Das Oberamt Oberkirch war in napoleonischer Zeit eine Verwaltungseinheit im Land Baden. Es bestand von 1803 bis 1807.
Entstehung mini|Herrschaft Oberkirch um 1750 Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 konnte die zum Kurfürstentum aufgewertete Markgrafschaft Baden erhebliche Gebietsgewinne verzeichnen. Deren Regierung erließ daraufhin kurz nacheinander mehrere Organisationsedikte, von denen zwei die neue Verwaltungsstruktur des Landes festlegten. Im dritten von ihnen wurde das Land in drei Provinzen untergliedert, im sechsten die darunter gelagerte Ebene behandelt. Für den geographisch gesehen mittleren Bereich, rund um die historischen Zentren Baden-Baden und Baden-Durlach, war es die Provinz der Markgrafschaft, auch Badische Markgrafschaft genannt. Es folgte, neben einer Obervogtei, die Ausweisung von vier Landvogteien. Letzteren wurden jeweils mehrere Ämter zugewiesen. Bis zur Errichtung dieser Landvogteien wurden übergangsweise Oberämter eingerichtet, die Teile der künftigen Landvogteien umfassten. Für den Bereich der Landvogtei Yberg, der insgesamt sechs Ämter zugeordnet wurden, waren es die Oberämter Bischofsheim, Yberg und Oberkirch.
Den Kern des Oberamtes Oberkirch bildete die vom Hochstift Straßburg zu Baden gekommene Herrschaft Oberkirch ohne die Gegend um Sasbach, die dem Oberamt Yberg zugeteilt wurde. Hinzu kam das altbadische Amt Staufenberg. Das Oberamt hatte einen doppelten Sitz in Oberkirch und Renchen.Sechstes Edikt zur kurfürstlich-badischen Landesorganisation von 1803, die exekutive Landesadministration betreffend: Abschnitt zum Oberamt Oberkirch. Dementsprechend untergliedert wurde es in die Ämter Oberkirch und Renchen.
Leiter der Verwaltung Der mit der Leitung als Landvogt beauftragte Franz von Lassolaye hatte zuvor in gleicher Funktion in straßburgischen Diensten gestanden.Handbuch für Baden und seine Diener, Heidelberg 1846, S. 49.
Weitere Entwicklung Da es nicht zur Errichtung der Landvogtei kam, blieb das Oberamt zunächst bestehen. 1807 wurde es, wie auch die bestehenden Landvogteien, aufgelöst. Das Amt Renchen wurde aufgeteilt zwischen dem neu errichteten Obervogteiamt Achern und dem nun als Oberamt titulierten Amt Oberkirch. Die nun als Vogtei Durbach bezeichnete frühere Herrschaft Staufenberg kam zum Bezirksamt Offenburg. Oberkirch wurde eigenständig und war nun direkt der Ebene der Provinzen unterstellt.General-Ausschreiben über die Eintheilung des Großherzogthums Baden in Bezirke, veröffentlicht am 7. Juli 1807 im Regierungsblatt des Großherzogtums Baden, Jahrgang V, Heft 23, S. 98.
Zum neuen Amt Oberkirch kam außerdem der noch fehlende Anteil am Ort Fernach.General-Ausschreiben über die Eintheilung des Großherzogthums Baden in Bezirke, veröffentlicht am 7. Juli 1807 im Regierungsblatt des Großherzogtums Baden, Jahrgang V, Heft 23, S. 98. Er hatte zur vorderösterreichischen Landvogtei Ortenau gezähltEugen Hugo Theodor Huhn (Hg.): Topographisches Universallexikon vom Großherzogthum Baden. Karlsruhe 1843, Sp. 379 (Digitalisat). und war erst mit dem Pressburger Frieden zu Baden gekommen. In Umsetzung des Novemberedikts von 1809 wurde das Amt Oberkirch Anfang 1810 dem neu errichteten Murgkreis zugeteilt. Die ursprünglich vorgesehene Abtretung des vom Amt Renchen gekommenen Teils zu dessen Wiederherstellungen unterblieb.Beilage A zum Organisationsrescript vom 26. November 1809, veröffentlicht im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt am 9. Dezember 1809, S. 410, sowie die korrigierende Verordnung hierzu, veröffentlicht am 3. Februar 1810 im Großherzoglich-Badischen Regierungsblatt, Heft V, S. 39–40.
Die genannten Ämter Achern und Oberkirch entwickelten sich später zu Bezirksämtern, nämlich dem Bezirksamt Achern und dem Bezirksamt Oberkirch. 1936 wechselte der zum Bezirksamt Achern geschlagene Teil zum Bezirksamt und späteren Landkreis Kehl. Zugleich wurde Oberkirch aufgelöst, kam zum Bezirksamt Offenburg und so 1939 zum Landkreis Offenburg. Seit der Kreisreform 1973 sind die verschiedenen Teile des ehemaligen Oberamtes unter dem Dach des Ortenaukreises wieder vereinigt.
Literatur Das Oberamt Oberkirch in: Johann Wilhelm Schmidt: Geographisch-statistisch-topographische Beschreibung von dem Kurfürstenthume Baden, Band 1: Die badische Markgrafschaft, Karlsruhe 1804, S. 244–263. Historischer Atlas von Baden-Württemberg, online verfügbar bei LEO-BW, Blatt VI.13: Herrschaftsgebiete und Ämtergliederung in Südwestdeutschland 1790, Beiwort von Michael Klein. Abschnitt zum Oberamt Oberkirch im Kur-Badischen Hof- und Staats-Calender für das Jahr 1805, S. 138–141.
Einzelnachweise
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