mini|hochkant=1.2|Gartenfassade von Schloss Versailles. Es wurde ab 1668 errichtet, eigentlich angebaut, da ein älteres, miteinbezogenes Jagdschloss den Kern der Anlage bildet. Die Architektur des Barock bildet innerhalb der Kunst des Barock einen Höhepunkt. Die oftmals streng und schwer wirkenden, geschlossenen Baukörper der Renaissance erfahren ab dem 17. Jahrhundert – von Italien ausgehend – eine Veränderung, die vor allem an den Fassaden ablesbar ist. Wenn am Anfang der Entwicklung auch noch eine ähnliche Gliederung wie in der Renaissance herrscht (die einzelnen Stockwerke sind noch durch querverlaufendes Gesims oder Gebälk voneinander getrennt, s. die Fassade von Il Gesù in Rom), setzen sich nach und nach Säulen, Pilaster, Giebel, Fensterbekrönungen und Kuppeln als festlicher Schmuck am Gebäude durch. Reiche Ornamente und eine starke Betonung der Mitte sind die Hauptmerkmale der Architektur, deren Bauteile im Lauf der Zeit in schwingende, konkave und konvexe Formen übergehen.

Die Innenräume werden heller. Ab dem Bau von Schloss Versailles wird es Mode, größere Fenster zu verwenden, die mehr Licht in die Gebäude bringen, das dort sogar noch durch den Einsatz von Spiegeln vermehrt wird. Die Galérie des Glaces (der Spiegelsaal von Schloss Versailles) steht am Anfang der Entwicklung, die sich von Frankreich aus über ganz Europa verbreitet. Zudem kommt die Freude am Spiel mit dem Licht hinzu. Lichteffekte werden eingesetzt, die den Betrachter erstaunen lassen, weil er oft ihren Ursprung nicht erkennen kann. Francesco Borromini war einer der ersten, die sich in der Kirche San Carlo alle Quattro Fontane dieser Kunst bediente. Licht – und auch die raffinierte Perspektive der Kuppel im Innenraum – gelten als frühe Höhepunkte dieser Entwicklung. Sie werden bald vielerorts von Architekten und Baumeistern kopiert. Zum Schmuck der Fassaden und Innenräume werden Plastik und Malerei miteinbezogen, um auf verschiedenste Weise neuerlich Überraschungseffekte hervorzurufen. Der in eine Kirche eintretende und darin verweilende Mensch soll von der Schönheit und Pracht beeindruckt werden, die symbolisch für die Herrlichkeit Gottes stehen.

Ursprung in Italien mini|hochkant|Die Kirche Il Gesù in Rom, die Giacomo Vignola 1568–1584 baute, wird architektonisches Vorbild für etliche nachfolgende Kirchenbauten der Jesuiten Italienische Barock-Architektur nimmt ihren Anfang in Rom, das sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts zum unbestrittenen Mittelpunkt des Kunstgeschehens entwickelt. Alle Architektur in den – früher bedeutenden – Provinzen wurden durch die Bauten Gian Lorenzo Berninis und Francesco Borrominis in kurzer Zeit überholt. Eine Ausnahme bildete Guarino Guarini, der in Messina, Modena und Turin baute und Entwürfe bis nach Lissabon, Paris und Böhmen lieferte.

Rom war die Stadt der Päpste, die dort, weltlichen Fürsten gleich, ihren Ruhm der Nachwelt durch steinerne Zeugen hinterlassen wollten. Papst Paul V. nahm die Fertigstellung von St Peter in Angriff. Carlo Maderno, der wie auch Francesco Borromini aus dem Tessin stammteAxel Christoph Gampp: Schweizer Baumeister und die Barockisierung Europas Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 11. Oktober 2022, schuf das Langhaus und die Fassade zum Petersplatz. Er gilt als der bedeutendste Architekt des römischen Frühbarock, der sich nicht so sehr durch die Erfindung neuer Typen als durch die Auflockerung und Erweiterung der Formensprache auszeichnete. Unter Papst Paul V. Neffen Kardinal Scipione Borghese entstanden der Palazzo Borghese und die Villa Borghese, die weniger durch die Architektur Vasanzios berühmt wurde, sondern durch die reichen Sammlungen ihres Besitzers. Während der Regierungszeit Papst Urbans VIII. wurde unter der Leitung Carlo Madernos, der noch immer als der führende Architekt galt, der Palazzo Barberini errichtet. In seinem Atelier arbeitete auch Francesco Borromini, der erste große Auftrag Papst Urbans VIII. ging aber an Bernini, der das Tabernakel (vermutlich in gemeinsamer Arbeit mit Borromini) über dem Petrusgrab ausführte. Außer dem Papst übernahmen andere kirchliche Institutionen die Rolle der Förderer der Architektur. So schuf Borromini seinen ersten selbständigen Bau mit der Kirche von San Carlo alle Quattro Fontane, deren stark geschwungene Konkav-Konvex-Fassade ein frühes Beispiel der bewegten Fassade darstellt. Der Umbau der Lateranbasilika wurde ebenfalls Borromini übertragen. Für Papst Clemens IX. schuf Bernini kurz vor seinem Tod die Engel der Engelsbrücke. Die Zeit des großen päpstlichen Mäzenatentums war nun aber vorbei, und die Weiterentwicklung der barocken Architektur verlagerte sich nach Frankreich, wo sie unter dem Einfluss Colberts und später König Ludwigs XIV. eine Reglementierung erfuhr und sich in eine andere – die klassizistische – Richtung entwickelte.

Ausbreitung in Europa alt=Katharinenkirche in Graz|mini|Das Mausoleum in Graz, ein früher Zentralbau, den Kaiser Ferdinand II. für sich und seine Familie errichten ließ. Die Erschütterungen des Dreißigjährigen Krieges haben die künstlerische Entwicklung in Zentraleuropa gehemmt, die auch im Heiligen Römischen Reich zunächst unter dem Einfluss italienischer Vorbilder aber auch unter der Vorherrschaft italienischer Künstler und Handwerker stand. Erst im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts treten heimische Künstler hervor, die neue, national beeinflusste Stilvarianten hervorbringen. Ihren Höhepunkt nahm die kunsthistorische Epoche in den römisch-katholischen Ländern, was man an der großen Zahl der neu errichteten Kirchengebäude erkennen kann, während man in protestantischen Gebieten einer strengeren und schlichteren Form anhing und bevorzugt Gotteshäuser aus der Gotik (weiter)verwendete.

Mitteleuropa Unbeeindruckt vom Kriegsgeschehen entstand in Salzburg schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Dom als erstes barockes Gotteshaus nördlich der Alpen. Typisch ist die additive Aneinanderreihung einzelner Bautrakte entlang einer Achse und ihre spannungsreiche Verschränkung mithilfe der Lichtführung. Lang- und Zentralbauten behalten ihren eigentümlichen Charakter bei. Der Zentralbau setzt sich nach und nach bei Mausoleen und bei Wallfahrtskirchen durch, wo er sich besonderer Beliebtheit erfreut und häufig mit einer Kuppel bekrönt wird. Bekannte frühe Beispiele sind die Mausoleen in Graz und in Ehrenhausen, die Dreifaltigkeitskirche Kappl in Waldsassen und die Karlskirche in Volders bei Hall in Tirol. In der profanen Architektur übernimmt ein dominierender Mittelbau, der häufig mit einem Giebel bekrönt ist, die auf das Zentrum ausgerichtete Bewegung. Elias Holl baut als einer der ersten barocke Profangebäude; als sein bedeutendstes Werk gilt das Rathaus in Augsburg. Aber erst mit Andreas Schlüters Berliner Schloss und Fischer von Erlachs Schloss Schönbrunn setzt sich der neue architektonische Gedanke durch. Eine eigenständige Entwicklung bildet das Aneinanderreihen von Höfen bei Klöstern und Schlossanlagen. Sie fand eine besondere Ausformung in der Münchner Residenz; ab 1660 hat man sich beim Ausbau der Hofburg in Wien auf dasselbe Vorbild berufen. In der religiösen Architekt wird, wenn es möglich ist, die Kirche ins Zentrum der Hofanlage gerückt. Vorbild ist die Klosterresidenz des Escorial in Madrid. Eine wichtige Komponente für den zentraleuropäischen Profanbau stellt die Lusthaus-Architektur dar, wie z. B. das Palais im Großen Garten von Dresden oder Schloss Troja bei Prag. Spätbarocke Sonderformen bilden das Friderizianische Rokoko unter König Friedrich II. in Preußen und der Theresianische Stil unter Kaiserin Maria Theresia in Wien.

mini|Schloss Belvedere, Wien mini|Karlskirche, Wien mini|Würzburger Residenz

Der aus Graz stammende und in Salzburg und Wien tätige Johann Bernhard Fischer von Erlach zählt auf dem Gebiet des heutigen Österreich als einer der Vorreiter des national geprägten/= deutschen Barock. Als sein bedeutendstes sakrales Werk gilt die Karlskirche in Wien. Johann Lucas von Hildebrandt (1668–1645) bringt unter dem Einfluss Prinz Eugens von Savoyen, für den er baut, eine französische Note in die Architektur der Kaiserstadt, bestes Beispiel ist das obere Schloss Belvedere, dessen pavillonartige mit Kuppeln bekrönten Bauteile darauf verweisen. Johann Dientzenhofer (1665–1726) und seine Brüder Georg, Christoph, Leonhard, Wolfgang bauten den Dom zu Fulda, Kloster Banz und Schloss Pommersfelden, Johann Balthasar Neumann (1687–1753), der für fünf Bischöfe aus dem Haus der Grafen Schönborn tätig war, und Dominikus Zimmermann (1685–1766), der Meister der Wieskirche, zählen zu den bedeutendsten Baumeistern auf deutschem Gebiet. In und um München entstanden die italienisch inspirierte, dem hl Kajetan geweihte Theatinerkirche und die kurfürstlichen Landschlösser Nymphenburg und Schleißheim. Berühmte barocke Kloster- und Wallfahrtskirchen sind Kloster Banz und die Basilika Vierzehnheiligen, die Wallfahrtskirche Birnau, Kloster Ottobeuren und die Wieskirche, in Österreich Stift Melk, das Jakob Prandtauer errichtete. In der Schweiz wurden (wie in zahlreichen anderen Gebieten) mittelalterliche Klöster barockisiert, wie die Stiftskirche von St. Gallen, Kloster Einsiedeln und Kloster Disentis. In Württemberg entstand das Residenzschloss Ludwigsburg, in Baden Schloss Karlsruhe. Die Fürstbischöfe aus der Familie der Grafen Schönborn waren große Auftraggeber auf fränkischem Gebiet: Sie ließen die Würzburger Residenz, die Neue Residenz Bamberg, die Schlösser Pommersfelden, Werneck und Bruchsal sowie zahlreiche Kirchen errichten. Unter den Stuckateuren gehörten die Handwerker der Wessobrunner Schule im süddeutschen Raum zu den begehrtesten Künstlern, zu denen Johann Baptist Zimmermann (als sein Hauptwerk gilt die Ausstattung der Amalienburg im Nymphenburger Schlosspark) und sein Bruder Dominikus Zimmermann gezählt werden, aber auch der vielseitig begabte Bildhauer, Stuckateur, Altarbauer und Kupferstecher Joseph Anton Feuchtmayer. Er ist der Schöpfer des „Honigschleckers“, eines Puttos in der Wallfahrtskirche in Birnau.

In Sachsen erreichte der Dresdner Barock mit dem Zwinger von Matthäus Daniel Pöppelmann einen künstlerischen Höhepunkt. Auftraggeber war August der Starke, sächsischer Kurfürst und König von Polen. Dieser war zum Katholizismus konvertiert und verhalf dem süddeutsch-italienisch geprägten Barock im nördlichen Deutschland zum Durchbruch; in seinen späten Jahren entstanden auch vom französischen Barock beeinflusste Bauten. Augusts opulente Festkultur, für die der Zwinger als eine von vielen Kulissen diente, orientierte sich an derjenigen Ludwigs XIV. in Versailles, die er auf seiner Grand Tour erlebt hatte. Für den preußischen König Friedrich I. schuf Andreas Schlüter (1660–1714), der in Warschau gelernt hatte, das Berliner Schloss und Jean de Bodt, der später in Dresden wirkte, das Zeughaus. Auch das Friderizianische Rokoko, nach König Friedrich II. von Preußen benannt (dazu zählen Sanssouci, das Potsdamer Stadtschloss, das Neue Palais sowie die Staatsoper Unter den Linden) wurde von Dresdner Vorbildern und Handwerkern geprägt. Über das seit 1741 eroberte Schlesien flossen auch böhmisch-österreichische Vorbilder in Preußen ein. Im Thüringer Raum, vor allem in Weimar, wurde Gottfried Heinrich Krohne im Barock und Spätbarock mit Bauten wie dem Eisenacher Stadtschloss tonangebend. In Leipzig war Friedrich Seltendorff der prägende Architekt. Er schuf die Barockfassade des Gewandhauses. In Norddeutschland entstand mit dem Großen Garten zu Herrenhausen in Hannover ein idealer Barockgarten. Die Hauptkirche Sankt Michaelis in Hamburg zählt neben der Dresdner Frauenkirche zu den bedeutendsten protestantischen Barockkirchen.

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