Ein gerader Rauch (englischer Originaltitel: Tree of smoke) ist ein Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Denis Johnson. Er erschien 2007 beim New Yorker Verlag Farrar, Straus and Giroux. Die deutsche Übersetzung von Bettina Abarbanell und Robin Detje publizierte der Rowohlt Verlag im Jahr 2008. Kurzbeschreibung Ein US-Colonel entzieht sich der Kontrolle seiner Vorgesetzten und baut sich während des Vietnamkriegs in Südvietnam eigenmächtig seine eigene kleine Armee und „seinen eigenen kleinen Geheimdienst“ auf,Denis Johnson: Ein gerader Rauch. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2008. ISBN 978-3-498-03222-7. S. 652. um mit spezieller psychologischer Kriegsführung gegen die Kommunisten vorzugehen. Darüber hinaus dreht der Roman „sich um das Schicksal einer Handvoll von Figuren“, das sich teilweise in Südostasien erfüllt, sie teilweise wieder in den USA zurückführt. Inhalt Titelgebender Haupthandlungsstrang In dem am Fuße eines Berges gelegenen Dorf Cao Phuc, nahe der Tunnel von Củ Chi und „nicht weit von Saigon entfernt“,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 29. taucht im Jahr 1964 ein US-Colonel namens Francis X. Sands zu einer Propagandafilm-Vorführung auf,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 35. die durch einen fehlgeschlagenen Handgranaten-Anschlag eines Vietcong-Kämpfer namens Trung Than gestört wird.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 41. Jener Colonel hat „irgendeinen besoffenen Kommandeur einer Hubschrauber-Angriffsstaffel überredet, auf diesem Berg eine Landezone zu sichern“:Johnson: Ein gerader Rauch, S. 598. einen Hubschrauber-Stützpunkt.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 34. Nach der Besichtigung der „Landezone“ besucht der Colonel seinen britischen Bekannten Anders Pitchfork und seinen Neffen Skip in San Marcos,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 67. eine Auto-Tagesreise von Manila entfernt.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 57. Skip ist seit vier Jahren CIA-Mitarbeiter und frustriert: Für den Colonel pflegt er dessen „private nachrichtendienstliche Bibliothek“: Informationen aus Vietnam und Mindanao,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 87. bestehend aus 19000 Karteikarten in Karteikartenkästen.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 70. Skip mag nicht länger Querverweise zwischen den Karteikarten erstellen, „ausschneiden und kleben“ und fleht seinen Onkel an: „Verschaff mir einen Posten in Vietnam.“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 90. Er würde die „Bibliothek“ dorthin mitnehmen, dort weiter arbeiten.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 92. Der Colonel willigt ein. Vorher allerdings soll Skip einen Geistlichen namens Carignan ausspionieren, der vermeintlich „in den Waffenschmuggel moslemischer Guerillagruppen auf Mindanao involviert war“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 266. und vor Skips Augen durch den BND-Agenten Dietrich Fest getötet wird. Skip ist von der Verwicklung seines Onkels sowie des philippinischen Majors Eduardo Aguinaldo in den Mord überzeugt: „Der Colonel, Eddie Aguinaldo, der Deutsche. Sie waren hierhergereist, und niemand hatte es ihm [=Skip] mitgeteilt.“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 162. Carignan hatte zuvor die sterblichen Überreste eines STA-Missionars an dessen Witwe Kathy übergeben, mit der Skip eine mehrtägige Affäre eingeht.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 147.
Skip verbringt anschließend in den USA ein Jahr unter anderem zum Vietnamesisch-LernenJohnson: Ein gerader Rauch, S. 208. sowie für das abstruse, letztlich abgebrochene Projekt, eine Enzyklopädie vietnamesischer Mythologie zusammenzustellen.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 211. Der hochrangige CIA-Mitarbeiter Charles Showalter teilt Skip mit, der Colonel leite inzwischen eine Arbeitsgruppe Psychologische Kriegsführung (PsyOps) unter dem Dach des militärischen Oberkommandos der US-Streitkräfte in Vietnam. Über die Philippinen reist Skip im Dezember 1966 zusammen mit der privaten nachrichtendienstlichen Bibliothek des Colonels in Vietnam ein.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 209. Noch bevor Skip seinen Onkel wiedersieht, wird Skip durch den ihm bekannten Geheimdienstler Rick Voss mit einem obskuren, unausgereiften und unveröffentlichten Zeitschriften-Artikel konfrontiert, den der Colonel zusammen mit Voss verfasst hat und den Voss eigenmächtig weiterreichte,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 270. „um mich bei ein paar Leuten einzuschleimen, die ihn nicht mochten“.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 649. Durch den Artikel wird Skip mit der Metapher des Geraden Rauchs konfrontiert, denn in dem Artikel heißt es: „Ein gerader Rauch – (Rauchsäule, Feuersäule) ‘Leitlicht‘ einer ernsthaften Zielsetzung für die Aufklärungsfunktion: Das Zusammentragen von Informationen soll wieder zur wesentlichen Aufgabe nachrichtendienstlicher Operationen gemacht werden, anstatt Rechtfertigungen für politische Strategien zu liefern. Tun wir das nämlich nicht, besteht der nächste Schritt für karrierebewusste, machtgeile, zynische, abgestumpfte Bürokraten darin, mittels nachrichtendienstlicher Aufklärung Einfluss auf die Politik zu nehmen. Der letzte Schritt wäre dann, Dinge zu erfinden und sie unseren Regierenden zuzuspielen, um die Richtung der Politik zu bestimmen. AUSSERDEM: ‘Gerader Rauch‘ – denke dabei auch an die Säule des Atompilzes.“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 365. Inzwischen hat der Colonel sich in Cao Phuc, als „die Fünfundzwanzigste Infanterie anmarschiert kam, […] sozusagen einen Zug ausgeliehen und ihn […] unter wechselnden Vorwänden dort“ behalten. Rechte Hand des Colonels ist Jimmy Storm. „Sergeant Storm ist der PsyOps-Verbindungsmann in der CIA-Villa, und ich bin der CIA-Verbindungsmann bei PsyOps. Gemeinsam leiten wir eine ganz kleine, kompakte Unternehmung […]. Wir kartieren Tunnel“, so der Colonel.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 273. Was dem Colonel für die Vietcong-Tunnel, wenn sie einmal kartiert sind, zunächst vorschwebt, sind „geruchlose psychoaktive Substanzen. […] Das Zeug in das Tunnelsystem eindringen lassen. Die Wichser würden dann mit einer Gehirnaktivität aus den Löchern rausgeschwärmt kommen“ und leichte Beute sein.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 272.
Skip wird unter falschem Namen als vermeintlicher Kanadier in einem abgelegenen Landhaus stationiert, um im Auftrag des Ökumenischen Rats Kanadas angeblich „die Bibel zu übersetzen oder so was“.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 276–277. Tatsächlich hat Skip weiterhin wenig zu tun, außer sich dort nach wie vor „in einer Regenbogenblase der Bedeutungslosigkeit“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 334. um die private nachrichtendienstliche Bibliothek des Colonels zu kümmern und sich gelegentlich dessen Ideen zur Operation Gerader Rauch anzuhören: „Angenommen, Hanoi lebte in dem Glauben, ein ungehorsames Element im US-Oberkommando habe beschlossen, im Hafen von Haiphong eine Atombombe zu zünden. […] Würde das Hos Denken nicht ein ganz klein wenig manipulieren? Wenn er dächte, dass ein paar verrückt gewordene Arschlöcher beschlossen hätten, die Sache ohne Befehl von oben zu Ende zu bringen? […] Das ist psychologische Kriegsführung. Es geht darum, das Urteilsvermögen des Gegners zu untergraben.“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 366.
Inzwischen kommandierte der Colonel „kraft seiner Autorität, Mumm und Aufschneiderei“ in Cao Phuc „ein halbes Dutzend Züge, die den Berg rauf- und runterrannten, plus seinen eigenen Hubschrauber.“ Parallel dazu läuft über Hao, einen einheimischen Helfer des Colonels und Schulfreund Trung Thans, die Anwerbung Trungs als Doppelagent des Colonels. Trung liefert einige Informationen über die bevorstehende Tet-Offensive,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 381. die sich als zutreffend erweisen.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 435. Der Colonel ist interessiert daran, dass Trung nach Nordvietnam zurückkehrt. Gleichzeitig hatte der Colonel „während der Tet-Offensive einen ganzen Zug verloren […], und man fing sich an zu fragen, was in Cao Phuc verdammt nochmal eigentlich vor sich geht.“ Zum 1. September 1968 wird die „Landezone“ bei Cao Phuc aufgelöst.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 479. Zwei Monate später sollte der Colonel in die USA zurückgerufen werden, was er aber ignoriert.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 602.
Da Trung sich als zuverlässig erwiesen hat, möchte der Colonel ihn einsetzen „auf Langstrecke, aber an der kurzen Leine. Damit alles in der Familie bleibt“, zu der er nur noch seinen Neffen Skip, Storm, Hao sowie seinen Privatpiloten Minh zählt, Haos Neffen. Und seinen ehemaligen Kriegs-Kameraden Anders Pitchfork, „wenn wir ihn brauchen. Pitchfork ist im Lande.“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 481. Trung soll „für eine einmalige Operation wieder in den Norden, ein bisschen Desinformation abliefern. Das ist die Operation, für die ich dich geholt habe, Skip, Operation Gerader Rauch.“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 482. Skip wird vom Colonel beauftragt, mittels seiner Vietnamesisch-Kenntnisse eine persönliche Beziehung zu Trung aufzubauen, der in Skips Landhaus einquartiert wird: „Du dienst einfach als Schwamm.“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 553–554. Die Legende der für Trung vorgesehenen „Unterlagen“: Sie seien durch den Angriff auf die US-Botschaft während der Tet-Offensive „vom Winde verweht“ worden und beinhalteten das Protokoll einer Sitzung über die Verhinderung eines Komplotts durch US-Staatsangehörige, „die glauben, sie könnten einen Atomsprengkopf abzweigen. Diese schrecklichen Menschen wollen ihn nach Hanoi schmuggeln und dem Unsinn ein Ende machen.“Johnson: Ein gerader Rauch, S. 493. Das Ziel der Operation Gerader Rauch sei „eine Pilzwolke – wenn schon keine echte über dem Schutt von Hanoi, dann doch die Furcht vor ihr im Kopf von Onkel Ho“.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 496. Inzwischen allerdings beginnen die US-amerikanischen Behörden gegen die Eigenmächtigkeiten des Colonels vorzugehen: In einem Schul-Keller in Saigon ist durch Rick Voss und einen Geheimdienstler namens Terry Crodelle eine Verhörzentrale eingerichtet. Hao wird von Crodelle angeworben.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 539. Auch Skip wird durch Voss und Crodelle in die Mangel genommen, allerdings zunächst vergeblich. Am 17. Februar 1969 taucht der Colonel bei Skip im Landhaus auf: Skip wird an dem Unternehmen Gerader Rauch nicht mehr beteiligt, denn der Colonel mutmaßt Verrat durch Skip. Trung ist aus dem Landhaus entfernt,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 610–611. Hao bringt Trung in einem Zimmer über einem Café in einem Mekong-Flussweiler unter,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 628. später in einem Vier-Zimmer-Hotel in Saigon.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 663. Aber Hao informiert auch die Gegner des Colonels über Trungs veränderte Aufenthaltsorte. In den USA hat inzwischen der BND-Agent Dietrich Fest, der in den vorangegangenen neun oder zehn Jahren zehn Killer-Einsätze für andere Geheimdienste übernommen hatte,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 607. durch den CIA-Mitarbeiter Charles Showalter den Auftrag bekommen, Trung in dessen Zimmer umzubringen. Bevor Fest dazu kommt, wird Fest allerdings durch Jimmy Storm getötet, da Hao vor dem Auftauchen eines Killers warnte.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 698. Fests Tod wird später allerdings Trung angelastet,Johnson: Ein gerader Rauch, S. 713. der dafür in einem Gefangenenlager landen und nach Ende des Vietnamkrieges als Held gefeiert werden wird.Johnson: Ein gerader Rauch, S. 777.