300px|mini|Der Große Komet von 1843 (Großer Märzkomet)
Als Großer Komet wird ein Komet bezeichnet, der außerordentlich hell und spektakulär erscheint, insbesondere durch einen schon mit bloßem Auge deutlich sichtbaren Schweif.
Definition
Es gibt offiziell keine anerkannte Definition für „Große Kometen“. Als Faustregel gilt aber, dass es eine Erscheinung ist, die auch einem unbedarften Betrachter des Nachthimmels zufällig auffällt. Dazu muss der Komet eine scheinbare Helligkeit erreichen, die den 22 hellsten Sternen erster Größe gleichkommt (das entspricht einem Wert von 1,5 mag).
Während die meisten Kometen nur mit Hilfe von Teleskopen beobachtet werden können, entwickeln manche eine Helligkeit, die sie auch freiäugig zu auffälligen Erscheinungen werden lassen. Die Gründe dafür sind eine große Annäherung des Kometen an die Sonne oder an die Erde und meist auch ein ungewöhnlich großer oder aktiver Kometenkern. Bei den meisten großen Kometen handelt es sich daher um langperiodische Kometen, oder um Kometen, die überhaupt das erste Mal in das innere Sonnensystem vordringen. Kurzperiodische Kometen, die bei jeder Annäherung an die Sonne Material verlieren, werden auch in Erdnähe selten eine auffällige Erscheinung. Eine Ausnahme bildet lediglich der Halleysche Komet, dessen oftmals spektakuläre Erscheinungen mehrfach als „Großer Komet“ verzeichnet wurden.
Auswahl großer Kometen Die folgende Auswahl und die Angaben zu Helligkeiten und Schweiflängen sowie zur Sichtbarkeitsdauer mit freiem Auge basieren im Wesentlichen auf den Listen von Donald K. Yeomans und (ab dem 19. Jahrhundert) von John E. Bortle mit Ergänzungen aus einzelnen Kometenartikeln.
Der seit 240 v. Chr. regelmäßig alle 74 bis 79 Jahre beobachtbare Komet 1P/Halley ist nicht mit aufgeführt.
Vor der Zeitrechnung Großer Komet von 373 vor Christus Der Komet war im Jahreswechsel −373 zu −372 sichtbar und der griechische Historiker Ephoros berichtet, dass sich der Komet in zwei Stücke geteilt habe. C/-43 K1 (Komet Caesar) (44 v. Chr.) Der Tageslichtkomet war mindestens 72 Tage von Mai bis Juli sichtbar. Während er in China schon im Mai/Juni beobachtet wurde, war seine Sichtbarkeit in Italien durch einen starken Ätna-Ausbruch bis in den Juli hinein eingeschränkt. Nach Ramsey & Licht (1997) werden −3,3 mag sowie maximal −4,0 mag während eines letzten flare-up (23. bis 25. Juli) verzeichnet.
1. Jahrtausend Großer Komet von 178 Chinesische Beobachter berichten von einer Schweiflänge über 70° und konnten den Kometen etwa 80 Tage beobachten. Großer Komet von 191 Chinesische Beobachter berichten von einem Kometenschweif mit über 90° Länge. C/240 V1 Der Komet erreichte etwa 1 bis 2 mag bei 39 Tagen Sichtbarkeit mit bloßem Auge. C/390 Q1 Chinesische Beobachter berichten von einer Schweiflänge größer als 70° Länge. Die Helligkeit erreichte im Maximum −1 mag bei 26 Tagen Sichtbarkeit. C/400 F1 Der Komet erreichte maximal 0 mag bei 30 Tagen Sichtbarkeit. C/442 V1 Der Komet erreichte etwa 1 bis 2 mag bei 100 Tagen Sichtbarkeit. C/565 O1 Der Komet erreichte 0 bis 1 mag bei 100 Tagen Sichtbarkeit. C/568 O1 Der Komet erreichte 0 mag bei 106 Tagen Sichtbarkeit. C/770 K1 Der Komet erreichte etwa 1 bis 2 mag bei 62 Tagen Sichtbarkeit. X/838 V1 Dieser Komet war für 49 Tage sichtbar. X/891 J1 Chinesische Beobachter berichten von einer Schweiflänge größer als 70° Länge bei 62 Tagen Sichtbarkeit. C/905 K1 Chinesische Beobachter berichten von einer Schweiflänge größer als 70° Länge. Die Helligkeit erreichte im Maximum 0 mag bei 26 Tagen Sichtbarkeit.
12. Jahrhundert X/1106 C1 Der große Komet aus dem Jahre 1106 war für 40 Tage sichtbar, ging sehr nahe an der Sonne vorbei und könnte vielleicht der Ursprungskörper der Kometen von 1882 und 1965 oder dem des Jahres 1843 sein. C/1132 T1 Der Komet erreichte −1 mag und war für 24 Tage sichtbar.
13. Jahrhundert C/1240 B1 Der Komet erreichte 0 mag und war für 64 Tage sichtbar. C/1264 N1 Chinesische Beobachter berichten am 26. Juli 1264 von einem Schweif mit 100° Länge. Die Helligkeit erreichte im Maximum 0 mag bei 85 Tagen Sichtbarkeit.
14. Jahrhundert Außer zwei Erscheinungen des Halleyschen Kometen gibt es aus diesem Zeitraum keine Berichte über Große Kometen.
15. Jahrhundert C/1402 D1 Mitte März 1402 hatte der Komet seine Konjunktion mit der Sonne und es gibt Berichte, dass er für 8 Tage am Taghimmel beobachtet werden konnte. Die Helligkeit erreichte im Maximum −3 mag bei 70 Tagen Sichtbarkeit. C/1468 S1 Der Komet erreichte etwa 1 bis 2 mag bei 56 Tagen Sichtbarkeit. C/1471 Y1 Der Komet erreichte −3 mag bei 59 Tagen Sichtbarkeit.
16. Jahrhundert mini|Der Große Komet von 1577 C/1532 R1 Der Komet erreichte −1 mag bei 120 Tagen Sichtbarkeit mit bloßem Auge. C/1533 M1 Der Komet wurde erst nach seiner Sonnennähe entdeckt und erreichte 0 mag. Er wurde 83 Tage beobachtet. C/1556 D1 Der Komet erreichte −2 mag bei 72 Tagen Sichtbarkeit. C/1577 V1 Der Komet erreichte −3 mag bei 87 Tagen Sichtbarkeit.
17. Jahrhundert mini|Der Große Komet von 1664 C/1618 W1 Der Komet erreichte etwa 0 bis 1 mag bei 67 Tagen Sichtbarkeit mit bloßem Auge. C/1664 W1 Der Komet erreichte −1 mag bei 90 Tagen Sichtbarkeit. C/1665 F1 Der Komet wurde zuletzt am 20. April kurz vor der Sonnenkonjunktion beobachtet. Die Helligkeit erreichte im Maximum −1 mag bei mindestens 24 Tagen Sichtbarkeit. C/1668 E1 Der Komet erreichte etwa 1 bis 2 mag bei 27 Tagen Sichtbarkeit. C/1680 V1 Dieser Komet, der als Erster mit Hilfe eines Teleskops entdeckt wurde, erreichte etwa 1 bis 2 mag bei 88 Tagen Sichtbarkeit. Ein mit dem Bild des 90° langen Schweifs illustriertes Flugblatt zum „wunderwürdigen unvergleichlichen Cometen“ bezeichnet ihn als Warnung Gottes, um „eyfrige Buß und Bekehrung“ zu bewirken, und enthält präzise Beobachtungen mit fast richtigen Entfernungs- und Größenangaben. C/1686 R1 Der Komet erreichte etwa 1 bis 2 mag bei 34 Tagen Sichtbarkeit.
18. Jahrhundert mini|Die Schweifstrahlen des Kometen von 1743 (Klinkenberg) C/1743 X1 Am 27. Februar 1744 konnte der auch Komet Klinkenberg oder Chéseaux genannte Schweifstern selbst bei Tag, nur 12° neben der Sonne, gesehen werden. Seine Helligkeit dürfte etwa −3 mag erreicht haben bei 110 Tagen freiäugiger Sichtbarkeit. C/1769 P1 (Messier) Der Schweif des Kometen soll bei der größten Annäherung an die Erde über 90° lang gewesen sein. Er erreichte eine Helligkeit von 0 mag bei 94 Tagen Sichtbarkeit.
19. Jahrhundert C/1807 R1 (Großer Komet) Der Komet erreichte etwa 1 bis 2 mag bei 90 Tagen Sichtbarkeit. C/1811 F1 (Großer Komet) Der auch Flaugergues genannte Komet konnte über mehr als 8 Monate freiäugig gesehen werden. Im Oktober 1811 erreichte er seine größte scheinbare Helligkeit von etwa 0 mag. C/1819 N1 (Großer Komet) Der auch Tralles genannte Komet erreichte eine Helligkeit von 1 mag und war etwa einen Monat mit bloßem Auge sichtbar. C/1825 N1 (Pons) Der Komet erreichte eine Helligkeit von 2 bis 3 mag und war zunächst auf der Nordhalbkugel, danach auf der Südhalbkugel für fast 4 Monate mit bloßem Auge sichtbar. C/1830 F1 (Großer Komet) Der Komet erreichte eine Helligkeit von 2 mag und war zunächst auf der Südhalbkugel, danach auf der Nordhalbkugel für insgesamt 2 ½ Monate mit bloßem Auge sichtbar. C/1831 A1 (Großer Komet) Der Komet muss auf der Südhalbkugel noch vor seinem Vorbeigang an der Sonne eine spektakuläre Erscheinung gewesen sein, er blieb dort aber offenbar unbemerkt. Er wurde erst spät entdeckt und konnte nur noch einige Wochen von der Nordhalbkugel aus beobachtet werden. Er erreichte eine Helligkeit von 2 mag. C/1843 D1 (Großer Märzkomet) Im Perihel, das der Komet am 27. Februar 1843 durchlief, konnte er nur 1° neben der Sonne am Taghimmel gesehen werden. Seine Helligkeit war größer als −3 mag bei 48 Tagen Sichtbarkeit. Wegen seines langen Schweifs gilt er als schönster des Jahrhunderts und wird in der Literatur zu den Tageslichtkometen gezählt. C/1847 C1 (Hind) Der Komet Hind war der erste Komet, der am Taghimmel nur teleskopisch beobachtet wurde. Er erreichte eine Helligkeit von −4 mag und war etwa 1 Monat mit bloßem Auge sichtbar. C/1853 L1 (Klinkerfues) Auch der Komet Klinkerfues erreichte eine solche Helligkeit, dass er am Taghimmel teleskopisch beobachtet werden konnte. Er erreichte eine Helligkeit von −1 mag und war für 2 Monate mit bloßem Auge sichtbar. C/1854 F1 (Großer Komet) Der Komet erreichte eine Helligkeit von 0 bis 1 mag und war für etwa 3 Wochen mit bloßem Auge sichtbar. mini|Der Große Komet von 1858 (Donati) C/1858 L1 (Donati) Der Komet Donati soll einer der schönsten Kometen gewesen sein, die je mit bloßem Auge zu sehen waren. Er erreichte im Oktober 1858 eine scheinbare Helligkeit von 0 bis 1 mag bei 80 Tagen Sichtbarkeit. Er war auch der erste Komet, der fotografiert werden konnte. C/1860 M1 (Großer Komet) Der Komet erreichte eine Helligkeit von 1 bis 2 mag und war für etwa 1 ½ Monate mit bloßem Auge sichtbar. mini|Der Große Komet von 1861 (Tebbutt) C/1861 J1 (Großer Komet) Der nach seinem Entdecker auch Tebbutt genannte Komet kam am 30. Juni 1861 bis auf 0,13 AE/19 Mio. km an die Erde heran; sie dürfte durch das Ende seines Schweifes geglitten sein, der bei der größten Annäherung an die Erde 120° lang war und – breit aufgefächert – den halben Himmel bedeckte. Der Komet war so hell, dass er noch vor Sonnenuntergang gesehen werden konnte und Gegenstände nachts in seinem Licht Schatten warfen. Er erreichte eine Helligkeit von etwa −3 mag bei 90 Tagen Sichtbarkeit und wurde teleskopisch bis April 1862 beobachtet. Unter den Top-10-Kometen (4. Weblink) nimmt er den Spitzenplatz ein. Wahrscheinlich ist er mit C/1500 H1 identisch, der 1500 in China beobachtet wurde, aber damals der Erde weniger nahekam. C/1865 B1 (Großer Südkomet) Der Komet war nur in der Südhemisphäre zu beobachten. Er erreichte 1 mag bei 36 Tagen Sichtbarkeit. C/1874 H1 (Coggia) Der Komet erreichte 0 bis 1 mag bei 50 Tagen Sichtbarkeit. C/1881 K1 (Großer Komet) Der Komet erreichte eine Helligkeit von 1 mag und war etwa 4 Monate mit bloßem Auge sichtbar. C/1882 F1 (Wells) Der Komet erreichte eine Helligkeit von 0 mag und war teleskopisch am Taghimmel zu beobachten. C/1882 R1 (Großer Septemberkomet) Der Komet, ein Sonnenkratzer der Kreutz-Gruppe, näherte sich am 17. September 1882 bis auf 0,008 AE (1,2 Mio. km) an die Sonne und zerbrach dabei infolge der solaren Gezeitenkräfte in mindestens vier Teile. Der Komet war mit einer Helligkeit von mehr als −3 mag hell genug, um auch tagsüber neben der Sonne sichtbar zu sein. Er war über 4 ½ Monate sichtbar.
20. Jahrhundert mini|Der Große Komet von 1901 C/1901 G1 (Großer Komet) Der Komet erreichte 1901 1 mag bei 38 Tagen Sichtbarkeit. C/1910 A1 (Großer Januarkomet) Nur wenige Wochen vor der erwarteten Wiederkehr des Halleyschen Kometen erschienen, wurde dieser Komet oft mit ihm verwechselt. Er konnte am 17. Januar 1910 nur 4,5° neben der Sonne leicht am Taghimmel gesehen werden. Er erreichte etwa Venushelligkeit (−4 mag) und war 20 Tage heller als 1 bis 2 mag. Mit Teleskopen konnte er bis Juli beobachtet werden. Halleyscher Komet (1P/Halley) Bei seiner Wiederkehr im Jahr 1910 erreichte der bekannte Komet Halley eine scheinbare Helligkeit von 0 bis 1 mag, und sein Schweif erstreckte sich mit einer maximalen Länge von 150° fast über den gesamten Himmel. Am 19. Mai 1910 durchquerte die Erde sogar den Kometenschweif. C/1911 O1 (Brooks) Der Komet konnte im Oktober 1911 zusammen mit dem Kometen Beljawsky in der Abenddämmerung gesehen werden. Er erreichte 2 mag Helligkeit bei etwa 3 Monaten Sichtbarkeit. Der Schweif erreichte eine Länge von 30°. C/1911 S3 (Beljawsky) Der Komet konnte im Oktober 1911 zusammen mit dem Kometen Brooks in der Abenddämmerung gesehen werden. Er erreichte 1 mag Helligkeit bei etwa 1 Monat Sichtbarkeit. Der Schweif erreichte eine Länge von 15°.