mini|300px|Karte des Herzogtums Krain aus dem Jahr 1714 mini|300px|Karte des Herzogtums Krain aus dem Jahr 1791
Krain (slowenisch Kranjska, mittellateinisch Carniola, Creina marcha; slav. krajina ‚Grenzgebiet, Mark‘) war zuerst eine dem Herzogtum Bayern vorgelagerte ottonische Grenzmark im heutigen Slowenien, die vor 973 eingerichtet wurde. Im 13. Jh. kam zu Krain die Windische Mark hinzu. Ab 1364 war sie Herzogtum und ab 1849 österreichisches Kronland. Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 ging Krain in Slowenien auf, das bis 1991 Jugoslawien angehörte. Die einstige Hauptstadt des Herzogtums Laibach ist als Ljubljana die Hauptstadt Sloweniens.
Etymologie Lat. Carniola als Variante von Carnia scheint zuerst in der Historia Langobardorum auf und stammt wahrscheinlich vom keltischen Volk der Karner (urkeltisch *karnom ‚Horn‘). Urslawisch krajina ‚Landschaft‘ ist jünger.
Das Wappen der Krain und ihre Landesfarben mini|Wappen des Herzogtums Krain (1849–1918) mini|Weiß-Blau-Rot, die Landesfarben der Krain ab 1916
Das Wappentier im Wappen des Herzogtums Krain ist ein Adler, der auf die Grafen von Andechs-Meranien, die einstigen Markgrafen von Krain, zurückzuführen sei. Überliefert wird ein weißer Adler im blauen Feld. Auch Ottokar II. Přemysl führte als „dominus Carniole“ 1269 den Krainer Adler in seinem Münzsiegel.
Mit dem Beginn der Herrschaft der Habsburger nahm das Wappen konkrete Formen an, jedoch mit wechselnden Tingierungen. Die Farbe des Adlers war seither immer blau, das Feld wechselt zunächst jedoch zwischen Silber (Weiß) und Gold (Gelb), bis sich das Gold durchsetzte. Blau und Gold waren seither auch die Landesfarben der Krain. Die Spange, auch als Mond bezeichnet, auf der Brust des Adlers, die schon bei Ottokar Přemysl zu sehen war, war rot-silbern geschacht. Die Farben der Spange wechselten jedoch auch später zwischen Rot-Gold und Rot-Silber.
Im Jahre 1463 besserte Kaiser Friedrich III. das Wappen der Krain als Dank für den Entsatz und militärische Hilfe dieses Landes anlässlich seiner Belagerung in der Wiener Hofburg im Jahre 1462 im Erbschaftsstreit mit seinem Bruder Albrecht VI. Der blaue Adler, nunmehr im goldenen Feld und einer rot-gold geschachten Spange auf der Brust, bekam die Kaiserkrone auf den Kopf. Die Spange wurde damals zuweilen noch rot-weiß dargestellt.
Um 1915 wurden die Farben festgelegt: ein blauer Adler im goldenen Feld belegt mit einer rot-golden geschachten Brustspange.
Die Darstellung des Wappens nebenan zeigt den rotbewehrten (Bewehrung: Krallen, Schnabel), blauen Adler mit einer von Rot und Gold geschachten Spange auf der Brust und der Kaiserkrone auf dem Kopf in einer goldenen Kartusche mit dem Fürstenhut.
Die Landesfarben waren stets Blau und Gold, niemals Rot und Gold. Erst im Jahre 1916 wurden Weiß-Blau-Rot (die panslawischen Farben) offiziell als Landesfarben eingeführt. Diese Farben sind auch im aktuellen Wappen der Republik Slowenien zu finden.
Territoriale Gliederung des Landes mini|2a: Oberkrain2b: Innerkrain 2c: Unterkrain und Weißkrain.
Das Territorium des Herzogtums war im Verlauf seiner Geschichte häufigen Veränderungen unterworfen. Zur Zeit der größten Ausdehnung der Krain gehörten dazu weite Teile des Triester Litorales, das nördliche Istrien und sogar Castau (Kastav), Khlan (Klana) und Fiume (Rijeka). Die Gliederung erfolgte nach verwaltungstechnischen und militärischen Aspekten. Valvasor (1641–1693), der Verfasser des Werks Die Ehre des Herzogtums Krain, nennt fünf Regionen als Teile der Krain:
Oberkrain / Gorenjska erstreckte sich im Westen entlang der Linie Weißenfels (Fusine in Valromana) an der Grenze zu Kärnten über den Wocheiner See (Bohinjsko jezero), entlang der Julischen Alpen bis Idria (Idrija) und von dort bis zum Fluss Laibach (Ljubljanica) und der Stadt Laibach (Ljubljana). Im Norden grenzte es an Kärnten und im Osten an die Untersteiermark. Die Grenze zu Unterkrain waren im Osten der Laibach (Ljubljanica) und im Norden die Save. Mittelpunkt waren die Städte Stein (Kamnik) und Krainburg (Kranj). Dieser Landesteil ist geprägt durch die Alpen (Steiner Alpen, Karawanken, Julische Alpen, Schwarztal).
Unterkrain / Dolenjska grenzte im Westen an den Laibach (Ljubljanica) und erstreckte sich in östlicher Richtung zwischen der Save als nördlicher Grenze und der Gurk (Krka) als südliche Grenze keilförmig bis zur Mündung der Gurk in die Save. Größere Orte waren Rudolfswerth (Novo mesto), Littai (Litija), St. Martin (Šmartno pri Litiji), St. Veit (Šentvid) in der Nähe des Klosters Sittich, Treffen (Trebnje) und Weichselberg (Višnja Gora). Die Bela krajina (Weißkrain) wird häufig trotz der Unterschiede in Geschichte, Kultur und lokaler Sprache zur Unterkrain gezählt.
Mitterkrain lag zwischen der Gurk und der Kulpa. Zu Mitterkrain gehörten damals die Gegenden um Möttling (Metlika), Tschernembl (Črnomelj), Gottschee (Kočevje) sowie Zirknitz (Cerknica) mit dem Zirknitzer See. Im Westen reichte sie bis zur Linie Pölandt (Poljane), Auersperg (Turjak), Guetenfeld (Dobrepolje), Ortenegg (Ortnek), Reiffnitz (Ribnica), Gottschee (Kočevje), Costel (Kostel) bis zur Kulpa. Später wurde Mitterkrain Teil Unterkrains.
Innerkrain / Notranjska mit den Hochkarstregionen des Ternowaner Waldes (Trnovski gozd) und des Birnbaumer Waldes (Hrušica) und den Städten Idria (Idrija) und Adelsberg (Postojna) schloss im Norden an die Oberkrain und im Osten an die Mitterkrain an. Die westliche Grenze verlief nach Süden von Idria bis Tybein (Duino), machte einen Bogen um Triest, verlief in östlicher Richtung bis St. Kanzian (Škocjan), danach entlang des Flusses Reka über Guetenegg (Gotnik), Jablanitz (Jablanica) und von dort bis zum Fluss Kupa.
Istrien: Valvasor schrieb einleitend darüber so: „In Istrien, das ist im fünften Teil des Landes Krain, leben zweierlei Bewohner, nämlich Fiumarer, Dalmatiner oder Liburnier und echte Istrianer“, wobei er Istrien oft auch Isterreich und seine Bewohner Isterreicher nannte. Auf Johann Homanns Karte des Herzogtums Krain wird im Jahr 1714 die Variante Histereich genutzt (s. Abbildung). Die Teile Istriens, die zur Krain gehörten, schlossen im Norden an die Innerkrain an. Im Westen verlief die Grenze nach Süden von St. Kanzian über Karstberg, Antignana, von dort schwenkt sie bei St. Peter im Walde (Sveti Petar u Šumi) in östlicher Richtung über Mitterburg (Pazin), Berschetz (Brseč), Lauran (Lovran), Wolauska (Volosko) bis Fiume (Rijeka). Von dort verlief die Grenze nach Norden entlang des Flusses Fiumara (Rječina) bis zur Kolpa.
Diese Unterscheidung schlägt sich auch im Brauchtum und den Mundarten nieder (vgl. Slowenische Mundarten).
Heutige Landesteile der Krain mini|Die Landesteile der Krain
Oberkrain / Gorenjska: siehe Hauptartikel Oberkrain
Innerkrain / Notranjska: siehe Hauptartikel Innerkrain
Unterkrain / Dolenjska: siehe Hauptartikel Unterkrain sowie südwestlich des Uskokengebirges Bela krajina (Weiße Mark, Weißkrain): siehe Hauptartikel Bela krajina
Geschichte
Vorgeschichte
In der Antike lag das Gebiet um den Treffpunkt der römischen Provinzen Noricum, Pannonia und Venetia (et Histria), deren Grenzen durch die Kaiser Trajan (um 100) und Diokletian (um 300) zur besserer Verteidigung Italiens gegen Barbaren mehrmals geändert wurden. Die Hauptfestung war Aquileia, zu dem alle Römerstraßen aus dem Donauraum führten. In der Zeit der Völkerwanderung verlief hier über den Pass des Birnbaumer Waldes eine wichtige Durchzugsroute germanischer Stämme auf ihrem Weg nach Italien. Die Langobarden ließen sich hier zunächst nieder. Nach ihrem Abzug nach Italien im Jahre 568 wurde die Region um 590 von Alpenslawen besiedelt. Im 8. Jahrhundert kam das Land gemeinsam mit Kärnten als Karantanien an Bayern und mit diesem an das Frankenreich. Karl der Große ließ das Land vorerst von Friaul aus verwalten.
Markgrafschaft Krain Krain (mlat. Carniola, Creina marcha) wird erstmals 973 als Teil des Herzogtums Heinrichs des Zänkers und der Grafschaft des Poppo erwähnt. Kirchlich wurde es vom Patriarchat von Aquileia betreut. Die Mark Krain bestand damals aus dem heutigen Oberkrain mit Krainburg (heute Kranj), wo auf der dortigen Burg der damalige Markgraf seinen Sitz hatte, aus dem Laibacher bzw. Ljubljanaer Kessel und dem keilförmigen Gebiet, das im Osten von St. Marein (Šmarje), Großlassitsch (Velike Lašče) und den Gottscheer Wäldern (Gottscheer Horn), im Westen von Laas (Lož), Zirknitz (Cerknica) und Alben (Planina) begrenzt wurde. Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte die Burg Johann von Khissl, der sie umbaute und in Khisslstein bzw. Kieselstein umbenannte.
Nach der Jahrtausendwende gelang die Abkoppelung Krains von Kärnten. Dies war zugleich der Beginn engerer Beziehungen zur Mark an der Sann (Savinjska krajina) und zu Istrien (Istra). Die Grenzen Krains waren von da an fließend und änderten sich nach den durchgesetzten Machtansprüchen benachbarter Territorien. Die ersten eigenständigen Markgrafen waren die bayerischen Grafen von Sempt-Ebersberg, die von 1036 an ihren Machtanspruch auch über die südlich der Save gelegenen Teile der Mark an der Sann ausdehnten. Als Markgraf folgte 1058 Ulrich von Weimar-Orlamünde, damals amtierender Markgraf von Istrien. 1063 entriss er Kroatien einen schmalen Küstenstreifen im äußersten nördlichen Zipfel des Kvarner (Quarnero), der Bucht von Rijeka bzw. Fiume. Dieses Stück Land zwischen Rijeka und Brseč wurde fortan als Meran oder Meranien bezeichnet.
Nachfolger der Weimarer wurden 1077 die Patriarchen von Aquileja. Sie blieben Markgrafen von Krain nominell bis 1282; das Land war aber an Adelshäuser verpfändet. Um die tatsächliche Macht in Krain wetteiferten seit 1086 Aquilejas weltliche Verwalter Krains und Angehörige mächtiger Dynastien: die Eppensteiner, die Grafen von Andechs-Meran, die Weichselberg und die Grafen von Görz. Der letzte Babenberger, Friedrich II., der Streitbare, heiratete 1229 Agnes von Andechs und Meranien und kaufte Besitzungen des Hochstiftes Freising auf. Auch die Spanheimer griffen in das Ringen um Einfluss und Macht ein.
mini|Krainer Pfennig, 13. Jahrhundert (1218–51)
Die Adelsgeschlechter und das Stift Freising erhoben von ihnen gegründete Siedlungen als Teil ihrer Machtpolitik zu Städten: So wurden Stein (Kamnik), Krainburg (Kranj), Laibach (Ljubljana), Landstraß (Kostanjevica na Krki) und Bischoflack (Škofja Loka) im 13. Jahrhundert urkundlich als Städte genannt.Miha Kosi (Laibach): Stadtgründung und Stadtwerdung. Probleme und Beispiele aus dem slowenischen Raum. In: Pro Civitate Austriae. Informationen zur Stadtgeschichtsforschung in Österreich. Neue Folge, Heft 14, Österreichischer Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung, Linz 2009, S. 7.
Weltliche und geistliche Grundherren brachten deutsche Siedler ins Land. Bischoflack (Škofja Loka) wurde zum Hauptort deutscher Bevölkerung, doch gingen die Deutschen bald in der slowenischsprachigen Umgebung auf. Nur in wenigen Orten, z. B. in Zarz (Sorica) hielt sich die deutsche Sprache. Zahlreiche Orte haben daher einen vormals verwendeten deutschen Namen. Die Städte Krains bewahrten ihren deutschen Charakter bis ins 19. Jahrhundert.
Nach dem Aussterben der herzoglichen Spanheimer riss der König von Böhmen, Ottokar II. Přemysl, der damals auch in Österreich und der Steiermark herrschte, Krain 1269 an sich und behielt das Gebiet bis zu seinem Tod in der Schlacht auf dem Marchfeld (26. August 1278), aus der Rudolf von Habsburg, der neue römisch-deutsche König, als Sieger hervorging.
Nach dem Sieg auf dem Marchfeld begann Rudolf (1218–1291) mit größter Vorsicht den Aufbau seines dynastischen Territoriums. Die ehemaligen Territorien der Spanheimer und der Babenberger in Krain vergab er 1279 als deutscher König als Pfand und nicht als Lehen, und zwar an seinen treuesten Verbündeten, den Grafen Meinhard II. von Görz und Tirol, den er 1286 zum Herzog von Kärnten erhob.