Das Internierungslager Brens wurde 1939 noch unter der Regierung von Édouard Daladier geplant und dann während des Drôle de guerre auf einem Gelände in der Gemarkung der Gemeinde Brens im Département Tarn errichtet. Es war während seiner fünfjährigen Existenz Flüchtlingslager, Internierungslager für Juden und schließlich ein Internierungslager nur für Frauen.

Planung und Errichtung des Lagers Am 16. Oktober 1939 beschlagnahmte der Präfekt des Département Tarn ein Grundstück in Brens, das nur durch den Tarn von der Gemeinde und Bahnstation Gaillac getrennt war. Auf diesem in einem Tarnbogen gelegenen Gelände, bekannt auch als Les Rives, entstanden etwa 20 Baracken für ein Centre d’accueil pour réfugiés (Aufnahmezentrum für Flüchtlinge),AJPN: Camp de Brens durant la Seconde Guerre mondiale in dem ursprünglich französische Flüchtlinge aus Nordfrankreich hätten untergebracht werden sollen.Mechthil Gilzmer: Fraueninternierungslager in Südfrankreich

Das Lager befand sich auf einem Gelände zwischen den heutigen Gebäuden in der Rue des Rives 350. () und der Route de Lavaur, an der sich heute ein Gedenkstein zur Erinnerung an das Lager befindet. ()

Während der Zeit seines Bestehens lassen sich für das Lager Brens vier unterschiedliche Nutzungsphasen unterscheiden. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) kam im unbesetzten Teil Frankreichs das Vichy-Regime an die Macht, das mit den deutschen Besatzern kollaborierte. Durch dessen im Oktober 1940 erlassene judenfeindlichen Gesetze wandelten sich die Internierungslager, die zuvor primär der Kontrolle von „feindlichen Ausländern“ dienten beziehungsweise als Stätten zu deren Ausbeutung als billige Arbeitskräfte, zu „Vorzimmern des Todes“, von denen aus die Deportationen in die deutschen Vernichtungslager starteten.

Die vier Lagerphasen Phase 1: Das Flüchtlingslager Ab dem 15. Mai 1940 nahm das Lager fast tausend belgische, spanische und polnische Flüchtlinge auf, die vor der vorrückenden deutschen Wehrmacht während des Westfeldzugs geflohen waren.AJPN: Camp de Brens durant la Seconde Guerre mondiale Die APSICBR präzisiert diese Angaben dahingehend, dass es sich um fast tausend belgische Flüchtlinge, etwa dreißig Spanier aus der Besatzungszone und ganze Familien polnischer Flüchtlinge gehandelt habe.APSICBR: BRENS sous diverses facettes Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) am 22. Juni 1940 ging im Laufe des Sommers 1940 die Belegung des Lagers zurück. Eggers nennt in dem Zusammenhang ausschließlich die belgischen Flüchtlinge, die repatriiert worden seien, wodurch das Lager dann leer gestanden habe.Christian Eggers: Unerwünschte Ausländer Es sei aber noch als Demobilisierungszentrum für französische Soldaten genutzt worden.

Phase 2: Internierungslager für ausländische Juden Die zweite Lagerphase in Brens beginnt im Herbst 1940. Im Oktober erteilte der Präfekt von Toulouse der dort ansässigen Union des Sociétés de Bienfaisance israélités (Union der israelitischen Wohltätigkeitsgesellschaften) die Genehmigung, in Brens die in Toulouse „gestrandeten mittellosen ausländischen Juden unterzubringen“. „Gestrandet“ waren sie in Toulouse auf der Flucht vor den Nazis, und ab November wurden sie nach Brens gebracht. Am 9. Januar 1941 lebten dort 1.650 jüdische Menschen, darunter etwa 400 Kinder, von denen die Hälfte polnischer Herkunft gewesen sei.

Über die Lagersituation sind die Informationen widersprüchlich. Während die APSICBR von einem mit Stacheldraht umgebenen Lager spricht, das zu verlassen den Insassen seit Januar 1941 verboten gewesen sei, gab es nach Eggers keinen Stacheldraht, und die Insassen hätten weiterhin die Möglichkeit gehabt, in Gaillac einzukaufen, was dort aber auf Widerstand gestoßen sei. „Die Einwohner von Gaillac beschuldigten die Lagerbewohner, die Läden leerzukaufen und die Preise in die Höhe zu treiben.“ Die Polizei von Gaillac habe deshalb verboten, den Lagerinsassen Waren zu verkaufen, und eine aus demobilisierten Soldaten gebildete Bürgerwehr habe den ins Lager zurückkehrenden Menschen am Eingang ihre Einkäufe abgenommen.

Während andernorts das Vichy-Regime vorgab, Modelllager einrichten zu wollen (so in Saliers), gab es in Brens seitens der jüdischen Hilfsorganisationen Bestrebungen, das Lager zu einem Centre d’accueil modèle (modellhaften Auffangzentrum) zu machen. „Es gibt eine Kindergrippe, einen Kindergarten, Schulunterricht für die größeren Kinder, eine gut geheizte und voll ausgestattete Krankenbaracke. Nur die Ernährung ist, wie in allen anderen Lagern, mengenmäßig unzureichend.“ Teilweise völlig anders stellt das dagegen die APSICBR dar. Nach ihr herrschten im Lager schwierige materielle und moralische Bedingungen. Es sei überfüllt gewesen, und es habe Promiskuität geherrscht, Kleidung und Schuhe hätten gefehlt, ebenso Trinkwasser und Milch für die Kinder. Es habe keine Krankenstation gegeben, der vor allem die Kinder bedürft hätten. Im Februar 1941 hätten sich aufgrund dieser Bedingungen 150 Lagerinsassen zur Flucht entschlossen.

Diese zweite Phase des Lagers endete Mitte Februar 1941. Die Behörden veranlassten die Schließung des Lagers. Die alten Leute – nach der Fondation pour la mémoire de la déportation (FMD) 60 PersonenFMD: Camp d'Internement Brens (Les Rives) – wurden nach Noé transferiert, die Familien mit Kindern nach Rivesaltes (793 Personen laut FMD), die Alleinstehenden am 4. März in das Camp de Gurs. „Am 5. März 1941 ist das Lager leer. Die Innenverwaltung hält es in Reserve.“ Die APSICBR spricht zusätzlich von Überführungen in das Camp du Récébédou in Portet-sur-Garonne.

Phase 3: Das Internierungslager für Frauen Die dritte Phase des Lagers in Brens begann am 31. Dezember 1941. An dem Tag gab der Präfekt des Departements Tarn bekannt, dass das Lager in Brens künftig als Camp de Concentration fortgeführt werde. Concentration meinte in dem Zusammenhang die Konzentrierung der Flüchtlinge in bestimmten Lagern, nicht aber deren Vernichtung, wie es der deutsche Begriff Konzentrationslager nahelegt.

Für seine neue Funktion wurde das Lager von vorher 20 auf nun nur noch 8 Baracken stark verkleinert, wobei auch dieser Bereich wieder mit Stacheldraht umzäunt wurde. Nach Peschanski betrug die Kapazität des Lagers nun 572 Plätze, doch sei es in der Folgezeit nie zur vollen Auslastung dieser Kapazität gekommen. Der Höchststand wurde im April 1943 mit 458 Personen erreicht.Denis Peschanski: Les camps français d’internement (1938–1946) Die APSICBR geht davon aus, dass in dieser dritten Lagerphase insgesamt 1.150 Häftlinge das Lager passiert hätten.

Ein Behördenrundschreiben vom Januar 1942 bestimmte Brens als Unterbringungsort für „gefährliche Ausländerinnen“.Peter Gaida: "Überschüssige Ausländer" Entsprechend dieser neuen Bestimmung wurden am 14. Februar 1942 320 Frauen und 26 Kinder aus dem nach diesem Transfer aufgelösten Camp de Rieucros nach Brens verlegt. Die Gruppe sei sehr kosmopolitisch gewesen (eine „population cosmopolite“) und habe zu 75 % aus Ausländerinnen mit ca. 15 unterschiedlichen Nationalitäten bestanden. Unter ihnen waren kommunistische Aktivistinnen, Gewerkschafterinnen; verdächtige Flüchtlinge (in der Mehrzahl deutsche und polnische Jüdinnen), revoltierende Spanierinnen aus dem Internierungslager Argelès-sur-Mer, Prostituierte und Frauen, die aus „anderen Gründen“ interniert worden waren. Eine demgegenüber etwas anders akzentuierte Übersicht findet sich bei Peschanski, der polizeiliche Lagerakten auswerten konnte:Denis Peschanski: «L’internement des femmes dans la France des années noires» aus politischenGründen Interniertewegen allgemeinerRechtsverstößeInterniertewegen Wirtschafts-verbrechen InternierteGesamt%%%%In der Gesamtheit4536,58100Nach NationalitätenFranzösinnen374316,5100Deutsche63,510,50100Spanierinnen61272100Italienerinnen32,5358,5100Polinnen35,5533,5100 Auffallend ist, dass Deutsche und Spanierinnen überdurchschnittlich häufig aus politischen Gründen interniert waren, die Polinnen dagegen wegen allgemeiner Rechtsverstöße. Auch die Französinnen sind in dieser Gruppe überdurchschnittlich häufig zu finden, aber auch unter denen, die wegen wirtschaftlicher Vergehen interniert waren. Nach Peswchanski waren die Polinnen, die behördlicherseits nicht von den Maßnahmen gegen Angehörige feindlicher Mächte betroffen waren, vor allem wegen Diebstahls und Prostitution interniert. Gilzmer spricht in Bezug auf die Prostituierten im Lager vom Ergebnis einer „reaktionären Politik“ des Vichy-Regimes zur Gewinnung „der Kontrolle über den Körper der Frau“, als deren Folge „im September 1942 37 Prostituierte der Stadt Toulouse kollektiv interniert wurden“. Deren Zahl habe kontinuierlich zugenommen, so dass im April 1943 ein Drittel der Lagerpopulation aus Prostituierten bestanden habe. Nach der APSICBR sorgte das Vichy-Regime bewusst dafür, dass das Frauen-Internierungslager als Prostituierten-Lager in Verruf geriet. Dieses Vorurteil habe sich bis heute gehalten.

Am 21. Juli 1943 habe der Generalsekretär der Vichy-Polizei die Regionalpräfekten der südlichen Zone darüber informiert, dass männliche gefährliche NomadenNomades, Tsiganes und Manouches sind im Französischen auch aktuell benutzte Begriffe für Menschen, die im Deutschen zumeist als Sinti und Roma bezeichnet werden. in das Internierungslager Fort-Barraux gebracht werden müssten, deren Frauen aber nach Brens.Mémorial des Nomades de France: Camp de Brens (Tarn) 1941–1944. Auf einer weiteren Webseite dieser Organisation sind mehrere Lebensläuf von Sinti- und Roma-Frauen dokumentiert, die in Brens interniert waren. (Online)

Die aus politischen Gründen internierten Frauen seien sehr zahlreich vertreten und bestrebt gewesen, von den anderen Internierten getrennt zu werden. Diesem Wunsch sei am 27. März 1943 entsprochen worden. Nachdem im September 1943 (FMD: Dezember 1943) die Prostituierten – nach Gilzmer 69 Frauen – aus dem Lager entlassen wurden, stellten die Politischen die Mehrheit der Lagerinsassinnen. Ihre Zahl habe stark zugenommen durch den großen Zustrom von Widerstandskämpferinnen oder Frauen, die ihre Missbilligung gegenüber der deutschen Besatzung und dem Vichy-Regime zum Ausdruck gebracht hatten.

Bekannte internierte Frauen in Brens waren: Dora Schaul. Sie gehörte zu den Frauen, die im Februar 1942 aus dem Camp de Rieucros nach Brens verlegt wurden. Im Juli 1942 gelang ihr die Flucht aus Brens. Danach schloss sie sich der Résistance an.Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Dora Schaul Betty Rosenfeld kam ebenfalls über Rieucros nach Brens. Sie hatte als Krankenschwester den Internationalen Brigaden angehört und wurde am 7. August 1942 ins Camp de Gurs verlegt. Von hier aus führte ihr Weg über Oloron-Sainte-Marie und das Sammellager Drancy nach Auschwitz. Charlotte Minna Rosenthal (auch Liselotte, 1905–1942). Die PianistinCharlotte Minna Rosenthal im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek kam über das Camp de Gurs nach Brens und wurde von hier über Rivesaltes nach Drancy transportiert. Von dort erfolgte mit dem Transport Nr. 37 am 25. September 1942 ihre Deportation nach Auschwitz.Beate Klarsfeld und Eberhard Wagner (Hrsg.): Du hast mich nicht vergessen, hoffe ich! Liebesbriefe aus dem Wartesaal zum Tod, Stiftung Demokratie Saarland, Saarbrücken 2013 (Online)

Die APSICBR geht von etwa 80 jüdischen Frauen im Lager Brens aus. Ihre Anwesenheit im Lager sei meist nur kurz gewesen, da sie von hier aus wieder in andere Lager verlegt worden seien. Die FMD gebraucht in dem Zusammenhang den Begriff „Centre de triage“. Bekannte Verlegungen waren: 8. Juni 1942: Transfer von drei Frauen in das Camp de Gurs 8. Juli 1942: Transfer von drei Frauen in das Internierungslager Récébédou Diese 6 Frauen wurden am 8. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert, während die Verlegungen aus Brens fortgesetzt wurden. 26. August 1942: Überführung von 31 Frauen in das Lager in Saint-Sulpice-la-Pointe