mini|Urkunde durch die Papst Alexander VI. dem Erzbischof von Toledo Francisco Jiménez de Cisneros die Gründung des Colegio Mayor de San Ildefonso genehmigte Der Colegio Mayor de San Ildefonso in Alcalá de Henares wurde von Francisco Jiménez de Cisneros, dem damaligen Erzbischof von Toledo, als unabhängige Einrichtung der akademischen Bildung gegründet. Seit dem Jahr 1508 spielte das Kolleg eine bedeutende Rolle in der wissenschaftlichen Ausbildung der theologischen Elite Spaniens. Als zentrale Einrichtung bildete es, zusammen mit anderen Kollegs und weiteren Einrichtungen, die historische Universität von Alcalá de Henares.

Vorbilder für den Colegio Mayor de San Ildefonso Collège de la Sorbonne Der Theologieprofessor Robert von Sorbon, Kaplan und Almosenier des Königs Ludwig IX., gründete 1257 in Paris das „Haus der armen studierenden Lehrer der theologischen Fakultät.“domus pauperum magistrorum studentium in theologica facultate Das Neue an dieser Einrichtung war, dass sie nicht für jüngere Studenten bestimmt war, sondern für Magister der freien Künste die ein Theologiestudium beginnen wollten. Mit der Gründung einer Institution, die „ein Ort für die Ausbildung von weltlichen Eliteseelsorgern und -predigern“ sein sollte, wollte Robert von Sorbon dem weltlichen Klerus die gleichen Möglichkeiten bieten, wie sie dem Ordens-Klerus zur Verfügung standen. Die Einrichtung, die später Collège de la Sorbonne genannt wurde, wies im Gegensatz zu den älteren, lediglich als Wohnheim dienenden elementaren Formen des kollegialen Zusammenlebens wichtige Neuerungen auf. Das Collège de la Sorbonne besaß Grundstücke und Gebäude und wurden aus regelmäßigen Einnahmen einer umfangreichen Stiftung finanziert. Die Studenten lebten in einer brüderlich organisierten Gemeinschaft zusammen. Das tägliche Leben war durch Statuten so geregelt, dass die meiste Zeit mit gemeinsamem Lernen nach einem geregelten Studienplan verbracht wurde. Im Spätmittelalter wurde der Unterricht von den Fakultäten der Theologie und den freien Künsten in das Collège verlegt. Im Verlauf des 13. und 14. Jahrhunderts wurden in England eine große Anzahl von „Colleges“ nach dem Vorbild des Collège de la Sorbonne gegründet. Der Unterricht wurde zunehmend in den Colleges und nicht mehr an der Universität erteilt.

Reale Collegio Maggiore di San Clemente degli Spagnoli Im September 1364 verfasste der frühere Erzbischof von Toledo, Kardinal Gil Álvarez Carrillo de Albornoz sein Testament. Darin ordnet er an, dass in der Stadt Bologna eine Institution für Studenten geschaffen werden sollte, mit Wohnräumen, einem Garten, Hörsälen und einer Kapelle zu Ehren des heiligen Clemens Martyr. Der Reale Collegio Maggiore di San Clemente degli Spagnoli war mit dreißig Studenten, acht der Theologie, achtzehn des kanonischen Rechts und vier der Medizin das größte Kolleg in Bologna. Die Studenten, die aus spanischen Diözesen stammten, lebten jeweils sieben Jahre im Collegio di San Clemente. Sie sollten bei Beginn ihrer Ausbildung ausreichende Kenntnisse zumindest in Grammatik, für Theologen und Medizinstudenten auch in Logik haben und bedürftig sein. Sie erhielten Unterkunft und Verpflegung, zwei Kleidungsstücke pro Jahr und ein jährliches Stipendium. Der Colegio de San Clemente wurde nach demokratischen Grundsätzen geführt. Jedes Jahr wählten die Stipendiaten den Rektor und die Consiliarii (seine Vertreter und Berater). Wichtige finanzielle Fragen wurden von der Generalversammlung entschieden. Das Patronat des Collegio di San Clemente lag bei den Bischöfen und Domkapiteln der spanischen Diözesen sowie bei zwei Mitgliedern der Familie Albornoz.

Nicht nur die Institution, sondern auch die 1367 fertiggestellten, um einen Arkadenhof gruppierten Gebäude des Collegio di San Clemente in Bologna mit den Räumen der Studenten und der Verwaltung, mit Vorlesungssälen, Diskussionsräumen und einer Bibliothek, galten als Vorbild für Kollegs in Spanien.

Gründung des Colegio Mayor de San Ildefonso Gründe für die Einrichtung des Kollegs Bei seiner Tätigkeit als Generalvikar des Bischofs von Sigüenza und den Visitationen der Gemeinden seiner Erzdiözese war Francisco Jimenez de Cisneros die teilweise unzureichende theologische Bildung auch von Personen in höheren Ämtern der Kirchenhierarchie aufgefallen. Nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Toledo plante Francisco Jimenez de Cisneros eine beispielhafte, vollständige Neugestaltung und Erweiterung der schulischen und universitären Bildung in seinem Erzbistum. Bei der Gründung des Colegio de San Ildefonso ging es ihm darum, eine Bildungseinrichtung zu schaffen, die das geeignete Personal für die Reform des religiösen Lebens in seiner Diözese und im gesamten Königreich Kastilien hervorbringen würde. Ein wichtiges Ziel seiner Bestrebungen war eine Neugestaltung des Theologiestudiums auf der Grundlage der historischen Quellen der Bibel. Francisco Jimenez de Cisneros vertrat die Ansicht, dass die theologische Wahrheit ohne eine genaue Kenntnis der Sprachen, in denen die biblischen Texte ursprünglich verfasst wurden, nicht zu erfassen sei. Einer der Schwerpunkte des Studiums der Bibel sollten Kenntnisse der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprachen werden. Der Colegio Mayor de San Ildefonso in Alcalá de Henares sollte als Zentrum einer Reihe weiterer Bildungseinrichtungen, optimale Studienbedingungen für die zukünftige theologische Elite Kastiliens bieten.

Alcalá als Standort der neuen Bildungseinrichtung Die Stadt Alcalá de Henares lag in der Erzdiözese Toledo. Die Erzbischöfe von Toledo waren Feudalherren der Stadt. Sie besaßen dort einen repräsentativen Palast, der von den Königen von Kastilien häufig als Residenz genutzt wurde. In der Geschichte der Stadt gab es verschiedene Ansätze Bildungseinrichtungen im Rang einer Universität zu schaffen. Im Jahr 1293 förderte König Sancho IV. in Alcalá de Henares die Schaffung von Einrichtungen für ein Studium generale. Im Jahr 1473 richtete der Erzbischof Alonso Carrillo im Franziskanerkonvent Santa María de Jesús die ersten drei Lehrstühle in Alcalá de Henares ein. Hier wurden nicht nur Mitglieder des Ordens ausgebildet. Einer der Lehrstühle war für die Grammatik bestimmt die die Grundlage des Studiums der freien Künste bildete, wobei ein Teil des Unterrichts der Naturphilosophie gewidmet wurde. Der zweite Lehrstuhl befasste sich mit der Logik. Dazu kam ein Lehrstuhl für Theologie. Erzbischof Pedro González de Mendoza fügte im Jahr 1487 neue Lehrstühle für Theologie, Kirchenrecht und säkulares Recht hinzu. Durch die Wahl von Alcalá de Henares als Standort wollte Francisco Jiménez de Cisneros den Einfluss des aristokratisch geprägten Domkapitels und künftiger Erzbischöfe von Toledo auf die Bildungseinrichtung gering halten. Er bestimmte den als Abt bezeichneten Vorsteher des Kapitels der Stiftskirche der Heiligen Justus und Pastor in Alcalá de Henares zum Kanzler der Universität. Der unterstand direkt dem Papst und war daher vom Erzbischof und dem Domkapitel von Toledo unabhängig. Im Gegensatz zu der Bischofsstadt Toledo bot Alcalá de Henares, nach der Stadterweiterung am Ende des 15. Jahrhunderts, ausreichend Platz um den Colegio Mayor de San Ildefonso, weitere 18 von Francisco Jiménez de Cisneros geplante Kollegs und von religiösen Orden und Spendern zu errichtende Bildungsinstitute mit der dafür notwendige Infrastruktur unterzubringen.

Beantragung Im Jahr 1498 wandte sich der Erzbischof von Toledo Francisco Jiménez de Cisneros an die Römische Kurie mit der Bitte, den Colegio de San Ildefonso de Alcalá de Henares, als ein neues Zentrum der universitären Ausbildung in Kastilien, zu genehmigen. In dem Antrag verwies er ausdrücklich auf den Collegio di San Clemente in Bologna und den Colegio San Bartolomé de Salamanca als Vorbilder für die von ihm in Alcalá de Henares geplante Einrichtung. Die Fakultäten Theologie, Kirchenrecht und freie Künste sollten vergleichbar mit den Einrichtungen in Salamanca und Valladolid sein. Die 1508 eingerichtete medizinische Fakultät war 1498 noch nicht vorgesehen. Cisneros verzichtete darauf eine Ausbildung in weltlichem Recht zu beantragen, da er der Ansicht war, dass es in Salamanca und Valladolid bereits genügend Angebote in diesen Fächern gab. Der Stifter wollte die Vollmacht erhalten dem Kolleg eine Verfassung nach seinen Vorstellungen zu geben. Außerdem wurde um den rechtlichen Schutz der neuen Einrichtung, ihrer Gemeinschaft und ihrer Güter gebeten.

Genehmigung Die Antwort aus Rom, vom 13. April 1499 bestand aus drei Urkunden. Die Urkunde Inter cetera richtete sich an Francisco Jiménez de Cisneros. Zunächst wurde diesem genehmigt, das neue Kolleg mit einer angemessenen Zahl von Studenten zu gründen und auszustatten. Dort sollten Theologie, Kirchenrecht und freie Künste gelehrt werden, und zwar so, dass der Schwerpunkt auf der Erneuerung der theologischen Studien liegen sollte, ein Grundsatz, den Francisco Jiménez de Cisneros in dem Antrag hervorgehoben hatte. Zweitens wurde erlaubt an dem neuen Kolleg Lehrstühle zu errichten wie sie in Salamanca und Valladolid bestanden. Drittens wurde Francisco Jiménez de Cisneros ermächtigt, eine Kapelle zu stiften und sie mit entsprechenden Kaplanstellen zu versehen. Viertens erhielt er die Befugnis, Regeln für das Funktionieren der neuen Einrichtung durch eine Verfassung festzulegen. Darin sollte die Leitung des Kollegs, die Auswahl der Studenten, Kapläne und Lehrer sowie deren Einkünfte, Patronate und alle weiteren Umstände die das Leben des Kollegs betrafen, geregelt werden. Schließlich wurden der zukünftige Colegio Mayor de San Ildefonso und seine Gemeinschaft in Bezug auf die Privilegien mit dem Collegio di San Clemente in Bologna und dem Colegio de San Bartolomé in Salamanca sowie mit den Universitäten von Salamanca und Valladolid gleichgestellt.

Von den drei Urkunden, die die päpstliche Kanzlei als Antwort auf den Antrag Francisco Jiménez de Cisneros ausstellte, war die Bulle Etsi cunctos, die sich an die Öffentlichkeit wandte, das formell feierlichste Dokument. Die Bulle enthielt die Regelung des Systems der Verleihung der akademischen Grade. Der Grad des Bakkalaureus sollte von einem der Magister oder Doktoren, die die Lehrstühle des Kollegs leiteten vergeben werden. Bei den Lizenziaten, den Doktoren und den Magistern sollte der Abt der Stiftskirche der Heiligen Justus und Pastor, in seiner Eigenschaft als Kanzler der Universität, mit Unterstützung von drei zu diesem Zeitpunkt in den Fakultäten tätigen Magistern oder Doktoren, die Vergabe nach einer strengen Prüfung vornehmen. In der Bulle wurde die Gleichstellung der Absolventen des Colegio Mayor de San Ildefonso mit den Absolventen der Universitäten von Salamanca, Valladolid, Bologna angeordnet.

Die Urkunde mit dem Titel Militanti Ecclesie war an den künftigen Kanzler der neuen Universität, den Abt der Stiftskirche der Heiligen Justus und Pastor in Alcalá de Henares, an den Dekan des Domkapitels von Sigüenza und an den Leiter der Domschule von Segovia gerichtet. Sie wurden vom Papst als Beauftragte zur Verteidigung des Kollegs eingesetzt, die es gegen Angriffe auf seine Rechte, Privilegien und Güter schützen sollten.

Vorbereitungen für den Betrieb des Kollegs Während Cisneros’ erstem Aufenthalt in Alcalá als Erzbischof, im Juli 1496, wurde das Grundstück für den Bau des Colegio Mayor de San Ildefonso ausgesucht. Der Architekt Pedro Gumiel entwarf den Plan für das erste, sehr schlichte Bauwerk. Am 14. März 1501 legte Francisco Jiménez de Cisneros den Grundstein. Die Arbeiten am Hauptgebäude wurden am 26. Juli 1508 abgeschlossen.

Die Zeit bis zur Fertigstellung des Gebäudes nutzte Francisco Jiménez de Cisneros dazu Lehrer zu suchen, die seinen Vorstellungen im Hinblick auf ihre wissenschaftliche Ausrichtung und Qualifikation entsprachen. Er begann Lehrer in Salamanca, Paris und Rom anzuwerben.