied.

Für den Bau des Kraftwerks Borken übernahm der preußische Staat schon 1921 die Mehrheit an der Gewerkschaft Arnsbach, die in Borken und Umgebung Braunkohle förderte. Die staatliche Beteiligung führte zur Umbenennung in Gewerkschaft Großkraftwerk Main-Weser AG. Mit der Errichtung wurde im Sommer 1922 begonnen, im März 1923 ging das Werk in einer ersten Ausbaustufe mit 32 MW elektrischer Leistung in Betrieb. Ausführend beim Bau war die AEG, die nach Plänen von Georg Klingenberg arbeitete. Zur Verteilung der dort erzeugten elektrischen Energie wurde erstmals eine Doppelleitung auf der 60-kV-Ebene errichtet, die nach Felsberg führte.

Im Herbst 1922 begann schließlich auch der Bau des Steinkohlekraftwerks mit 37,5 MW Leistung nach Entwurf Klingenbergs in Ahlem. Frühere Pläne sahen sogar 116 MW Nennleistung vor. Noch während der Bauzeit bündelte die preußische Regierung den Betrieb des Werkes mit den Wasserkraftanlagen in Dörverden (ehem. Elektrizitätsämter Hannover I und II) zur Großkraftwerk Hannover AG zusammen. Lieferschwierigkeiten verzögerten die Inbetriebnahme des Werks auf Januar 1924. Neben dem Ruhrgebiet ergab sich eine weitere Bezugsquelle des benötigten Rohstoffs: Der preußische Staat betrieb am nahegelegenen Deister Steinkohlebergwerke. Diese wurden, wie alle Beteiligungen am Bergbau, zum 9. Oktober 1923 in der Preußische Bergwerks- und Hütten-AG (Preussag) zusammengefasst. Um die Anlieferung der Kohlemengen zu erleichtern, wurde das Werk am Stichkanal Hannover-Linden errichtet.

Ein drittes staatliches Energieversorgungsunternehmen wurde 1923 gegründet, um den Betrieb der Kraftwerke und Leitungen in der Provinz Hessen-Nassau (ehem. Elektrizitätsämter Kassel und Hanau) zu bündeln. Die Preußische Kraftwerke Oberweser AG übernahm, wie es der Name bereits vermuten lässt, den Betrieb der Kraftwerke am Edersee und Diemelsee sowie das 1924 fertiggestellte Laufwasserkraftwerk „Am letzten Heller“ an der Werra bei Hann. Münden. Auch die Kraftwerke an den drei Mainstaustufen wurden dieser Gesellschaft zugeschlagen.

Zusammenschluss des Leitungsnetzes