mini|Westfassade mit Dreiportalanlage mini|Westfassade vor der Abtragung des beschädigten Nordturms 1844/45

Die Kathedrale von Saint-Denis ()www.saint-denis-basilique.fr ist eine ehemalige Abteikirche in der Stadt Saint-Denis nördlich von Paris. Weltbekannt ist die ehemalige Abtei als eines der wichtigsten Hausklöster der Merowinger und der Karolinger und die einstige Abteikirche als Grablege fast aller französischen Könige aus dem Hause der Kapetinger.

Sie gilt kunsthistorisch als einer der Gründungsbauten der Gotik, da in dem 1140 unter Abt Suger begonnenen Umgangschor die ersten spitzbogigen Kreuzrippengewölbe ausgeführt wurden. Fast 80 Jahre später bot sie erneut eine Innovation: ab 1231 wurden unter Erhaltung von Wänden, Arkaden und Gewölben des Chorumgangs Chor und Langhaus erneuert. Um 1200 hatte in anderen Basiliken das Triforium Eingang in die Gotik gefunden, als fensterloser Laufgang in den Hochschiffswänden auf Höhe der außen angelehnten Seitenschiffsdächer. Die Abteikirche von Saint-Denis erhielt nun Triforien mit Außenfenstern, ermöglicht durch Seitenschiffs- und Umgangsdächer, die auch zu den Hochschiffs- bzw. Hochchorwänden hin Traufen hatten. Solche befensterten Triforien gelten in Frankreich als Kennzeichen der sogenannten strahlenden Gotik, der dort dritten Phase der Gotik.

Die Kirche ist dem heiligen Dionysius geweiht, dem Schutzpatron und ersten Bischof von Paris. Seit 564 diente sie einigen fränkischen Merowinger-Königen als Grablege. Vom Ende des 10. Jahrhunderts bis 1830 wurden fast alle französischen Könige und viele Königinnen der Kapetinger-Dynastie aus der Hauptlinie (987–1328) sowie den nachfolgenden Nebenlinien Haus Valois und Haus Bourbon dort bestattet. Im Zuge der Französischen Revolution kam es 1793–1794 zur Plünderung der Königsgräber. Dabei wurden auch die Skulpturen der Kirche schwer beschädigt. Seit 1862 wird Saint-Denis als Monument historique klassifiziert. Sie wurde 1966 zur Kathedrale des Bistums Saint-Denis erhoben. Bis dahin war sie seit der Merowingerzeit als Basilika von Saint-Denis bekannt. Seit 1996 steht die Kathedrale von Saint-Denis auf der Vorschlagsliste Frankreichs zum UNESCO-Welterbe.

Geschichte mini|Mittelschiff mini|Gewölbe und Obergaden Im 4. Jahrhundert entstand über dem Grab des heiligen Dionysius von Paris und seiner beiden Gefährten Rusticus und Eleutherius eine hölzerne Grabkapelle. Der Legende nach war Bischof Dionysius in der Zeit der Christenverfolgungen um 249 auf dem Montmartre enthauptet worden. Er habe seinen Kopf aufgenommen und sei bis zu dem Standort der heutigen Kirche gewandert, wo er umfiel und bestattet wurde. Die Heilige Genoveva ersetzte dieses frühe Bauwerk durch eine Backsteinkapelle.

Ein Kloster ist um 625 nachgewiesen, welchem die Merowinger ihre ganze Aufmerksamkeit widmeten, insbesondere Chlothar I. (König des gesamten Frankenreiches von 558–561), der seine Gattin Arnegunde († um 565) dort aufwändig bestatten ließ (ihr erst 1959 entdeckter Sarkophag enthielt Schmuckstücke, die im Louvre ausgestellt sind), ebenso Chlothar II. (König der Franken von 584–629) und Dagobert I. (König von 629–638). Dieser ließ eine nicht sehr große, aber prunkvoll ausgestattete neue Kirche errichten; der Altar, der einen kostbaren neuen Schrein für die Reliquien enthielt, war aus Gold und der darüber liegende Teil des Daches mit Silber gedeckt. Der König verband die Kirche mit einer Abtei, die er mit reichen Einkünften ausstattete, sodass ihn die Mönche späterer Zeit als Klostergründer ansahen. Vor allem aber brach er mit der Tradition und bestimmte nicht die bisherige königliche Nekropole, die Abtei Saint-Vincent-Sainte-Croix (künftig Abtei Saint-Germain-des-Prés) zu seinem Bestattungsort, sondern die Abtei St-Denis. Als dem ersten hier bestattetem Monarchen wurde ihm im 13. Jahrhundert ein besonders prächtiges Grabmal mit gotischen Spitzbögen gestiftet, das − mehrmals beschädigt und wiederaufgebaut − noch heute die Blicke auf sich zieht.La violation des tombeaux royaux par le docteur Léon Cerf, 11.04.2019, historia.fr Seine Witwe Nanthild und sein Sohn Chlodwig II. († 657) taten es ihm gleich. Somit fungierte die Anlage als Hauskloster der Merowinger, die hier auch eine ihrer zahlreichen Königspfalzen unterhielten, die zu einer der beliebtesten Stationen ihres Reisekönigtums wurde.

Auch Karl Martell († 741), Ahnherr der Karolinger, jedoch nur Hausmeier der Merowingerkönige, wollte dadurch seine Macht demonstrieren, dass er seine ewige Ruhe neben diesen finden sollte. Der erste König aus der Dynastie der Karolinger, Karl Martells Sohn Pippin der Jüngere (König von 751–768), begann mit dem Bau eines neuen Altarraumes (um 750–775). Dies gestattete es den Pilgern, die Gräber der Heiligen zu umrunden. Pippin konnte sich dank der Unterstützung des einflussreichen Abtes Fulrad von St-Denis, der sich in Rom für ihn eingesetzt hatte, im Chor der Abteikirche von Papst Stephan II. am Dreikönigstag 754 zum König krönen lassen. An der Kirche wurde er auch bestattet, bevor die von ihm begonnenen Arbeiten unter Karl dem Großen vollendet wurden. Dessen neuer Hauptsitz wurde die Aachener Königspfalz, womit Abtei und Pfalz von Saint-Denis ihren bisherigen Spitzenrang einbüßten. Erst Karl der Kahle († 877), Enkel des großen Karl, fand seine letzte Ruhestätte wieder in St-Denis. Nach der Zerstörung der Basilika Saint-Martin de Tours, der Grablege des fränkischen Nationalheiligen Martin, durch die Normannen 853 kamen kunstfertige Mönche des dortigen Skriptoriums nach Saint-Denis und machten es zu einem der Zentren der karolingischen Buchmalerei, der karolingischen Hofschule.

Mit der Machtergreifung des Begründers der Dynastie der Kapetinger, Hugo Capet (König von Frankreich von 987–996), festigte St-Denis endgültig seine Rolle als Grablege der französischen Könige, die – mit Ausnahme von Philipp I., Ludwig VII., Ludwig XI., Karl X. und Ludwig Philipp I. – alle dort bestattet wurden.

Die Abtei wurde im 15. Jahrhundert von den Armagnaken und den Engländern verwüstet, im 16. Jahrhundert dann von den Calvinisten in den Hugenottenkriegen. In der Zeit der Französischen Revolution wurden die Königsgrabmale schwer in Mitleidenschaft gezogen. Während des Ersten Koalitionskrieges rief der Revolutionär Bertrand Barère in einer Rede im Nationalkonvent am 31. Juli 1793 namens des Wohlfahrtsausschusses dazu auf, zur Feier des ersten Jahrestags des Tuileriensturms die Königsgräber in Saint-Denis zu zerstören. Auf Beschluss des Konvents kam es daraufhin zur Plünderung der Königsgräber von Saint-Denis. Zu symbolischem Zweck sollten aus den Bleisärgen Gewehrkugeln gegossen werden, um die heranrückenden Armeen der europäischen Monarchien zu bekämpfen.

Baugeschichte Die Baugeschichte von Saint-Denis lässt sich in drei Hauptphasen gliedern: den karolingischen Bau, den Bau der Frühgotik und die Erweiterungen des Style Rayonnant.

Die heutige Kirche erhebt sich an der Stelle mehrerer wenig bekannter Vorgängerbauten. Bereits im 4. Jahrhundert entsteht über dem Grab des heiligen Dionysius von Paris eine vermutlich hölzerne Grabkapelle. Laut dem Zeugnis des Gregor von Tours (538–594) lässt die heilige Genoveva die Grabkapelle im Jahr 475 durch eine größere Kirche ersetzen, welche ab 564 n. Chr. den fränkischen Königen als Grablege dient. Ein Kloster, das sich bedingt durch die günstige Lage im fruchtbaren Pariser Becken und an der alten Handelsstraße von Paris nach Rouen rasch entwickelt, ist um 625 nachgewiesen. König Pippin der Jüngere beginnt um 750–775 mit dem Bau eines neuen Altarraumes, der es den Pilgern gestattet, die Gräber der Heiligen zu umrunden.

mini|hochkant=0.6|Abt Suger auf einem Fenster des 12. Jahrhunderts Ihr heutiges gotisches Erscheinungsbild verdankt die Kirche einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des 12. Jahrhunderts, Abt Suger (1081–1151), der gemeinsam mit dem späteren König Ludwig VI. auf die Abteischule von Saint-Denis ging und von diesem später auch mit diplomatischen Missionen, unter anderem zur römischen Kurie, betraut wurde. Er kann als der eigentliche Bauherr angesehen werden, denn unter seiner Leitung beginnt der Neubau von Saint-Denis mit der Grundsteinlegung der Westfassade am 9. Juni 1137. 1140 wird der Chor begonnen; er enthält die ersten spitzbogigen Kreuzrippengewölbe. Am 9. Juni desselben Jahres findet die Weihe der Westanlage statt.

Ab 1141 unternimmt die Abtei den Neubau des Langhauses und der oberen Chorgeschosse. Der Architekt ist unbekannt, er wird als Saint-Denis-Meister bezeichnet. Der frühgotische Chor wird nach dreijähriger Bauzeit vollendet und am 11. Juni 1144 geweiht. Das alte Langhaus bleibt als Bausubstanz bestehen. Nach dem Tod Sugers 1151 tritt ein Stillstand in der Bautätigkeit ein, sodass das Langhaus erst von 1231 bis 1281 im hochgotischen Stil errichtet wird. 1219 wird der nördliche Turm des Westwerkes, nach Vorbild von St-Etienne in Caen, errichtet. Von 1231 bis 1245 wird auch der Chor erneuert: Die Pfeiler des Binnenchores werden ausgetauscht und im Obergaden werden Maßwerkfenster eingesetzt. Des Weiteren wird das Triforium durchlichtet und das Querhaus auf fünf Schiffe erweitert. Zusätzlich erhält es je ein Rosenfenster im Süden und im Norden (1236–1238). Vollendet wurde die Basilika durch König Ludwig den Heiligen, der auch die sterblichen Überreste fast aller seiner anderswo bestatteten Vorgänger nach Saint-Denis holen ließ, sodass die historische Nekropole der Könige mit wenigen Ausnahmen vollständig wurde. Er ließ die meisten der gotischen Steinsarkophage anfertigen.

1771 werden die Gewändefiguren in Saint-Denis herausgerissen. Während der Französischen Revolution 1793 kommt es zur Plünderung der Gräber, wobei weitere Skulpturen der Kirche schwer beschädigt werden. Auch die Fenster der Kirche werden 1793 weitgehend zerstört.

Napoleon Bonaparte, der die Kirche künftig als Grablege der Bonaparte nutzen wollte, ließ zunächst das Dach wieder decken und begann den Umbau der Krypta. Sein Plan war 1805 zunächst die Einrichtung eines Chorherrenstifts in der Klosteranlage, das aus zehn pensionierten Bischöfen bestehen sollte, dann stiftete er die Gebäude 1809 der noch bestehenden Schule der Ehrenlegion. An der Südflanke des Chors ließ er eine neue Sakristei anbauen.

Die Restaurierungen von 1839/40, die nach dem Geschmack und dem Kenntnisstand der Zeit vorgenommen werden, verfälschen das ursprüngliche Bild der ganzen Anlage. Nur die formale Aufteilung der Flächen ist original. Nach Blitzschlägen 1837 und 1840 und Sturmschäden 1842/43 zeigt der Nordturm Risse. Er wird zunächst provisorisch repariert, dann aber von Eugène Viollet-le-Duc abgetragen. Dieser restauriert 1848 einige Fenster. Bruchteile und vollständige Fenster der Abteikirche finden sich in Kirchen und Sammlungen in ganz Europa.

Im März 2025 begann der Wiederaufbau des Nordturms, der bis zum Jahr 2029 abgeschlossen sein soll.

Architektur Fassade mini|Die hl. Dreifaltigkeit, Detail der Archivolten des Mittelportales, um 1150/1840

Die Grundsteinlegung der Westfassade fand am 9. Juni 1137 unter Leitung des Abtes Suger statt und ihre Weihe am 9. Juni 1140. Von den in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts aufgesetzten Türmen ist nur der Südturm erhalten.Open Edition (2021): La flèche de l’ancienne abbatiale de Saint-Denis : un bilan archéologique Der Nordturm aus dem 13. Jahrhundert wurde im 19. Jahrhundert demontiert (s. o.).

Sie ist vertikal durch Strebepfeiler dreigeteilt. Horizontal sind die Bereiche der Seitenportale in vier Abschnitte eingeteilt. Ganz unten befinden sich die Portale, darüber ein vorgeblendetes Triforium, das nur in der Mitte von einem Rundbogenfenster durchbrochen wird. Darauf folgt nochmals ein höheres Blendtriforium, das wiederum an den Seiten Rundbogenfenster besitzt. Ganz oben befinden sich jeweils vier figürliche Reliefs. Den Abschluss bildet ein Zinnenkranz, der sich über die komplette Fassade hinweg zieht.

mini|Gewändefiguren an den Westportalen (zerstört), Kupferstich von 1733