mini|hochkant|Straßenbild im Jahr 1900 mini|Prospect der Brüderstrasse zu Cöllen an der Spree, Aquarell von Johann Stridbeck dem Jüngeren, 1690
mini|hochkant|Brüderstraße und Petrikirche auf einem Gemälde von Eduard Gaertner mini|Brüderstraße und Berliner Schloss, ca. 1890 mini|hochkant|Karte mit "Brüder Str.", ca. 1893
Die Brüderstraße ist eine 150 (ursprünglich 280) Meter lange Straße im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Sie gehört zum historischen Stadtteil Alt-Kölln und existiert seit dem 13. Jahrhundert.
Lage und Verlauf Die Brüderstraße verläuft seit 1964 von der Sperlings- bzw. Neumannsgasse bis zur Scharrenstraße bzw. zum Petriplatz. Ursprünglich begann sie am Schloßplatz bzw. vor der Dominikaner Klosterkirche. Die Hausnummern verlaufen in Hufeisenform ursprünglich vom Haus Nr. 1 am Schloßplatz bis zur Scharrenstraße und zurück zum Haus Nr. 45. Nach der Verkürzung der Straße wurden die Hausnummern nicht verändert und beginnen heute mit der Nr. 10 an der Sperlingsgasse und enden mit der Nr. 33 an der Neumannsgasse.
Straßenname Ihren Namen erhielt sie nach den Schwarzen Brüdern, den Dominikaner-Mönchen, die ihr Kloster am Ort des späteren Schloßplatzes gegründet hatten, wobei die Brüderstraße zu dem Kloster führte.
Der Darstellung aus Hermann Vogt „Die Straßennamen Berlins“ ist zu entnehmen: „Der älteste Theil derselben – zwischen Neumanns Gasse und Petri Platz – hat seinen Namen von dem hier belegenen Convent der Dominikaner-Brüder, welche sich im Jahre 1297 in dieser Straße niederließen. Der übrige Theil hieß früher Nach dem Neuen Stifte, nach der 1469 erfolgten Erhebung der Dominikanerkirche zum Neuen Domstifte. In einem Lehnbriefe des Kurfürsten Joachim Sigismund wird sie Dom-Gasse genannt. Seit dem Großen Kurfürsten hat die ganze Straße ihren heutigen Namen.“Hermann Vogt: Die Straßen-Namen Berlins. In: Schjriften des Vereins für die Geschichte Berlins. Heft XXII, Berlin 1885. In Kommission Bernd Mittler und Sohn, Königliche Buchhandlung, Kochstraße 68–70.
Eine später entstandene Legende zur Namensherkunft besagt: In dieser Straße lebten vier Brüder, die sich geschworen hatten, niemals zu heiraten. Ohne gegenseitig davon zu wissen, verliebten sie sich jedoch alle vier in das gleiche Mädchen, das vom Teufel besessen war. Sie lud alle vier zu einem Treffen am gleichen Ort zur gleichen Zeit ein. Als die Brüder jedoch sahen, dass sie hintergangen worden waren, reichten sie sich die Hände und erneuerten das Versprechen, keine Ehe eingehen zu wollen. Um nicht wieder in Versuchung zu geraten, wurden sie Mönche und gründeten ein Kloster am Ende ihrer Straße.Inge Kiessig: Berliner Sagen. Berlin-Information, Berlin 1990, S. 19 f.
Geschichte
Mittelalter bis 19. Jahrhundert Angelegt im 13. Jahrhundert zählt die Brüderstraße zu den ältesten Straßen Berlins. Historische Dokumente weisen aus, dass sich in dieser Straße im Jahr 1297 ein Konvent des Dominikanerklosters niederließ. Deshalb ist die Namensgebung der Straße nach den Dominikaner-Mönchen auch die glaubwürdigste, obwohl es auch andere Legenden dazu gibt (siehe: Legende um die Namensherkunft).Martina Krüger: Sagenhaftes um die Brüderstraße. Wo Lessing sich den Wein holte, sein Verleger wohnte und das Galgenhaus stand. In: Neues Deutschland, 13./14. März 1982
In der Brüderstraße sind auf einem Kupferstich von 1808 nach einer Vorlage von Franz Ludwig Catel drei Kastenbrunnen zu sehen, diese Schwengelpumpen wurden über Kesselbrunnen zur Versorgung der Bevölkerung mit Trink-, Gebrauchs- und Löschwasser aufgestellt, bevor in Berlin das Wassernetz zum Ende des 19. Jahrhunderts ausgebaut wurde. Der eine steht an der Ostseite 20 m nördlich Ecke Scharrenstraße (Haus Nr. 21) (#116, ), ein zweiter an der östlichen Straßenseite stand 70 m südlich in Richtung Ecke Neumanns Gasse (vor Haus Nr. 26, gegenüber der Nr. 13, dem Nicolaihaus) (#117, ) aufgestellt und ein dritter Gassenbrunnen, der die Bewohner in der Brüderstraße versorgte stand zehn Meter neben der Ecke Spreestraße (an der westlichen Straßenseite am Haus Nr. 10) (#118, ) Das Pumpgestänge der Brunnen war zum Schutz vor Wetter und Verschmutzungen und Beschädigungen eingehaust. Ein spitzes Dach schützte den Kasten nach oben, der Schwengel befand sich an der Seite und das Auslaufrohr war zum Schnittgerinne gerichtet. Um das Holzgehäuse zu schützen, stand unter dem Ausfluss ein schräges Brett gegen Spritzwasser. Zudem standen meist zwei bis vier Bottiche daneben, in denen der bei Brand notwendige Sofortvorrat an Löschwasser bereitstand.Franz Ludwig Catel (1778–1856): Die Petri=Kirche am Ende der Brüder=Straße in Berlin, Kupferstich auf Papier, Berlin um 1805. Inv.-Nr. SM 2015-0716. Sammlung Stadtmuseum.
In der Brüderstraße lebten im 17. und 18. Jahrhundert für das Berliner Kulturleben bedeutende Personen, dazu gehörten der Baumeister und Künstler Andreas Schlüter, der Buchhändler und Schriftsteller Friedrich Nicolai, der Buchdrucker Georg Jacob Decker, der Zeichner Daniel Chodowiecki, der Porzellanfabrikant Johann Ernst Gotzkowsky, der „Vater der deutschen Bevölkerungsstatistik“ Johann Peter Süßmilch und der Seidenfabrikant Jean Paul Humbert. Hier war der Schauplatz des Berliner Tumults von 1615, bei dem die Häuser der Domprediger attackiert und geplündert wurden.
Die Straße war im 18./19. Jahrhundert der bevorzugte Wohnsitz begüterter Einwohner, darunter zahlreiche Kaufleute, Handwerksmeister und Fabrikanten wie Jobst Schultheiss.
Im Jahr 1768 gab es die Weinhandlung Maurer und Bracht (1799: Maurers Erben). Im Haus Nr. 11 lag die Propstei zu Kölln, daneben gab es eine Stickereimanufaktur, eine Schriftgießerei und die Italiener Waaren-Handlung, ein Treffpunkt feiner Damen mit einem Angebot rund um die Schönheit.Inge Gerlich: Entdeckungen vor der Haustür. Brüderstraße. Zeugen Altberliner Geschichte. (in einem undatierten Ausschnitt einer DDR-Tageszeitung) Das Haus Nr. 39 beherbergte das Gasthaus zur Stadt Paris Am 13. Februar 1786 gab dort die blinde Komponistin, Pianistin, Sängerin und Musikpädagogin Maria Theresia Paradis während ihrer dreijährigen Europatournee ein Konzert. Marion Fürst: Maria Theresia Paradis. Mozarts berühmte Zeitgenossin. Böhlau 2005, S. 135. und direkt am Schloßplatz, im Haus zum Dom befand sich dessen Verwaltung, das Direktorium. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Charakter von der vornehmen ruhigen Wohn- zu einer lebhaften Geschäftsstraße.
20. Jahrhundert Rudolph Hertzog, der in der Breiten Straße mit einer Manufactur-Waaren-Handlung begann, expandierte Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Brüderstraße. 1909 wurde der heute noch erhaltene Erweiterungsbau an der Brüderstraße Ecke Scharrenstraße fertig gestellt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden durch alliierte Luftangriffe über ein Fünftel der Gebäude der Brüderstraße zerstört, rund drei Viertel galten als beschädigt, aber wiederaufbaubar.Karte der Gebäudeschäden 1945 zu erreichen über „Starten“ und „Historische Karten/Gebäudeschäden 1945“. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Zwischen 1962 und 1964 wurde das Staatsratsgebäude nach Plänen von Josef Kaiser und Roland Korn errichtet. In diesem Zusammenhang wurden die Bauten der nördlichen Brüderstraße, die den Krieg überdauert hatten, abgebrochen, darunter die unter Denkmalschutz stehenden Häuser Nummern 8 und 39a. Im Jahr 1964 entstand nach einem Entwurf des führenden Landschaftsarchitekten der DDR, Hubert Matthes, der Garten des Staatsratsgebäudes, an dessen Zaun gegenwärtig die Brüderstraße endet. Im restlichen Teilstück der Brüderstraße blieben nur das Kaufhausgebäude von Rudolph Hertzog in der Nummer 26 und die barocken Häuser Nr. 10 (Galgenhaus) und 13 (Nicolaihaus), sowie das Geschäftshaus Nr. 11–12 erhalten. Zu den abgerissenen Gebäuden gehörte das innen ausgebrannte Schlüterhaus Nummer 33 aus der Zeit um 1700.Zu den denkmalgeschützten Bauten siehe Hans Müther: Berlins Bautradition. Kleine Einführung. Das Neue Berlin, Berlin 1956, S. 94 f. Auf den abgeräumten Grundstücken der Westseite der Straße wurden Anfang der 1960er Jahre Appartementhäuser mit Kleinstwohnungen nach Entwürfen des Kollektivs Prasser/Graffunder errichtet. Das Eckgrundstück Brüderstraße und Neumannsgasse kam als Areal zum Neubau des DDR-Bauministeriums.
Neue Entwicklungen im Stadtbild Zwischen 2006 und 2010 wurde die nach Abbruch der Petrikirche vorgenommenen Verlängerung der Brüderstraße bis zur Gertraudenstraße rückgängig gemacht.
Seit Anfang der 1990er Jahre gehört die Brüderstraße zum Entwicklungsbereich Hauptstadt Berlin – Parlaments- und Regierungsviertel. Der öffentlich verfügbare Raum soll durch „Nutzungsmischung und Reurbanisierung qualifiziert werden“. (PDF; 375 kB) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, abgerufen am 17. Januar 2011. Außerdem liegt die Brüderstraße im Geltungsbereich des 2011 beschlossenen Bebauungsplanes I-218.
Bauten und Denkwürdigkeiten Ein Prospekt der Brüderstrasse von Johann Stridbeck dem Jüngeren aus dem Jahr 1690 zeigt die Brüderstraße mit Blick aus Richtung SchlossDie Grundstückszählung begann an der Westseite von der Stechbahn mit 1 bis zur Scharrengasse mit 19 und an der Ostseite zurück, zwischen 33 und 34 die Neumanns Gasse, bis an die Nordostecke mit Grundstück Nr. 45. zur Petrikirche und hebt damals beachtenswerte Wohnhäuser hervor:
Herr Happens Haus, die Apotheke, das Adreß-Hauß, die Spree Gasse, die Petrikirche, ein noch unausgebautes Haus.
Brüderstraße 10 (Galgenhaus). Das Haus Brüderstraße 10 gehört zu den ältesten noch erhaltenen Bürgerhäusern Berlins. Im sogenannten „Galgenhaus“ zeigt die Galerie Kewenig seit September 2013 Ausstellungen rund um Arte Povera, Minimal Art und Konzeptkunst.Galerie Kewenig – Galerieprofil mit Künstlern, Messeteilnahmen und Ausstellungen, Artnet.de, abgerufen am 1. Dezember 2014. Die Bezeichnung geht darauf zurück, dass hier eine Dienstmagd für den angeblichen Diebstahl eines silbernen Löffels gehängt wurde, den man später auf der Ziegenweide wiederfand. Brüderstraße 11/12. In den 1905 errichteten Gebäuden befindet sich die Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund.mini|Brüderstraße 13, 1892