mini|hochkant|Blick von der Burgruine Zeltingen in Richtung Zeltingen Die Ruine der Burg Zeltingen, auch Kunibertsburg oder Rosenburg genannt, befindet sich etwa 300 m südöstlich des Ortsausgangs von Zeltingen in Richtung Wehlen und Graach inmitten der Rebhänge rechts der Mosel im heutigen Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. Die Entstehungszeit dieser Hangburg wird ins 12./13. Jahrhundert datiert.Hans Vogts: Die Kunstdenkmäler des Kreises Bernkastel (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz Band 15, 1). Druck und Verlag von L. Schann. Düsseldorf 1935, S. 405.
Der Burgentyp ist vergleichbar mit der Hangburg Ehrenfels bei Rüdesheim am Rhein, die sich ebenfalls in Flussnähe mitten in den Weinbergen befand. Burgen dieser Bauart dienten im Mittelalter auch als befestigte Zollstationen zur Erhebung des Schiffzolls an Flussläufen. Otto Volk: Wirtschaft und Gesellschaft am Mittelrhein vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Historische Kommission Nassau, Wiesbaden 1998, S. ?. Eine bekannte Zollburg an der Mosel war beispielsweise die Reichsburg Cochem. Ob die Zeltinger Burg ebenfalls einmal eine Zollburg gewesen war, ist nicht bekannt. Überliefert ist, dass Erzbischof Sigewin von Köln (1078–1089) den Moselzoll zu Rachtig, heute ein Ortsteil der Doppelgemeinde Zeltingen-Rachtig, an die Kölner Abtei Deutz übertragen hat.Franz Schönberger: Geschichte des kurkölnischen Amtes und der Dörfer Zeltingen und Rachtig an der Mosel. Druckerei J. Duekwitz, Bonn 1939. Die Hangburg war auf Grund ihrer Lage besonders durch Angriffe vom höher gelegenen Gelände oberhalb der Burg gefährdet und bedurfte hier eines besonderen Schutzes. In Zeltingen könnte dies Funktion eine alte Zeltinger Landwehr, eine Wall-Graben Kombination auf der Zeltinger Höhe übernommen haben.
Geschichte Die Burg befand sich im kurkölnischen Amt Zeltingen an der Mosel. Dieses Amt bildete eine Enklave außerhalb der kurkölnischen Landeshoheit in überwiegend kurtrierischem Territorium. Diese Besonderheit teilte sie mit der benachbarten Burg der Herrschaft Lösnich, jedoch mit dem Unterschied, dass dort ein ehemals ansässiges Rittergeschlecht der Herren von Lösnich als Grundherr und Vasall des Kaisers residierte. Die Burg mit ihren Einkünften trug nach dem Tod des letzten männlichen Erben dieses Geschlechts der Ehemann der Erbin Lisa von Lösnich Ritter Heinrich Beyer von Boppard dem Kurfürsten von Köln Mitte des 14. Jahrhunderts zu Lehen auf.
Im Spätmittelalter kam es offenbar noch zu Erweiterungen der Burg; auch der noch sichtbare Rest eines Flankierungsturms der südlichen Vorburg dürfte einem spätmittelalterlichen Ausbau gehören.
Lösnich, Zeltingen und Rachtig blieben bis zum Einzug der französischen Revolutionstruppen 1794 unter kurkölnischer Landeshoheit inmitten Kurtrier. Die Lösnicher Burg wurde 1652 durch marodierende Truppen kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg gebrandschatzt und zerstört. Die Zeltinger Burg, die nicht der Wohnsitz eines ortsansässigen Adelsgeschlechts war, ereilte das Schicksal fast durchgehender Verpfändungen vom 12. bis 16. Jahrhundert. So wurde sie mit den Dörfern Zeltingen und Rachtig vom Kurstaat Köln ständig zur Beschaffung dringend benötigter finanzieller Mittel eingesetzt. So erscheinen auch zwei Herren der Herrschaft Lösnich, Ritter Conrad von Lösnich 1345 und 1419 dessen Enkel Conrad Beyer von Boppard 1419 als Pfandnehmer von Zeltingen. Nachdem die Burg als Hauptort des Zeltinger Verwaltungslebens ihre militärische Bedeutung verloren hatte, verlagerte sich die Amtsverwaltung in den Ort, wo im Laufe des 16. Jahrhunderts das kurkölnische Amtshaus gebaut worden war. Wohl ihrem Schicksal überlassen soll sie langsam zerfallen sein, eine kriegsbedingte Zerstörung wird nicht angenommen. 1807 erwarb der Zeltinger Notar Karl Hubert Merrem die Reste der Burg. Einige Jahrzehnte vor 1935 wurde ein Teil der Ruine abgetragen, das Innere der Ruine aufgeschüttet und als Weinberg nutzbar gemacht. Erst in neuerer Zeit wurde die Ruine im heutigen Zustand hergerichtet und der Weinberg im Innenbereich wieder entfernt. Ein Weg im Hang aus Richtung Zeltingen ermöglicht heute einen Zugang zur Ruine.
Kuniberts- und Rosenburg Die ehemalige Zeltinger Burg ist auch bekannt unter den Namen Kuniberts- und Rosenburg. Der Legende folgend soll die Herrschaft über Zeltingen und Rachtig in der 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts nicht nur Besitztum des Hl. Kunibert gewesen sein, sondern auch dessen Geburtsort. Durch eine Schenkung Kuniberts seien diese Besitztümer an den Erzstift Köln gelangt. Dieser habe sie möglicherweise durch eine Schenkung des Merowingerkönigs Dagobert I. erhalten. Kunibert, geboren um 590 pflegte enge Beziehungen zum merowingischen König Dagobert I. (Regierungszeit 623–638/39) und wurde von diesem 623 zum Kölner Erzbischof bestellt. Der Geburtsort Kuniberts ist nicht bekannt. Genannt werden jedoch das luxemburgische Remich und verschiedene Orte im Moselraum.Wolfgang Rosen: Kunibert Bischof von Köln (um 623-um 663) In: Portal Rheinische Geschichte; abgerufen am 26. November 2024. Zu diesen Orten zählt sich auch Zeltingen. Nach Remicher Geschichtsschreibung soll der Hl. Kunibert 590 im Ortsteil Ale „Stack“ das Licht der Welt erblickt haben. 1898 erhielt Remich vom Kölner Kardinal Philipp Krementz Reliquien des Hl. Kunibert. 1988 ernannten die Remicher Kunibert zu ihrem Stadtpatron und zum zweiten Patron der Remicher Dekanatskirche.Der hl. Kunibert - Stadtpatron und zweiter Patron der Dekanatskirche von Remich. In Zeltingen wird Kunibert seit frühester Zeit als Zweitpatron der Zeltinger Pfarrkirche St. Stephan verehrt. Seine Statue mit einem Modell der Kölner St. Kunibertskirche befindet sich in der Pfarrkirche.Pfarrei St. Stephanus Zeltingen: Chronik der 200jährigen Geschichte. Herausgeber: Pfarrgemeinde St. Stephanus Zeltingen. Johnen-Druck, Bernkastel-Kues 2003, S. 10.Pfarrkirche St. Stephanus Zeltingen
Unabhängig davon, ob Kunibert tatsächlich in Zeltingen geboren ist, könnte die Besitznahme Zeltingens durch Köln in die Zeit Bischof Kuniberts fallen. Weingutsbesitz war in damaliger Zeit von Bedeutung, da es kaum andere Möglichkeiten gab, um an Wein für gottesdienstliche Zwecke zu gelangen. So wird die bekannte Bezeichnung Kunibertsburg auf diese mögliche Beziehung zum Hl. Kunibert zurückgeführt.
Der Hintergrund zu Namensgebung Rosenburg ist offen. Regionale Karten der Umgebung um 1700 zeigen den Eintrag Rosenthal am Standort der Zeltinger Burgruine.Johann Baptist Homann: Karte mit u. a. mit den EB Mainz und Trier um 1715-1724Arthur Weber: Graach in Raum und Zeit (= Ortschroniken des Trierer Landes Band 47). Herausgegeben von der Gemeinde Graach/Mosel und der Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde des Trierer Raumes. Johen Druck, Bernkastel-Kues 2006.
Orts- und regionalgeschichtliche Einordnung Entstehung der Enklave mini|Region Erzbistum Trier - Kurtrier und die Enklave „CÖLN“ an der Mosel um 1710 Wann genau Zeltingen und Rachtig kurkölnisch wurden, darüber schweigen die Quellen. Wahrscheinlich ist, dass die beiden Orte an der Mosel in der Karolingerzeit frühestens im 9. Jahrhundert an Köln gelangten.Heribert Müller: Bischof Kunibert von Köln. Staatsmann im Übergang von der Merowinger- zur Karolingerzeit. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 98 (1987), S. 167–205. Das Königtum pflegte die Praxis, mächtige Helfer mit Herrschaftsrechten auszustatten. Hartmut Boockmann u. a.: Mitten in Europa - Deutsche Geschichte. Wolf Jobst Siedler Verlag, Berlin 1992, S. 49. Wollte man sich das Episkopat dienstbar machen, musste dieses entsprechend entlohnt werden. Schenkungen aus dem Grundbesitz des Reichsguts führten dazu, dass Ende des 7. Jahrhunderts der kirchliche Anteil am Grundeigentum auf etwa ein Drittel des Reichsbodens angewachsen war. 1067 und 1116 findet sich die früheste Nennung von Kurkölnischem Besitz in Zeltingen und Rachtig. Auffallend ist dabei die Schenkung des Moselzolls von Rachtig an die Kölner Abtei Deutz. Das Recht zur Zollerhebung war grundsätzlich ein kaiser- und königliches Privileg, aber auch kirchliche Landeshoheiten konnten es übertragen bekommen. Da Köln 1067 Inhaber des Moselzolls war und diesen verschenken konnte, ist das ein starkes Indiz, dass Kurköln bereits 1067 in Rachtig hoheitliche Rechte ausübte. Zoll und Geleit als Königsregall bestanden schon seit der Zeit der fränkischen Könige (Merowinger).Ausstellung Zollmuseum - Der Zoll. Wären Zeltingen und Rachtig bereits zur Zeit Kuniberts I. im 7. Jahrhundert kölnischer Besitz geworden, so würde sich das im Urkunden- und Quellenwesen innerhalb diesen Zeitraums mit hoher Wahrscheinlichkeit widerspiegeln, was bisher jedoch nicht festgestellt werden konnte. Von den Römern zur Fränkischen Staatsorganisation mini|links|Das Fränkische Reich 481 bis 814 mit Austrasien, zu dem auch die Moselgegend mit Zeltingen und Rachtig gehörte. mini|rechts|Nach der Reichsteilung 843 lag die Moselgegend im Mittelreich Lotharingien. Mit dem Ende der Römerherrschaft im 5. Jahrhundert drängten germanische Stämme über den Rhein und in den Moselraum. Es kam zu einem merklichen Rückgang der Bevölkerung.Alexander Cliff Jost: Merowingerzeit – Der Übergang von der Antike ins Mittelalter. In: vorZeiten 70 Jahre Landesarchäologie Rheinland-Pfalz. Herausgegeben von Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2017, S. ?. Die römischen Villen und Gutshöfe wurden von den einfallenden germanischen Stämmen weitestgehend zerstört. Holzbauten lösten die Steinbauten der Römer ab. Die verlassenen römischen Ruinen wurden höchsten noch als Begräbnisstätten genutzt. Die neue fränkische Bevölkerung bevorzugte für ihre Siedlungen die Tallage in der Nähe eines fließenden Gewässers, während die Siedlungsstellen der Römer eher an Hängen angelegt waren. Der Übergang von der antiken zur mittelalterlichen Welt war verbunden mit dem Zusammenbruch der römischen Staatsorganisation. In den ehemals römischen Provinzen wurden weite Landstriche der Kulturlandschaft aufgegeben und wieder von Wald überzogen. Die anzahlmäßig wenigeren neuen Bewirtschafter des Landes waren nicht in der Lage, alle frei gewordenen Flächen zu bebauen. Die seit der Römerzeit existierenden Städte wie das spätantike Augusta Treverorum (Trier) blieben größtenteils bestehen, aber in sehr viel kleinerem Umfang. Sie konnten einiges ihrer früheren Bedeutung zurückgewinnen und entwickelten sich zu führenden Marktorten, Zentren der Verwaltung und des Handels und als weiterbestehende Bischofssitze So entstand das Fränkische Reich unter den merowingischen Königen mit seinem Westreich Neustrien und dem Ostreich Austrasien. Nach dem Tod vom König Chlodwig I. 511 umfasst Austrasien die Gebiete um Rhein, Maas und Mosel, zu denen wichtige Städte wie Metz, Reims, Köln und Trier zählten. Nach der Reichsteilung in der Karolingerzeit war die Moselgegend im 9. Jahrhundert Teil des Mittelreichs Lotharingien.
Kunibert I. von Köln und die Legende zur kölnischen Schenkung König Dagobert I., 629 König der Franken, war seit 623 Unterkönig von Austrasien. Sein Nachfolger in Austrasien war sein Sohn Sigibert III. (630–656), nachdem dieser 645 mündig geworden war. Sein Erzieher bis zur Vollmündigkeit war der aus moselfränkischem Adel abstammende Kunibert I., der dazu von Dagobert I. (+639) eingesetzt worden war. Sigibert III. gilt als Stifter der Klöster Malmedy und Stablo. Der Geburtsort Kuniberts soll im Raum Trier-Metz liegen. Obwohl mit hoher Wahrscheinlichkeit Kerling-lès-Sierck bei Thionville (Kerlingen/Crellingon) als sein Geburtsort angenommen werden kann, berufen sich u. a. die Orte Remich und Zeltingen darauf, Geburtsort Kuniberts I. zu sein. Kunibert I., von 628 bis 648/49 Bischof von Köln wird dort als Heiliger verehrt, seine Gebeine liegen in der Kirche St. Kunibert in Köln. Die Zeltinger sehen in jenem Kunibert denjenigen, der Zeltingen und Rachtig durch eine Schenkung Köln übereignete.