Martin Zimmermann (* 1970 in Wildberg ZH) ist ein Schweizer Bühnenkünstler und Clown.
Biografie
Werdegang Martin Zimmermann wuchs im kleinen Schweizer Dorf Wildberg im Tösstal auf. Der rumänische Jongleur Jacky Lupescu, der im Nachbarsdorf lebte, unterrichtete ihn in Jonglage. Nach dem Schulabschluss machte Zimmermann eine Lehre als Dekorationsgestalter beim Warenhaus Jelmoli in Zürich, wo er gelegentlich mit Jean Tinguely an Schaufenstern arbeitete. Daraufhin absolvierte er in Paris die Hochschule Centre National des Arts du Cirque (CNAC). Mit dem Abschlussstück Le Cri du Caméléon von Josef Nadj war er drei Jahre lang auf Welttournee. Das Stück bedeutete einen wichtigen Meilenstein für die Bewegung des Cirque Contemporain. 1998 liess sich Martin Zimmermann wieder in der Schweiz nieder.
Stil Nach seiner Rückkehr in die Schweiz erarbeitete Zimmermann eine eigene künstlerische Sprache, in der zeitgenössischer Zirkus mit Tanz, Theater und spektakulären Bühneninstallationen verbunden wird. Neben dem Schau- und Unterhaltungswert haftet Zimmermanns Werken häufig auch das Sozialkritische und Lyrisch-Melancholische an. Die Stücke brechen mit gesellschaftlichen Konventionen. Zimmermann wird in den Medien wiederkehrend als «Buster Keaton der Schweiz» bezeichnet. In Keatons Tradition verortet er sich auch selbst: Zusammen mit Grock, Charlie Rivel und Charlie Chaplin gehört er zu Zimmermanns Vorbildern.
Für seine Stücke kreiert Zimmermann skurrile und fremdartige Welten. Oft entnimmt er der Realität alltägliche Dinge und setzt sie in Paralleluniversen, wo sie sonderbar deplatziert und absurd wirken. Kern seiner Arbeit ist der Dialog zwischen dem menschlichen Körper und Objekten mit Eigenleben, welche er meist in einem instabilen und bedrohlich wirkenden Raum aufeinandertreffen und interagieren lässt. Am Anfang seiner multidimensionalen Arbeit steht typischerweise die Entwicklung des Bühnenraums.
Ebenfalls zentral für Zimmermann ist das Kreieren der tragikomischen Figuren, die den Bühnenraum bewohnen. In verschiedenen Prozessen wie jenem der Improvisation schält er die charakterliche Silhouette der Figuren heraus. Das Endprodukt sind meist überzeichnete Charaktere mit extremer Mimik und Gestik, die – so unterschiedlich sie auch seien – den Blick in entscheidenden Momenten auf den gemeinsamen Kern des Menschen lenken.
Kollaborationen 1998 gründete Martin Zimmermann gemeinsam mit dem Tänzer Gregor Metzger und dem Musiker Dimitri de Perrot das Trio und Kollektiv Metzger / Zimmermann / de Perrot (MZdP). Mit ihren Kreationen feierten die drei Künstler internationale Erfolge. 2005 schied Gregor Metzger aus dem Trio aus und Martin Zimmermann entwickelte im Regieduo mit Dimitri de Perrot weitere Stücke. 2016 entschieden sich auch Zimmermann und de Perrot dazu, fortan getrennte Wege zu gehen.
Resonanz Martin Zimmermanns Stücke wurden in Institutionen und Theaterhäusern weltweit aufgeführt, unter anderem im BAM New York, Tokyo Metropolitan Theater, Théâtre de la Ville Paris, Barbican London, Sydney Opera House, Grand Théâtre de Luxembourg, Théâtre Vidy Lausanne, Schauspielhaus Zürich, Hongkong City Hall, Zürcher Theater Spektakel, Festival d’Avignon oder im Kunstmuseum Fondation Beyeler.
Zimmermann gewann mit seinen Bühnenbildern in den Jahren 2008, 2010 und 2011 einen Swiss Design Award. 2021 erhielt er die höchste Schweizer Theaterauszeichnung, den renommierten Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring 2021. Zudem ist er Associated Artist am maisondelaculture de Bourges / Scène Nationale und Artist in Residence am Le Manège / Scène Nationale de Maubeuge.
Privatleben Zimmermann lebt mit seiner Partnerin, der Bühnenkünstlerin, Tänzerin und Choreografin Eugénie Rebetez, in Zürich.
Werk (Auswahl) Bühnenstücke und Inszenierungen Inszenierungen und Choreografien in Zusammenarbeit mit Metzger / de Perrot sind mit einem Stern gekennzeichnet (*) und jene im Duo mit de Perrot mit (**).
Louise (2024), Schauspielhaus Zürich Ciao Ciao (2022), Theater Basel Wonderful World (2022), Tanzfestival Steps – Lokremise St. Gallen Danse Macabre (2021), Zürcher Theater Spektakel Goodbye Johnny (2020), Tanzhaus Zürich Mr. Skeleton (2018), Festival Images Vevey (in Zusammenarbeit mit Augustin Rebetez) Eins Zwei Drei (2018), Théâtre Vidy-Lausanne Bienvenue (2017), Zürcher Theater Spektakel (in Zusammenarbeit mit Eugénie Rebetez) Geduld (2016), Kunsthaus Zürich Der Besucher (2016), Fondation Beyeler, Basel HALLO (2014), Théâtre Vidy-Lausanne Encore (2013), Gessnerallee Zürich (in Zusammenarbeit mit Eugénie Rebetez) Hans was Heiri ** (2012), Théâtre Vidy-Lausanne Gina (2010), Gessnerallee Zürich (in Zusammenarbeit mit Eugénie Rebetez) CHOUF OUCHOUF ** (2009), Palais Moulay Hafid ÖPER ÖPIS ** (2008), Théâtre Vidy-Lausanne GAFF AFF ** (2006), Théâtre Vidy-Lausanne Anatomie Anomalie ** (2005), La ferme du buisson – Marne-la-Vallée JANEI * (2004), La ferme du buisson – Marne-la-Vallée HOI * (2001), Théâtre Vidy-Lausanne GOPF * (1999), Blauer Saal Zürich
Preise und Auszeichnungen
2021: Schweizer Grand Prix Darstellende Künste/Hans-Reinhart-Ring 2021 2013: Fondation Heinz Spoerli Preis 2011: Swiss Design Award in der Kategorie Bühnenbild 2010: Swiss Design Award in der Kategorie Bühnenbild 2010: Kultur-Förderpreis des Kantons Zürich 2009: Schweizer Tanz- und Choreografiepreis 2008: Swiss Design Award in der Kategorie Bühnenbild
Literatur Martin Zimmermann. Mit Texten von Anne Fournier, Thomas Hahn, Catherine Germain, Eugénie Rebetez, Sabine Geistlich, Susanna Koeberle, Hannes Hug, Sandro Lunin, Demis Quadri. Herausgegeben von Paola Gilardi, Anne Fournier, Andreas Klaeui, Yvonne Schmidt. MIMOS Sammelband, Peter Lang, 2022.
Weblinks Martin Zimmermanns Homepage
Einzelnachweise
Kategorie:Darstellender Künstler (Schweiz) Kategorie:Choreograf (Zeitgenössischer Tanz) Kategorie:Bühnenbildner (Schweiz) Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Clown Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1970 Kategorie:Mann