Queerfeindlichkeit (seltener Queerphobie) ist eine soziale Aversion (Abneigung) oder Aggressivität (Feindseligkeit), die sich gegen queere oder als solche wahrgenommene Personen, sowie deren Identität und Lebensweisen richtet. Hierbei wird queer als Gesamtheit der von der Heterosexualität abweichenden sexuellen Orientierungen und allen nichtbinären oder von der Cisgeschlechtlichkeit abweichenden geschlechtlichen Identitäten verstanden.
Queerfeindlichkeit ist ein Ober- und Sammelbegriff für zum Beispiel die Unterphänomene Homophobie, Biphobie, Lesbophobie und Transphobie.
Queerfeindlichkeit selbst ist ein Unterfall von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, beziehungsweise der Hasskriminalität, sobald es zu strafrechtlich relevanten Vorfällen kommt, wie beispielsweise Gewalttaten, Volksverhetzung, Sachbeschädigung, Bedrohung oder Beleidigung.Henning Schacht: Lagebericht zur kriminalitätsbezogenen Sicherheit von LSBTIQ* vom 13. Dezember 2024. Bundesministerium des Innern, abgerufen am 3. Juni 2025
Beschreibung Mit der abnehmenden Fokussierung auf Homosexualität und Homophobie bei der Betrachtung der Abneigungen und Feindseligkeiten gegen Personen des LGBTQIA+-Spektrums findet auch der Begriff Queerfeindlichkeit als inklusivere Bezeichnung zunehmend in der Öffentlichkeit Verwendung – insbesondere, wenn eine Unterteilung nicht notwendig ist.
Queerfeindlichkeit richtet sich gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche, asexuelle sowie andere queere Personen. Sie kann sich auch gegen Einrichtungen dieser Personengruppen richten oder gegen Personen und Einrichtungen, die diese unterstützen. Queerfeindlichkeit kann Stereotypisierung und Diskriminierung, Abwertung und Ablehnung von queeren Personen bis hin zu Gewalt gegen diese beinhalten. Queerfeindlichkeit gilt als struktureller Auslöser von Minderheitenstress bei queeren Menschen. Bei ihnen treten dadurch psychische Störungen häufiger auf als bei gleichaltrigen Menschen, die nicht queer sind.
Queerfeindlichkeit ist die oft auf Hetero- und Cisnormativität basierende Bekämpfung, Herabwürdigung oder Anfeindung queeren Lebens.
Geschichte Noch bevor unterschiedliche Gesellschaften begannen, die bestehenden Vorstellungen zur binären Geschlechterordnung, sowie zur Geschlechtsidentität zu hinterfragen, gab es besonders im religiösen Kontext eine negative Sicht auf Homosexualität. Die strafrechtliche Verfolgung (bis hin zur Todesstrafe), auf Basis von restriktiven Gesetzen zur Homosexualität wird (nach Angaben der Vereinten Nationen) von 77 Nationen bis heute praktiziert (Stand 2025).LGBTQI+. Free and Equal. NOT Criminalized. Vereinte Nationen, abgerufen am 3. Juni 2025
Weitere Details zu den geschichtlichen Grundlagen bieten die Einträge zu Homosexualität und Religion, Homosexualität im Islam, sowie Bibeltexte zur Homosexualität (die auch die Grundlage der sogenannten Sodomiterverfolgung waren.) Bis heute existieren zudem Angebote wie die sogenannte Konversionstherapie (insbesondere USA), die Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Eheschließungen (und Regenbogenfamilien), sowie Bestrebungen „LGBT-ideologiefreie Zonen“ einzurichten (Polen).
Die Verfolgung von Menschen auf Basis ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gilt mittlerweile in Ländern wie Deutschland als anerkannte Begründung für die Flucht aus dem Heimatland und das Stellen eines Antrages auf Asyl, da eine derartige Verfolgung einen Verstoß gegen die Menschenrechte darstellt.Asylverfahren Besserer Schutz für queere Geflüchtete. Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, abgerufen am 3. Juni 2025Verfolgung und Flucht aufgrund der sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität. UNO-Flüchtlingshilfe, abgerufen am 3. Juni 2025
Innerhalb der Geschichte sexueller Minderheiten gibt es neben regionalen auch ideologisch bedingte Unterschiede hinsichtlich der Stigmatisierung aufgrund der sexuellen Orientierung, die in vielen Fällen mit einer rechtsextremen politischen Ausrichtung einhergeht. Die 2008 gefasste Erklärungen und Resolutionen der Vereinten Nationen über die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität führte im Jahr 2019 zu einer UN-Resolution, die den Schutz von Pesonen vorsieht, die auf Basis ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verfolgt werden, jedoch nicht von allen Mitgliedern des Rates unterstützt und umgesetzt wird.Schutz vor Gewalt und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität. vom 17. Juli 2029 Generalversammlung der Vereinten Nationen, abgerufen am 3. Juni 2025
Queerfeindliche Straftaten in Deutschland Gewalttaten, Übergriffe und Anfeindungen sind für Betroffene eine erhebliche Belastung und schränken ihre Freiheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ein.
Die deutsche Bundesregierung verfolgt mit dem Aktionsplan Queer leben das Ziel, queere Personen vor Gewalt und Übergriffen zu schützen und Opfer besser zu unterstützen. Die statistische Erfassung von Übergriffen soll verbessert werden.
Statistiken Die Anzahl der dokumentierten Straftaten ist insbesondere in der Zeit ab 2019 stark angestiegen, wie Statistiken des Bundesministerium des Innern belegen.
Polizeilich erfasste Delikte gegen die sexuelle Orientierung von 2013 bis 2023 Die Daten entstammen der Polizeilichen Kriminalstatistik Deutschland. Unter dem Bereich Hasskriminalität wird dort das Unterthemenfeld „Sexuelle Orientierung“ erfasst. Nach der Definition des KPMD-PMK wird unter jenem Unterthemenfeld „sexuelle Orientierung“ „das Begehren für bestimmte Geschlechtspartner“ gezählt. Somit werden beispielsweise hetero-, homo-, bi-, pansexuelle, sowie (weitere) queere Ausprägungen erfasst. +Übersicht der polizeilich erfassten Delikte gegen die sexuelle Orientierung in Deutschland nach FallzahlenJahrAnzahl gesamtGewaltdelikteSachbeschädigungNötigung/BedrohungVolksverhetzungBeleidigung2010187 48 14 6 28 732011148 38 13 3 30 492012186 42 14 8 46 522013240 50 22 9 39 902014184 37 8 36 662015222 54 10 15 50 632016 316 81 20 24 61 1002017 313 74 23 15 68 1032018 351 97 25 19 40 1472019 576 151 67 29 71 2092020 714 132 36 47 102 3372021 1.051 190 130 78 131 3922022 1.188 267 90 64 171 4072023 1.785 324 189 115 268 567
Polizeilich erfasste Delikte gegen die geschlechtsbezogene Diversität Die Daten entstammen der Polizeilichen Kriminalstatistik Deutschland. Seit Juni 2023 wird in die Strafgesetze zu Hasskriminalität (§ 46 StGB) das Unterthemenfeld „Geschlechtsbezogene Diversität“ gezählt. Zu den „Geschlechtsspezifischen“ Beweggründen werden nun solche Motive erfasst, die sich gegen die trans- oder intergeschlechtliche Identität des Opfers richten. +Anzahl der polizeilich erfassten Delikte gegen die geschlechtsbezogene Diversität in DeutschlandJahrAnzahl gesamtEntwicklung zum VorjahrGewaltdelikte2020204 –402021340 +66,7 %572022417 +22,6 %822023854 +104,8 %11720241.152 +34,9 %128
Weitere erfasste queerfeindliche Straftaten 2021 Berlin:
2021 verzeichnet die Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS) allein in Berlin 456 queerfeindliche Straftaten, davon 110 Gewaltdelikte. Die Opferberatungsstelle Maneo berichtet für 2021 hingegen von 731 Fällen von Drohungen, Beleidigungen und Angriffen gegen queere Personen, davon 219 Körperverletzungen (30 Prozent). Zudem ist von einer hohen Dunkelziffer von bis zu 90 Prozent auszugehen.
Dunkelziffer Die Dunkelziffer wird hoch eingeschätzt.
Betroffenen fehlt teilweise das Vertrauen in die Polizei. Sie fürchten unter anderem, nicht ernst genommen zu werden. Einige schrecken davor zurück, ihren Klarnamen in der Anzeige vorkommen zu lassen, da dies weitere Aggressionen mit sich bringen könnte. Ein weiterer Grund sei, dass Betroffene nicht über gezielte Anlaufstellen (auch bei der Polizei) Bescheid wüssten.
Es wird aber auch angenommen, dass die letzten Jahre durch unter anderem Aufklärung und Anlaufstellen mehr Straftaten ins Hellfeld gerückt seien.
Demographie straftatenbegehender Personen Politische Einstellung Die häufigsten Gruppen, die im Jahre 2023 queerfeindliche Straftaten verübten, sind laut des Bundeskriminalamtes der Phänomenbereich „PMK -sonstige Zuordnung-“ (942 Delikte gegen die „Sexuelle Orientierung“ und 563 Delikte gegen die „Geschlechtsbezogene Diversität“), sowie der Phänomenbereich „PMK -rechts-“ (455 Delikte gegen die „Sexuelle Orientierung“ und 238 Delikte gegen die „Geschlechtsbezogene Diversität“). Der stärkste Anstieg war im Phänomenbereich „PMK -ausländische Ideologie-“ zu verzeichnen.
Queerfeindliche Personen sind oft Vertreter der Hetero- und Cisnormativität sowie des Heterosexismus.
Alter Es wird beobachtet, dass zunehmend junge Menschen queerfeindliche Ausrichtungen haben.
Geschlecht Straftaten werden überwiegend von Männern verübt.
Sozial
Siehe auch Liste queerfeindlicher Anschläge und Angriffe V-Coding
Weiterführendes
Literatur
Dokumentationen
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Homosexualität Kategorie:Heterosexismus Kategorie:Transgeschlechtlichkeit Kategorie:Diskriminierung Kategorie:Gewalt gegen LGBT