Gnadau ist ein Ortsteil der Stadt Barby im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geografie mini|Gnadau, Luftaufnahme (2015) Gnadau liegt am Südostrand der Magdeburger Börde unweit der Elbe und in der Mitte des Städtedreiecks Schönebeck (Elbe)-Barby-Calbe (Saale). Die Umgebung von Gnadau ist weitgehend flach, das Ackerland ist wie im gesamten Bördegebiet sehr ertragreich.

Geschichte Gnadau ist im Gegensatz zu den anderen Orten der Region relativ jung. Die planmäßige Ortsanlage erfolgte 1767andere Angabe 1766: Peter Findeisen, Dehio, Sachsen-Anhalt I, S. 271. auf dem Vorwerk Döben durch die Herrnhuter Brüdergemeine, eine aus dem Pietismus und der tschechischen Reformation entstandene christliche Glaubensbewegung. Im Frühjahr 1789 besuchte Alexander von Humboldt Gnadau und lobte die Herrnhuter Anlage.

Die Häuser und der Gemeinsaal (die „Kirche“) gruppieren sich um einen zentralen kreuzförmig geteilten quadratischen Platz, dessen Anlage wegen der Schutzfunktion des Kreuzes religiös motiviert warAndreas Kalesse: Nowawes – eine friderizianische Kolonie auf einem religiös motivierten Grundriss, in: Mitteilungen der Studiengemeinschaft Sanssouci e. V. 11 (2006) S. 61–70, 62, (). und der den Namen des Gründers der Brüdergemeine trägt: Zinzendorf.

Ein für Religion und Politik bedeutsames Ereignis war die am 29. Juni 1841 in Gnadau durch Leberecht Uhlich erfolgte Gründung der Lichtfreunde-Bewegung, eine dem theologischen Rationalismus verpflichtete Gemeinschaft.

Vom 22. bis zum 24. Mai 1888 fand in Gnadau die Pfingstkonferenz der Gemeinschaftsbewegung statt. Es war eine für die Gemeinschaftsbewegung entscheidende Zusammenkunft, aus der der Gnadauer Verband hervorging, der am 27. Oktober 1897 in Berlin unter dem Namen Deutscher Verband für evangelische Gemeinschaftspflege und Evangelisation förmlich gegründet wurde.

mini|Friedhof von Gnadau Überregional bekannt war der Ort durch die von den Herrnhutern gegründeten Gnadauer Unterrichtsanstalten, aus denen eine Mädchenschule mit Internat hervorging. Hier wurden bis 1944 Schülerinnen aus ganz Deutschland unterrichtet. Nach der Schließung der Schule wurden die Anstaltsgebäude ab 1951 als kirchliches Alten- und Pflegeheim genutzt. Als Träger der Gnadauer Anstalten fungiert die Europäisch-Festländische Provinz, eine Provinz der weltweiten Brüder-Unität.

Am 1. September 2010 wurde Gnadau mit dem Ortsteil Döben nach Barby eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010

Gnadau nennt sich wegen der zahlreichen Grünanlagen „Parkgemeinde Gnadau“.

mini|Gemeinsaal Gnadau

Bauwerke und Denkmäler Hervorzuheben sind der Gemeinsaal Gnadau, die 1780 erbaute Kirche des Orts, mit angrenzendem Friedhof, das Brüderhaus Gnadau, das Schwesternhaus Gnadau und das Neue Anstaltshaus.

Im Ortsteil Döben befindet sich die Dorfkirche Döben, welche heute nicht mehr als Kirche genutzt wird. Bemerkenswert sind dort auch mehrere Gutsgebäude.

Die in Barby befindlichen Kulturdenkmale sind im örtlichen Denkmalverzeichnis aufgeführt.

Politik

Ortschaftsrat Vorsitzender des Ortschaftsrats von Gnadau ist Andreas Gutsche (WG E-S-W) und Stellvertreter ist Volker Brosius (fraktionslos).

Sport Der Reitverein organisiert mit seinem alljährlichen Ringreiten einen der sportlichen Höhepunkte im Jahr. 1973 wurde der örtliche Fußballverein gegründet (heute SG Gnadau 73 e. V.).

Verkehrsanbindung mini|Haltepunkt Gnadau Gnadau ist durch Landstraßen direkt mit Barby, Calbe (Saale) und Schönebeck (Elbe) verbunden.

Der Haltepunkt Gnadau liegt seit 1839 an der Strecke Magdeburg–Halle (Saale). Es bestehen jeweils stündliche Verbindungen in diese beiden größten Städte des Landes. Die Bahnsteige wurden von 2015 bis 2017 erneuert, wodurch seitdem ein barrierefreier Zustieg möglich ist.

Unmittelbar nördlich von Gnadau befindet sich der Flugplatz Schönebeck-Zackmünde. Er wird von Segelfliegern, Fallschirmspringern und Privatfliegern genutzt. Der ICAO-Code für diesen Flugplatz lautet EDOZ.

Religion Der Ort ist namensgebend für den Gnadauer Gemeinschaftsverband.

Persönlichkeiten In Gnadau geboren wurden: Johann Gustav Grunewald (1805–1878), deutsch-amerikanischer Maler Woldemar Friedrich (1846–1910), Maler und Illustrator Walter Gammert (1902–1996), Kaufmann und Fabrikdirektor Herwig Hafa (1910–2000), evangelischer Theologe und Publizist

Auf andere Weise mit Gnadau verbunden sind: Christoph Kersten, Missionar in Suriname, starb 1796 in Gnadau. Lewis David von Schweinitz (1780–1834), arbeitete 1808 bis 1812 als Vorsteher der ledigen Männer der Herrnhuter Brüdergemeine in Gnadau. Adolf Mittag (1833–1920), Unternehmer und Mäzen. Er besuchte vor 1853 die Handelsschule in Gnadau. Woldemar Voullaire war von 1855 bis 1891 Prediger und Organist der Brüdergemeinde Gnadau. Maria Heyde, eine Missionarin in Indien, starb 1917 in Gnadau. Paul König (1867–1933), Kapitän, starb 1933 in Gnadau.

Weblinks

Einzelnachweise

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