mini|hochkant=1.3|Ehemaliges Wohngebiet der Penobscot

Die Penobscot (Penobscot Indian Nation) sind früher Algonkin, heute Englisch sprechende Indianer, die in vorkolonialer Zeit an beiden Seiten der Penobscot Bay und im Tal des Penobscot Rivers sowie seinen Nebenflüssen im heutigen Bundesstaat Maine im Nordosten der USA lebten. Sie waren Mitglieder der Abenaki-Konföderation und gehören sprachlich und kulturell zu den östlichen Abenaki, deren größter Stamm sie waren. Ein 53,4 km² großes Reservat wurde auf Indian Island im Penobscot River eingerichtet.

Name Den Penobscot sind Europäern wohl erstmals in der Nähe des heutigen Orland in Maine begegnet. Die französische Form Pentagoet wurde ab 1604 allgemein auf den Fluss angewendet und im Besonderen auf die Gegend des heutigen Castine. Später brauchten Franzosen und Engländer den Begriff Penobscot auch für den Fluss und praktisch für jedes daran liegende Dorf. Der Penobscot River wurde von einigen frühen englischen Forschern Pemaquid genannt, doch der Name änderte sich schon bald in Pemaquid Point, zur Verwirrung von späteren Historikern. Penobscot stammt vom Abenaki-Wort Panawahpskek, das Wo sich die Felsen öffnen bedeutet.

Geschichte Urgeschichte mini|Wigwam, errichtet im Acadia-Nationalpark Die ältesten Spuren menschlicher, genauer paläo-indianischer Anwesenheit, reichen bis etwa 10500 v. Chr. zurück.Dies und das Folgende nach: Ronda Roberts: Maine, Kap. 19 in: Daniel S. Murphree: Native America. A State-by-State Historical Encyclopedia, Santa Barbara 2012, S. 467–482. Die frühen Jäger bezogen ihr Ausgangsmaterial für ihre Steinklingen vom Munsungan Lake, jagten vermutlich Karibus und lebten in Zelten, wie Funde am Magalloway River belegen. Um 8000 v. Chr. tauchten andere Klingen auf, die wahrscheinlich für die Jagd auf Bisons geeigneter waren. Die Gruppen waren größer, lebten stärker vom Fischfang und lebten in einem begrenzten Gebiet, statt wie bis dahin gebräuchlich den großen Karibuherden zu folgen.

Die archaische Periode wird in drei Phasen gegliedert, die von 8000 bis 6000, dann bis 4000, schließlich bis 1500 v. Chr. reichen. Zwischen 6500 und 3000 v. Chr. sank der Wasserspiegel der Seen, so dass mit dem Wiederanstieg die meisten Spuren der Fischergruppen vernichtet wurden. Aus Feuerstein und Rhyolith wurden Werkzeuge hergestellt, aus Quarz entstanden Kratzer und Projektilspitzen. Wahrscheinlich kamen die ersten archaischen Indianer aus Süd- und Nord-Carolina, wo sich ähnliche Werkzeuge fanden. Sie jagten weder Karibus noch Bisons, sondern Bären, Hirsche und Rehe, Bisam, Vögel und Schildkröten. Offenbar befuhren sie die Flüsse und Seen. Die Toten wurden verbrannt, in der nachfolgenden Periode fügte man jedoch den Toten Ocker hinzu.

In dieser mittleren archaischen Periode erschienen als neue Werkzeuge, wiederum aus dem Süden, ausgekehlte Beile und Speerschleudern. Außerdem wurden Klingen und Messer aus Schiefer gefertigt. Auch diese Menschen lebten in Uferzonen und man nimmt an, dass kleine Gruppen von 20 bis 25 Angehörigen vorherrschten. Am Sebasticook Lake bei Newport fand sich das älteste Fischwehr; wahrscheinlich war Aal die bevorzugte Beute.

Die späte archaische Periode wird in Maine noch einmal in zwei Abschnitte aufgeteilt, nämlich in die Vergennes-Phase und in die small stemmed point tradition, die Kultur der kleinen gestielten Klingen. Der Otter Creek Point kennzeichnet die erste Phase, die bis etwa 3000 v. Chr. reicht; in dieser Phase könnten kleine Jägergruppen eingewandert sein. In der späteren Phase dominierten Fischer an der Atlantikküste, die Kabeljau, Schwertfisch und Muscheln fingen, aber auch Hirsche. Aus dieser Phase ging die Moorhead-Phase hervor, die durch Grabbeigaben, roten Ocker und möglicherweise eine übergreifende Kultur bis nach Neuschottland gekennzeichnet ist.

Die archaische Periode wurde durch die Waldlandperiode abgelöst. Keramik, Wigwams und Birkenholzkanus waren kennzeichnend. Um 800 dürften bereits die späteren vier Stammesgruppen der Mi’kmaq, Passamaquoddy, Maliseet und Penobscot bestanden haben.

Voreuropäische Lebensweise, Pocken Die Penobscot bestritten ihren Lebensunterhalt durch Jagen, Fischen und Sammeln, indem sie saisonal den Nahrungsmittelquellen folgten. Zu diesen zählten Elche, Biber, Bären, Otter und Fische. Den Winter, eine Zeit, in der das Überleben in dem kalten Gebiet schwierig war, verbrachten kleine Familiengruppen in Jagdlagern innerhalb gesonderter Familien-Jagdgebiete, deren Rechte in der männlichen Linie (patrilinear) vererbt wurden. Den Sommer hindurch bewohnte man größere Lager und Dörfer. Das Amt des Stammeshäuptlings oder Sagamore beinhaltete wenig Macht, der Inhaber fungierte allgemein als Vertreter des Stamms bei Zeremonien oder bei Geschäften mit Außenstehenden, manchmal auch als Schlichter bei Streitigkeiten.

Bedeutendster Häuptling der voreuropäischen Phase war Bessabes, den die Briten Bashabes nannten. Zu seinem Gebiet zählten mehr als zwanzig Dörfer. 1606 bis 1616 kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Stämmen, in deren Verlauf Bessabes ums Leben kam. Zudem dezimierte eine Epidemie, vermutlich Pocken, die Penobscot.

Erste Kontakte mit Europäern, Jesuitenmission, Irokesenkriege Zu ersten Kontakten mit Europäern kam es im frühen 17. Jahrhundert; sie schleppten vermutlich die Pocken ein. Der Handel mit Pelzen brachte die drei anderen Stammesgruppen gegen die Penobscot auf, die im Handel mit Engländern und Holländern Vorteile erlangten. Ab den 1630er Jahren herrschte fast ununterbrochen Krieg mit den Mohawk, die zu den Irokesen zählen. Auslöser war der Fell- und Pelzhandel mit den Europäern. Erst 1678 konnte dieser Dauerkrieg beendet werden. Die Zahl der Penobscot wird zu dieser Zeit auf vielleicht 10.000 geschätzt. Unter ihrem Sachem Madockawando unterhielten sie freundliche Kontakte zu den Engländern. In den König-Philips-Krieg, einem Versuch der Indianer des Nordostens, die Engländer zu vertreiben, wurden auch die Penobscot hineingezogen. Unter Führung Metacomets, den die Engländer King Philip nannten, starben 3000 Indianer ebenso wie 600 weiße Siedler. Am 12. April 1678 kam es zu einem Vertrag mit den Indianern in Maine, doch bald flammten die Kämpfe wieder auf. Mit dem King William’s War, dem nordamerikanischen Zweig des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688 bis 1697) gerieten die Indianerstämme Maines erstmals zwischen die Fronten der englisch-französischen Kriege.

1688 wurde eine französische Mission in Sillery bei Québec errichtet. Der französische Händler Baron de Castine siedelte bei den Penobscot und heiratete die Tochter des Sachems Madockawando. Nach dessen Tod übernahm Castine die Häuptlingswürde, bis sein Sohn, Castine der Jüngere, alt genug zur Übernahme des Amts war. Ein permanenter Handelsposten und eine Jesuiten-Mission bei dem heutigen Ort Castine in Maine wurde errichtet. Castine und sein Sohn waren unversöhnliche Feinde der Briten und unter ihrer Führung wuchs die Feindschaft der Penobscot gegenüber den Engländern besonders deshalb, weil diese die Handelsbeziehungen abgebrochen hatten. 1703 griffen Franzosen und 500 Indianer Siedlungen um Portland an. Bis zum Kriegsende im Jahr 1713 kam es zu weiteren Kämpfen, in deren Folge viele Abenaki und Wabanaki nach Norden auswichen, da Maine an Großbritannien kam. Im frühen 18. Jahrhundert wohnten die Penobscot in relativ großen Dörfern, die aus Häusern mit Rindendächern und Blockhüttenwänden bestanden.

Verbündete Neufrankreichs, Frieden mit Briten (1749) Die Penobscot unterstützten die Franzosen gegen die Engländer bei allen Kriegen an der Neuengland-Front bis 1749, das Jahr, in dem sie dauerhaft Frieden mit den Engländern schlossen. Als Resultat brauchten sie nicht mit den anderen Gruppen der Abenaki-Konföderation nach Kanada zu flüchten, sondern sie blieben bis heute in ihrem alten Wohngebiet.

Siebenjähriger Krieg, Verlust des Territoriums (1755–1764) Als der Siebenjährige Krieg in Nordamerika (1755–1759) ausbrach, der dort auch „Franzosen- und Indianerkrieg“ genannt wird, blieben die Penobscot neutral und drängten die anderen Stämme, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Aber die übrigen östlichen Abenaki befanden sich zum größten Teil in Québec und hatten wenig zu verlieren. Sie verbündeten sich mit den Indianern der Küstenregion und griffen die Engländer an. Schließlich zwangen die Engländer auch den Penobscot den Krieg auf. Enorme Prämien auf Skalps wurden wie bereits in den vorangegangenen Kriegen ausgesetzt: 50 Pfund für einen gefangenen Penobscot-Krieger, 40 Pfund für einen männlichen Skalp, 25 Pfund für eine gefangene Frau oder ein Kind und 20 Pfund für den Skalp einer Frau oder eines Kindes. Der Krieg endete 1759 mit dem Ende der französischen Herrschaft in Nordamerika und für die Penobscot mit dem Verlust der meisten territorialen Rechte außerhalb ihres Flusssystems an die Briten. 1764 forderten die Briten den Besitz des unteren Penobscotgebiets. Die Penobscot konnten nicht mehr zwischen den zwei konkurrierenden Mächten die Balance halten und der Friedensvertrag von 1762 war im Grunde eine Kapitulation.

Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg 1775 brach der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775–1782) aus. Um der britischen Vorherrschaft entgegenzuwirken, verstärkten die Penobscot ihre Bindungen mit den Maliseet-Passamaquoddy, Mi’kmaq, Odawa, Huronen und anderen früheren französischen Verbündeten in der Abenaki-Konföderation. Das Zentrum dieses Bündnisses wurde das Große Feuer in Caughnawaga in Québec, dem heutigen Reservat Kahnawake. Bei Ausbruch des Kriegs hielten die Penobscot zu den rebellierenden Kolonisten, einerseits weil es politisch vorteilhaft war und andererseits, weil die Kolonisten auch die Unterstützung der Franzosen hatten. Massachusetts, damals gehörte Maine dazu, schien die territorialen Rechte der Penobscot nördlich von Bangor anzuerkennen, aber später gab es darüber eine Auseinandersetzung. Die Penobscot waren in örtliche Gefechte und in einige weiter entfernte Feldzüge verwickelt wie Benedict Arnolds Angriff auf Québec. Sie waren am Ende des Kriegs in einer hervorragenden Position, aber Massachusetts nutzte ein Missverständnis bei den Sicherheitsbürgschaften von 1775 als Anlass, sich den größten Teil des mittleren Penobscot Rivers anzueignen. Häuptling Joseph Orono bot dem Parlament von Massachusetts, in dem ihr Land zu dieser Zeit noch lag, Unterstützung gegen die Briten an, wenn sie ihr Land von illegalen Siedlern und vor allem Holzfällern verschonten. Tatsächlich reservierte das Parlament 1786 aber nur 200.000 Acre Land für den Stamm; Orono akzeptierte, in der Hoffnung auf Sicherheit. Die nördliche Grenze dieses mittleren Abschnitts wurde 1786 festgelegt und 1796 gesetzlich verankert, dennoch verloren die Penobscot immer mehr Land. Innerhalb dieses Gebiets behielten sie nur die Inseln im Fluss nördlich ihres Hauptdorfs Old Town. Außerdem behielten sie zwei Inseln vor der Küste.

Indianergesetzgebung der USA, Baptistengemeinde, Verschwinden der Sprache Bis 1803 brach die Bevölkerungszahl von 10.000 im 17. Jahrhundert auf nur noch 347 ein. 1820 übernahm Maine, das in diesem Jahr ein neuer US-Bundesstaat wurde, die Rechte und Pflichten von Massachusetts. Entgegen dem Federal Trade and Non-Intercourse Act von 1790 eignete sich der Bundesstaat das Land der Penobscot an.